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»Woher bezieht Ihr Eure Weisheit, Tungdil Goldhand?«, fragte sie verblüfft.

»Die Dritten, die wir gestellt haben, verrieten es uns.« Und er erzählte das Abenteuer in Weyurn in einer abgewandelten Version, ohne die Rolle, die Furgas dabei vermutlich hatte. Er ließ die Dritten und die Unauslöschlichen die Bösen sein. »Bandilor hatte sich mit den Albae verbündet. Er berichtete uns von den Plänen der Unauslöschlichen, die ihm sehr entgegen kamen.«

Die Elbin betrachtete ihn ergründend. »Und Ihr glaubt den Worten eines Zwergs, der dem Bösen folgt?« »Ich traue den Worten, die in Todesangst gesprochen wurden«, verbesserte er. »Er dachte, dass ich ihn verschone, und Lot-Ionan prüfte die Wahrheit der Worte mit Magie.« Tungdil schaute sie bittend an. Er bekam Beistand von unerwarteter Seite. »Wir brauchen die Elbenkrieger Älandurs hier, Fürstin. Auf der Stelle, bevor die finsteren Heerscharen hervorquellen und uns überrennen. Wollt Ihr die Schuld daran tragen, dass Idoslän und das Geborgene Land unter ihre Knute fällt?« Prinz Mallen forderte mehr als er bat. Zwei Sachen kamen zusammen. Es war sein Land, in das die Bedrohung einfallen könnte, und er mochte die Elbin immer weniger. Auch wenn es nicht klug schien, forsch zu reden, so drängte es aus ihm heraus. Tungdil freute sich darüber. Das machte seine Lüge glaubwürdiger.

»Nun verlangt Ihr meinen Beistand, Prinz Mallen?« Rejalin hob ihren Becher mit Wasser und trank in aller Ruhe, ließ Zeit verstreichen, bevor sie weitersprach. »Habt Ihr meine Abordnung, die an Euren Hof kam, nicht erst vor kurzem außer Landes gewiesen?«

»Es besteht ein Unterschied zwischen einer Abordnung und einem Heer, Fürstin«, sagte er. »Mir steht im Augenblick nicht der Sinn nach schöngeistigen Unterhaltungen über den Austausch von Wissen, während ich versuche, neuerliches Unheil von unser aller Heimat abzuwenden.« Er lehnte sich vor. »Wenn wir gewonnen haben, soll mir Eure Delegation willkommen sein, aber bis dahin seid so gütig und verschont mich mit den Angeboten. Sendet lieber ein Heer. Das werde ich mit offenen Armen empfangen.«

Gandogar nickte. »Seid unbesorgt, Rejalin. Wir wissen Eure Hilfe zu schätzen, aber wir können uns sehr gut selbst verteidigen. Und zu Eurer Beruhigung sei gesagt, dass wir schon sieben Zwergenhasser ausgemacht und eingesperrt haben, die unerkannt in unseren Gemeinschaften lebten. Ohne Folter«, fügte er hinzu. »Die Dritten, die es mit dem Zusammenleben ernst meinen, halfen uns dabei.«

Nun gab es keinen Ausweg mehr für die Elbin. »Dann sei es so«, beschied sie und lächelte ihre Niederlage weg. »Noch heute werden die Boten losreiten, um die Krieger nach Toboribor zu holen.« Sie betrachtete die Karte der Höhlen. »Die Zwerge sollten schneller vorstoßen. Je mehr wir von diesen Tunneln und Kammern erkunden, desto besser können wir gegen das zu erwartende Heer aus dem Jenseitigen Land vorgehen. Hinterhalte werden uns einen wertvollen Dienst erweisen.«

»Da stimme ich Euch zu.« Gandogar hob seinen Humpen und prostete ihr zu. »Meine Mineure werden die besten Stellen erkunden und mit den Arbeiten beginnen.«

»Ist etwas über den Zeitpunkt bekannt, wann diese Streitmacht auftauchen wird?«, fragte Rejalin. »Womöglich kommen meine Krieger viel zu spät?«

»Nein. Bandilor sprach von Vorbereitungen. Wir haben noch ein wenig Zeit«, beruhigte er sie. »Verzeiht, aber meine Freunde und ich sind von den Strapazen der Reise müde. Wir können morgen gern eine richtige Versammlung abhalten, um die anderen Befehlshaber einzuweihen. Jetzt würde ich mich gern hinlegen.« Die Elbin stimmte zu und verließ das Zelt. Ihr folgten die Kommandeure der Städte und Bramdal. Kaum waren sie verschwunden, vereinbarte Tungdil mit Gandogar und Mallen ein geheimes Treffen unmittelbar nach Einbruch der Nacht abseits des Lagers. »Keine Wachen, kein Gefolge. Nur ihr beide«, verlangte er, bevor er ging. »Vertraut mir. Es geht um Wichtiges, deshalb sprecht mit niemandem darüber«, mahnte er eindringlich. Verblüfft stimmten die Herrscher zu.

