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»Du stehst weit unter meiner Schülerin, Untergründige.« Der Zwilling ließ sich zwar von ihrem Aufbrausen nicht beeindrucken, aber den Angriff auf Goda konnte er nicht auf sich beruhen lassen. »Hüte deine Zunge.« Nun war es an Tungdil, in den Streit einzugreifen, da es gegen Sirka ging. »Ganz Unrecht hat sie nicht, Ingrimmsch. Goda könnte ebenso gut eine Verräterin sein. Du weißt nichts über sie, außer, dass sie Dinge behauptet. Hat sie dir einen Beweis für ihre Herkunft und ihre Geschichte geliefert? Kann dir einer von den Dritten sagen, dass es so war, wie sie es schilderte? Du weißt, wie raffiniert Myr vorgegangen ist. Und ich sehe es nicht gerne, dass du sie zu einem Treffen bringst, bei dem geheime Dinge gesagt werden.«

Ingrimmsch schaute ihn verwundert an. Mit dem Angriff seines Freundes hatte er nicht gerechnet. Goda tat einen Schritt nach vorn. »Ich lasse mich nicht beleidigen, Untergründige.«

Sirka lächelte sie an. »Ich habe keine Lügen über deinen Stamm verbreitet. Nicht alle haben den guten Ruf von Tungdil Goldhand oder Sanda Feuermut. Wir sind auf dem Weg, zwei von diesen Dritten mit dem schlechten Ruf zur Strecke zu bringen. Dritte, Goda. Keine Untergründigen. Wir wollen dem Geborgenen Land nichts Schlechtes. Hätten wir das beabsichtigt, wären wir anders vorgegangen und hätten die Leben der Zwerge bei unserer Suche nach dem Stein nicht geschont.«

Rodario schob sich zwischen die streitenden Parteien und hielt den Teller mit dem Kuchen hin. »Vielleicht sollten wir uns alle beruhigen und uns entsinnen, wer unser wirklicher Feind ist, bevor ihr euch an die Gurgel geht. Kostet den Kuchen, er ist vorzüglich.«

Goda setzte sich und stützte ihre Hand in der gleichen Weise auf den Nachtstern, wie es Ingrimmsch mit dem Krähenschnabel tat; Sirka umrundete den Tisch und starrte auf die Karte. Niemand nahm sich von dem Kuchen. »Esse ich ihn eben selbst«, nuschelte Rodario und stellte sich wieder ans Fenster, um nach der jungen Bäuerin Ausschau zu halten.

»Rodario hat Recht.« Tungdil sah zu Boindil und seiner Schülerin, aber eine Entschuldigung kam ihm einfach nicht über die Lippen. Stattdessen hob er den Brief. »Gandogar schreibt, dass bei den Zweiten eine Maschine aufgehalten und zerstört wurde, die Zwerge durch ihre Ausdünstungen tötete. Im Inneren fanden sie viele kleine Behältnisse aus Stein, in denen Substanzen waren, die sich über Glasröhrchen miteinander vermischten. Die daraus entstehenden Gase töteten dreizehn Zwerge, bevor die Maschine in einen alten Schacht gestürzt und mit Erde begraben wurde. Sie vermuten, dass eine ähnliche Maschine schuld an den vergifteten Brunnen der Ersten ist.«

»So viel dazu, dass die Elben die Schuldigen seien«, sagte Goda zu Sirka, die nur abwinkte. Ingrimmsch betrachtete Furgas, der die Hände vor das Gesicht geschlagen hatte und stumm weinte. Wieder war eine seiner Erfindungen dazu benutzt worden, um Tod und Vernichtung zu bringen.

Sie ahnten, dass es viel schlimmer hätte kommen können. Ein solch giftiges Gas in einem belebten Teil des Blauen Gebirges, und die Zahl der Opfer wäre in die Hunderte gegangen, wie Furgas vermutet hatte. »Wir müssen die Insel schnell finden und einnehmen«, sagte er dumpf und ließ die Hände sinken. Dann wischte er sich die Tränen von den Wangen und fuhr sich durch die Haare. »Die Scheusale werden ihre magischen Kräfte bald wieder an der Quelle aufladen müssen. Dazu brauchen sie die Insel. Das wird bald sein. Es darf nicht noch mehr Opfer geben.«

Tungdil stimmte zu. »Ich werde Dergard später befragen, ob er in der Lage ist zu reisen. Danach geht es an die Ufer des Sees und mit dem Schiff auf die Suche nach der Insel. Den verletzten Elben lassen wir besser auf der Insel Windspiel. Dort ist es sicherer für ihn.« Er vermied es, Ingrimmsch anzusehen, als er weitere Anweisungen erteilte. »Lasst die Vorbereitungen zum Aufbruch treffen. Die Besprechung ist zu Ende.«

Boindil und Goda verließen den Raum, auch Rodario ging, um der schlechten Stimmung zu entfliehen. Furgas trank hastig seinen Tee aus und ließ Sirka mit Tungdil allein.

