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Aufschreiend ließ die Untergründige los, aber sie gab noch lange nicht auf. Sie zog ihren Dolch und stach nach dem Ungeheuer.

Tungdil schwang die Feuerklinge, drehte sich um die eigene Achse und schlug nach dem Oberschenkel des übergroßen Gegners. Die Axt entflammte, die Diamanten strahlten in kaltem Licht, und der Kopf zog einen feurigen Schweif hinter sich her.

Das Scheusal sah die Gefahr für sich kommen und hechtete zur Seite, nahm den verhältnismäßig ungefährlichen Dolchstich in den Unterleib hin und entging damit der Feuerklinge. Die Axt verfehlte es um Barthaaresbreite. Dafür traf es der unterarmlange Sporn des Krähenschnabels in die Kniescheibe. »Na, wie gefällt dir die Waffe meines Bruders, Fröschi?«, lachte Ingrimmsch böse und riss am Griff, um das Wesen zu Fall zu bringen. »Du hast doch nicht geglaubt, dass ich den Rückzug antrete, wenn ich dieses Viech töten kann, Gelehrter?« Das Wesen brüllte auf. In der hellen, elbenhaften Stimme klang das Tierhafte eines Orkschreis mit, dann streckte es die Hand blitzschnell nach Ingrimmsch aus und fasste ihn an der Schulter. Die Albaerunen an der Armschiene leuchteten auf.

Der Zwerg schrie, hielt den Griff seiner Waffe störrisch fest und riss immer noch daran.

»Vorsicht!« Tungdil schwang die Feuerklinge ein weiteres Mal. Jetzt fand die Schneide ein Ziel und trennte den Unterarm des Scheusals samt den Schonern und der Kette ab.

Ihr Gegner starrte auf die abgeschlagene Hand und auf sein schwarzes Blut, das aus der Wunde spritzte, wankte rückwärts und drückte sich aufheulend vom Boden ab. Trotz seiner Verletzung und dem Krähenschnabel im Knie, gelang es ihm, bis auf das nächste Dach zu springen. Schindeln und Strohhalme fielen aufs Pflaster. Das Ungeheuer war verschwunden.

Goda rannte los, verfolgte es.

»Halt, komm zurück!« Ingrimmsch hockte auf dem Boden. Eine Qualmwolke stieg von seiner Schulter auf, es stank nach verbranntem Fleisch, heißem Eisen und versengtem Leder. »Schau dir das an! Das Fröschi hat mich erwischt«, knurrte er durch die Zähne. »Wir hätten es beinahe getötet, oder?«

Tungdil sparte sich seine Vorwürfe, sein Freund war mit den Schmerzen schon genug gestraft. Das Kettenhemd hatte sich durch die Wirkung der Magie erhitzt, sich durch alle Lagen der Kleidung bis in die Haut gebrannt und ein schwarzes Muster darin hinterlassen. »Du bist schon wahnsinnig, Boindil«, sagte er nur und half ihm aufzustehen. »Suchen wir Goda.«

Die Zwergin kehrte bereits zurück. In ihren Händen hielt sie den blutigen Krähenschnabel, der Sporn war abgebrochen und fehlte. »Ich habe es krachen gehört und bin nachsehen gegangen«, erklärte sie und reichte die Waffe ihrem Meister.

»Der schöne Sporn«, bedauerte er die Beschädigung und berührte die zackigen Eisenstummel. »Ich werde den Krähenschnabel reparieren müssen.«

Goda schlüpfte unter seine Achsel und stützte ihn, er benutzte den Krähenschnabel als Stock. »Du musst dich ausruhen und deine Wunde versorgen lassen.«

»Ach, das ist nichts«, spielte er die Verletzung herunter. »Ich hatte schon schlimmere, klaffende Schnitte, aus denen mir Blut und Gedärme quollen. Das bisschen verbrannte Haut ist nicht tragisch.«

Tungdil schaute zu der Gruppe Zwerge, die sich um Dergard formierten, dann auf Risavas erkaltenden Leichnam. »Damit haben wir nur noch zwei Magi«, murmelte er. »Wir werden sie gut schützen müssen. Es wird nicht der letzte Anschlag gewesen sein.« Er gab das Zeichen, zu ihrer Unterkunft zurückzukehren, und wollte eben einen Boten senden, um die Versammlung einzuberufen, da kam ihnen ein Soldat entgegengerannt. »Da seid Ihr ja, Tungdil Goldhand! König Bruron sucht Euch überall. Der letzte Diamant ist von den Monstren gestohlen worden«, keuchte der Mann. »Es geschah während der Vorstellung. Es überraschte uns alle. Wir hatten keine Gelegenheit, es aufzuhalten. Wir erwarten Euer Erscheinen, um die Vorgehensweise zu beraten«, schloss er seine Nachricht.

