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»Da hast du Recht, Balba Metzhammer aus dem Clan der Steinschmeichler«, erwiderte der Elb entschuldigend. »Ich wollte dir das Lob aussprechen, das dir gebührt. Du hast vorzügliche Arbeit geleistet. Die Diamanten werden sicher sein.«

Sie nickte und schenkte ihm ein vorsichtiges Lächeln. »Möchtest du?«, fragte sie ihn und hielt ihm anbietend die Trinkflasche entgegen.

Der Elb streckte die gepanzerten Finger aus und nahm sie entgegen. »Vielen Dank.« Er roch zuerst daran, um sich zu vergewissern, was er trinken würde, dann hob er die Öffnung an die Lippen - und verharrte. »Bei Sitalia«, raunte er und deutete nach Süden. »Siehst du, was ich sehe?«

Balba blickte in die angegebene Richtung.

Der Tross mit dem Stein war zwischen zwei Hügeln zum Vorschein gekommen und hatte einen Wald passiert, wo er das Opfer eines Überfalls wurde. Die Zwergin sah, wie zwischen den kleinen Gestalten der Soldaten ein riesiges schwarzes Monstrum umherlief, das eine sensenartige Waffe schwang; gelegentlich schössen grüne Blitze von ihm weg, und wo sie trafen, verdampften die Menschen an Ort und Stelle.

»Die Unauslöschlichen haben uns getäuscht! Sie sind nicht in Toboribor. Sie haben ihre Ausgeburten zu uns gesandt, um die Steine zu rauben, ehe sie in Sicherheit gebracht werden können.« Der Elb ließ die Flasche fallen, rannte die Treppe hinab und stülpte sich den Helm über. Er rief Worte in einer Sprache, die Balba nicht verstand. Die elbische Truppe stieg eilends auf die weißen Pferde und donnerte zum Südtor hinaus, um Umilantes Soldaten beizustehen. Eine Hand voll ihrer Meldereiter stob in die anderen Richtungen davon, um die weiter entfernt befindlichen Reisegruppen der Zwerge und Menschen zu warnen.

Der Befehlshaber der Festung ließ hinter ihnen die Tore schließen und rief alle Soldaten zu den Waffen. »Ich sagte doch, dass der Tag noch nicht zu Ende ist.« Mit einem Mal stand Balba vor einem Gefecht. Sie konnte leidlich mit einer Keule umgehen, betrachtete sich jedoch nicht als herausragende Kämpferin. Jetzt nutzte sie die Aufregung, um den Wehrgang zu verlassen und ihre Arbeiter im abnehmenden Licht des Tages zu schnellerem Tun anzutreiben.

Unerwartet entstand Aufregung an der Ostseite der Festung, aber Balba blieb an ihrer Baustelle, bis die Menschen die Aufgabe zu ihrer vollen Zufriedenheit erfüllt hatten. Jeder Makel würde später auf sie und damit auf ihre Familie und ihren Clan zurückfallen. Erst danach eilte sie den Wehrgang hinauf, den Schild in der Linken haltend.

Eine Staubwolke hielt auf das Osttor zu.

Und was immer sie auslöste, es bewegte sich unglaublich schnell. Zu schnell, um ein Mensch, ein Elb, ein Zwerg, eine Bestie oder ein Tier zu sein.

»Was ist mit Umilantes Leuten?«, fragte sie den Soldaten in ihrer Nähe.

Der Mann war bleich, klammerte sich an den Schaft seines Speeres. »Sie liegen zwischen den Hügeln und rühren sich nicht mehr.«

»Und die Elben?«

»Verschwunden. Vom Monstrum verschlungen«, raunte er und schluckte.

Die Sonne war versunken und tauchte Gauragar in Zwielicht, bevor die Nacht ihre Schwärze und ihre Gestirne brachte.

Die Fackeln in der Festung loderten auf und vertrieben die beängstigenden Schatten. Einige der Männer rannten hinaus, zogen die Holzbrücken ein und entzündeten die mit Reisig und Pech gefüllten Gräben rund um die Festung. Die erste Verteidigungslinie stand.

Balba wuchtete einen der Steine auf die Zinnen und hielt sich bereit, den Angreifer mit dem Brocken zu begrüßen. Sie trieb ihre Initialen mit ein paar gezielten Schlägen in den Stein und grinste zufrieden. Fünfzig Schritte vor dem Tor und mitten auf dem Weg hielt das Ding, das sich so rasch genähert hatte, inne und zeigte sich den Verteidigern. Die Staubschleier, die es umspielten, wurden von der heißen Luft des Feuers davon geweht, und zum Vorschein kam eine Mischung aus Scheusal und Maschine.

