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Kartev schaute überrascht. »Ja! In der Tat, du hast Recht.« Seine Augen wurden schmal. »Dann haben sie es bei euch auch schon versucht, nehme ich an?« Er richtete sich auf. »Sehr schön, dass ich euch helfen konnte. Ich überlasse sie euch, wenn ihr mir meine Ausgaben bezahlt habt.« Seine Finger ließen das schwere Segeltuch los, die fremden Zwerge verschwanden wieder in der Dunkelheit. »Bring mich und meine Gefangenen zu deiner Königin, damit ich mit ihr über den Preis verhandeln kann.«

Bendelbar wickelte eine Bartsträhne um seinen kräftigen Zeigefinger. Er überlegte einen Augenblick, schließlich willigte er ein. Die Gelegenheit, die Diebe zu befragen, durfte er sich nicht durch die Hände gleiten lassen. Die Geschichtsschreibung würde keine Gnade mit ihm kennen, falls durch sein Verschulden eine Katastrophe nicht verhindert werden könnte. Er ließ die Tore für den Mann und seine Fracht öffnen.

Eskortiert von zehn Wächtern, ging es eine sehr lange Zeitspanne und von mehreren Rasten unterbrochen quer durch die Gänge und Hallen des östlichen Abschnitts des Roten Gebirges, bis der Tross in einer Kaverne anhielt, die den Ersten als Steinbruch diente.

»Warte hier«, wies Bendelbar ihn an. »Ich lasse Xamtys holen.« Er rief einem Wächter einen entsprechenden Befehl zu, und der Zwerg trabte los. Bendelbar meinte, wieder den Geruch von Orks in der Nase zu spüren, was keinesfalls sein konnte. Nicht hier drinnen. Er tat es als Einbildung ab.

»Was gibt es Neues im Geborgenen Land?«, plauderte Kartev und löste nacheinander die Schnallen, um die Planen und Lederhäute von den Käfigen zu ziehen. »Ich war schon lange nicht mehr hier. Hausen in Toboribor immer noch Orks?«

Bendelbar wies die übrigen Soldaten an, dem Mann zur Hand zu gehen. Nach und nach enthüllten sich die Verschlage mit den Zwergen, die im Geborgenen Land nur als Untergründige bekannt waren. Der Händler brachte ihnen zwei Dutzend. Sie drängten sich in der Mitte ihrer Gefängnisse zusammen und betrachteten ihre Verwandten misstrauisch, schweigsam.

»In Toboribor? Da tut sich schon lange nichts mehr«, gab Bendelbar abwesend zur Antwort; er konnte den Blick nicht von den Gestalten wenden. »Nach dem Stern der Prüfung ist nichts mehr von dem Bösen übrig geblieben.« »Da hört man aber ganz andere Dinge«, erwiderte Bendelbar und schwang sich auf den vorderen Teil des Wagens, wo fünf große Fässer standen. Er öffnete das linke, nahm ein paar Laibe hartes Brot heraus und warf es zwischen die Gitterstäbe; gierig machten sich die Untergründigen darüber her. »Es sollen sich seltsame Kreaturen herumtreiben, die plündern und morden.«

Jetzt schaute Bendelbar doch zu dem Mann. »Gerüchte verbreiten sich im Jenseitigen Land schnell.« Der Händler lächelte dem Zwerg zu. »Vergiss nicht, dass ich Kaufmann bin. Kaufleute sind immer leicht zu beunruhigen, weil sie um ihre Ware fürchten.« Mit einem kräftigen Sprung, dem Bendelbar dem Menschen nicht zugetraut hätte, landete er vor ihm. »Gibt es diese Kreaturen nun oder nicht?«

»Es gibt sie«, seufzte er. »Doch wir haben sie bald gefasst.« Er legte die Hand an den Griff seines Beils, das in seinem Gürtel steckte. »Du kannst unbesorgt durch...«

Hinter ihm krachte es laut.

Ein Teil des Käfigbodens war weggebrochen, und ein Dutzend der gefangenen Untergründigen fiel unter dem Karren auf den Steinboden. Zuerst glaubte Bendelbar daran, dass das Gefährt durch die lange Fahrt und das Gewicht marode geworden war, aber als Untergründigen ohne Ketten an den Beinen nach rechts und links davonstürmten, verstand er, dass sie sich befreit hatten.

»Haltet sie!«, schrie Kartev entsetzt und fiel einem der Wächter in den Arm, der eben mit seinem Speer nach einem Untergründigen stechen wollte. »Und tut ihnen bloß nichts! Sie sind mein Eigentum, hört ihr? Ich will sie unbeschadet zurück. Ihr bezahlt mir jeden Toten teuer!«

Bendelbar stieß ihn zur Seite. »Hinterher!«, befahl er und langte nach seinem Rufhorn.

