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»Bemerkenswert«, meinte die Elbin bedeutungsvoll. »Was sind... Broka?«

»Sie ähneln dir, aber sie sind verdorben und hinterhältig. Sie geben vor, gütig und weise und allen Völkern gut Freund zu sein. In Wirklichkeit trachten sie danach, ihre eigenen Ansichten durchzusetzen. Ohne Rücksicht. Man muss sie vernichten.« Sündalon hatte mit dunkler, belegter Stimme gesprochen. Es fiel ihm sehr schwer, sich zu beherrschen.

»Er meint die Albae«, rettete ihn Tungdil. »Wir können von dem Äußeren nicht auf das Innere schließen, Fürstin Rejalin. Gerade Euer Volk weiß es sehr genau.«

Ihr durchdringender Blick senkte sich. »Ich bitte um Verzeihung, Sündalon. Ich wollte dich nicht beleidigen.« »Es sind keine guten Nachrichten, die du uns bringst, Tungdil Goldhand«, seufzte König Bruron. »Es wird wohl das Beste sein, wenn du mit der Feuerklinge sofort nach Idoslän reist, wo Prinz Mallen im Begriff ist, die Höhlen Toboribors zu belagern. Wir vermuten, dass sich die Monstren darin mit ihrem Raub verbergen. Es ist ein sehr gefährliches Unterfangen, ganz ohne einen Magus gegen diese Bestien zu ziehen. Uns wurde schon einmal vor Augen geführt, dass eine Übermacht gegen sie nichts bedeutet.« Er betrachtete die wunderschönen Verzierungen auf dem Axtkopf. »Nur sie wird den magischen Angriffen der Unauslöschlichen und ihrer Verbündeten trotzen.«

»Sobald sich die Sonne erhebt, werde ich mich auf den Weg machen«, nickte Tungdil.

Ein Bote eilte in das Zelt und trat neben Bruron, raunte ihm etwas zu. Tungdil befürchtete sogleich, dass sein Aufbruch am nächsten Morgen zu spät wäre.

»Wir haben Besuch erhalten, der uns wichtige Neuigkeiten verkünden möchte«, sagte der König und wandte sich zum Eingang. »Schickt die beiden herein.«

Der Vorhang teilte sich in theatralischer Manier, und herein trat Rodario, gekleidet in auffällige bunte Gewänder, die denen der Mächtigen am Tisch ebenbürtig waren. »Meine Hochachtung, ihr Edlen des Geborgenen Landes, ihr Menschen, Zwerge und Elben«, sagte er und verneigte sich tief.

Tungdil freute sich sehr und grinste, als er seinen Freund sah. Diese Art des Auftritts passte zu ihm. Eigentlich hielt Rodario sich noch zurück, es fehlten die Trommeln, Fanfaren und Ausrufer. Die Königinnen und Könige betrachteten den schwungvollen Aufzug des Neuankömmlings mit Staunen, beschränkten sich jedoch auf unterschiedliche Gesichtsausdrücke, die von Erheiterung bis zu Missfallen reichten.

»Wo Helden versammelt sind und Geschichte geschrieben wird, darf ich nicht fehlen. Denn wer sonst könnte es aufnotieren und der Nachwelt auf der Bühne so zeigen, wie es sich wahrlich zutrug?« Rodario strahlte in die Runde.

»Ho! Sperrt die hübschen Weiber weg, der Unglaubliche ist wieder da«, grinste Boindil.

Rodario lächelte und strich sich über das dünne Kinnbärtchen, das Tungdil länger in Erinnerung gehabt hatte. »Ich bin nicht allein gekommen, ihr Hochwohlgeborenen, sondern ich bringe Euch einen Mann, der viele Rätsel im Geborgenen Land zu lüften vermag.« Er deutete mit dem Gehstock auf den Eingang.

Es dauerte eine Weile, dann zeigte sich ein Mann mit kurzen schwarzen Haaren, der durch den dünnen Oberlippenbart eine entfernte Ähnlichkeit mit Furgas aufgewiesen hätte, wenn er nicht unfassbar alt ausgesehen hätte. Er trug eine einfache Hose, ein Hemd darüber, Stiefel und einen Mantel; alles wirkte zu groß an ihm und schlackerte um seinen dünnen Leib.

