Выбрать главу

»Nein, nicht das meinte ich«, sagte Edward. »Ich wollte fragen, wie Ihr so übereilt die Entscheidung durch die Waffen fordern konntet, während ich erwartete, Ihr würdet gehörige Untersuchung und richterliches Urteil nach den Gesetzen verlangen?«

»Ith bin getäuscht worden, mein Lord«, versetzte Hugh. »Sogar Lucy war der Meinung, Richard de Ashby sei mein Ankläger. Ich wußte gar nicht, daß Alured zurückgekommen; sonst hätte ich freilich vermutet, daß er den Kampf selbst aufnehmen würde, mochte er nun der Anklage Glauben schenken oder nicht.« 

»Daß Richard der eigentliche Ankläger ist und seinen Vetter nur vorgeschoben hat, daran kann kein Zweifel sein«, sagte der Prinz. »Dennoch wart Ihr zu hastig, und ich weiß jetzt nicht, was geschehen kann, Euch zu helfen. Wer kann beweisen, was Ihr getrieben habt an dem Tage, als das Verbrechen verübt wurde?« 

»Geächtete und Verbannte, sonst niemand, mein Lord; Zeugen, deren Aussagen nicht gegeben oder nicht angenommen werden können. Aber ich möchte Euch bitten, mich wissen zu lassen, welche Verdachtsmomente gegen mich sprechen.«

»Der Anschlag ist mit Geschick angelegt«, antwortete Edward. »Die Beweise sind vielfach - aber Ihr sollt das Ganze hören.«

Hugh folgte aufmerksam dem Bericht des Prinzen. »Gut angelegt, in der Tat, mein Lord«, sagte er dann nach einer Pause. »Aber gar zu verwickelt, um den Zweck zu erreichen. War denn niemand, Sir, der etwas zu meiner Verteidigung zu finden vermochte?«

»Ja«, antwortete Edward, »es fand sich jemand, und zwar sie, die Ihr liebt. Sie trat vor, um Euch Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Sie tilgte selbst in den Gemütern Eurer Feinde zum Teil den Verdacht und bewies, daß die eine Hälfte der Angaben falsch, die andere mehr als zweifelhaft sei.« 

»Teures Mädchen!« rief Monthermer. Dann, Edward prüfend ins Gesicht schauend, fragte er: »Soll meine Hand ihres Bruders Blut vergießen?«

»Überdies«, fuhr der Prinz, die Frage nicht beachtend, fort, »sprach sie ihre Überzeugung aus, daß der wirkliche Mörder auf Euch Verdacht geworfen habe, um sich zu decken.«

»Der Anschlag, mein Lord, geht noch weiter«, setzte Hugh de Monthermer seine Überlegungen fort, »oder ich müßte sehr blind sein. Hat Lucy gesagt, wen sie für den Schuldigen hält?«

»Sie wollte es in der Gegenwart des Hofes nicht einmal andeuten; aber inzwischen hat die Prinzessin ihr unter der Hand das Geheimnis entlockt. Wir hegen übrigens denselben Argwohn. - Und Ihr? Habt auch Ihr einen bestimmten Verdacht?«

»Verdacht, mein Lord?« rief Hugh leidenschaftlich aus. »Ich hege nicht nur einen Verdacht, bei mir ist es Gewißheit. Sagt selbst: Wäre es nicht ein wohlausgesonnener Anschlag - vorausgesetzt, daß zwischen einem gewissen Mann und einem großen Vermögen, nebst der Hand der liebenswürdigsten Lady im Lande, ein Vater, ein Bruder und ein Geliebter stünden -, den alten Mann heimlich umzubringen und den Sohn anzustiften, daß er den Verlobten der Tochter des Verbrechens beschuldige, um einen Kampf zwischen beiden herbeizuführen, in der Hoffnung, des Bräutigams wohlbekannte Lanze werde gleichzeitig beide Hindernisse wegräumen, indem sie mit der Tötung des einen zugleich jede Hoffnung des anderen auf eine Heirat mit dem Fräulein im Blute des Bruders ersticke? So wären Vater, Bruder, Geliebter allesamt beseitigt, Ländereien und Lordschaft sein und das Fräulein seiner Willkür preisgegeben. Versteht Ihr mich, mein Lord?«

»Wohl!« antwortete der Prinz. »Ihr meint also ...«

»... Richard de Ashby, mein Lord, und wenn der Tag für diesen Kampf nicht so zeitig anberaumt worden wäre, so würde ich, gemäß einem mir gegebenen Versprechen, binnen acht Tagen Zeugnisse bekommen haben, die dem Verbrecher seine tückische Bosheit bewiesen hätten.«

Edward überlegte die Möglichkeit, den Kampf aufzuschieben. Ein gerichtlicher Zweikampf war zu jener Zeit aber eine Angelegenheit, in die sich selbst ein Prinz nicht einmischen durfte. Er sah deshalb keine Möglichkeit, den Tag oder auch nur die Stunde des Kampfes zu verlegen, wenn nicht ein unvorhergesehener Umstand eintrat, der eine solche Änderung motivierte. Sonst, wußte er, würde die ganze Ritterschaft Europas sein Verfahren verurteilen, und das war eine Stimme, der selbst er sich nicht entgegenstellen durfte.