Von der Hüfte an aufwärts glich es den anderen Monstren, ein Bastard aus Alb und Ork oder Schlimmerem, das in einem starren, dicken Panzer aus Tionium steckte. Nirgends war auch nur ein Stückchen Haut zu sehen, alles lag sorgfältig vor Pfeilen und kleineren Steinen geschützt unter dem resistenten Material. Lediglich an dem offenen Visier und dem Gesicht erkannten sie, dass Leben in der Rüstung steckte.

Aber wo gewöhnlich die Beine waren, befand sich ein schwarzer Klotz von zwei Schritt Höhe, zwei Schritt Breite und drei Schritt Länge.

Die Kanten waren leicht abgerundet, die schwarz polierte Oberfläche lief an den Rändern nach unten, sodass Wasser, Blut oder andere Flüssigkeiten sofort hinab rannen und nicht darauf stehen blieben. Balba erkannte zudem Klappen auf der Oberfläche, vorne und an den Seiten, hinter denen so manche Überraschungen lauern mochten. Ringsherum saßen unterarmlange Tioniumspitzen; auf der Unterseite befanden sich mehrere große Räder, auf denen sich das Mischwesen vorwärts bewegte und die von einer unsichtbaren Kraft aus dem Innern des Klotzes angetrieben wurden.

»Ein Streitwagen ohne Pferde«, sagte der Soldat neben Balba. »Was ist das nun wieder für eine Erfindung?« »Keine gute«, murmelte sie. Der Anblick des Wesens brachte ihren Nackenhärchen dazu, sich aufzurichten. »Gebt mir den Stein, und ihr werdet leben«, rief es mit klarer Stimme. »Meine Brüder und Schwestern werden bald hier sein. Diese Mauern halten uns nicht auf.«

»Du wirst deine Antwort bekommen«, rief der Kommandant hinab, hob die Hand und stieß sie ruckartig nach unten.

Vier Speerschleudern feuerten ihre Tod verheißende Ladung auf das Wesen und schwirrten als schwarze Wolken durch die Abenddämmerung.

Die Geschosse hätten sicherlich getroffen, wenn das Monstrum nicht unvermittelt nach hinten gerollt wäre. Die dicke Frontverkleidung klappte nach oben und bildete einen Schild gegen die drei Speere, die mehr aus Fügung ihr Ziel erreicht hatten. Die Holzschäfte brachen, die Spitzen zersplitterten, verbogen sich an dem Tionium und schlugen nicht einmal ein winzige Delle. Hektisch luden die Schützen nach.

»Zielt auf die Räder. Dieses Mal kriegen wir das Ding!« Der Kommandant wandte sich zu den Steinkatapulten im Hof. »Haltet euch bereit«, rief er hinab. »Wenn ich...«

Da erlosch jegliche Lichtquelle in Paland. Kerzen, Fackeln, die Feuer in den Gräben erstarben, und gleichzeitig fraß die Nacht die Dämmerung. Alles lag in vollständiger Finsternis, nicht einmal die Sterne wollten sich zeigen. »Schießt!«, rief der Kommandant, und man hörte, wie die Haltemechanismen der Winden gelöst wurden und die Taue sich abwickelten. Es dauerte nicht lange, und das Rumpeln der Einschläge erklang.

Balba glaube nicht mehr daran, jemals den Todesschrei des Wesens zu vernehmen.

Vor dem Tor leuchteten dunkelgrüne Runen auf, dann gab es einen gewaltigen Blitz, und die Flügel wurden mit solcher Wucht aus ihren Halterungen gesprengt, dass die größeren Fragmente und Splitter bis auf die gegenüberliegende Mauer der Festung zischten.

Wenigstens weigerten sich die Fackeln nicht länger, Licht zu spenden, und so erkannten die Verteidiger im Hof wenigstens, wie der Tod für sie aussah, ehe er sie traf. Der Klotz hatte es über den Graben geschafft und raste nun über den Platz. Rechts und links waren Tioniumklingen von einer Mannslänge ausgeklappt und schnitten die Männer in ihren Rüstungen in zwei Hälfen; halbiert fielen sie auf den Boden und bescherten ihren Kameraden einen grauenvollen, lähmenden Anblick. Aus der Front war eine Eisenschürze als Rammschutz ausgefahren, und jeder, der sich der Maschine in den Weg stellte, wurde in die Klingen gestoßen, oder er geriet unter die Räder, deren Kanten ebenfalls gezackt waren. Keiner, der darunter geriet, kam mit dem Leben davon. Herkömmliche Pfeile konnten gegen die Panzerung des Vehikels und der Kreatur nichts ausrichten.