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»Sie wissen um die Besonderheit eines der Steine. Doch es gab niemals einen Zwerg, der auch nur im Entferntesten die Veranlagung zeigte, eines Umlaufs Magie beherrschen zu können«, sagte Tiwalün. »Korrigiert mich, wenn ich etwas Falsches sage, Glaimbli. Die Dritten können mit der Macht, die darin schlummert, nichts anfangen. Von den tumben Orks ganz zu schweigen.«

»Wir haben außerdem diese furchtbaren Wesen in den Tionium-Rüstungen«, erinnerte Nate. »Und bei Palandiell, wenn sie keine Magie nutzen, was soll es sonst sein, das ihnen Macht verleiht?« »Also suchen sie losgelöst von den Dritten und Orks den Diamanten, um sich... die Macht anzueignen?« Ortger deutete auf die Landkarte. »Es gibt keine magischen Felder mehr, demnach stammen auch diese Bestien aus dem Jenseitigen Land. Wie kamen sie herein und konnten von den Steinen erfahren? Sind sie fähig, Magie zu spüren?«

»Nein. Sonst würden sie ihre Zeit nicht damit vergeuden, die falschen Steine zu rauben.« Mallen kostete ebenfalls von seinem Wein. Er hoffte, dass ihn die Wirkung des Alkohols beruhigte. »Das ist zumindest sicher: Keiner von den drei Gruppen hat den echten Diamanten, in dem die Eoil die Macht speicherte, für sich gewonnen.«

Ein Diener mit den Insignien Idosläns trat ein und näherte sich ihm, überreichte eine Nachricht und wartete neben dem Herrscher darauf, dass er die Zeilen las.

Mallens Augen flogen über die Buchstaben, und als er zu Ende gelesen hatte, leerte er den Wein. »Anscheinend hat das Böse nicht nur Augen für die Diamanten«, sagte er laut und legte das Schreiben auf den Tisch. »Eines meiner Dörfer, Seelenschön, wurde dem Erdboden gleich gemacht. Niemand überlebte, die Menschen kamen in ihren brennenden Häusern um. Warum das Dorf angegriffen wurde, weiß ich bislang nicht. Der Kommandant der benachbarten Festung berichtet von Spuren, die auf Orks deuten, und hat Kundschafter in die Höhlen Toboribors entsandt.«

»Ich dachte, dass die Höhlen leer seien?«, wunderte sich Nate. »Hattet Ihr nicht alle Gänge untersuchen lassen?« »Das war vor fünf Zyklen gewesen. Da sich Orks aufs Neue einen Weg ins Geborgene Land gesucht haben, könnten sie die alte Brutstätte für sich entdeckt haben.« Mallen erhob sich. »Verzeiht mir, ich muss einige Anweisungen für meine Soldaten niederschreiben.«

»Am besten vertagen wir unsere weitere Besprechung, bis Großkönig Gandogar bei uns ist«, schlug Bruron vor. »In der Zwischenzeit können wir uns weitere Gedanken zu den Vorkommnissen machen. Wer möchte, dem zeige ich gern die Stätte, an der sich mein neuer Palast...«

»Ich beantrage, dass wir die restlichen Diamanten an einem Ort versammeln und mit der größten Streitmacht schützen, welche das Geborgene Land aufbringen kann.« Königin Wey, eine Frau um die fünfzig Zyklen in einem bodenlangen dunklen Kleid, das mit unzähligen Diamanten besetzt war, erhob die Stimme und überraschte mit ihrem Vorschlag alle Anwesenden. Sie gehörte nicht zu dem Kreis, den man als militärisch bewandert einstufte. »Anscheinend sind die einzelnen Völker nicht in der Lage, die Steine vor den Räubern zu bewahren. Warum sollen nicht alle ihren Beitrag dazu leisten? Stecken wir sie hinter die Mauern der größten Festung, umgeben wir sie mit Kriegsmaschinen und Tausenden Soldaten. Dann kann es keinem gelingen, sie zu stehlen. Einzeln sind sie leichte Beute.«

Nate nickte sofort. »Ein hervorragender Vorschlag, Königin Wey!«

»In der Tat«, lobte Isika. »Wir hätten gleich darauf kommen können, geschätzte Schwester.« Ihre Anrede verwunderte niemanden. Die äußerlich völlig unterschiedlichen Königinnen redeten sich als Geschwister an, um ihren Zusammenhalt zu zeigen. Sie hob die Hand. »Ich bin dafür.«

Alle Königinnen und Könige schlössen sich ihr an.