»Es ist dumm«, sagte er, »daß der Tag so bald angesetzt wurde, daran läßt sich nichts mehr ändern. Aber seid Ihr fest überzeugt, daß Ihr binnen acht Tagen Beweise aufbringen könnt, die die Schuld dieses Elenden klar dartun?«

»Ganz gewiß«, versetzte Hugh de Monthermer. »Ich habe das Wort eines Mannes, der mich noch nie enttäuschte - das Wort eines Mannes, der nie leichtsinnig und unbedacht spricht.«

»Und wer ist das?« fragte Edward.

Ein schwaches Lächeln flog über das Gesicht Hugh de Monthermers. »Es ist einer von des Königs Geächteten«, antwortete er, »aber doch kann man sich auf sein Wort verlassen.«

Der Prinz sann eine kleine Weile nach und sagte dann zögernd: »Es ist wahrscheinlich, daß die Geächteten im Walde etwas von der Sache wissen. Glaubt Ihr, daß sie daran beteiligt sind?«

»Was? Bei dem Mord?« rief Hugh de Monthermer empört. »O nein, mein Lord! Wollte Gott, Ihr hättet so ehrliche Männer in Nottingham-Castle, wie es sie im Sherwood gibt!«

»Ihr seid bitter, Hugh, aber vielleicht habt Ihr recht«, versetzte der Prinz nachdenklich. »Ich bin dafür, daß Ihr schleunigst zu diesen Leuten schickt und sie bitten laßt, ohne Verzug alle Beweismittel, die in ihren Händen sind, Euch mitzuteilen. Wenn dabei irgendein Zeugnis an den Tag kommt, daß Richard de Ashby das Verbrechen begangen hat, so werde ich dem Kampf Einhalt gebieten. Aber wenn ich meine Sache nicht beweisen kann, darf ich das nicht wagen.«

»Der Beweis wird, denke ich, herbeigeschafft werden können, mein Lord. Ich will augenblicklich jemand fortschicken, wie Ihr mir ratet. Alles, was ich an Zeugnissen bekomme, will ich dann in Eure Hand geben.«

»Gut! Ich muß Euch jetzt aber verlassen. Ihr seid natürlich zum Nachtessen des Königs geladen. Zeigt, ich bitte Euch, ein ruhiges und festes Auftreten, damit Eure Feinde nicht triumphieren. Euer Ankläger ist nach Lindwell zurück, und Edwards Freund darf nicht niedergeschlagen scheinen.«

Edward erhob sich, aber ehe er ging, sagte er noch leise: »Ohne Zweifel wißt Ihr, daß die Dame Eurer Liebe hier ist - ja, hier in Nottingham-Castle, bei der Prinzessin Eleonore. Natürlich zeigt sie sich in diesen Tagen der Trauer nicht am Hof; aber wenn es möglich ist, will ich es einzurichten suchen, daß Ihr sie seht. Mich dünkt, die Gesetze der Ritterschaft verlangen das so!«

»Ich würde sie gern sehen, und keiner, der des Ritters Schwert und Sporen trägt, würde wagen, mir das zu verweigern. Muß ich ihr nicht dartun, daß dies nicht mein Werk ist, daß ich für den Tod ihres Bruders sowenig verantwortlich bin wie die Lanze, die ihn durchbohrt? Ja, mein Lord, ich muß sie sehen!«

»Das sollt Ihr«, versetzte Edward, »aber nicht heute abend. Lebt wohl für jetzt!«

XXXVII

ZWEI TAGE vor dem für die Waffenentscheidung festgesetzten Morgen war ganz Nottingham in Aufregung und gespannter Erwartung. Durch den Aufenthalt des Königs auf dem Schloß waren ohnehin mehr Menschen in der Stadt, als das gewöhnlich der Fall war. Aber jetzt strömte eine noch viel gewaltigere Menge von Neugierigen herbei, um Zeuge des Zweikampfes zu sein, wobei aller Pomp und Glanz des kriegerischen Gepränges jener Zeit entfaltet wurde.

Hugh de Monthermer hatte von seinen Freunden im Walde keine Nachrichten erhalten, keine Umstände waren ihm bekannt geworden, mit denen er seine Unschuld beweisen konnte. Prinz Edward war sichtlich besorgt, und der einzige Mensch, der an dem unglücklichen Handel Freude zu haben schien, war der König selbst, der, eine würdevolle Anmut und Ruhe heuchelnd, erklärte, er betrachte den jungen Lord von Monthermer so lange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen sei. Er behandelte ihn mit übertriebener Artigkeit, ja mit Auszeichnung, wie man wohl einen Gladiator behandelt, ehe man ihn in die Arena schickt.