»Deine Freunde werden mir die Schuld geben, dass du dich gegen sie stellst«, sagte sie und kam auf ihn zu, streichelte seinen Bart.

Er hielt ihre Hand fest und drückte sie mit einem entschuldigenden Lächeln nach unten. »Nein, Sirka. Mach es mir nicht noch schwerer, meinem Verlangen zu widerstehen.« Er hatte noch keine Antwort auf seinen Brief an Balyndis erhalten.

»Dann gib ihm nach«, raunte sie und hob wieder ihren Arm, um ihn zu berühren. »Es ist nichts dabei, Tungdil. Wir mögen uns, und wir werden uns lieben. Es ist nur eine Frage der Zeit. Wir können es verschieben oder es gleich tun und uns besser fühlen. Wer weiß, was morgen kommt?« Ihr Kopf schnellte nach vorn, und sie küsste ihn.

Dieses Mal hielt er sie nicht auf. Er genoss die Zärtlichkeit, sein Körper verlangte nach mehr, und seine Hände legten sich auf ihren Rücken, um sie eng an sich zu pressen. Sie fühlte sich schlank und drahtig und gleichzeitig unheimlich kräftig an.

Er schob sie dennoch von sich. »Warte, ich muss dich etwas fragen«, sagte er atemlos, sein Blut rauschte schneller als ein reißender Feuerfluss durch seine Adern. »Was beabsichtigt Sündalon?«

»Das willst du jetzt wissen?«

»Hätte ich dich im Beisein der anderen fragen sollen?« Er lächelte. »Ich konnte nicht ahnen, dass du mich küssen wolltest. Ich wollte von Anfang an nur reden.«

Sirka atmete tief ein und fasste seine Hände. »Er bereitet meine Heimat darauf vor, das Schlimmste zu verhindern«, antwortete sie ausweichend.

»Das kann vieles bedeuten.«

Sie schaute ihm in die Augen. »Ich werde dir ein Geheimnis anvertrauen. Sündalon rief vor unserem Aufbruch ins Geborgene Land die Völker Ubars und die Acronta zusammen«, sagte sie langsam. »Sie haben sich bereits zu einem großen Teil an der Nordostgrenze vor den Toren versammelt.«

Das war demnach der Grund, weswegen die Orks verzweifelt versuchten, durch das Braune Gebirge der Vierten zu brechen. Sie hatten eine Streitmacht aus Orkhassern im Rücken, die sie vor sich her trieb. »Eine Invasion? Ihr wollt das Geborgene Land erobern?«

»Nein. Wir wollen den Stein erhalten und Gefahren für unsere Heimat im Keim ersticken. Beides befindet sich im Geborgenen Land.«

Tungdil schluckte. »Sirka, wie groß ist dieses Heer?«

Sie setzte sich, zog Tungdil auf den Stuhl neben sich. »Es sind achtzigtausend Ubariu, viertausend Acronta und fünfzigtausend meines Volkes.«

»Bei Vraccas«, stöhnte er und sah das Geborgene Land in Blut ertrinken. »Die Vierten werden euch bekämpfen, weil sie euch für die Bedrohung halten. Sie werden mit allem, was sie haben, gegen euch antreten, um euch von dem Diamanten fern zu halten.«

»Sie werden versagen. Es ist den Acronta ein Leichtes, die Pforten der Vierten zu sprengen. Wir haben sie ausgekundschaftet und ihre Schwachstellen erkannt.« Sirka schien erleichtert, endlich alles erzählen zu dürfen. »Aber das müssen wir nicht einmal. Unsere Aufklärer haben einen Weg durch das Braune Gebirge entdeckt.« »Niemals!«

»Es ist so. Ubar wies ihnen einen breiten Pfad, auf dem sich ein Heer unbemerkt an den Bastionen der Vierten vorbeibewegen kann.«

»Unmöglich«, widersprach Tungdil erneut. »Das kann niemals sein! Die Gipfel sind unüberwindbar.« »Du wirst bald das Gegenteil zu sehen bekommen.«

»Die Scheusale aus dem Jenseitigen Land hätten ihn ebenso finden müssen!«