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Er stand auf einer Anhöhe. Um ihn herum lagen schattenhafte Täler und Höhen. Sie schienen zu früh mit dem Horizont zu verschmelzen. Rand stand unterhalb von ihm. Rand und ein unregelmäßiger Kreis von Myrddraal und Männern und Frauen, die sein Blick nicht richtig erfassen konnte. Irgendwo in der Ferne heulten Hunde, und Perrin wußte, daß sie etwas jagten. Der Gestank nach Myrddraal und nach verbranntem Schwefel erfüllte die Luft. Perrins Nackenhaare sträubten sich.

Der Kreis der Myrddraal und Menschen zog sich enger um Rand zusammen. Alle schritten wie im Schlaf einher. Und Rand begann, sie zu töten. Feuerbälle flogen aus seinen Händen und verschlangen zwei von ihnen. Blitze zuckten aus der Höhe herab, und weitere verschmorten. Andere wurden von Lichtstrahlen aus seinen geballten Fäusten getroffen, Lichtstrahlen, die wie weißglühender Stahl wirkten. Und die Überlebenden kamen näher und näher, als sähe keiner von ihnen, was geschah. Einer nach dem anderen starb, bis keiner mehr übrig war. Rand sank schwer atmend auf die Knie nieder. Perrin war sich nicht sicher, ob er nun lachte oder weinte; es schien ein Gemisch aus beidem zu sein.

Auf den Höhen erschienen weitere Gestalten, weitere Menschen, weitere Myrddraal, und alle schritten auf Rand zu.

Perrin legte die Hände um den Mund und rief: »Rand! Da kommen noch mehr!«

Rand blickte aus seiner gebückten Haltung zu ihm auf und knurrte ihn an. Sein Gesicht glänzte vor Schweiß.

»Rand, sie...!«

»Seng dich!« heulte Rand.

Licht brannte in Perrins Augen, und der Schmerz verschlang alles.

Stöhnend rollte er sich auf dem engen Bett zusammen. Das Licht brannte immer noch hinter seinen geschlossenen Lidern. Seine Brust schmerzte. Er berührte sie mit der Hand und ächzte kurz, als er unter seinem Hemd eine Brandwunde fühlte, einen Fleck, nicht größer als ein Silberpfennig.

Mühsam brachte er seine verkrampften Muskeln dazu, sich zu entspannen, so daß er seine Beine ausstrecken und in der dunklen Kabine flach auf dem Rücken liegen konnte. Moiraine. Diesmal muß ich Moiraine davon berichten. Muß nur warten, bis der Schmerz weg ist.

Doch als der Schmerz allmählich verflog, packte ihn die Erschöpfung. Er dachte gerade noch daran, daß er aufstehen mußte, bevor er wieder einschlief, da war es auch schon geschehen.

Als er die Augen wieder öffnete, lag er zunächst nur da und starrte die Deckenbalken über sich an. Lichtstreifen oben und unten an der Tür deuteten an, daß der Morgen gekommen war. Er faßte sich mit der Hand an die Brust, um sich davon zu überzeugen, daß er sich alles nur eingebildet hatte, bis hin zu dieser Brandwunde...

Seine Fingerspitzen fanden die Wunde. Also habe ich es mir nicht eingebildet. Er erinnerte sich dunkel an weitere Träume, aber die Erinnerung verflog, noch während er sie sich ins Gedächtnis zurückzurufen versuchte. Gewöhnliche Träume. Er fühlte sich sogar ausgeruht, als habe er gut geschlafen. Und jetzt würde ich am liebsten noch einmal weiterschlafen. Doch das alles bedeutete: Er konnte wirklich wieder schlafen. Jedenfalls solange sich keine Wölfe in der Gegend aufhalten.

Er erinnerte sich auch daran, während der kurzen Unterbrechung seines Schlafs nach dem Traum mit Springer darin eine Entscheidung getroffen zu haben, und er war der Meinung, sie sei gut gewesen.

Er mußte an fünf verschiedene Türen klopfen, wobei er zweimal mit Flüchen empfangen wurde und zweimal leere Kabinen vorfand, weil die Insassen schon an Deck gegangen waren, bevor er endlich Moiraine fand. Sie war bereits ganz angezogen, saß aber mit überschlagenen Beinen auf einem der schmalen Betten und las im Lichtschein der Laterne in ihren Aufzeichnungen. Weit vorn, fast am Anfang, sah er... Notizen, die aus der Zeit noch vor ihrer Ankunft in Emondsfeld stammen mußten. Lans Sachen lagen sauber zusammengelegt auf der anderen Koje.

