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Um jedoch keine Begünstigung zu zeigen, wie er - einer der am meisten von Günstlingen beherrschten Fürsten, die je gelebt - sich auszudrücken beliebte, ließ er ausdrücklich den jungen Grafen von Ashby einladen, sich mit seinem Gefolge in Nottingham-Castle einzufinden, um an der königlichen Gastlichkeit vor dem Kampf teilzunehmen. Alured war schon angekommen und hatte die für ihn bereiteten Zimmer in Besitz genommen.

Zweimal war er mit Hugh de Monthermer zusammengetroffen, einmal in der Halle und einmal im Schloßhof. Ihre Begegnungen waren von den Leichtfertigen und Boshaften, die an Höfen immer so zahlreich sind, mit neugierigem Interesse beobachtet worden. Aber wenn sie einen Ausbruch erbitterter Gefühle zu sehen hofften, um sich daran zu ergötzen, so täuschten sie sich völlig. Die beiden Gegner begrüßten sich mit ernster Höflichkeit, und besonders bei dem zweiten Zusammentreffen im Schloßhof schien Alureds etwas übermütiger Stolz sehr gedämpft. Ja, er blickte Hugh de Monthermer mehr traurig als finster an, und manche glaubten Unschlüssigkeit in seinem Blick zu lesen.

»Es ist klar«, sagte Sir Harry Grev zu Sir William Gearv, die ganz in cler Nähe standen. »Er zweifelt an der Wahrheit der von ihm erhobenen Anklage - er hält Hugh de Monthermer nicht für schuldig.«

»Er weiß, daß jemand der Schuldige sein muß«, versetzte der andere, »und das ist in der Regel genug für einen Ashby, um ihn seinen Zorn an dem auslassen zu machen, der zuerst in seine Nähe kommt!«

»Aber was ist aus seinem Vetter Richard geworden?« fragte Grey. »Ich habe ihn heute den ganzen Tag nicht gesehen und gestern auch nicht.«

»Ich glaube, er sitzt auf Lindwell«, versetzte Geary. »Die Leute sehen ihn kalt an - ich weiß nicht warum.«

»Das hat seine Ursachen. Erstlich ist es klar, daß er die Anklage ausgebrütet hat, und doch überläßt er das Ausfechten der Sache seinem Vetter...«

»Und daran tut er sehr klug!« unterbrach ihn Geary. »Fürs erste, weil Hugh de Monthermer ihm den Hals brechen würde mit dem kleinen Finger; sodann, weil nur noch ein Mann zwischen ihm und dem Grafentum Ashby steht und eine gute Lanze in einem tüchtigen Zweikampf wahrscheinlich die Zahl vermindert.«

»Ob es wohl möglich ist«, fragte Grey augenzwinkernd, »daß er bisher schon die Zahl vermindert hat?«

Sir William Geary zuckte bedeutungsvoll die Achseln, gab aber keine Antwort.

Ähnliche Gespräche wurden an diesen Tagen viele in Nottingham geführt, aber Richard de Ashby hörte nichts davon; denn er war viele Meilen entfernt und führte Besprechungen mit seinem Komplicen Ellerby, der sich in den wilden, gebirgigen Teilen von Derbyshire versteckt hielt, um den Verlauf der Ereignisse abzuwarten.

Am vorletzten Abend vor dem Zweikampf, gegen sieben Uhr, als alles in Nottingham nach Hause zurückgekehrt war und im Schloß sowohl wie in der Stadt die tiefste Ruhe herrschte, wurden zwei Schwertfeger (Waffenschmied; eigentlich: der das Schwert blank macht), die im äußeren Zimmer vor den Gemächern des jungen Grafen von Ashby auf dem Schloß zu Nottingham saßen und einen prächtigen Harnisch blank rieben, durch ein Pochen an der Tür in ihrer Beschäftigung unterbrochen. Mit lauter Stimme hießen sie den Besuch eintreten, und im nächsten Augenblick streckte ein altes Weib ihren Kopf in das Zimmer und verlangte den Grafen von Ashby zu sprechen.

Die beiden Männer hatten lustig ihre Arbeit betrieben, ohne daran zu denken, zu welch blutigem Werk die Waffen in ihren Händen gebraucht werden sollten. So schauten sie denn so wohlgelaunt auf, als ob alles nur Spaß und Spiel wäre, und einer von ihnen sagte: »Er wird Euch nicht annehmen, gute Dame, da Ihr alt und häßlich seid. Wäret Ihr jung und hübsch, würdet Ihr sicher sehr bald Zutritt finden. - Was ist Euer Anliegen?«

»Ich möchte ihm sagen«, antwortete die Alte, »daß man ihn ohne Verzug erwartet drunten im Hause des Sir Richard de Ashby.«

»Gut, ich will es ihm mitteilen«, rief der Mann. »Mach du dich fort und schließ die Tür hinter dir; denn der Nachtwind ist kalt.«

Nach diesen Worten fuhr er in seiner Arbeit fort und schien durchaus keine Lust zu haben, sie zu unterbrechen, um irgendwelche Botschaften zu bestellen.

