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»Ein Kampf. Tungdil kann es dir besser erklären.« Boindil zog es vor, lieber nicht zu viel zu sagen, weil er fürchtete, seinem Großkönig die Wahrheit gestehen zu müssen.

Tungdil neigte sein Haupt. »Um ehrlich zu sein, war es langweilig, Großkönig. Wir haben Liütasil nicht gesehen, wir wurden gefüttert, und man zeigte uns ausschließlich Orte, die belanglos waren.« Er senkte die Stimme. »Ich bin der Meinung, dass sie etwas vor uns verbergen wollen. Wir haben neue Heiligtümer in ihren Hainen gesehen und durch einen Zufall von Bauten gehört, die sie vor uns geheim hielten. Wir dagegen gewähren ihren Abordnungen Zugang zu all unseren Räumen. Das ist ungerecht. Mit deiner Erlaubnis werde ich diesen Umstand bei Fürst Liütasil ansprechen. Er ist doch hier, oder?«

»Nein.« Gandogar bot ihnen Wasser an, sie nahmen die Becher aus poliertem Gold entgegen. »Er hat seine Gesandten geschickt. Vilanoil und Tiwalün. Es hieß, er werde nachkommen, weil er wichtige Angelegenheiten zu besprechen habe.«

Boindil runzelte die Stirn. »Das sagte man uns auch. Das müssen ja mächtig wichtige Dinge sein, die er so lange mit irgendjemandem bespricht.« Er warf einen Blick zu Tungdil. Nun wurde es in Porista um einiges ungemütlicher für ihn. Ausgerechnet ihren Fremdenführern aus Älandur, die am ehesten über das Vergehen Bescheid wussten, würden sie in Kürze wieder begegnen.

Tungdil blieb ruhig und sah zu, wie das klare Wasser gegen die sattgelben Wände schwappte. »Merkwürdiges trägt sich in Älandur zu.«

»Was willst du damit sagen?«, fragte Gandogar beunruhigt.

»Ich will damit sagen, dass sich Merkwürdiges in Älandur zuträgt.« Seine alte, längst nicht besiegte Schroffheit brach hervor, und er riss sich zusammen. »Ich hoffe, dass es sich bald klärt und sich Erfreuliches dahinter verbirgt.« Er leerte seinen Trunk, verneigte sich und stellte den Becher zurück. »Wann beginnt die Versammlung, Großkönig?«

»Wir wollten schon lange wieder tagen. Ein Hornsignal wird uns rufen.«

Tungdil schaute Gandogar an. »Ich habe Schlechtes zu verkünden: Mein Diamant ist gestohlen worden. Ein neues Monstrum tauchte in Lot-Ionans Stollen auf und griff uns an. Balyndis wurde dabei verletzt.« Rasch fasste er die Vorgänge zusammen. »Die Spuren haben sich verloren, das Monstrum nutzte einen Weg durch felsiges Gebiet, wo es keine Abdrücke hinterließ. Da erreichte uns dein Befehl, unverzüglich nach Porista zu kommen.« »Auch du hast einen Stein eingebüßt? Dann erging es dir wie den Ersten. Ein verzauberter Ork und eine Hand voll bartloser Untergründiger haben die Königin beraubt.« Gandogar atmete schnaufend aus und ballte die Fäuste. »Und die schlechten Nachrichten gehen weiter. Die Dritten, das nimmt Xamtys an, haben einige der Brunnen des Roten Gebirges vergiftet. Unzählige Zwerginnen, Zwerge und Kinder starben, ehe man das Gift bemerkte. Die Gelehrten haben festgestellt, dass es seine tödliche Wirkung erst entfaltet, wenn man genügend davon getrunken hat. Es bringt nichts, wenn das Wasser abgekocht wird. Sie müssen Wasser aus entlegenen Brunnen über weite Strecken heranschaffen. Keiner im Roten Gebirge traut mehr dem anderen.« »Das Misstrauen wird um sich greifen, wenn die Zwergenreiche von den vergifteten Zisternen erfahren«, schätzte Tungdil. Er schwieg betroffen. Seine Hoffnung, dass die Dritten sich friedlich einfügen würden, starb. Es gab sie immer noch, die abgrundtiefen, felsenfesten Zwergenhasser, deren heimtückische Rache die übrigen Stämme härter und furchtbarer traf als jemals zuvor. Umgekehrt würden diejenigen Dritten, die sich offen zu ihrer Herkunft und Läuterung bekannten, sicherlich bald angefeindet werden. Daraus konnte Schlimmes erwachsen.

»Vielleicht ist es besser, die Dritten, die in den übrigen Zwergenreichen offen leben, wieder in einem Stamm zusammenzufassen«, sagte er nachdenklich. »Abseits der Zwergenreiche.«

Das Hornsignal erklang und rief die Mächtigsten des Geborgenen Landes zurück an die große Tafel. Ihre Unterhaltung wurde fürs Erste unterbrochen.