»Verdammt! Das Fröschi hatte den Stein bei sich. Und wir haben es entkommen lassen«, ächzte Ingrimmsch. »Oh, Vraccas. Wie konnte das geschehen?«

Tungdil stieß die Luft aus und schaute zu Sirka. »Die Zwerge und die Untergründigen haben mindestens eine Gemeinsamkeit.« Er wollte ihr anerkennend auf die Schulter klopfen, legte stattdessen seine Hand auf ihren Rücken und ließ sie zu seiner eigenen Verwunderung dort. Sie übte eine enorme Anziehungskraft auf ihn aus. Er betrachtete ihr Gesicht, dachte an den Kuss und hätte diese Erfahrung gern wiederholt. Jetzt, in diesem Augenblick.

»Den Mut?«, sagte sie und lächelte.

»Genau«, stimmte er rasch zu, weil er viel zu lange geschwiegen und sie angestarrt hatte. An Ingrimmschs und Godas Blicken bemerkte er, dass ihnen sein Verhalten aufgefallen war. Schnell nahm er die Hand von Sirkas Rücken. Erst musste er mit Balyndis sprechen.

Sie eilten durch die Gassen und Straßen Poristas, in denen es nun vor Wachen wimmelte.

»Eine Sache noch, Tungdil Goldhand«, sprach ihn der Bote an. »Wir haben einen Toten in Eurem Zimmer gefunden. Allem Anschein nach ist er erstochen worden und starb an den Folgen seiner Verletzungen.« »Das kann nicht sein«, erwiderte Tungdil sofort, während sie auf das Versammlungszelt zugingen. »Es war ein Einbrecher, den ich überraschte und stellte. Ich habe ihn am Oberschenkel und in der linken Seite getroffen. Die Stiche waren nicht tödlich.«

»Das ist merkwürdig. Ich habe den Toten mit eigenen Augen gesehen, und ich versichere Euch, dass er vom Bauch bis zum Hals säuberlich aufgeschlitzt worden ist.«

»Das Fröschi! Das Monstrum hat auch ihn geholt!«, rief Ingrimmsch entsetzt und schaute zu Dergard und den zwergischen Wächtern, die ihn umgaben. »Ihr lasst ihn nicht mehr alleine, selbst wenn er seine Notdurft verrichten muss, verstanden?«

Tungdil wechselte einen Blick mit Sirka, und er las ihre Gedanken: Das Monstrum hätte den Verletzten zerrissen, von einem Dach geworfen, ihm die Kehle zerbissen, ihn aber niemals mit einem Messer oder einer scharfen Klinge getötet. Wenn er den Toten sah, würde er mehr dazu sagen können.

Die Untergründige kam an seine Seite, legte ihre Hand dieses Mal auf seinen Rücken und neigte sich zu ihm. »Ich denke, es gibt einen Verräter unter euch, Tungdil«, flüsterte sie.

Er teilte ihre Einschätzung. Die Dritten besaßen einen langen Arm, der bis nach Porista reichte.

Das Geborgene Land, Königreich Gauragar, Porista, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.

»Unter den gegebenen Umständen sehe ich es als nicht ratsam an, unsere Kräfte aufzuteilen«, sagte Ortger. »Tungdil Goldhand und die Feuerklinge müssen den Magus beschützen, bis er in der Lage ist, sich aus eigener Kraft gegen die Angriffe der Unauslöschlichen und ihre Scheusale zu verteidigen.« Er betrachtete die Gesichter der Männer und Frauen im Zelt. »Die Belagerung Toboribors dürfte kaum mehr einen Sinn haben. Soldaten wirken nicht gegen die Kräfte, die hier am Werk sind. Nicht, nachdem sie den echten Diamanten in die Finger bekommen haben.« Er zeigte auf Dergard, der zwischen Gandogar und Tungdil saß. »Schicken wir ihn und die Zwerge nach Weyurn und lassen sie die Insel finden.«

Tungdil erhob sich. »Das war unsere Absicht. Je eher wir Dergard und Lot-Ionan zur Quelle bringen können, desto besser.« Er trat zu der Karte des Geborgenen Landes. »Die Unauslöschlichen müssen erst einen Weg finden, die Kraft des Steins zu nutzen. Die Eoil hat sie zwar aus dem Bösen gewonnen, sie aber in Gutes gewandelt. Ich glaube nicht, dass es den Herrschern der Albae ohne weiteres vergönnt ist, sie auf der Stelle für sich zu verwenden.« Er kreiste Toboribor mit den gespreizten Fingern seiner Hand ein. »Und ich bin sehr dafür, die Belagerung aufrechtzuerhalten. Kleine Truppenteile sollten in die Höhlen eindringen und die Unauslöschlichen bei ihren Vorbereitungen stören. Habt Ihr niemals überlegt, weswegen sie sich nicht selbst auf die Jagd nach den Diamanten begeben haben?« Tungdil machte eine kleine Pause. »Ich glaube, dass die Unauslöschlichen zu schwach sind und deswegen ihre Geschöpfe ausgesandt haben. Wir dürfen ihnen keinen ruhigen Augenblick geben, auch wenn wir dadurch die Leben vieler Soldaten verlieren. Denn bekommen sie die Macht des Steins, bevor wir Lot-Ionan zum Leben erweckt haben und Dergard in der Lage ist, Zauber zu wirken, sind wir verloren.« Er setzte sich.