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Zischend stießen die Maschinen Qualmwolken aus, Menschen liefen um sie herum, legten Kohle nach oder gössen Wasser in die Behältnisse der Druckkessel. Der Krach musste in unmittelbarer Nähe kaum auszuhalten sein.

Rodario verstand nicht, was hier vor sich ging. Aber mit den Albae hatte diese Insel nichts zu tun. Die Einwohner Weyurns sollten das nur glauben, sich fern halten und nicht darüber sprechen. Einen besseren Schutz vor Entdeckung gab es nicht.

Schritte stapften die Treppe hinauf. »He, ihr da! Ihr sollt Wache halten und nicht an euren Ohren herumfummeln, ja?«, polterte eine ihm bekannte dunkle Stimme. Neben den Männern erschien ein dunkelhaariger Zwerg mit Lederhose, Stiefeln und Lederschürze. Der nackte, von Tätowierungen geschmückte Oberkörper glänzte von seinem Schweiß. Er trug einen Schmiedehammer mit solcher Lockerheit, als bestünde er aus Blech und Leichtholz.

Rodario glaubte, in ihm seinen Peiniger unter dem Wohnwagen wiederzuerkennen. Inzwischen ging er fest davon aus, dass der Lastkahn nicht an der Insel zerschellt, sondern darin verschwunden war. Die Insel war danach untergetaucht und hatte Rodarios Nussschale durch die Wellen zum Kentern gebracht. »Es liegt an der Hitze, Meister Bandilor«, verteidigte sich der Gescholtene. »Dadurch wird das Harz weich.« »Dann näh sie dir eben fest«, brummte der Zwerg. »Ich will nicht noch einmal sehen müssen, wie ihr euch befingert, ja? Wenn das einer der Gefangenen bemerkt, ist es mit der Maskerade vorbei.« Er wandte den Kopf, und Rodario sah den dichten, blutrot gefärbten Bart. »Hat einer von euch das Schott offen stehen lassen?« »Nein«, wehrte der Blonde sofort ab. »Ich habe keine Lust zu verglühen.«

Bandilors Augenbrauen zogen sich zusammen. »Ist Meisterin Veltaga vielleicht an euch vorbeigekommen, um Kammer zwei zu überprüfen?« Er ging an ihnen vorbei, den Hammer hielt er schräg vor sich. »Nein, Meister Bandilor. Niemand.«

Rodario gewann aus dem, was er gesehen und gehört hatte, die Erkenntnis, dass er einen geheimen Stützpunkt der Dritten ausfindig gemacht hatte. Niemand käme auf den Gedanken, dass sich Zwerge freiwillig auf eine Insel begaben und auf den Grund des weyurnschen Sees hinabtauchten. Ihren Gefangenen wurde eine Flucht unmöglich gemacht.

Zu seinem Entsetzen stapfte Bandilor die Stiegen hoch. So sehr Rodario sich umschaute, es gab kein heimliches Entkommen mehr für ihn. Er richtete sich halb auf, um sich in den Gang zurückzuziehen, aus dem er gekommen war, da bemerkte Bandilor ihn.

»Das ist nicht zu fassen! Der Schmierenkomödiant, ja?« Der Zwerg machte einen Satz nach vorn und wollte ihn am Bein packen.

Rodario drückte sich ab und rutschte von der Plattform. Dabei hielt er sich an der Kante fest, sodass er eine Rolle vorwärts machte. Vom Oberkörper an abwärts schwebte er kurz frei über dem Abgrund, dann landeten seine Füße auf der soliden Eisentreppe, nicht weit von den falschen Albae entfernt. Seine Finger öffneten sich, sein Herz pochte wild.

»Etwas mehr Respekt vor meiner Kunst«, rief er übermütig zu dem Zwerg hinauf, der wütend den Hammer nach ihm warf und ihn verfehlte; klirrend sprang das Werkzeug auf die Treppen und trudelte in die Tiefe. Die Wächter senkten ihre Speere und griffen an.

»Verzeiht, mit steht nicht der Sinn nach einem Gefecht mit Euch.« Rodario dachte gar nicht daran, sich auf einen Kampf einzulassen. Er sprang ohne zu Zögern in den nächsten Korb, der an ihm vorbei schwebte, und ließ sich nach unten transportieren. »Ich suche mir einen netten Ausgang!«, winkte er hinauf. »Wir sehen uns wieder, Meister Bandilor! Und ich kehre mit einem Geschwader weyurnischer Kriegsschiffe zurück.« Es ging vorbei an den staunenden Gefangenen, die sich nicht zu rühren wagten. Weder halfen sie ihm, noch schlössen sie sich an. Die Furcht vor den Albae und den Strafen hielt sie zurück, was er ihnen nicht einmal verdenken konnte. Es war schließlich nicht sicher, ob er entkam.

