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Es war später Vormittag, und helles Sonnenlicht hatte den Nebel über der Stadt zerstreut. Dannyl, der am Fenster stand, nahm sich einen Moment Zeit, um die Stille zu genießen. Die Druckmaschinen mochten zwar schneller sein als Schreiber, aber ihr Summen und Stampfen klingelte ihm jedes Mal noch stundenlang in den Ohren.

Er schürzte die Lippen. Jetzt, da das letzte Bündel Plakate gedruckt und in die verschiedenen Stadtteile geschickt worden war, war er endlich frei. Die mentale Suche war gescheitert, und Rothen hatte sich bereits wieder zu den Hüttensiedlungen begeben. Dannyl war sich nicht sicher, ob er sich darüber freuen sollte, dass er bei dem schönen Wetter nach draußen kam, oder verärgert sein sollte, weil er einmal mehr zwischen den ärmlichen Hütten umherstreifen musste.

»Lord Dannyl«, erklang eine Stimme, »vor den Toren der Gilde hat sich eine große Menschenmenge versammelt, die Euch zu sprechen wünscht.«

Erschrocken drehte Dannyl sich um. Administrator Lorlen stand in der Tür.

»Jetzt schon?«, entfuhr es ihm.

Lorlen nickte und verzog die Lippen zu einem erheiterten Lächeln. »Ich weiß nicht, wie sie dort hingekommen sind. Sie müssen sich an zwei Trupps der Stadtwache vorbeigeschlichen haben und in den Inneren Ring vorgedrungen sein, um es bis hierher zu schaffen – es sei denn, es handelt sich um Vagabunden, die uns bei der Säuberung entgangen sind.«

»Wie viele?«

»Ungefähr zweihundert«, erwiderte Lorlen. »Die Wachen sagen, sie behaupteten alle, zu wissen, wo sich das gesuchte Mädchen aufhält.«

Dannyl sah vor seinem inneren Auge die vielen Diebe und Bettler, die vor den Toren auf ihn warteten, und griff sich stöhnend an die Stirn.

»Genau«, sagte Lorlen. »Was wollt Ihr jetzt tun?«

Dannyl lehnte sich an den Tisch und dachte nach. Es war kaum mehr als eine Stunde vergangen, seit er die ersten Boten mit Kopien seines Plakats ausgeschickt hatte. Die Menschen vor den Toren waren die Ersten von einer Horde von Informanten, die gewiss noch folgen würden.

»Wir brauchen einen Raum, in dem wir sie befragen können«, überlegte er laut.

»Nicht in der Gilde«, erwiderte Lorlen sofort, »sonst werden die Leute Geschichten erfinden, nur um eine Gelegenheit zu bekommen, einen Blick auf uns zu werfen.«

»Dann eben irgendwo in der Stadt.«

Lorlen trommelte leise mit den Fingern auf den Türrahmen. »Die Garde hat mehrere Hallen in verschiedenen Teilen der Stadt. Ich werde veranlassen, dass eine davon für unsere Zwecke hergerichtet wird.«

Dannyl nickte. »Könntet Ihr auch dafür sorgen, dass ein paar Soldaten dort sein werden, um für Ordnung zu sorgen?«

Der Administrator nickte. »Ich bin davon überzeugt, dass die Leute die Gelegenheit, in der Stadt zu bleiben, nur allzu gern nutzen würden.«

»Dann mache ich mich jetzt auf die Suche nach Freiwilligen, die mir bei der Befragung der Informanten helfen.«

»Das klingt so, als hättet Ihr alles im Griff.« Lorlen trat einen Schritt von der Tür zurück.

Dannyl lächelte. »Vielen Dank, Administrator.«

»Wenn Ihr sonst noch irgendetwas benötigen solltet, schickt einfach einen Boten zu mir.« Lorlen nickte und wandte sich dann zum Gehen.

Dannyl sammelte die Werkzeuge ein, die er für den Entwurf des Plakats benötigt hatte, und legte sie in eine kunstvoll gearbeitete Schreibschatulle. Dann verließ er den Raum und eilte zu seinem Quartier. Unterwegs sprach er einen Novizen an, der gerade aus einem nahen Klassenzimmer getreten war.

»Du da«, rief Dannyl. Der Junge erstarrte und fuhr zu ihm herum. Nach einem raschen Blick senkte er den Kopf und verneigte sich. Dannyl drückte dem Jungen ohne viel Federlesens die Schatulle in die Hände.

