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»Aber wer sagt dir, daß du sie finden wirst?« unterbrach sie Dighton erregt.

»Gottes Wort«, versetzte Kate, »und ein guter Priester sagen mir beide, daß, wenn ich aufrichtig daran arbeite, die Unschuldigen zu verteidigen, ich gewiß Gnade erlangen werde.« 

»Hat ein Priester das gesagt?« fragte Dighton, und ein Strahl der Hoffnung flog über sein Gesicht. »Schicke nach diesem Priester, schnell! Er gibt mir vielleicht Trost!«

Kate zögerte einen Augenblick mit der Antwort, die Augen zur Erde geheftet, und sagte dann langsam: »Es wäre hart, dir die einzige Hoffnung auf Vergebung vorzuenthalten, und doch...«

»Was doch?« rief er ungeduldig. »In Gottes Namen, Weib, ich beschwöre dich .. .«

»Willst du tun, was der Priester dich tun heißt?« unterbrach sie ihn.

»Ja!« schrie er. »Ich will alle Arten von Buße tun.«

»Selbst wenn er dir gebietet, ein Geständnis abzulegen...«

»Ja, ja!« fiel der Mann ein. »Das ist es, wonach mich verlangt. Mich verlangt zu beichten.«

»Es müßte aber«, fuhr Kate Greenly eindringlich fort, »nicht eine bloße Beichte für das Ohr des Priesters sein, der an sein Beichtgeheimnis gebunden ist, sondern ein Geständnis, das den Unschuldigen retten, den Schuldigen der Gerechtigkeit überliefern kann!«

»Nein!« schrie Dighton abwehrend. »Ich will Ellerby nicht verraten. Wenn ich Richard de Ashby einen Stein auf den Kopf legen könnte, um ihn noch tiefer in die Hölle sinken zu machen, ich würde es tun. Aber Ellerby mag ich nicht verraten.«

»Nun gut«, sagte sie schroff. »So müßt Ihr eben sterben, wie Ihr gelebt habt. - Ich kann nichts für Euch tun.«

»So pack dich denn!« schrie der Mann. 

Kate Greenly ging entschlossen zur Tür, wandte sich aber noch einmal um und sagte: »Ich bin in dem Zimmer unten. Wenn du dich entschließen willst zu einer Handlung der Reue und Sühne, so stoße nur mit deinem Schwert auf den Boden, es steht zu Häupten deines Bettes. Ich werde dann zu dir kommen mit dem Priester.«

Dighton gab ihr keine Antwort, und Kate Greenly ging hinaus, die Tür schließend und verriegelnd. Sie blieb oben an der Treppe nachsinnend stehen und murmelte: »Was soll ich tun? Er darf nicht sterben ohne Geständnis. Vielleicht könnte Pater Markus ihn bereden. Aber der wird nicht vor morgen früh kommen. Es ist jetzt fast acht Uhr. Ich will noch eine Weile warten - die Einsamkeit vermag viel über das menschliche Herz.« Und sie stieg die Treppe hinab und trat in das Zimmer unten.

Eine halbe Stunde verstrich, ohne daß Kate den mindesten Laut hörte, und sie saß da, ins Feuer starrend, außerstande, sich mit gleichgültigen Dingen zu beschäftigen. Sie fing an zu fürchten, der Mörder könnte verhärtet bleiben, und war schon aufgestanden, da sie dachte, es werde das beste sein, sofort nach Pater Markus zu schicken. Gerade hatte sie drei Schritt gegen die Tür gemacht, als oben ein paar Stöße gegen den Boden erfolgten. Darauf fiel ein Stück Metall dröhnend nieder, als wenn das schwere Schwert den schwachen Händen des Verwundeten entglitten wäre.

Rasch lief Kate hinauf, stieg nach einigen Minuten wieder herunter, und ehe eine halbe Stunde verstrichen war, saß der alte Pater Markus neben dem Sterbebett. Kate Greenly kniete und hatte Papier vor sich liegen, auf dem sie Dightons Geständnis mit seinen eigenen Worten niederschrieb. 

XXXVI

DER KÖNIG und Prinz Edward standen in der großen Schloßhalle, im Begriff auszureiten. Verhältnismäßig wenige Begleiter waren um sie, und eine lebhafte, aber geistlose Lustigkeit lag in des Königs Gesicht, als er jetzt mit einem fürchterlich verwachsenen Hofnarren spaßte, der, mit spöttischer Pracht herausstaffiert, an seiner mißgestalteten Person mehr Bänder, Federn und Spitzen zur Schau trug, als der ganze übrige Hof zusammen. Voll Bosheit, Witz und Unverschämtheit, war er vertraut mit jeder üblen Nachrede und Lästerung, mit jedem plumpen Spaß und jeder anstößigen Geschichte des Hofes und unterhielt damit den König in seinen müßigen Stunden, wenn dieser nicht in der Gesellschaft seiner ausländischen Günstlinge Unterhaltung suchte.

