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»Ich will recht sorgsam sein«, sagte Richard de Ashby mit teuflischem Grinsen. »Ihr dürft die Tat als schon getan betrachten. Bis morgen um diese Stunde sollt Ihr Eure Rache befriedigt sehen, und ich - werde Graf von Ashby sein.« 

»Haha! Ist endlich die Wahrheit heraus?« rief Guy de Margan. »Nun, Richard, lebe wohl jetzt. Wir werden uns morgen wiedersehen in tiefer Betrübnis über den Ausgang dieses traurigen Kampfes. Mittlerweile will ich zu Eurem Vetter gehen und ihn mit geheimnisvoller Miene davon in Kenntnis setzen, daß ein Plan im Werk sei, ihn glauben zu machen, sein Gegner sei unschuldig. Ihr schlagt dieselbe Saite an, wenn Ihr ihn seht, und ich will ihm sogar versprechen, daß er morgen früh den Beweis von Monthermers Schuld in Händen haben soll. Wenn wir ihn nur auf den Kampfplatz bringen, so ist die Sache getan - er wird dann nicht mehr zurücktreten.« 

»Lebt wohl, de Margan - lebt wohl!« sagte Richard de Ashby mit größter Freundlichkeit. »Ich will gehen und feststellen, was Alured in meinem Hause gewollt.« Im Weggehen murmelte er vor sich hin: »Wenn dies Pulver so gewaltig ist, so wird es wohl auch für Euch reichen, mein guter Freund de Margan. Aber erst muß ich mit einer anderen Person fertig werden. Kate Greenly, mein hübsches Jüngferchen, du hast ein Geheimnis zuviel, als daß du weit damit springen dürftest. Wenn du mich nicht schon verraten hast, will ich jetzt dafür sorgen, daß du es nicht mehr tun kannst.«

Nach wenigen Minuten befand er sich in dem Haus, das er in Nottingham gemietet hatte, und auf sein heftiges Pochen wurde die Tür beinahe augenblicklich von einem jungen Burschen geöffnet, den er als Bedienung bei Kate Greenly zurückgelassen hatte.

»Wo ist das Mädchen?« fragte er kurz. »In ihrem Zimmer?«

»Nein, Sir«, antwortete der Diener. »Sie ist vor einiger Zeit ausgegangen.«

»Ausgegangen?« rief sein Gebieter. »Obwohl ich ihr verbot, auch nur über die Schwelle zu treten?«

»Ich konnte sie nicht aufhalten, Sir.«

»Als ob du's versucht hättest!« schrie Richard erbost. »Aber nur heraus mit der Wahrheit: Wer ist hier gewesen, seit ich weggegangen?«

»Niemand, Sir«, versetzte der Junge. »Niemand als der alte Priester.«

»Welcher alte Priester?« fragte Richard mit zornig gerunzelter Stirn.

»Der alte Priester, der früher schon hier war, Sir«, antwortete der Junge schüchtern; denn Richards Miene machte ihm bange. »Der, der hier war in der Nacht, als Ihr nach Lindwell rittet.«

»Was?« schrie Richard. »Ein Priester hiergewesen in jener Nacht? Ein Glück für ihn, daß ich ihn nicht getroffen! - War er öfter hier?«

»Zweimal, Sir. Einmal morgens, und letzte Nacht schickte sie mich wieder nach ihm.«

»Und sonst niemand?«

»Niemand«, entgegnete der Junge, setzte aber dann unsicher hinzu: »Niemand, soviel ich mich erinnere.«

»Bursche, das ist eine Lüge!« herrschte Richard de Ashby ihn an. »Ich seh' es dir an, daß du lügst!« Er packte den Jungen an der Brust und schüttelte ihn, daß ihm fast der Atem ausging. »Wer ist hier gewesen? Wenn du es nicht sogleich sagst, so sollst du dies kosten!«, und er legte die Hand an seinen Dolch.

»Niemand - wahrhaftig - niemand«, stammelte der Junge. »Ich kann zwar vermuten...«

»Was vermutest du?«

»Nun, Sir, letzte Nacht, als ich die Straße hinaufging, um den Priester zu holen, sah ich zwei Gentlemen sich dem Haus nähern. Einer von ihnen, der gewiß Euer Vetter Graf Alured war, schritt auf die Tür des Hauses zu und wurde, glaub ich, eingelassen. Der andere setzte seinen Weg fort.«

»Ging mein Vetter ins Haus hinein? Sag mir nur ,ja' oder ,nein'! Ging er hinein, frag' ich?«

»Ich glaube so, Sir, kann es aber nicht für gewiß sagen. Es fiel plötzlich ein Licht über die Straße, als wenn die Tür aufginge, aber da war ich schon zu weit die Straße hinauf, um es zu sehen.«

Es ist, wie de Margan gesagt hat, dachte Richard de Ashby, den Jungen loslassend. Sofort begab er sich nach der Kammer, wo der Tote lag. Er fand die Tür weit offenstehen und den Leichnam dem Brauche gemäß gekleidet und geschmückt. Ein Kruzifix und ein paar Stechpalmenreiser lagen auf seiner Brust, ein kleines Gefäß mit Weihwasser stand daneben, eine Lampe brannte, obgleich die Sonne noch nicht untergegangen war, und alles zeigte deutlich an, daß der Mann nicht ohne den Beistand der Kirche gestorben war.

