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Vermutlich hätte dies Heinrich zu keiner anderen Stunde bewilligt. Aber in diesem Augenblick war er zu begierig nach Aufschlüssen, als daß er sich lange besinnen konnte, und sein Haupt neigend, versetzte er: »Wohl, sei es so. - Aber was nun?«

»Gnädiger Herr«, sagte Hugh. »Ich erscheine vor Euch, meine Unschuld zu beweisen in der Art, wie es zu befehlen Euer Gnaden passend scheint, entweder mit den Waffen, gemäß der erfolgten Ausforderung, oder durch noch triftigeren Beweis, wenn es Euch so gefällt.«

»Kein Beweis kann besser sein als der mit den Waffen, Sir«, antwortete der König. »Gottes eigene Entscheidung muß doch sicherlich gerechter sein als die von Menschen.«

»Wohl, Sire«, versetzte Hugh de Monthermer mit feinem Lächeln. »Sei es, wie es Euer Gnaden behebt. - Alured«, fuhr er fort, »wenn ich nun durchaus mit Euch kämpfen muß, werdet Ihr genötigt sein, einen anderen Grund zu suchen als Eures Vaters Tod. An diesem bin ich unschuldig. Hier ist ein Zeuge, der nicht lügen kann. - Zieht die Vorhänge zurück! - Wollt Ihr ihm glauben?«

Alured de Ashby, zuvor schon blaß, wurde einen Augenblick noch blasser, aber es war, als wenn das Blut sich nur in die Tiefe des Herzens zurückgezogen hätte, um gereinigt, verjüngt, gekräftigt wieder daraus hervorzubrechen. Einen Augenblick war er so weiß wie die Asche eines erloschenen Feuers, im nächsten aber glühten seine Wangen, seine Augen funkelten, und mit einer Leichtigkeit, als wäre alle Krankheit verschwunden, warf er sich von seinem Pferd. Neben der Sänfte, in der halb aufgerichtet der alte Graf von Ashby lag, stürzte er auf die Knie und benetzte die Hand seines Vaters mit Tränen. Dann sprang er auf, umarmte Hugh de Monthermer und rief: »Ich habe Euch unrecht getan - verzeiht mir, mein Freund.«

Hugh preßte seine Hand und sagte: »Das alles ist erfreulich, Alured, aber etwas Peinliches bleibt noch. Da steht der Mörder! Mein gnädiger Herr und König, in Eure Hand überliefere ich ihn, mit ihm zu verfahren, wie Ihr es in Eurer hohen Einsicht für angebracht erachten werdet. Die Männer, die er zur Ausführung seines Verbrechens gedungen, sind, soweit sie noch leben, in sicherem Gewahrsam und haben gestanden. Auch er hat nicht die Stirn zu leugnen, und in der Tat wäre das auch fruchtlos; denn ein armes unglückliches Mädchen, das er vom Pfad der Tugend und von ihrer friedlichen Heimat weggelockt hat, konnte in seinem Hause die niederträchtige Verschwörung belauschen, die darauf zielte, den alten Grafen Ashby zu ermorden und mich des Verbrechens anzuklagen. Sie sagte es denjenigen, von denen sie erwartete, daß sie es am ehesten würden verhüten können, nämlich den Waidmännern des Sherwood. Zwar kamen die Leute Robin Hoods nicht mehr zur rechten Zeit, die Tat zu verhindern, aber bald genug, um den Grafen zu finden und das Blut zu stillen, ehe das Leben erloschen war. Sie ist jetzt bereit, obgleich ihr Herz gebrochen ist, Zeugnis abzulegen, das keinen Zweifel mehr übrig läßt an der Schuld dieses Mannes.«

»Oh, du Schurke!« sagte Alured de Ashby, seinen Vetter mit Abscheu anstarrend. »Elender! Eine solche Schande über den Namen de Ashby zu bringen!«

»Still, Alured, still!« beschwichtigte der alte Graf seinen Sohn. »Ich will den König bitten, ihn zu begnadigen.«

»Ja, begnadigt midi, begnadigt mich!« schrie Richard de Ashby, vorstürzend. »König, ich habe Euren Sohn aus der Gefangenschaft befreit - ich gab ihm die Mittel zur Flucht! Ohne mich hätte es keine Schlacht bei Evesham gegeben - ohne mich würde de Mont-fort noch herrschen - ohne mich wärt Ihr nodi zu dieser Stunde Gefangenerl«

»Ich bitte Euch, gnädiger Herr, begnadigt ihn, begnadigt ihn!« riefen Mortimer und Pembroke in einem Atem.

»Was meint Ihr, Edward?« fragte der König unsicher; denn eine starke Unruhe machte sich unter den Umstehenden breit.

»Gnädiger Herr, ich darf nichts sagen. Obgleich die Gerechtigkeit laut den Tod des schwärzesten Bösewichts fordert, den ich je gekannt, bindet mir doch Dankbarkeit die Zunge. Ich darf nichts sagen.«

»Entledigt ihn der Fesseln«, rief der König nach einer augenblicklichen Pause. »Wir schenken ihm das Leben, verbannen ihn aber für immer aus dem Königreich. Wenn er binnen zehn Tagen noch im Lande sich betreffen läßt, soll er sterben!«

»Dank, gnädiger Herr, Dank!« rief Richard de Ashby, während die Waidmänner widerwillig die starken Stricke lösten.

Sobald er frei war, schritt er an seinem Vetter und Hugh de Monthermer vorbei, als wollte er direkt über den Kampfplatz davoneilen, aber nach einigen Schritten wandte er sich um, schüttelte seine geballte Faust gegen sie und schrie: »Fluch über Euch beide! Aber die Zeit der Rache mag noch kommen! Ich bin mit Euch noch nicht im reinen!«

Während er sprach, entstand eine kleine Bewegung unter der Volksmenge außerhalb der Schranken, und als er sich wieder wandte, um weiterzueilen, rief eine gewaltige Stimme, die man laut und klar über das ganze Feld hin widerhallen hörte: »Dies für das Herz des mörderischen Verräters Richard de Ashby! Den die Könige schonen, senden die Gemeinen vor Gottes Gericht!«

Niemand sah den Mann, von dem die Stimme kam. Aber gleich darauf hörte man das Schwirren einer Bogensehne, ein Pfeifen in der Luft und dann einen dumpfen Aufprall, als wenn ein Pfeil in die Scheibe trifft.

Ein gellendes Kreischen entfuhr dem Munde Richard de Ashbys, und mit den Armen in die Luft fahrend, so als suche er etwas zu erhaschen, um sich aufrecht zu halten, sank er rücklings auf das Gras.

Mehrere Männer liefen herbei; aber er war schon tot. Das Geschoß war ihm mitten durch das Herz gegangen, und zwischen den Pfauenfedern, die den Pfeil beflügelten, fand man geschrieben: Robin Hood.

Beinahe in demselben Augenblick sah man einen großen stattlichen Waidmann auf der anderen Seite der Schranken ein weißes Pferd besteigen und vom Kampfplatz wegreiten. Er ritt in nicht sehr raschem Schritt dahin und summte dabei die Weise eines alten, längst vergessenen Liedes ...