Ein Speer verfehlte ihn knapp und verhakte sich neben ihm in den Gittern. »Meinen Dank für die Waffe, Alb«, rief er und sah, dass ein zweites Geschoss nahte. Auch dieses verfehlte ihn, weil der Winkel für den Werfer zu ungünstig war. Dafür marschierten Bogenschützen ein Stockwerk über ihm auf; sie würden ihn treffen, ohne meisterliche Schützen zu sein.

Rodario sprang auf der Höhe eines Quergangs aus dem Korb und eilte geduckt auf den Durchgang zu. Irgendwo im Innern des hohlen Berges vermutete er seinen Freund Furgas, der sicherlich ebenso in Ketten lag. Tungdil und sämtliche Herrscher hatten die Gemeinheit der Dritten unterschätzt. Vielleicht konnte er unterwegs herausfinden, was die Dritten beabsichtigten. Sie würden sich nicht damit begnügen, auf Tauchfahrt zu gehen und seltsame Dinge zu schmieden. Die Zwergenhasser planten Großes.

Er gelangte in eine zweite Höhle, die etwas kleiner war und vom Aufbau her der ersten ähnelte. Hier war es noch heißer, denn auf dem Boden und auf den Plattformen standen zahlreiche Hochöfen, in denen flüssiges Metall brodelte.

Eine Zwergin stand zwischen den Arbeitern am Grund der Kaverne und gab Anweisungen, während die Funken um sie herum flogen. An einer anderen Stelle wurde gerade der Abstich vorgenommen; weiß glühend rann die geschaffene Legierung durch die Sandkanäle in vorbereitete Formen, wo sie erkalten durfte. Mehr sah Rodario nicht. Er erreichte eine Tür und stand dann wieder in einem der glatt geschliffenen, gewundenen Gänge, die ein Wurm in den Fels gefressen zu haben schien.

Dieses Mal traf er auf einen Wächter, einen falschen Alb, der vor einer Seitentür Wache hielt und ihn mit einem lächerlichen Fauchen attackierte.

»Keine Ahnung von der Materie haben und eine Rolle spielen wollen«, sagte Rodario tadelnd, der vor verkleideten Menschen keine Angst empfand. Bei wahren Albae hätte die Sache anders ausgesehen, aber so vertraute er auf seine Kampferfahrung, selbst wenn sie ein wenig eingerostet war.

Mit Wucht schlug er die Speerspitze zur Seite und stieß das stumpfe Ende seiner Waffe in den Schritt des Gegners, der aufstöhnend in die Knie sank. »Albae zischen nicht, wenn sie angreifen, merk es dir. Sie sind lautlos wie die Nacht und tödlich wie...«, er suchte nach dem passenden Vergleich, »wie... Ach, was soll's.« Er schlug dem Mann das Speerblatt gegen die Stirn und sandte ihn ohnmächtig auf den Gangboden. »Wenn du vor einer Tür Wache standest, wird sich dahinter etwas von Wert verbergen«, sagte er zu dem Liegenden und legte eine Hand auf die Klinke. »Schauen wir nach.«

Er drückte sie nach unten und rammte die Schulter gegen das Holz; schwungvoll wirbelte er in den dahinter liegenden Raum.

Kleidungsstücke verteilten sich unordentlich auf dem Boden, es roch nach altem Essen und abgestandener Luft, überall lagen Papiere mit Zeichnungen von Maschinen und Apparaten herum oder hefteten an den Wänden. Auf dem Bett hockte mit angewinkelten Beinen Furgas. Die graugrünen Augen schauten durch den Freund hindurch. Er sah verwahrlost aus, trug einen langen, dichten Bart und schmutzige Wäsche. Die Haare reichten bis auf die Brust und sahen verfilzt aus. Man hatte ihn schlecht behandelt.

»Furgas! Mein lieber Furgas!«, rief Rodario und eilte zu ihm. »Ich bin es, der Unglaubliche!« Er rüttelte ihn an der Schulter und schaute hinter sich, ob der nächste Alb erschien. »Auf die Füße! Das ist die Szene mit der dramatischen Flucht, bei der die Helden den Schurken entkommen und vielleicht das Böse für immer besiegen. Na, es wäre zumindest schön.« Er zog den lethargischen Mann auf die Beine. »Komm, wir verschwinden von hier.«

Wie ein widerstrebendes Kind folgte ihm Furgas. »Rodario? Wie kommst du hierher? Wie hast du die Insel gefunden?«, murmelte er verstört.

»Das hat eine lange Vorgeschichte, schätzungsweise drei bis vier Akte, und birgt Stoff für eine laufende Folge von hervorragenden Theaterstücken«, vertröstete Rodario ihn und trat auf den Gang. »Weißt du, wie wir von diesem Gefängnis flüchten können?«