Выбрать главу

»Für uns ist er selten ein Unglücksbote«, antwortete Scathelock, »aber ich bin sicher, der Abt von St. Anna, nachdem er seinen Pächtern eine schwere Schenkung abgeschunden, oder ein königlicher Vogt, beladen mit schönen .freiwilligen' Gaben, oder der Einnehmmer des Grafschaftsbeamten von Nottingham würden den Anblick von Robins sonnverbranntem Kopf und seinen kräftigen Armen nicht eben für die angenehmste Erscheinung halten, die ihnen zwischen Nottingham und Doncaster begegnen könnte.«

»Gut, gut«, erwiderte der andere. »Wenn er die Geldstolzen und die Habsüchtigen erschreckt, so hat dagegen sein Schritt auf der Schwelle der Armen und Unterdrückten keinen schlimmen Laut, Scathelock!«

»Stoßt in Euer Horn, Tom of the Lane!« rief Scathelock. »Er kann uns nicht sehen, obwohl wir ihn schon erspäht haben.«

Es dauerte noch etwa zehn Minuten, bis Robin Hood und seine beiden Begleiter vor der Anhöhe auftauchten. Er begrüßte alle herzlich und mit fröhlichen Worten. Aber wenn auch keine Falte seine Stirn zusammenzog, war doch leicht zu sehen, daß seine Stimmung nicht heiter war.

»Nun«, sagte er, sich mit seinen Begleitern neben die zwei Edelleute setzend, »was habt Ihr denn hier zu essen? Wir drei sind elend hungrig und durstig dazu. Ein fetter Wildschweinskopf und eine Trappe, kaum berührt! Bei meinem Leben! Ein Abendessen für einen Kaiser! Aber, mein Lord, es scheint, Ihr seid noch nicht fertig?«

»Wir waren beinahe mit unserem Essen zu Ende«, sagte der alte Graf. »Doch an einem Abend wie diesem verlängert man gern die Mahlzeit mit Gesprächen, guter Robin. Es ist auch noch ein guter Vorrat von des Priors Wein unter der Anhöhe. Scathelock hat sich, scheint es, vorgenommen, uns lustig zu machen.«

»Daran tut er recht«, versetzte Robin. »Der König kann die Leute reich und adlig machen; aber nicht jedermann kann sie so leicht lustig machen. Ich wollte, ich könnte es.«

»Ihr scheint traurig, Robin«, bemerkte Hugh de Monthermer. »Wenn Ihr mir schlechte Kunde bringt, laßt sie mich besser gleich hören.«

»Gute oder schlechte, wie Ihr es nehmt«, antwortete Robin Hood. »Aber zum Teil sind sie leidig genug für jedes Ohr.«

»So sprecht denn!« sagte Hugh de Monthermer. »Der Stachel schlimmer Nachricht ist die lange Ungewißheit, Robin. Die Last trägt sich leicht, wenn sie einmal aufgepackt ist. - Sie glauben bei Hofe meiner Aussage nicht?«

»Doch«, antwortete Robin Hood. »Der Prinz, wie ich höre, hat Euch Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er kam sogleich von Derby herüber, und ich sorgte dafür, daß Euer Brief ihm ohne Verzug zukam. Keine zwölf Stunden nach dem Zeitpunkt, da Euer Kopf fallen sollte, wurde das Urteil aufgehoben und Ihr für unschuldig erklärt.«

»Ist das die Handhabung und Pflege des Rechts unter Heinrich dem Dritten?« sagte der alte Graf bitter. »Das Leben eines Peers von England ist ein Spielzeug in eines Königs Händen. - Das wird sich von selbst rächen!« 

»Ha!« rief Robin Hood mit einer gewissen kummervollen Ungeduld in der Stimme. »Auch andere haben ihr Spiel getrieben mit dem Leben von Peers. Ist Euch die Nachricht noch nicht zugekommen, daß Lindwell-Castle einen neuen Herrn hat?« 

Hugh de Monthermer fuhr mit einer Miene ungläubigen Staunens auf. »Tot?« rief er. »Der alte Graf von Ashby tot?«

»Ja, wahrhaftig«, antwortete Robin Hood. »Ermordet, so heißt es, bei dem Bullen-Weißdorn unterhalb von Lindwell-Green, nicht weit von der Grenze zu Thornywood. - Ihr kennt den Platz, mein Lord?«

»Recht gut«, antwortete Hugh de Monthermer. »Aber ist es gewiß, Robin?«

»Nichts ist gewiß«, versetzte der Geächtete bissig. »Nichts ist gewiß in dieser Welt, soviel ich weiß. Aber diese Neuigkeit ist leider im ganzen Lande verbreitet, und wie ich diesen Morgen an Southwell vorbeikam, hörte ich auf dem Rasenplatz eine Verkündigung ausrufen, diesen traurigen Mord betreffend.«

