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»Nein«, antwortete die Prinzessin. »Das darf ich mir nicht erlauben. Ich bin nur kühn, wo es gilt, meine Liebe zu ihm zu bewähren, aber nicht, wo es um Dinge geht, die er allein beurteilen kann. Auch ist es nicht nötig, Lucy; er wird binnen kurzem zurück sein.«

»Aber Alured hat gehört, des Prinzen Rückkehr von Leicester sei bis morgen früh verschoben.«

»Nein, sie wurde nur um ein paar Stunden verzögert. Ich erwarte ihn jede Minute, Lucy. Inzwischen sage mir, welche Hoffnung du hegst.«

Lucy zögerte. »Es ist eine Hoffnung, sie vielleicht noch beide zu retten, Lady. Und gewiß, um das Leben eines Bruders und eines Geliebten zu retten, um ihnen Taten zu ersparen, die nicht wiedergutzumachen sind, um Alured nicht bloß vor Monthermers Lanze, sondern auch davor zu schützen, mit einer falschen Anklage auf den Lippen in den Kampf zu gehen, darf wohl ein Weib zu einer Kühnheit sich aufraffen, vor der sie sonst zurückbeben würde, ja - und Dinge tun, die die jungfräuliche Sittsamkeit verbieten würde, wäre nicht die Veranlassung so wichtig und überwältigend.«

»Gewiß!« rief Eleonore. »Wer kann daran zweifeln? Es gibt Formen und kalte Schicklichkeitsgesetze, die beiseite gelassen werden können, wenn es sich darum handelt, geliebte Menschen vor Verbrechen, Tod oder Schande zu bewahren. Aber was ist denn Euer Vorhaben? Ich verstehe Euch noch nicht.«

»Wollt Ihr mir versprechen«, fragte Lucy, »daß, wenn ich es sage, Ihr mir meinen Willen laßt und niemand, ohne mein Gutheißen, von meinem Plan in Kenntnis setzt?«

Eleonore lächelte. »Ich kann das wohl versprechen; denn wenn Ihr wollt, so könnt Ihr mir ja Euern Plan verhehlen, und dann bin ich völlig machtlos. Kein Hindernis will ich Euch in den Weg legen, liebe Lucy, sondern nur freundliche Vorstellungen, wenn ich glaube, daß Ihr unrecht habt. Was ist also Euer Plan?«

»Dies!« rief Lucy. »Hier auf diesem Papier hat mein Bruder geschrieben, er zweifle an Hugh de Monthermers Schuld, er zweifle so sehr an der Wahrheit der von ihm selbst erhobenen Anklage, daß er von seiner Schwester verlangt, sie solle sich mit dem Mann vermählen, der ihn erschlagen, falls er in diesem unglückseligen Kampf falle. - Nun, Lady, schaut her. Er machte keine andere Bedingung, als daß Hugh de Monthermer seine Unschuld beweise.«

»Ich sehe«, sagte Eleonore, »er ist wohlwollend und edelmütig und glaubt offenbar, die Anklage sei übereilt erhoben und nicht gerecht.«

»Aber doch wird nichts ihn abhalten«, versetzte Lucy bitter, »diese Anklage morgen mit der Spitze seiner Lanze zu verfechten, obgleich er weiß, daß sie falsch ist. Tränen, Bitten, Beschwörungen, alles ist bei ihm vergebens. Aber Hugh ist nicht so trotzig und starrsinnig, Lady; er wird der Vernunft und dem Recht sein Ohr leihen. Er hat mir selbst gesagt, er würde den Kampf vermieden haben, wenn nur der König einige Tage länger Frist gegeben hätte; denn er ist überzeugt, daß er dem wirklichen Mörder die Schuld werde beweisen können. Was konnte ich tun, solange mein Bruder die Anklage mit aller Hartnäckigkeit behauptete? Jetzt aber will ich zu Hugh und ihn anflehen, um unserer Liebe willen diesem sündhaften Kampf auszuweichen und diesen Ort morgen vor Sonnenaufgang zu verlassen.«

»Er wird es nicht tun«, antwortete Eleonore, traurig den Kopf schüttelnd. »Ihr werdet nur sein Herz zerreißen. Er wird es nicht tun.«

»Ich will mich erbieten, ihn zu begleiten!« sagte Lucy mit leiser ins Herz schneidender Stimme, ihr Auge mit zweifelndem und fragendem Blick auf das Antlitz der Prinzessin heftend.