»Ich bin verraten worden!« murmelte Richard de Ashby vor sich hin. »Wenn es jedoch nur der Priester weiß, so ist der Schaden nicht groß, das Beichtgeheimnis bindet ihm die Zunge. Aber wo ist das Mädchen, und was hat es mit Alured zu besprechen gehabt? Das muß ich jetzt wissen. Was kann sie aussagen, als daß ein Verwundeter in meinem Hause gestorben ist, der von Leuten, die mich einmal besucht hatten, gebracht wurde, und dazu noch während meiner Abwesenheit? Wenn nur Ellerby sich nach Frankreich begeben wollte, so wäre alles sicher genug. Aber er treibt sich hier in der Nähe herum wie eine Motte, die ums Licht fliegt. Wo sind denn die Kleider des Toten - das möcht' ich wissen!« Die Lampe aufnehmend - denn es wurde jetzt rasch dunkel -, suchte er sorgfältig das ganze Zimmer ab. Aber weder Kleider noch das Schwert, noch der Dolch waren zu finden.

»Es ist ein Komplott gegen mich im Werk«, fuhr er, vor sich hinredend, fort. »Das ist jetzt klar. Sie weiß vielleicht mehr, als ich glaube. - Ein Papier! Was für ein Papier kann sie Alured gegeben haben? Vielleicht den Vertrag, den ich diesen Männern ausstellte! Das wäre in der Tat das Ende! - Vielleicht sollte ich fliehen, solange noch Zeit ist? Aber fliehen, wo das Grafentum Ashby mir schon so nahe hegt, daß ich es beinahe mit der Hand greifen kann? Nein, ich will darauf losgehen, und wehe dem, der mir in den Weg tritt! -Wenn ich nur das Mädchen finden könnte. - Horch! Unten ist ein Geräusch!«

In nervöser Aufregung wandte er sich, um zu horchen, und vernahm bald, daß die Geräusche von den Dienern verursacht wurden, die inzwischen mit den Pferden eingetroffen waren.

»Ich will sogleich darauf losgehen«, wiederholte er bei sich. »Ich will Alured in seiner Wohnung erwarten und herausbringen, was er weiß. Ohne Zweifel hat er alles für sich behalten, denn er ist nicht der Mann, der einen Makel auf seinen Namen lädt. Nein, er wird nie jemand vom Hause Ashby anklagen!«

Damit stieg er die Treppe hinunter, und seinen Dienern empfehlend, das Haus gut zu hüten, bis er zurückkomme, schlug er wieder den Weg nach dem Schloß ein. Als er die Gemächer seines Vetters erreichte, fand er in dem äußeren Zimmer eine Anzahl von Dienern, die allem Anschein nach erst vor kurzem von einem Ritt zurückgekommen waren. Sie aßen und tranken mit gutem Appetit und schienen wenig Lust zu haben, wegen des armen Verwandten ihres Lords ihre Mahlzeit zu unterbrechen.

»Lord Alured ist nicht zu Hause, Sir Richard«, sagte einer. »Er ist in des Prinzen Wohnung gegangen.«

»Unsinn, Ned!« rief ein anderer. »Er ist wieder zurück, hat aber zu Peter gesagt, er wollte von niemand gestört werden.«

»Natürlich hat er damit nicht mich gemeint«, versetzte Richard de Ashby finster. »Geht hinein, Ned, und sagt ihm, ich sei da.«

Der Mann gehorchte widerwillig, und im Augenblick darauf hörte Richard seines Vetters Stimme, der heftig sagte: »Ich will ihn nicht sehen! Sagt ihm, ich sei beschäftigt oder ich wolle ausgehen in wichtigen Angelegenheiten. - Doch halt! Schickt ihn herein!«

Richard de Ashby heftete seinen Blick finster zu Boden, als er die Bestätigung seiner Befürchtungen vernahm, und murmelte vor sich hin: »Er hat sicher mehr gehört, als er wissen sollte!«

Als jedoch der Diener zurückkam und ihn in Lord Alureds Zimmer treten hieß, setzte er eine heitere Miene auf und trat hinein mit einem so unbefangenen Wesen, als er nur anzunehmen vermochte. Der Tisch war zum Nachtessen gedeckt, und sein Vetter stand an dem einen Ende desselben, soeben einen Trinkbecher von geschliffenem Achat hinstellend, den er halb geleert hatte.