Выбрать главу

XLIII

AUF EINEM weiten, offenen Feld am Ufer des Trent, das den Bogenschützen sonst als Schießplatz diente, hatte man die Schranken errichtet, in denen Hugh de Monthermer gegen Alured de Ashby kämpfen sollte. All die üblichen Vorbereitungen waren getroffen worden. Einen Pavillon für den König mit seinem Hofstaat, Galerien für die Damen, Zelte für den Herausforderer und den Herausgeforderten und zahlreiche andere Buden hatte man errichtet, Obdach und Erfrischung jedem darbietend, der etwa weither gekommen sein mochte, um Zeuge zu sein von einem ritterlichen Zweikampf auf Leben und Tod.

Schon vor der elften Stunde war eine große Menschenmenge versammelt, und mit jeder Minute nahm das Gewühl noch zu; denn am frühen Morgen hatten sich Gerüchte seltsamer Art nicht nur in Nottingham verbreitet, sondern auch in der weiteren Umgebung der Stadt, und jedermann war begierig, mit eigenen Augen zu sehen, wie alles enden würde. Uberall fragten die Männer einander, was man wisse, und fast jeder mußte gestehen, daß er den genauen Hergang und Stand der Sache nicht kenne. Doch fanden sich auch hier, wie immer, Leute, die behaupteten, aufs genaueste unterrichtet zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit gar nichts wußten. Was allein gewiß schien, war dies, daß aus irgendeinem Grunde in der Nacht die Schloßtore zugesperrt und scharf bewacht worden waren und niemand hatte hinausgehen dürfen, außer einigen Dienern des Prinzen, die, nachdem sie sich einer kurzen Botschaft in der Stadt entledigt, unverweilt zurückgekehrt waren, ohne eine Frage zu beantworten oder auch nur zufällig Aufschlüsse zu geben.

Zwei oder drei Personen hatten jedoch gesehen, daß ein Trupp von etwa zwölf Personen, aus der Richtung von Pontefrakt kommend, im Schloß eingezogen war. Sie hätten keine Waffen getragen, nicht das Aussehen von Soldaten gehabt und müßten, nach der Beschaffenheit ihrer Kleidung und ihrer Pferde zu urteilen, die Nacht durch gereist sein. Man wollte wissen, daß sie sofort vom Prinzen empfangen worden waren. Zahlreiche andere Gerüchte liefen allerdings noch auf dem Platz um, und die Ansicht verbreitete sich, daß gar kein Kampf stattfinden würde. Diese Vermutung wurde aber bald verdrängt durch das Erscheinen der Herolde, die mit ihren Gehilfen den Kampfplatz genau untersuchten, um sich zu vergewissern, daß alles eben sei, ohne Löcher oder Erhöhungen, die Fallen für die Füße der Pferde bilden konnten, wodurch der eine oder andere der Kämpfer einen ungebührlichen Vorteil erlangt hätte.

Fast gleichzeitig erschienen verschiedene Pagen und Diener des Königs, die sich damit beschäftigten, den für den König bereiteten Pavillon in gebührende Ordnung zu bringen.

Dann hörte man in geringer Entfernung das Blasen einer Trompete, und eine Schar Gewappneter zu Pferde näherte sich in raschem Schritt und nahm in kriegerischer Ordnung ihren Posten an beiden Enden des Kampfplatzes ein, außerhalb der Schranken sich aufstellend. Eine Pause von etwa fünf Minuten trat jetzt ein, und die Menge, all diese Anordnungen beobachtend, wünschte sich Glück zu der Gewißheit, zwei Mitmenschen in tödlichem Kampfe sich messen zu sehen, und begann schon Vermutungen auszusprechen, wer der Sieger sein würde. Viele Anwesende, nur von ihrer Phantasie oder von Gerüchten geleitet, stellten Mutmaßungen über den Ausgang des Kampfes an, ohne auch nur einen der Gegner je gesehen zu haben. Aber es waren auch viele da von den Hintersassen von Lindwell und von den Bauern aus der Umgebung des Schlosses des Grafen von Ashby, die natürlich die Ehre ihres Lords aufrecht erhielten und meinten, er würde das Feld behaupten gegen jeden Ritter in Europa. Man bemerkte jedoch, daß selbst ihre kühnsten Voraussagen über die Tapferkeit ihres jungen Lords verbunden waren mit dem Ausdruck ihrer Überzeugung, daß, »wie dies immer sei, sie gewiß glaubten, daß der junge Lord von Monthermer nimmermehr den alten Grafen getötet habe. Warum hätte er es denn tun sollen?«

Es fehlte auch Hugh de Monthermer nicht an Anhängern unter der Volksmenge; denn er war in dieser Gegend des Landes wohlbekannt, und das Gefühl, daß er unschuldig und gekränkt sei, wirkte zu seinen Gunsten.