Die Stirn Edwards dagegen war finster und trüb. Viele Dinge waren seit dem Sieg von Evesham gegen seine Wünsche gegangen; sein Vater schien entschlossen, keine der Zusagen zu erfüllen, die er den patriotischen Edelleuten, welche die königliche Sache unterstützt hatten, gegeben, und obgleich Edward die kindliche Achtung gegen seinen Vater nicht in dem Maße minderte, wie ihm vielleicht seine hohen Absichten und seine großen Taten das Recht gegeben hätten, konnte er doch nicht umhin, seine Mißbilligung deutlich in seiner Miene kundzutun.

Der König war von seinen Gemächern heruntergekommen, ehe noch seine Pferde in den Hof geführt worden waren. Als nun die Tür am entgegengesetzten Ende des Saales sich öffnete, machte er einige Schritte in jene Richtung, gefolgt von den ihn umgebenden Herren, in der Meinung, daß Leute von seiner Bedienung kämen, ihn zu benachrichtigen, daß die Pferde für den Ausritt bereitstünden.

Zwar zeigten sich wirklich zwei von den königlichen Dienern, aber hinter ihnen sah man die kraftvolle Gestalt Hugh de Monthermers, begleitet von dem alten Ritter Sir John Hardy auf der einen und einem Pagen auf der anderen Seite. Er schritt rasch durch den Saal, und ehrerbietig vor dem König und dem Prinzen sich verbeugend, sagte er:

»Ich bin gekommen, Euer Gnaden, gemäß dem mir zugesicherten freien Geleit, mit einem Mann, der erfahren genug in Waffentaten ist, um mein Pate und Zeuge im ritterlichen Kampf zu sein, sowie mit fünfundzwanzig Begleitern. Ich will meinem Ankläger Angesicht in Angesicht gegenübertreten, seine Anklage für falsch erklären vor Gott und den Menschen und mit ihm kämpfen nach dem Gesetz der Waffen. Ich bitte Euch, gnädiger Herr, laßt mich wissen, wer mein Ankläger ist?«

»Ich!« antwortete jemand hinter dem König, und Alured de Ashby trat vor an Heinrichs Seite. »Ich bin es, Alured de Ashby, der Euch, Hugh de Monthermer, anklagt, verräterischer- und böswilligerweise umgebracht zu haben William de Ashby, meinen Vater. Ich stelle mich unter die Entscheidung des Himmels, und Gott schütze das Recht!«

Hugh de Monthermer war sehr blaß geworden. Seine Lippen zuckten, seine Augen blickten verstört, und ein paar Sekunden blieb er stumm. Endlich jedoch erwiderte er:

»Ihr tut mir bitteres Unrecht, Alured de Ashby! Ihr solltet mich besser kennen.«

»Wieso?« fragte sein Gegner. »Es liegt starker Verdacht gegen Euch vor.«

»Den ich im Nu zerstreuen kann«, sagte Hugh de Monthermer. »Aber selbst wenn zehnmal stärkerer Verdacht vorläge, solltet Ihr, sage ich, am wenigsten unter allen Menschen ihn aufnehmen.«

»Wie blaß er geworden ist!« bemerkte einer der Höflinge in der Nähe, laut genug, daß Hugh es hören konnte.

»Ja, Sir, ich werde blaß«, versetzte Hugh, den Sprecher finster musternd. »Ich werde blaß, weil ich finde, daß ein Mann, gegen den ich zuallerletzt das Schwert ziehen möchte, es ist, der mich durch einen falschen und grundlosen Verdacht zwingt, es doch zu tun. - Alured de Ashby, Ihr wißt recht gut, als Ihr Euren Namen als den meines Anklägers verschweigen ließet, daß keine Ausforderung mich vermögen würde, meine Hand in das Blut des Bruders Eurer Schwester zu tauchen.«

»Das war der Grund, warum ich ihn verschweigen ließ«, antwortete Alured kurz.

»Hättet Ihr dann nicht ebenso wissen sollen«, fragte Hugh mit Schärfe, »daß derselbe Grund meinen Arm, und wäre er schon aufgehoben gewesen, noch mehr hätte abhalten müssen, das Blut ihres Vaters zu vergießen? Ihr wißt das, Alured de Ashby - in Eurem Herzen wißt Ihr das wohl!«