Glaimbli und die beiden Elben rührten sich dagegen nicht. »Wartet auf Gandogar«, grummelte der Zwerg lediglich.

Tiwalün und Vilanoll versprachen, ihren Fürsten zu unterrichten und seine Entscheidung kundzutun. »Bis Gandogar eingetroffen ist, wird sich auch Liütasil entschieden haben«, sagte Tiwalün. »Nun würde ich sehr gern den Fortschritt an Eurem Palast sehen. Haben Eure Baumeister unsere Hinweise gut verwenden können, König Bruron?«

Mallen ging an ihnen vorbei und eilte zu seinem Pferd. Er rätselte. Noch immer hatte sich keine Elbendelegation bei ihm blicken lassen, die mit ihm über den Austausch von Wissen verhandeln wollte. Bruron dagegen profitierte offensichtlich bereits von den Errungenschaften Älandurs. Er bezweifelte, dass Idoslän nach dem Streit mit Rejalin überhaupt ein Aspirant war. Umso überraschter war er, als er bei seiner Rückkehr in seine Unterkunft ein Schreiben von Liütasil vorfand, in dem der Fürst eine Abordnung ankündigte.

Mallen war sich indes nicht sicher, ob er sie in seinem Königreich haben wollte.

VII

Das Geborgene Land, Königreich Idoslän, 6241. Sonnenzyklus, Frühsommer.

Tungdil lag neben Balyndis und starrte an die Decke. Letztlich starrte er ins Dunkel und wusste, dass sich über ihm die Decke befand. Es machte keinen Unterschied. Er hätte auch in ein Feuer, in die Sonne oder einen Abgrund starren können.

Er dachte nach. Unentwegt und so sehr, dass er trotz der Ermattung, die in seinem Körper steckte, nicht zu schlafen vermochte.

Etwas stimmte nicht.

Die Freude über das Wiedersehen mit Balyndis hielt an, auch die gegenseitigen Beteuerungen ihrer Gefühle und die Zärtlichkeiten, die sie nach langer Zeit wieder ausgetauscht hatten, empfand er als echt. Dennoch besaß alles, was er tat und sagte, einen Beigeschmack. Es war wie ein unvollkommener Frühling ohne Blüten. Es grünte, aber die Farbenpracht und der Duft fehlten.

Und weil er sich so absurd unzufrieden und unausgefüllt fühlte, hasste er sich. Er war dabei, die neue Idylle von ihm und Balyndis völlig grundlos zu zerstören. In den vergangenen Zyklen hatte er dieses Gefühl für Schuld am Tod seines Sohnes gehalten. Es war nicht so.

Behutsam, um die Zwergin nicht zu wecken, stand er auf, streifte sich sein Nachtgewand über und verließ das Schlafzimmer.

Er schlenderte durch den Stollen, und sogar hier wollte sich das Gefühl nicht einstellen, zu Hause zu sein. Die Gänge und Kammern boten ihm keine Geborgenheit mehr.

Tungdil ging in die Küche, kochte sich einen Tee aus Schafgarbe, Nieswurz und Fenchel. Genüsslich schlürfte er ihn und wartete, dass er sich beruhigte und sein Verstand das Grübeln aufgab.

Gerade, als seine Lider schwer wurden und er mit dem Kopf auf den Tisch sank, hörte er ein dumpfes Krachen aus dem vorderen Teil des Stollens. Ein morsch gewordener Balken, der unter dem Gewicht einer Querstrebe einbrach, hätte anders geklungen. Jemand machte sich mit Wucht am Eingangstor zu schaffen, und Tungdil ahnte das Schlimmste. Schon war es mit der Ruhe vorbei, sämtliche Sinne erwachten. Er rannte zurück ins Zimmer, schlüpfte ins Kettenhemd und die Stiefel, dann nahm er die Feuerklinge.

»Was ist los?« Balyndis richtete sich auf.

»Wir bekommen Besuch«, erwiderte er gehetzt. »Ingrimmsch!«, brüllte er laut. »Steh auf. Es gibt Beschäftigung für deinen Krähenschnabel.« Er zurrte sein Wehrgehänge um die Hüfte und schaute zu ihr. »Denkst du, du kannst uns beistehen?«

Sie grinste. »Welchen Eindruck habe ich vorhin auf dich gemacht, als wir das Lager teilten?« Balyndis schwang sich auf die Füße, legte ebenfalls ihr Kettenhemd an, nahm nach kurzem Zögern ein Beil und einen Schild aus dem Waffenregal.