»Das ist höchst seltsam«, sagte Hugh. »Solche Dinge werden uns noch an allem verzweifeln lassen. Während Narren und Schurken zu Ehren emporsteigen, werden ehrliche Leute in den Sherwood getrieben, um bei den Tieren des Waldes zu hausen, und rechtschaffene Männer werden vor den Toren ihres eigenen Schlosses ermordet. Wer kann das getan haben, Robin? Wißt Ihr es?«

»Ich weiß es recht gut«, versetzte Robin Hood. »Richard de Ashby hat es getan. Und diese niederträchtige Bestie - teils Wolf, teils Fuchs, teils Schlange - weiß den Verdacht der blutigen Tat auf einen anderen zu schieben. Aber er soll sich getäuscht finden, wenn man meinem Rat folgt! Ich will dafür sorgen; denn ich habe mir eine Schuld vorzuwerfen bei dieser Sache. Ich war von dem Plan in Kenntnis gesetzt und hätte ihn vielleicht vereiteln können. Aber über anderen Dingen vergaß ich es und kam zu spät.«

»Ja«, sagte Hugh de Monthermer, »es konnte kein anderer sein. Aber wie wollt Ihr ihn der Strafe zuführen, Robin?«

»Das muß Eure Aufgabe sein«, versetzte Robin Hood. »Ich will seine Schuld beweisen, Ihr aber müßt ihn strafen.«

»Das will ich!« rief Hugh de Monthermer aufspringend. »Ich will ihn der Tat anklagen und ihn auffordern, sich mit den Waffen zu rechtfertigen.«

»Das ist nicht nötig«, antwortete Robin Hood trocken. »Er klagt Euch an!«

»Mich?« fragte Hugh de Monthermer ungläubig.

»Was? Meinen Neffen?« rief der alte Graf empört.

»Jawohl«, versetzte der Geächtete, »und mit scheinbar unumstößlichen Beweisen! Richard hat, wie ich hörte, einen Brief gefälscht und ohne Zweifel auch falsche Zeugen gedungen. Ich bin nicht imstande gewesen, genauer zu erfahren, wie er diese neue Tücke eingeleitet und angelegt hat. Aber, was ich Euch eben erzählen wollte, meine guten Lords: Auf dem Rasenplatz von Southwell sah ich diesen Morgen einen Beamten des Königs mit verschiedenen Gewappneten. Ich blieb unter der Volksmenge stehen, die lachte, als sie Robin Hood, den Geächteten, den Räuber, den Mörder von vielem Wildbret, den königlichen Beamten gegenüberstehen sah, und hörte so die Verkündigung ausrufen: ,Kund und zu wissen männiglich, daß Hugh de Monthermer, Lord von Amesbury und Lenton, angeschuldigt ist, auf starken Verdacht hin, verräterischer- und böslicherweise umgebracht zu haben William, Grafen von Ashby, und daß er deshalb geladen wird, zu erscheinen vor dem König in Nottingham, sich zu reinigen von besagter Anschuldigung durch gerichtliche Untersuchung, Eid, Gottesurteil oder Zweikampf, nach seiner Wahl, gemäß den Gesetzen des Königreichs und des Rittertums.' - So lauten die Worte.«

»Und sonderbar genug sind sie«, sagte der alte Graf. »Die Form weicht etwas ab von der üblichen Art, und der Name des Anklägers ist nicht genannt.«

»Alles ist jetzt aus seinem Geleise«, versetzte Robin Hood, »und dies ist eben wie das übrige. Aber es macht nichts - es läuft am Ende auf eines hinaus.«

Hugh de Monthermer stand, die Arme übef der Brust gekreuzt, da, in Nachsinnen versunken.

»Der Schurke!« sagte er endlich. »Der Schurke! Aber er soll den Tag noch bereuen. - Ich will sogleich fort, Robin, und ihm entgegentreten, ehe die Welt einen Tag älter wird. Wenn meine Rechte mich im Stich ließe gegen Richard de Ashby, müßte mein Gewissen in Wahrheit schlecht sein. Ich will sogleich fort; eine solche Anklage darf ich nicht eine Stunde länger als nötig auf mir liegenlassen.«

»Nein, mein guter Lord!« rief Robin Hood. »Setzt Euch nieder und laßt Euch von mir belehren. - Übereilung kann alles verderben. Ich habe den Schlüssel schon in meiner Hand, und obgleich ich hoffe und vertraue, Eure Lanze eine Armeslänge durch den Verräter hindurchgerannt oder Euer gutes Schwert in seiner lügenhaften Kehle zu sehen, verspreche ich doch, daß Ihr außerdem die Mittel in die Hand bekommen sollt, jedermann zu beweisen, daß nicht nur Ihr unschuldig seid, sondern er selbst der Mörder ist. Fürs erste also dürft Ihr nicht an den Hof von England gehen ohne sicheres Geleit. Mich dünkt, Ihr solltet das nun schon aus Erfahrung wissen.«