Etwa um halb zwölf Uhr mischten sich eine Anzahl Waidmänner in ihrer festtäglichen Tracht unter die Menge. Sie waren ohne Bogen, aber jeder hatte seine sechs Pfeile an der Seite stecken und trug in der Hand ein kurzes Schwert und den Schild. Sie hatten zahlreiche Bekannte unter dem Volk, und mit anderen, die sie nicht direkt anredeten, wurde ein freundlicher Blick des Erkennens und ein vertrauliches Kopfnicken getauscht, während sie sich nach den Schranken drängten.

»He, Müller!« sagte einer der Pächter, als ein Yeoman in Hellgrün an ihm vorbeischritt. »Warum bringt Ihr Eure Pfeile mit? Es ist heute kein Schießplatz hier!«

»Es gibt überall Schießplätze und ein Ziel, Winken«, versetzte der Angeredete.

»Aber Ihr habt keinen Bogen«, erwiderte der Landmann.

»An Bogen wird es nicht fehlen, wenn wir sie brauchen«, sagte der Waidmann und schritt weiter.

Kaum war dies Gespräch zu Ende, als man von Nottingham her einen stattlichen Zug anreiten sah, in dem sich manche schöne Lady befand, trotz des blutigen Schauspiels, das zu erwarten war.

»Der König!« schrien viele Stimmen. »Der König und der Prinz! Gott segne den Prinzen Edward!«

Nur wenige schlossen den Namen des Monarchen in den Segenswunsch ein. Aber Heinrich hörte nur den Willkommen- und Glückwunschruf, und da er sich einbildete, beim Volke beliebt zu sein, verbeugte er sich huldvoll gegen die Menge. Dann ritt er nach dem Eingang des für ihn bereiteten Pavillons, der sich bald mit den Lords und Ladys seines Hofes füllte.

Zum Erstaunen der meisten Anwesenden sah man die Prinzessin Eleonore zur rechten Seite des Königs, und viele Bemerkungen wurden darüber gemacht, daß sie heute zum erstenmal erschien, um einem gerichtlichen Zweikampf beizuwohnen.

Mittlerweile ritt Prinz Edward, gefolgt von einigen Herolden in ihren glänzenden Wappenröcken und begleitet von zwei unbewaffneten Rittern, auf den Kampfplatz. Er war in einen schimmernden Harnisch von Stahlschuppen gekleidet, Schild und Lanze wurden ihm von Knappen zu Fuß nachgetragen. Nachdem er wenige Minuten mit den Herolden gesprochen, wandte sich Edward zu einem der ihn begleitenden Ritter: »Reitet zum Zelt des Grafen von Ashby und sagt ihm, er sei zu schwach, um heute zu kämpfen. -Guy de Margan, der zuerst aus dem Becher trank, ist tot, sagt Ihr?«

»Er starb sehr rasch, mein Lord«, versetzte der Ritter, »und hatte kaum noch Zeit anzugeben, daß er im Zimmer Alured de Ashbys den Becher beinahe voll mit Wein gefunden und ihn während des Wartens ausgetrunken habe.«

»Es muß in der Tat ein starkes Gift gewesen sein«, versetzte der Prinz. »Der Arzt sagt mir, er habe all seine Kunst gebraucht, den Grafen Alured zu retten, der aus demselben Becher nachher Wein getrunken. Aber geht zu ihm und sagt ihm, er sei zu schwach. Wenn er die Anklage zurücknehmen will, gut - wo nicht, so soll er den Kampf um acht Tage aufschieben. In keinem Fall wird daraus eine Unehre für ihn folgen.«

Der Ritter ritt weg, und Edward, zu seinem anderen Begleiter sich wendend, fragte: »Man hat ihn noch nicht gefunden?«

»Nein, mein Lord«, versetzte der. »Man hat alles vergebens durchsucht. Der Leichnam lag in dem Zimmer oben. Der Tote ist ein Mann mit Namen Dighton. Ich erkannte ihn sogleich; denn ich habe ihn oft mit Ellerby und anderen schuftigen Lumpen in London und Westminster herumstreifen sehen.«

»Sir Roger hat einen kurzen Bescheid erhalten«, sagte der Prinz, als er, nach dem Zelt am westlichen Ende der Schranken schauend, den von ihm abgeschickten Ritter wieder sein Pferd besteigen sah, um zurückzukommen. »Ich habe selten einen so halsstarrigen Mann wie Alured de Ashby erlebt!«

»Er will nichts davon hören, mein Lord«, rief der Ritter im Heranreiten. »Er behauptet, die Leute würden ihn gewiß auch dann eine Memme nennen, wenn er wegen eines Unwohlseins von einigen Stunden dem Kampf auswiche.«