Aber zehn Gegner hockten hoch oben und schössen Pfeile auf die Eindringlinge ab oder schleuderten glühende Kohlen nach ihnen. Es gab Verletzte und Tote, der rasche Vormarsch geriet ins Stocken.
Furgas, Rodario, Tungdil, Sirka, Ingrimmsch und Goda führten derweil eine Truppe in die Schmelze, um die Dritten zu fassen. Die Wärter hier rannten nicht vor ihnen davon oder ergaben sich bereitwillig. Der Widerstand war groß und konnte nicht einfach durch ein paar rasche Axthiebe erstickt werden.
»Gebt Acht!« Tungdil bemerkte, dass sich die Hochöfen in den Ebenen über ihnen der Reihe nach neigten und ihren heißen Inhalt über sie ergießen wollten. »Sucht euch Deckung! Unter die Felsen, rasch!« Flüssiges, gelbes und rot glühendes Eisen ergoss sich wassergleich von oben, spritzte Funken schlagend auf die Wege und Stockwerke darunter und verbrannte die Unglücklichen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten. Es war ein wunderschönes und zugleich tödliches Schauspiel. Etliche der Soldaten und der angeketteten Arbeiter am Boden vergingen in der Flut; die Luft in der Höhle stank, wurde sengend und schmerzte in den Lungen, Zischen und Schreien mischten sich.
»Wo ist Furgas?« Rodario entdeckte seinen Freund nicht mehr. »Furgas!«, schrie er wie wahnsinnig und wurde von Tungdil gerade noch davor bewahrt, in eine Lache flüssigen Eisens zu treten. Es hätte ihn unweigerlich den Fuß gekostet.
»Da!« Ingrimmsch zeigte nach unten, wo der Mantel des Magisters verbrennend auf der Oberfläche des Eisens trieb und ein verkohlter Arm in der leuchtenden Masse hinabsank. »Vraccas hat ihn für seine Taten an seinem Volk passend gestraft«, murmelte er.
»Schießt die heimtückischen Angreifer aus den Felsen«, befahl Tungdil wütend. Noch ein wichtiger Mensch bei dieser Unternehmung war verloren. Die Reihen lichteten sich viel zu schnell.
»Furgas«, flüsterte Rodario entsetzt. »Mein armer Freund. Die Götter sind seit dem Tod von Narmora nur grausam zu dir gewesen. Ich hatte gedacht, dass sie sich mit dir versöhnt hätten, weil sie mich dich finden ließen.« Der verkohlte Arm... ein letzter Gruß von dem Mann, mit dem er zyklenlang durch das Land gezogen war, der das Curiosum zu einem phantastischen Traumgebilde gemacht hatte und dem er so viel zu verdanken hatte. Weg, tot, verbrannt. »Dabei hätten wir dich gebraucht, Furgas.« Er wischte sich die Tränen aus den Augen und zog sein Schwert. »Deinen Tod werden mir die Dritten büßen!« Er stürmte davon, den Gang entlang, durch den er schon einmal gelaufen war.
»Ihm nach«, rief Tungdil den Zwergen zu und befahl den Soldaten, die Gefangenen zu befreien und die Wärter zu beschäftigen. Durch ein Schott erreichten sie eine schmale, hohe Höhle.
Hier befand sich das Herz der Insel. Der Raum war angefüllt mit Drehventilen, Rohren und Ketten, die in den Decken verschwanden. Unter den gewaltigen fünf Kesseln, welche einen Großteil der Höhle ausfüllten und fünfzig Schritt hoch waren, loderten Öfen. Sie schufen den Wasserdampf, mit dem zahlreiche Maschinen auf dieser Insel arbeiteten.
Rodario entdeckte die Dritten neben einem Eisenkasten, aus dem viele kleine Glasröhrchen ragten und Rohre abzweigten. Darin schwappte eine klare, brodelnde Flüssigkeit. »Ihr da!«, reckte er das Schwert gegen sie. »Ihr werdet bezahlen, was Ihr meinem Freund und dem Geborgenen Land angetan habt!« Er flog die Stufen hinab, um Veltaga und Bandilor zu stellen.
Bandilor fluchte laut und legte die Hebel hinter sich um. »Ihr werdet niemals lebend von hier entkommen.« Veltaga lief zu einem der Kessel, bediente die Hebel und kurbelte an den Ventilrädern.