Da klappte eine Seitenwand des zweiten Käfigs weg, klingelnd und klirrend hopsten die Haltebolzen auf den Boden. Der Zwerg wurde von den Gitterstäben am Kopf und an den Schultern getroffen und niedergedrückt, während das zweite Dutzend Untergründiger sich befreite und die Wächter überwältigte. Mit den erbeuteten Waffen und Rüstungen liefen sie zu den Ausgängen der Halle.

Bendelbar konnte sich nicht rühren. Das schwere Gitter presste ihn zu Boden und ließ nicht einmal zu, dass er seine Arme bewegte, geschweige denn sein Rufhorn erreichte.

»Ich hole Hilfe«, sagte Kartev und nahm sich das Beil des Zwergs. »Nur, falls sie mich unterwegs angreifen«, erklärte er. »Du bekommst es wieder. Wo muss ich hin?«

»Mein Rufhorn«, ächzte Bendelbar. »Blas hinein.« So sehr sich der Händler bemühte, außer einem Geräusch, das wie ein nasser Furz klang, wurde nichts laut. »Sie wollen bestimmt unseren Diamanten«, ächzte der Zwerg und nickte auf den linken Gang. »Lauf und warne die Königin.«

Kartev nickte ihm zu. »Das werde ich.« Er stand auf und rannte davon, schneller als Bendelbar jemals einen Menschen hatte rennen sehen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als auf Hilfe zu warten.

Es dauerte eine ganze Weile, bis man sich um ihn kümmerte. Er hörte Rufhörner und viele aufgeregte Stimmen schallen, mal krachten Waffen gegeneinander, mal schrie ein Zwerg vor Schmerz und Wut. Jede Faser in Bendelbars Leib verlangte danach, bei der Jagd auf die Eindringlinge dabei zu sein, doch das Eisen widerstand all seinen Bemühungen, sich hervorzuwinden.

Endlich, endlich näherten sich Schritte.

Kartevs derbes Gesicht tauchte vor ihm auf. »Da bin ich wieder«, sagte er, und zahlreiche Hände packten das Seitengitter, um es mit vereinten Kräften anzuheben.

Mit einer schmerzenden Schulter und dröhnendem Schädel rutschte Bendelbar unter den Stäben hervor. Dann wurde ihm auf die Beine geholfen. Vor ihm standen außer dem Händler Königin Xamtys und geschätzte sechzig Krieger, an deren Waffen Blut haftete. »Wie ist es ausgegangen?«, fragte er mit einer tiefen Verbeugung vor seiner Herrscherin.

»Wir haben die meisten von ihnen erschlagen müssen, weil sie sich heftig gewehrt haben«, sagte sie. »Sie gelangten sogar bis in unsere Schatzkammer, auch wenn ich nicht weiß, wie es sich zugetragen hat. Ein furchtbares Durcheinander.« Xamtys schaute zu Kartev. »Zwei von ihnen befinden sich zwar auf der Flucht, rechne jedoch nicht damit, dass du sie lebend zurückbekommst.« Sie reichte ihm ein Säckchen, in dem es in bekannter Weise klimperte: Goldmünzen. »Nimm sie als Entschädigung und als meinen Dank für deinen Versuch, uns im Kampf gegen die Untergründigen in der Schatzkammer beizustehen.«

Der Mann verneigte sich. »Vielen Dank, edle Königin. Es tut mir Leid, dass unser Geschäft auf diese Weise zu Stande kommt. Ich hätte Euch die Gefangenen gern verwahrt übergeben.« Er deutete auf den zerborstenen Boden. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie sich mit ein paar Eisenspänen einen Weg nach draußen schaffen und sogar die Schlösser der Ketten öffnen könnten.«

»Es ist nicht deine Schuld. Meine Wächter hätten den Karren gründlicher untersuchen müssen«, sagte sie und schaute zu Bendelbar. »Von nun an erwarte ich die dreifache Umsicht von den Torwächtern«, sprach sie mit schneidender Stimme. »Kehre auf deinen Posten zurück und lass es dir eine Lehre sein. Dieser Überfall hätte viel zu leicht zu einem Erfolg werden können.« Sie wandte sich um und entfernte sich mit ihrem Gefolge und der Leibwache.

Bendelbar verzog den Mund. Er hatte Schmerzen und war bei der Königin in Ungnade gefallen. Vor allem die letzte Nachricht würde bei seinem Clanoberhaupt keine Freudenstürme auslösen, er bekäme den Schopf sicherlich nochmals gewaschen. Unfreundlich schaute er zu dem Menschen, der die ersten Trümmerstücke auf seinen Karren warf. »Lass es gut sein.« Er befahl seinen Wächtern, die zurückgekommen waren, die Arbeit zu übernehmen.