Выбрать главу

Ich bin sicher, er wird auf Euch hören, Kapitän. Und auf Investigator Frost.«

»Rührt Euch, Leutnant«, sagte Schwejksam. »Wir werden die Sache in die Hand nehmen. Ihr zieht Euch mit Euren Leuten zurück hinter die nächste Ecke. Vielleicht ist es Eure Anwesenheit, die ihn so außer sich geraten läßt. Seht zu, daß Ihr diesen Gang an beiden Enden absperrt; ich will, daß niemand uns stört, während wir mit Stelmach reden. Und Leutnant, wir wollen durch nichts und niemanden gestört werden, es sei denn, ein Notfall tritt ein.«

Zhang beeilte sich zu nicken, sammelte seine Leute ein und führte sie eilig, aber würdevoll hinter die Biegung des Ganges und außer Sicht. Stelmach schrie und tobte noch immer in seinem Quartier. Schwejksam bewunderte die Ausdauer seines Sicherheitsoffiziers. Er hatte selbst einige Anfälle von blinder Raserei hinter sich gebracht – in der Zeit, als er noch getrunken hatte –, und er wußte aus eigener Erfahrung, wie schwer es war, seinen Zorn so lange aufrechtzuerhalten. Schwejksam blickte zu Frost und runzelte mißmutig die Stirn.

»Ich habe gesagt, keine Pistolen, Investigator.«

»Aber er hat eine, Kapitän.«

»Er hat sie bisher noch nicht benutzt. Wir wollen ihn doch nicht auf dumme Gedanken bringen.« Schwejksam funkelte Frost an, bis sie zögernd den Disruptor ins Halfter zurückschob, dann blickte er wieder den Korridor entlang. Inzwischen war es merkwürdig still geworden. »Wißt Ihr, ob Stelmach ein Trinker ist? Ich habe nichts in dieser Richtung gehört, aber ein Mann in seiner Position steht unter gewaltigem Druck, und er besitzt Zugang zu allen möglichen Arten von Alkohol, legal und illegal.«

»Und schlimmer«, ergänzte Frost. »Er hat nämlich außerdem Zugang zu Drogen, die er bei seinen Verhören einsetzt, und noch mehr Drogen, die seine Männer beschlagnahmt haben.

Ständig kreist irgendwelcher Stoff unter den Besatzungsmitgliedern. In seiner Akte steht nichts von Drogenmißbrauch in irgendeiner Form, aber er hat auch Zugriff auf seine Akte. Ich kann nicht sagen, daß ich den Mann besonders gut kenne.

Nicht viele kennen Stelmach. Der Posten des Sicherheitsoffiziers ist schließlich auch nicht gerade die ideale Position, um sich bei anderen beliebt zu machen.«

»Aber die Männer respektieren ihn, nicht wahr?«

»Oh, ich denke schon. Allein die Tatsache, daß bisher niemand versucht hat, eine Splittergranate in sein Zimmer zu werfen, während er schläft, ist ein ziemlich gutes Zeichen, daß die Mannschaft ihn respektiert. Und daß seine Leute ihre Arbeit verstehen.«

Schwejksam und Frost gingen rasch den leeren Korridor hinab und blieben kurz vor Stelmachs Tür stehen. Schwejksam bedeutete Investigator Frost mit einer Handbewegung, neben ihn zu treten. Sie drückten sich beide mit dem Rücken an die Wand neben der Tür. Rein technisch betrachtet, mußte Schwejksam nichts weiter tun, als sich zu zeigen und Stelmach zu befehlen, sich zu beruhigen und sein Verhalten zu erklären.

Falls der Sicherheitsoffizier diesem Befehl nicht augenblicklich nachkäme, erwartete ihn ein Kriegsgerichtsverfahren wegen Insubordination. Praktisch betrachtet, hatte Schwejksam das dumme Gefühl, daß er, falls er so vorging, am Ende mehr den Kopf einziehen und in Deckung bleiben würde als mit Stelmach reden. Vorausgesetzt natürlich, Stelmach besaß wirklich eine Waffe. Die Vorschriften verboten den Einsatz von Energiewaffen an Bord ausdrücklich, außer im allergrößten Notfall.

Andererseits war Stelmach der Sicherheitsoffizier der Unerschrocken, und wenn er eine Waffe wollte, dann gab es nicht viele Leute an Bord, die genügend Autorität besaßen, ihm diesen Wunsch zu verweigern. Schwejksam trug stets einen Disruptor, genau wie Frost. Die Vorschriften verlangten es so vom Kapitän eines Schiffes und seinem Investigator, nicht zuletzt für den Fall einer Situation wie dieser hier. Aber während seiner ganzen Zeit als Kapitän hatte Schwejksam nie eine Waffe gegen ein Besatzungsmitglied gezogen, und er würde den Teufel tun, jetzt damit anzufangen. Zur Hölle mit den verdammten Vorschriften.