»Ich hoffe, der Unglaubliche weiß, dass es keine Bühnenanweisung gibt, die ihn den Kampf gewinnen lässt«, meinte Ingrimmsch und eilte hinterher, gefolgt von Goda, Tungdil und den restlichen Kriegern. Bandilor hob seine Axt und schlug damit die Hebel ab, dann parierte er in aller Ruhe Rodarios Angriff, rammte ihm die Schulter in den Unterleib und stieß ihm das stumpfe Griffende der Axt in den Bauch. Der Mime ließ sich dadurch nicht entmutigen. »Ich will Rache für Furgas!« Er trat Bandilor zwischen die Beine und stach mit dem Schwert zu. »Verrecke!«
Abgelenkt von den Schmerzen, gelang es dem Dritten nicht mehr, die Waffe aufzuhalten. Sie fuhr ihm in den Hals und hinterließ eine Wunde, die kein Medicus des Geborgenen Landes erfolgreich zu behandeln vermochte. Das Blut sprühte hervor und benetzte die Ventile, die Anzeigen und verbogenen Hebel.
Und doch war es nicht vorbei.
Bandilor schlug nach Rodario und traf ihn an der Hüfte. Die Axt zog einen langen, roten Strich über den Beckenknochen, Kleidung und Fleisch klafften auseinander, und der Mime stürzte zu Boden. Schneller als ein Hammer auf Eisen trifft, stand der Dritte über ihm und holte sterbend zum Streich gegen den Verletzten aus. »Nein, Zwergenhasser!« Boindil erschien, drosch den Krähenschnabel gegen die herabsurrende Klinge und fälschte sie ab; singend prallte sie auf den Stein. »Ich bin dein Gegner!« Den Schwung nutzte er, um seine Waffe in einer kreiselnden Bewegung um den Kopf zu schwingen und zuzuschlagen.
Die stumpfe Seite kollidierte mit Bandilors Schläfe, und selbst der Helm schützte ihn nicht mehr vor der vernichtenden Wirkung des Schlages. Knochen knackten, das Gesicht verschob sich, Blut schoss Bandilor aus der Nase. Durch die Wucht wurde er gegen die Wand geworfen und rutschte neben dem jammernden Rodario zu Boden. »Wieder einer weniger von euch.« Ingrimmsch spie auf den Dritten und schaute zu Goda. »Es war nicht gegen deinen Stamm gerichtet. Nur gegen diese verfluchten Zwergenhasser.«
Tungdil versuchte in der Zwischenzeit, Veltaga an ihrem Wüten zu hindern. Es konnte nicht gut sein, was sie an den Maschinen anrichtete. Er glaubte, Druck auf seinen Ohren zu spüren und hatte das Gefühl, dass sich der Boden unter seinen Füßen nicht mehr so stark bewegte.
»Wasser!«, schrie Dergard und deutete auf den Höhleneingang. »Wasser bricht ein!«
Tungdil ahnte, was das bedeutete. Die beiden Dritten hatten eine Tauchfahrt eingeleitet und, die Niederlage vor Augen, alles geöffnet, was es an der Insel zu öffnen gab. »Schließt die Schotts! Macht alles dicht«, rief er nach hinten und heftete sich an Veltagas Fersen, die eben zur Eisentreppe rannte und die Stufen in eine zweite Ebene hinaufeilte. Dort befanden sich weitere Hebel, mit denen sich noch mehr Schaden anrichten ließ. »Ihr werdet mit uns untergehen!«, schrie sie und riss an zwei weiteren Vorrichtungen.
Er erreichte sie, als sie ein Stellrad betätigen wollte.
Sie warf einen Dolch nach ihm, den Tungdil mit der Feuerklinge abwehrte, dann zückte sie mit der Rechten einen mehrkantigen Streitkolben, um für den Nahkampf gewappnet zu sein; ihre Linke zog ein Kurzschwert. Tungdil sah von seinem erhöhten Standort aus, dass eine riesige Welle in die Schmiede schwappte, weiße Dampfwolken stoben fauchend auf. Heiße Schmelzöfen zersprangen, als das kalte Wasser sie traf, und ihre Bruchstücke flogen Geschossen gleich umher.
»Verriegelt endlich die Schotts!«, befahl er und wich Veltagas Streitkolben aus, der ihn verfehlte und ein Ventil zerschlug.
Die Zwerge taten endlich, was Tungdil angeordnet hatte. Ein, zwei verletzte weyurnische Soldaten retteten sich zu ihnen, dann schlössen sich die dicken Eisentüren. Für alle anderen Soldaten und die Gefangenen gab es keine Rettung mehr. Dort, wo sich kleine, für das Auge unsichtbare Lücken zwischen Fels und Metall befanden, spritzte das Wasser in feinen Strahlen ins Innere.
»Wie habt ihr uns gefunden?«, keifte Veltaga und holte zum nächsten Schlag aus.
»Ihr Zwergenhasser könnt euch nicht vor uns verbergen«, erwiderte er und blockte ihre Attacke, die auf seine linke Schulter zielte. Gleich darauf sprang er zur Seite, um der Klinge des Kurzschwertes zu entgehen. »Der entflohene Furgas half uns bei der Suche.«