»Nun, was denn?« rief sein Gefährte. »Ihr müßt das dem Lord melden!«

»Pah! Dazu ist in einer Stunde noch Zeit«, erwiderte der andere. »Morgen früh ist noch Zeit genug, wenn es mir so behebt. Was hat Richard de Ashby Nötiges mit meinem Lord zu verhandeln? Geld borgen, glaub' ich fast. Laß ihn nur - die garstige Schlange!«

»Nein, dann geh' ich«, sagte der andere Schwertfeger, stand auf und ging in ein anderes Zimmer, wo sich einige Yeomen und ein Page aufhielten. Dem letzteren bestellte er die Botschaft und kehrte zu seiner Arbeit zurück. Der junge Graf von Ashby saß in seinem Zimmer Guy de Margan gegenüber, als der Auftrag des alten Weibes endlich ausgerichtet wurde.

»Es freut mich zu hören, daß er zurück ist«, sagte er, nachdem der Page die Tür wieder geschlossen hatte. »Nur wundert mich, daß er nicht hierherkommt! Aber ich will gehen und mit ihm sprechen. Irgend etwas warnt mich, Sir Guy de Margan. Und was Ihr sagt, überzeugt mich nicht. Meine Schwester weiß es besser - Lucy ist die Wahrheit selbst. Bedenkt, Sir, ich habe zu beschwören, daß meine Streitsache eine gerechte sei, daß ich, so wahr mir Gott helfe, an die Wahrheit meiner Beschuldigung glaube. Aber ich zweifle daran, Guy de Margan, ich zweifle daran. Wenn Ihr neue Beweise habt, so sprecht! Aber es ist nutzlos, immer und immer zu wiederholen, was ich schon gehört habe und was widerlegt worden ist.«

»Vielleicht kann Euch Euer Vetter neue Beweise hefern, mein Lord«, sagte Guy de Margan. »Vielleicht hat er eben deshalb nach Euch geschickt.«

»Möglich! Ich will darum sogleich zu ihm«, rief der Graf aufspringend. »Aber wo wohnt er in Nottingham? Ich glaubte, er sei im Schloß mit den anderen untergebracht. - Drunten im Hause des Sir Richard de Ashby? Wo das sein mag, bin ich begierig zu erfahren.«

»Ich kann es Euch zeigen, mein Lord«, sagte Guy de Margan eifrig. »Es ist eine halbe Meile von liier entfernt.«

»Beschreibt mir nur den Weg«, versetzte der Graf. »Ich will allein gehen.«

»Ich werde Euch auf den Weg dahin bringen, mein Lord, und Euch verlassen, wenn Ihr in der Straße seid. Ihr findet das Haus sonst nicht.«

Der junge Graf wußte ihm wenig Dank für seine Dienstfertigkeit und trat in das Vorzimmer. Mit nur einem Pagen, der ihm sein Schwert nachtrug, und Guy de Margan an seiner Seite schritt er in den Hof hinaus und eilte durchs Schloßtor hinaus in die dunklen Straßen von Nottingham.

Rasch stiegen die beiden Gentlemen und ihr junger Begleiter in den unteren Stadtteil hinunter und bogen bald in die Straße ein, wo Richard de Ashbys Haus lag.

Der junge Graf wandte sich mit mehr als seiner gewöhnlichen Ungeduld an de Margan: »Sind wir noch nicht in der Nähe?«

»Doch, mein guter Lord«, versetzte dieser. »Es ist das erste kleine Haus auf der rechten Seite.«

»Ich werde es finden!« rief Alured de Ashby. »Gute Nacht und Dank Euch, Sir Guy! Wir sehen uns morgen wieder!«

Nach diesem kurzen Abschied schritt er weiter und wäre in seiner ungestümen Hast beinahe an dem gesuchten Haus vorbeigeeilt. Aber der Page zupfte ihn am Ärmel und sagte: »Dies muß es sein, mein Lord.« Der junge Edelmann schaute sich um und entdeckte in einem dunklen Winkel das Haus. Tastend suchte er die Tür und pochte mit dem Griff seines Dolches stark dagegen.