In Stelmachs Quartier herrschte noch immer vollkommene Stille. Schwejksam erhob seine Stimme und achtete darauf, ruhig und selbstsicher zu klingen.

»Stelmach, hier spricht der Kapitän. Ich habe Investigator Frost bei mir. Wir müssen mit Euch reden.«

Keine Antwort. Schwejksam strengte sein Gehör an und vernahm schweres Atmen von innerhalb der Kabine. Vielleicht war Stelmach bewußtlos geworden vom vielen Trinken oder den Drogen oder einfach aus Erschöpfung. Vielleicht wartete er aber auch nur darauf, daß irgendein Trottel den Kopf durch die Tür steckte, damit er ihn wegschießen konnte. Schwejksam leckte sich über die trockenen Lippen und schluckte. Dann versuchte er es erneut.

»Stelmach, hier spricht der Kapitän. Könnt Ihr mich hören?«

»Ja, Kapitän. Ich kann Euch hören.« Die Stimme des Sicherheitsoffiziers war ein heiseres Raspeln, ein leises, schmerzerfülltes Geräusch, als hätte er sich die Stimmbänder vom vielen Schreien verletzt. »Verschwindet, Schwejksam. Ich will Euch nicht sehen. Ich will niemanden sehen und mit niemandem reden!«

»Das haben wir inzwischen mitbekommen«, antwortete Schwejksam. »Aber früher oder später werden wir reden müssen, das wißt Ihr selbst. Also wie ist es… Werdet Ihr mich jetzt auf eine Unterhaltung einladen, oder muß ich den Investigator zu Euch schicken, um Euch zur Vernunft zu bringen?

Meine Methode schadet Euch und dem Mobiliar ein gutes Stück weniger. Seht mal, was auch immer das Problem sein mag – ich kann Euch nicht helfen, wenn ich hier draußen herumstehe. Und Ihr benötigt Hilfe, oder wollt Ihr das etwa bestreiten?«

Eine lange Pause entstand. Als Stelmach schließlich antwortete, klang seine Stimme müde und niedergeschlagen, als hätte ihn sämtliche Energie schlagartig verlassen. »Also schön, kommt herein. Bringen wir es hinter uns.«

Stelmachs Worte enthielten einen merkwürdigen Unterton, doch Schwejksam beschloß, trotzdem ins Quartier des Sicherheitsoffiziers zu gehen. Er hatte sowieso keine andere Wahl. Er wandte sich zu Frost um und flüsterte: »Ich gehe zuerst. Ihr gebt mir Rückendeckung. Haltet Eure Hände von den Waffen fern. Wir wollen ihn nicht unnötig erschrecken.«

»Ich sollte besser als erste gehen«, widersprach Frost. »Ich bin entbehrlicher als Ihr.«

»Ich will Euch nicht beleidigen, Investigator…, aber Ihr neigt dazu, einen ziemlich starken Eindruck zu hinterlassen. In seinem Zustand reicht vielleicht ein einziger Blick auf Euch, damit er das Feuer eröffnet. Außerdem bin ich, soweit es ihn betrifft, eher ein Vorgesetzter als Ihr. Stelmach hat sich in der Vergangenheit immer an das gehalten, was seine Vorgesetzten ihm sagten. Und bevor Ihr fragt – nein, ich werde keinen Schutzschild benutzen, und das gleiche gilt auch für Euch. Ich will nicht, daß er glaubt, wir würden ihm nicht vertrauen.«

»Oh, das wollen wir wirklich nicht«, erwiderte Frost sarkastisch. »Kein Gedanke! Aber wenn er nur eine falsche Bewegung macht, kann er seine Einzelteile von den Wänden abkratzen.«

»Wir wollen die Sache ruhig und überlegt angehen, Investigator. Ich will nicht, daß er getötet wird. Sicher, er ist unbequem wie Hämorrhoiden, aber er macht seine Arbeit gut. Und fähige Sicherheitsoffiziere sind schwer zu kriegen. Außerdem ist er einer der wenigen, die Erfahrung damit haben, wie man einen Schläfer kontrolliert. Ich werde entscheiden, ob und wieviel Gewalt erforderlich ist. Und jetzt setzt ein nettes Lächeln auf. Wir wollen ihn doch nicht erschrecken.« Frost entblößte ihre Zähne, und Schwejksam zuckte zusammen. Sie sah aus, als wollte sie ihn beißen. »Also gut, vergeßt das mit dem Lächeln wieder. Es steht Euch nicht. Überlaßt das Reden mir, und macht Euch nichts aus dem, was er sagt. Ich will wissen, was Stelmach in diesen Zustand versetzt hat.«