Als sich die Sterne über Idoslän zeigten, trafen sich die drei am verabredeten Ort. Mallens und Gandogars Neugier war groß, aber Tungdil bat sie um Geduld und schwieg dann eisern. Lot-Ionan stieß bald darauf zu ihnen, und zu viert ritten sie davon, geradewegs in die Schänke von Deichseldorf, wo sie Esdalän zurückgelassen hatten. Tungdil gewann den Eindruck, dass der Elb seit dem ersten Umlauf seiner Genesung hübscher geworden war. Oder besser ausgedrückt: Er wirkte frischer, strahlender als jedes andere Lebewesen in seiner Umgebung. Ähnlich wie Rejalin.

Als Mallen und Gandogar in der leeren Gaststube saßen und im Schein vieler Kerzen die Geschichte des Elben vernahmen, wurden ihre Gesichter besorgt.

»Dann habe ich mit meinem Misstrauen wohl getan«, sagte der Prinz, »auch wenn es mir lieber gewesen wäre, ich wäre von der Untadeligkeit der Elben überzeugt worden, anstatt diese Neuigkeiten zu hören.« »Dass sie ihren Fürsten umgebracht haben, ist ungeheuerlich.« Gandogar konnte es ebenso wenig fassen. »Und weil ich den Kriegern alles zutraue, habe ich sie unter dem Vorwand der Hilfe nach Toboribor gelockt«, sagte Tungdil. »Ich habe sie lieber an einem Ort versammelt, wo sich das Heer der Königreiche befindet, als verstreut im gesamten Geborgenen Land, wo sie immensen Schaden anrichten könnten.«

»Es war von Magie die Rede.« Mallen hob die Augen und blickte zu Lot-Ionan. »Wisst Ihr etwas über die Macht der Elben, ehrwürdiger Magus?«

»Nicht viel. Die Elben sind ebenso wie ihre finsteren Verwandten, die Albae, in der Lage, kleinere Zauber zu sprechen, die mit ihrem Wesen zusammenhängen. Es betrifft, soweit meine Bücher mich damals nicht belogen haben, in erster Linie Pflanzen und die Künste. Liütasil hat niemals etwas davon erwähnt, dass einer seines Volkes in der Lage war, Magie zu nutzen wie ich oder einer der anderen Magi und Magae.« »Nun, das mag bis zu einem gewissen Teil zutreffen«, meldete sich Esdalän, dessen Stimme für die Menschen betörend rein klang. »Die Elben Älandurs standen nie im Ruf, besonderes Augenmerk auf die Kunst der Magie zu legen. Aber andere meines Volkes, die Elben der Goldenen Ebene, die von den Albae vernichtet wurden, verhielten sich dieser Kraft gegenüber aufgeschlossener. Es ist mir wieder in den Sinn gekommen, während ich hier verweilte. Es heißt, dass die wenigen Elben der Goldenen Ebene, die den Angriff der Albae überlebten, nach Älandur kamen und sich uns anschlössen.«

Tungdil merkte, dass sich die Sprache des Elben mehr und mehr veränderte, blumiger und für ihn unausstehlicher wurde.

»Das ändert die Lage. Wir können demnach nicht ausschließen, dass es in den Reihen der Atär einen Nachfahren dieser magisch befähigten Elben gibt. Vielleicht hat die Eoil ihm Teile ihres Wissens zukommen lassen«, fasste Lot-Ionan zusammen. »Das erklärt, weswegen sie den Diamanten haben wollen.«

Gandogar schaute mit zusammengekniffenen Augen zum Magus. »Haltet mich nicht für unverschämt, ehrenwerter Lot-Ionan, aber was wäre, wenn Ihr oder Dergard die Macht des Steins bekämt? Welche Macht besäße einer von Euch?«

»Wenn es sich so verhält, wie mir von Tungdil geschildert wurde, dann wäre diese Macht... mh, welches Wort trifft es?«, grübelte er und rieb sich den weißen Bart. »Unermesslich«, sagte er schließlich. »Die Macht wäre unermesslich.« Er lächelte listig.

»Keine Sorge, Großkönig Gandogar. Es lockt mich nicht, und Dergard ebenso wenig. Wir haben die Quelle, die uns die gleiche Kraft verleiht. Für uns wäre es nichts Besonderes. Zudem trachten weder ich noch Dergard nach dem Bösen.«

»Seid Ihr sicher?« Gandogar verschwand hinter dem Tresen und schenkte ihnen allen etwas von dem einfachen Wein ein. »Er war ein Schüler von Nudin. Wir wissen, was aus dem Magus geworden ist.« »Vergesst nicht die Umstände, geschätzter Großkönig«, sprach Lot-Ionan für den jungen Dergard. »Es gibt keinen Dämon, der Einflüsterungen aussendet. Unsere Gegenspieler sind dieses Mal gewaltig, aber körperlich. Und damit angreifbar.« Er streckte die Hand nach dem dargebotenen Tonbecher aus und sog scharf die Luft ein. Wieder hatte er einen Stich im Kreuz gespürt, seine Sicht trübte sich und verschwamm... Dann meinte er, eine Gestalt im Dunkel neben der Tür gesehen zu haben. Eine merkwürdig bekannte Gestalt. »Nudin?« »Ehrenwerter Lot-Ionan, was ist mit Euch?« Vor seinen Augen erschien das bärtige Gesicht Tungdils, der sehr besorgt dreinblickte. »Habt Ihr wieder Kreuzschmerzen?«