»Ich hatte einen Traum«, verkündete er, und dann erzählte er ihr davon. Alles. Er zog sogar sein Hemd hoch, um ihr die kleine runde Brandwunde auf der Brust zu zeigen. Rote wellenförmige Striemen gingen davon aus. Vorher hatte er ihr immer Dinge verschwiegen, und das würde er wahrscheinlich wieder tun, aber diesmal war es zu wichtig. Der Scharnierstift war das kleinste und einfachste Teil einer Schere, doch ohne ihn konnte die Schere keinen Stoff schneiden. Als er fertig war, stand er abwartend vor ihr.

Sie hatte ihm mit ausdruckslosem Gesicht zugehört. Nur diese dunklen Augen hatten jedes Wort aus seinem Mund untersucht, abgewogen, gemessen und ans Licht gehalten. Nun saß sie noch genauso da, aber es war an ihm, sie forschend und abwägend anzublicken.

»Also, war es wichtig?« fragte er schließlich. »Ich denke, das war einer dieser Wolfsträume, von denen Ihr mir erzählt habt — ganz gewiß war es ein solcher; es kann nicht anders sein — aber deshalb muß das noch nicht wirklich sein, was ich gesehen habe. Nur, daß Ihr mir gesagt hattet, ein paar der Verlorenen seien frei, und er nannte sie Lanfear, und... Ist es wichtig, oder stehe ich nur hier umsonst herum und mache einen Narren aus mir?«

»Es gibt Frauen«, sagte sie bedächtig, »die ihr Bestes tun würden, um Euch einer Dämpfung zu unterziehen, falls sie hörten, was Ihr mir gerade erzählt habt.« Seine Lunge schien einzufrieren; er bekam keine Luft. »Ich beschuldige Euch nicht, die Macht benützen zu können«, fuhr sie fort, und das Eis in ihm schmolz, »oder auch nur in der Lage zu sein, es zu erlernen. Der Versuch, Euch einer Dämpfung zu unterziehen, würde Euch nicht schaden, abgesehen von der etwas — rauhen — Behandlung durch die Roten Ajah, bevor sie ihren Irrtum bemerken. Männer wie Ihr sind so selten, daß selbst die Roten bei all ihren Nachforschungen in den letzten zehn Jahren nur drei gefunden haben. Jedenfalls vor dieser Schwemme von falschen Drachen. Was ich Euch damit klarzumachen versuche, ist, daß ich nicht glaube, Ihr könntet plötzlich anfangen, die Macht zu lenken. Davor müßt Ihr keine Angst haben.«

»Na danke für alles«, sagte er bitter. »Ihr hättet mir keinen Todesschreck einjagen müssen, nur um mir hinterher zu sagen, daß ich mich nicht fürchten solle!«

»Oh, Ihr habt allen Grund, Euch zu fürchten! Oder zumindest sehr vorsichtig zu sein, wie es der Wolf Euch schon sagte. Rote Schwestern oder auch andere würden Euch vielleicht töten, bevor sie merken, daß es bei Euch nichts zu dämpfen gibt.«

»Licht! Licht, seng mich!« Er blickte sie finster an. »Ihr versucht, mich an der Nase herumzuführen, Moiraine, aber ich bin kein Kalb und trage keinen Ring in der Nase. Die Roten Ajah oder andere würden nicht glauben, bei mir eine Dämpfung durchführen zu müssen, wenn nicht an meinen Träumen etwas Reales wäre. Heißt das, die Verlorenen sind tatsächlich wieder frei?«

»Ich habe Euch schon vorher gesagt, das könne sein. Einige davon. Eure... Träume allerdings habe ich nicht erwartet, Perrin. Manche Träumer haben bereits von Wölfen berichtet, aber ich habe das jetzt nicht erwartet.«

»Also, ich glaube, es war wirklich. Ich glaube, ich habe etwas gesehen, das wirklich geschah und das ich eigentlich nicht hätte sehen sollen.« Was du sehen mußt. »Ich glaube, daß zumindest Lanfear frei ist. Was werdet Ihr unternehmen?«

»Ich gehe nach Illian. Und von dort aus nach Tear, was ich noch vor Rand zu erreichen hoffe. Wir mußten Remen zu schnell verlassen, so daß Lan nicht mehr feststellen konnte, ob er den Fluß überquert oder sich eingeschifft hat. Aber das sollten wir schon herausfinden können, bevor wir Illian erreichen. Falls er diesen Weg gewählt hat, werden wir seine Spuren finden.« Sie blickte in ihr Buch, als wolle sie jetzt weiterlesen.

»Ist das alles, was Ihr tun wollt? Obwohl Lanfear frei ist, und das Licht allein weiß, wie viele noch?«