»Ich bin gekommen, um...«, raunte er und schaute verunsichert zu Rodario. »Ich bin gekommen, um für meine Taten zu büßen, denn man kann mir nicht verzeihen, was ich anrichtete.«

»Bei Vraccas! Es ist wirklich Furgas«, sagte Boindil entgeistert, der den Magister technicus an der Stimme erkannte. »Der Unglaubliche hat ihn aufgestöbert.«

»Nein, nicht aufgestöbert, mein guter Freund Boindil Zweiklinge, sondern befreit. Allein. Aus der Hand zweier Dritter, die sich Veltaga und Bandilor nennen und auf einer Insel hausen, die sie nach Belieben auf- und untertauchen lassen können. Und zwar inmitten des Sees von Weyurn!« Der Schauspieler zog alle Register seines Könnens, schilderte sein Zusammentreffen mit Furgas ausufernd und so schillernd, dass bald jeder an seinen Lippen hing. »Schließlich schwammen wir fünf Meilen durch die tobende See und gelangten nach Mifurdania; von dort aus ging es mit dem Curiosum nach Porista«, endete er. »Wir haben also die Schuldigen gefunden, welche die Todesmaschinen zu den Zwergen senden.«

»Ein wahres Meisterstück, Rodario«, sagte Isika freundlich. »Magister Furgas... Von welchen Taten sprecht Ihr? Warum kann man Euch nicht verzeihen?«

»Weil ich für Bandilor und Veltaga nicht nur die Insel gebaut habe, sondern auch die Maschinen«, flüsterte er. Er wiederholte die Schilderung, die er Rodario gegeben hatte. »Durch meine Schuld sind unzählige Zwerge gestorben. Und es werden weitere sterben. Die nächste Maschine ist auf dem Weg.« Er bat um ein Glas Wasser. »Richtet über mich. Ich erdulde jegliches Urteil.«

Gemurmel setzte ein.

Tungdil trat an Gandogars Seite, um für Furgas zu bitten.

Der Großkönig beugte sich zu ihm. »Sei unbesorgt. Ich trachte ihm nicht nach dem Leben«, sagte er leise und hob die Stimme: »Wir werden dich, Magister technicus, nicht zur Rechenschaft ziehen. Deine Genialität und deine wunde Seele wurden von den Zwergenhassern missbraucht. Sie wird unsere Rache treffen, nicht dich. Du warst das Werkzeug für ihre Niedertracht. Dennoch werden wir unsere unzähligen Opfer niemals vergessen. Wir verlangen von dir, dass du alles unternimmst, damit sich diese Vorkommnisse nicht wiederholen. Für das eine Mal besitzt du unser Verständnis. Enttäusche uns nicht.«

»Siehst du? Wie ich dir sagte: Sie können unterscheiden. Nun sei tapfer und berichte ihnen alles«, sagte Rodario sanft und spielte über die Drohung Gandogars hinweg. »Sie werden dir nichts tun.«

Furgas schluchzte. »Ich... habe die Maschinen gebaut«, wiederholte er verzweifelt.

»Wir haben dir verziehen«, wiederholte Gandogar.

»Nein, noch mehr Maschinen.« Er erzählte unter Tränen von den Mischwesen, die er mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte. Die Königinnen und Könige saßen wie versteinert auf ihren Stühlen und lauschten, das Grauen faszinierte sie und stieß sie gleichzeitig ab. Was Furgas da schilderte, hatte es nicht einmal in den schrecklichsten Träumen gegeben. Es übertraf alles Vorstellbare. »Es ist meine Schuld, dass sie mordend durch das Geborgene Land ziehen und Vernichtung bringen.«

Tungdil blickte zur Elbin, die außer ihm als Einzige nicht die Maske aus Abscheu und Faszination auf ihrem Gesicht trug. Ganz im Gegenteil, sie wirkte erfreut. Sie ahnte wie er, worum es sich bei diesem Loch auf dem Grund des Sees von Weyurn handelte.

Abrupt drehte sie den Kopf und schaute ihm in die Augen. Ihm war, als könnte sie jeden seiner Gedanken lesen. »Sehen wir das Gute in Magister Furgas' Bericht: Es gibt eine neue magische Quelle im Geborgenen Land«, sagte Rejalln mit klarer Stimme. »Und die Unauslöschlichen wissen allem Anschein nach nicht, wo sie sich befindet. Die beiden Dritten sind schlau genug, es vor ihnen zu verbergen, um sie in Abhängigkeit zu halten.« »Ich erkläre es Euch.« Tungdil verstand sofort, was sie meinte. »Die Magi des Geborgenen Landes hatten ihre Stammsitze nicht umsonst so gewählt, dass sie sich in magischen Feldern befanden. Diese speisten ihre Macht, und bewegten sich die Magi außerhalb der Felder, erlosch die Kraft alsbald nach ein paar Zaubern«, erklärte er. »Andökai die Stürmische und mein Ziehvater Lot-Ionan haben mir einst die Wirkungsweise erklärt. Nur durch die Kraft der Magiequelle waren sie in der Lage, aus Worten, Gesten und Konzentration die unglaublichsten Wunder zu weben.« Er rang nach Luft. »Ich nehme an, dass auch die Maschinenmonstren diesem Gesetz unterliegen. Sie und ihre Konstrukte müssen sich von Zeit zu Zeit trotz aller Mechanik mit Magie laden.«