»Wie?« rief Eleonore auffahrend, während ihr das Blut in die Wangen stieg. Aber im nächsten Augenblick schlang sie ihre Arme um Lucy, beugte sich mit einem Lächeln zu ihr nieder und sagte: »Du wirst siegen! - Hingebungsvolles Mädchen, ich wage nicht ganz, zu billigen und gutzuheißen, was du tust; doch hart wäre das Herz und unfreundlich der Mund, der dich tadeln wollte. Deinem Bruder ein großes Verbrechen zu ersparen und die Unschuld deines Geliebten zu beweisen, ohne seinen Ruf zu gefährden, dafür wirst du keinen Tadel verdienen, selbst in der böszüngigen Welt, in der wir leben. Aber warte noch, bis Edward hier ist. Vielleicht macht der Brief deines Bruders an ihn selbst den Versuch unnötig. Du sagst, er enthalte Beweise für deines Geliebten Unschuld?«

»So hat mir Alured gesagt!« versetzte Lucy. »Beweise, die selbst sein trotziges Vorurteil erschüttert haben. Aber, Lady, Ihr dürft mein Geheimnis nicht dem Prinzen verraten; denn er würde unser Weggehen nicht dulden.«

»Wenn ich es ihm sage«, antwortete Eleonore, »so bindet auch ihn mein Versprechen. Aber ohne Zweifel wird Edward, wenn in diesen Papieren sich klare Beweise finden, den Aufschub des Kampfes veranlassen. Aber geh - mach dich bereit zu deinem Vorhaben, hebe Lucy. Wenn Edward kommt, will ich dich holen lassen.«  

XXXIX

AN DIESEM ereignisreichen Vorabend des Zweikampfes, etwa eine Stunde vor der Rückkehr Alured de Ashbys von seinem Ritt auf Leicester zu, war sein Vetter Richard in seinem Vorzimmer erschienen, in der Hoffnung, ihn drinnen zu treffen. Er war nicht behebt bei den Dienern des Hauses, und eine Stimmung des Mißtrauens gegen ihn hatte sich allgemein unter ihnen verbreitet. Ein kalt abweisender Blick von den Knappen und eine schnippische Antwort von einem Pagen - besagend, daß der Graf abwesend sei und niemand wisse, wann er zurückkommen werde - war alles, was Richard de Ashby an Aufschlüssen erlangen konnte, und in den Schloßhof zurückkehrend, schritt er langsam dem Tor zu, an dem er seine Pferde bei den Dienern gelassen hatte.

Sir William Geary kam gerade vorbei, blieb aber nicht stehen, sondern sagte nur mit hochmütig spöttischer Miene: »Na, Dickon? Du bist auf dem Wege, einen vornehmen Mann aus dir zu machen, scheint es.«

»Halt, Geary! Warte!« rief Richard.

Aber William Geary schritt weiter und versetzte nur: »Ich kann im Augenblick nicht, Dickon. Für diesmal bin ich beschäftigt.« 

»Sie sehen mich alle abweisend an«, murmelte Richard de Ashby, indem er langsam weiterschritt. »Ist vielleicht etwas entdeckt worden?« Das Herz stockte ihm bei diesem Gedanken, und die Idee zu fliehen durchzuckte ihn. Aber er faßte sich sofort wieder und dachte: Unsinn! Ich muß nur herausbringen, was vorgegangen ist, um gefaßt zu sein. 

Er beschleunigte seine Schritte und hatte schon den Fuß in den Steigbügel gesetzt, als er seinen Namen rufen hörte. Zusammenschreckend blickte er sich um und sah Guy de Margan mit hastigen Schritten hinter sich herkommen. 

»Ich sah Euch von meinem Fenster aus«, sagte der Höfling atemlos, »und muß Euch vieles berichten. Laßt uns in die Stadt hinabgehen und Eure Diener mit den Pferden uns folgen.« 

Richard de Ashby hatte aus seinem Gesicht sofort den Ausdruck von Bangigkeit verbannt, den es eben noch gehabt hatte, denn er wünschte nicht, daß ein Mann, der schon mehr von seinem geheimen Treiben wußte, als ihm heb war, die Spuren von peinlicher Sorge sah, die ihn vielleicht - verbunden mit dem, was er schon wußte - auf eine Vermutung der schlimmeren Taten führen konnten.

»Nun, Guy«, sagte er gewollt munter, während sie miteinander dahinschritten, »wie fliegen jetzt die Krähen! Ich erfahre, mein edler Vetter, der Graf, ist abwesend, um einen Nachmittagsritt zu machen. Nicht die gewöhnliche Art, dünkt mich, die letzten paar Stunden vor einem Kampf auf Leben und Tod hinzubringen. Aber er tut es aus Prahlerei, und wenn er sich nicht in acht nimmt, werden sein Leben und sein Ruf in dem Kampf morgen ein Ende nehmen.«

»Vielleicht wäre es das beste«, sagte Guy de Margan kurz. Und als Antwort auf das erheuchelte Staunen, womit Richard de Ashby ihn ansah, fuhr er fort: »Ich kenne Eure Pläne oder Geheimnisse nicht, Dickon, aber ich fürchte, Ihr werdet gegen Euren Vetter Alured einen schwereren Stand bekommen als selbst gegen Hugh de Monthermer. Er zweifelt an der Wahrheit der von ihm erhobenen Anklage!«