»Mit dir als König?«, griff Gandogar den Einfall rasch auf, während er nach seinem Helm langte und ihn unter den Arm klemmte. »Ich hatte bereits einen ähnlichen Gedanken. Wir sollten es mit allen Clans und den Freien besprechen, sobald wir die Angelegenheit mit den Diamanten geregelt haben. Vielleicht gibt es auch in einer der Städte der Freien Platz für die Dritten.«

»Was für ein...« Tungdil biss sich auf die Lippen, um das Wort Unsinn zurückzuhalten, und legte eine Hand auf den Axtkopf der Feuerklinge. »Wäre es gut, sie wieder zu Ausgestoßenen zu machen? Ich bin mir zudem nicht sicher, ob die Freien so viele Dritte in einer Stadt haben möchten. Wäre ich dort König, fürchtete ich eine gewaltsame Übernahme. Wer wollte sie aufhalten?«

»Ach, das ist alles ganz furchtbar. Man könnte meinen, Vraccas habe uns fünf Zyklen des Friedens gewährt, um uns nun durch den Hochofen zu senden«, brummte Boindil missgelaunt. »Die Diamanten werden geraubt, Schweinchen und andere Monstren streifen durch unsere Heimat, unsere Brunnen werden vergiftet, und die Elben brauen ihr eigenes Süppchen.«

»Sagtest du vorhin verzauberter Ork«, hakte Tungdil ein und schritt neben Gandogar her. Gemeinsam machten sie sich auf den kurzen Weg ins Zelt.

»Der Bericht ist vage«, milderte der Großkönig ab. »Aber es war Magie im Spiel.«

»Was denn? Die Schweineschnauzen beherrschen nun auch noch Magie? Sind Tion und Samusin vollständig wahnsinnig geworden, so etwas auf uns zu hetzen? Das können keine Orks aus dem Geborgenen Land sein«, murmelte Ingrimmsch. »Verfluchte Kraft! Ich mochte die Magie noch nie leiden.« Goda schloss sich ihnen mit etwas Abstand an. Ihr Kopf glühte von der Anstrengung des Marsches, und Ingrimmsch sorgte sich insgeheim, es mit seiner Anweisung übertrieben zu haben. Er zeigte es jedoch nicht. »Du wartest wieder vor dem Zelt«, sagte er stattdessen und setzte ein genuscheltes »Ruh dich aus« hinterher. Tungdil betrat das Zelt und sah, wie die Herrscherinnen und Herrscher des Geborgenen Landes ihre Plätze einnahmen. Er kannte die meisten von ihnen; die Menschengesichter waren in den letzten fünf Zyklen im Vergleich zu denen der Zwerge und Elben schwerer gealtert. Der Stachel der Vergänglichkeit saß tief im Fleisch. Neugierig betrachtete er Ortger, den jungen Herrscher von Urgon. Er unterhielt sich leise mit seiner Tischnachbarin, Königin Isika, nickte mehrmals, dann richtete er sich wieder auf und deutete eine Verbeugung an.

Vilanoil und Tiwalün würdigten die Zwerge dagegen keines Blickes. Aus der offensichtlichen Unfreundlichkeit schlössen sowohl Ingrimmsch als auch Tungdil, dass die schwarzen Abdrücke entdeckt worden waren. König Bruron stand auf und schlug mit dem Ring gegen seinen Pokal, das metallisch-melodische Geräusch unterbrach das leise Gemurmel der Mächtigen, und die Aufmerksamkeit galt ungeteilt ihm allein. »Beraten wir weiter, Königinnen und Könige.« Er deutete auf Tungdil. »Wie Ihr seht, haben wir einen vertrauten Gast und Freund unter uns. Ein Held des Geborgenen Landes, der in den schweren Stunden unter uns weilt und sicherlich mit uns nach Auswegen suchen wird: Tungdil Goldhand.«

Gandogar neigte sich zu Tungdil. »Sein goldener Becher ist aus einer schlechten Legierung. Der Ton war furchtbar und verrät die Minderwertigkeit. Entweder hat ihn der Goldschmied betrogen, oder er spart absichtlich und will den Schein wahren.«

»Und natürlich freuen wir uns über Boindil Zweiklinge, dessen Verdienste um das Wohl unserer Heimat kaum geringer sind«, fuhr Bruron lächelnd fort. »Wir benötigen Helden wie sie, um das Kommende zu meistern.« Die Herrscherinnen und Herrscher neigten ihre Häupter leicht um ihre Wertschätzung zu zeigen; nur den Elben schienen die Hälse steif geworden zu sein, was niemand außer den Zwergen bemerkte.