»Bring das hier in die Bibliothek der Magier und sag Lord Jullen, dass ich die Sachen später wieder abholen werde.«

»Jawohl, Lord Dannyl«, erwiderte der Novize und hätte in seinem Eifer um ein Haar die Schatulle fallen lassen, als er sich abermals verbeugte. Dann machte er kehrt und eilte davon.

Dannyl setzte seinen Weg fort und stieg die Treppe hinunter. In der Eingangshalle standen mehrere Magier, die alle durch die offenen Türen zu den Toren des Gildeviertels hinüberstarrten. Als Dannyl die untersten Stufen der Treppe erreicht hatte, blickte einer der Magier auf. Es war Larkin, ein junger Alchemist, der erst vor kurzem seinen Abschluss gemacht hatte.

»Sind das Eure Informanten, Lord Dannyl?«, fragte er grinsend.

»Sie sind wohl eher scharf auf die Belohnung«, entgegnete Dannyl trocken.

»Ihr werdet sie nicht in die Gilde bringen«, erklang eine schroffe Stimme.

Dannyl, der sofort den säuerlichen Tonfall des Rektors der Universität erkannt hatte, drehte sich zu dem Magier um.

»Wirklich nicht, Rektor Jerrik?«, fragte Dannyl.

»Auf keinen Fall!«

Larkin, der den Wortwechsel verfolgt hatte, prustete leise, und Dannyl widerstand der Versuchung zu lächeln. Jerrik schien sich niemals zu ändern. Er war noch immer derselbe mürrische alte Mann wie damals, als Dannyl als Novize an die Universität gekommen war.

»Ich werde sie in eine der Hallen der Garde schicken«, erklärte Dannyl dem alten Magier. Dann wandte er sich ab, schlängelte sich zwischen den anderen Magiern hindurch und ging die nächste Treppe hinunter.

»Viel Glück«, rief Larkin ihm nach.

Dannyl hob zur Antwort nur die Hand. Vor ihm drängte sich eine dunkle Masse von Leibern gegen die kunstvoll geschmiedeten Gitter der Tore. Dannyl schnitt eine Grimasse und suchte in Gedanken nach einem verwandten Geist.

-Rothen!

-Ja?

-Sieh dir das an. Dannyl sandte seinem Freund ein mentales Bild der Szene vor ihm. Er spürte das Erschrecken des anderen Magiers, das sich schnell in Erheiterung verwandelte, als Rothen begriff, wer diese Leute waren.

-Da sind also schon die ersten Informanten! Was wirst du tun?

-Ihnen sagen, dass sie später noch einmal herkommen sollen, antwortete Dannyl, und dass wir niemanden mit Geld überhäufen werden, bevor wir das Mädchen haben. So schnell und so deutlich die Gedankenübertragung es gestattete, erklärte er Rothen, dass Administrator Lorlen ihnen einen Raum in der Stadt beschaffen würde, in dem sie die »Informanten« befragen konnten.

-Soll ich zurückkommen, um dir zu helfen?

-Selbst wenn ich es versuchte, könnte ich dich davon wohl kaum abhalten.

Er spürte abermals ein Gefühl der Belustigung bei dem älteren Magier, bevor Rothens Aura in seiner Wahrnehmung verblasste.

Inzwischen hatte Dannyl sich dem Tor genähert und konnte die Menschen erkennen, die sich vor dem Gitter drängelten. Ein wildes Stimmengewirr scholl ihm entgegen, als sie alle gleichzeitig begannen, ihm etwas zuzurufen. Die Wachsoldaten musterten Dannyl mit einer Mischung aus Erleichterung und Neugier.

Etwa zehn Schritte vor den Toren blieb er stehen und drückte den Rücken durch, um seine Körpergröße besser zur Geltung zu bringen. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und wartete. Langsam verebbte der Lärm. Als es einigermaßen still geworden war, manipulierte Dannyl die Luft um ihn herum, um seine Stimme zu verstärken.

»Wie viele von euch sind hier, weil sie Informationen über das Mädchen haben, nach dem wir suchen?«

Sofort begannen die Menschen wieder, durcheinander zu schreien. Dannyl nickte und hob die Hand, um sie abermals zum Schweigen zu bringen.

»Die Gilde weiß eure Mitarbeit in dieser Angelegenheit zu schätzen. Ihr werdet Gelegenheit haben, einzeln mit uns zu sprechen. Zur Zeit bemühen wir uns darum, eine Halle der Garde zu diesem Zweck herrichten zu lassen. Binnen einer Stunde werden an diesem Tor und den Toren der Stadt Plakate ausgehängt, denen ihr den genauen Ort entnehmen könnt. In der Zwischenzeit bitten wir euch, in eure Häuser zurückzukehren.«