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Or erkundigte sich zunächst nach den wertvollen Raumanzügen, die Ol aus dem Zentrum mitgenommen hatte. Ob sie sich noch im Haus befänden.

Vi schaltete sofort. Sie durfte die Skaphander auf keinen Fall zurückgeben. Es war ihre einzige Chance, Ol und die Kinder wiederzufinden.

»Die haben leider Viola und Mo«, schwindelte sie.

Dem Direktor gefiel das gar nicht, vielleicht hatte er die Skaphander selbst benutzen wollen, wenn die Lage noch ernster wurde. Er brummte unzufrieden vor sich hin.

»Was sollen wir jetzt machen, Chef?« fragte Din.

»Setzt Vi und den Bengel zu Hause ab, wenn ihr schon den Wagen dabei habt«, murrte er, »dann kommt ins Zentrum zurück!«

»Weshalb haben Sie uns eigentlich beobachten lassen?« wollte Vi von Or wissen.

»Ihr müßt mich richtig verstehen. Es geht um Dinge, die für die Irena von höchster Bedeutung sind. Es war nicht persönlich gemeint, wirklich nicht.«

Vi gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden:

»Ich hoffe, Sie werden Ihre Leute nicht noch mal auf uns ansetzen?« hakte sie nach.

»Nein, nein, ich verspreche es«, versicherte Or.

Vi wußte natürlich, was sie von den Versprechungen des Direktors zu halten hatte, baute aber darauf, daß er seine Männer jetzt für wichtigere Dinge brauchen würde. Deshalb gab sie sich zufrieden und ließ sich zusammen mit No nach Hause bringen.

Dort setzten sie sich erst einmal niedergeschlagen in einen Sessel. Die Lage schien aussichtslos. Vielleicht würden sie Viola, Mo und Ol nie wiedersehen.

Um überhaupt etwas zu tun, lief Vi in die Küche und begann aufzuräumen. Das Frühstücksgeschirr stand noch unabgewaschen herum. Sie klapperte mit den Tellern und zerbrach eine Tasse, schien das aber gar nicht zu merken.

»Wir müssen uns die Skaphander schnappen und zum Tunnel zurückkehren«, erinnerte No, der ihr gefolgt war. »Das ist unsere einzige Chance.«

Vi war skeptisch.

»Auch mit den Skaphandern erreichen wir nicht viel. Der Tunnel hat seine Lage bestimmt schon wieder verändert. Wir kommen in einer ganz anderen Zeit an.«

»Wo hat Ol die Fluganzüge eigentlich hingetan?« fragte No.

»Er hat es mir nicht gesagt. Auf jeden Fall sollten wir uns erst mal überzeugen, ob die Luft rein ist.«

Sie blickten aus dem Fenster, gingen auch vor die Tür. Kein Peilwagen oder sonst etwas Verdächtiges war zu entdecken.

»Die Massaren scheinen uns tatsächlich in Ruhe zu lassen«, sagte No.

»Also gut, suchen wir jetzt die Fluganzüge.«

Sie liefen ins Haus zurück und schauten sich nach den beiden Paketen um, die Ol gestern vom Tunnel mit zurückgebracht hatte. Obwohl No wußte, daß es fast unmöglich war, damit in die ferne Zukunft zu gelangen, stellte er sich schon vor, wie er mit dem kristallen flimmernden Ding bei Mo auftauchen würde.

Vi hatte gedacht, die Skaphander schnell zu finden, doch sie irrte sich. Weder auf den ersten Blick noch mit gründlichem Stöbern hatten sie Erfolg. Sie nahmen sich, bei Ol angefangen, jedes Zimmer einzeln vor. Als sie auch den Keller, die Abstellkammer und den Boden durchsucht hatten, sahen sie sich verdutzt an.

»Sollte Ol die Anzüge etwa doch mitgenommen haben?« sagte No enttäuscht.

»Ganz bestimmt nicht, das hätten wir gesehen.«

»Aber wo stecken sie dann?«

Vi hob die Schultern:

»Ich weiß wirklich nicht mehr, wo ich noch suchen soll.«

»Wir müssen sie einfach auftreiben«, murmelte No verzweifelt.

Plötzlich hatte Vi eine Idee:

»Wir haben uns immer nach Paketen umgeschaut. Und wenn Ol die Anzüge nun einfach in den Kleiderschrank gehängt hat?«

Sie stürzte los, öffnete den Schrank und – unglaublich aber wahr – da hingen sie! Unförmig und glänzend, zwischen ganz gewöhnlichen Anziehsachen.

»Mein Mann ist wirklich einmalig«, sagte Vi. »Wer kommt denn auf den Gedanken, diese wertvollen Skaphander zwischen den Tageskleidern unterzubringen.«

No aber erwiderte anerkennend:

»Wenn man’s recht bedenkt, war das ganz schön clever. Wie man sieht, sind die Fluganzüge hier besser versteckt als in einem Tresor.«

DIE VERWIRRUNG DER MASSAREN

Inzwischen wurde den Massaren im Synchronautikzentrum immer klarer, in welcher schwierigen Lage sich die Irena befand. Der Planet war ja überaltert, die Bodenschätze waren fast restlos ausgebeutet. Die Grundstoffe für das Leben hier wurden deshalb zum größten Teil über die Tunnel von der Erde herangeschafft, und man trug sich mit der Absicht, irgendwann ganz dorthin überzusiedeln. Dieser Plan aber wurde undurchführbar, wenn die Tunnel außer Kontrolle gerieten, sich immer mehr in die Zukunft verschoben. Wie lange, so überlegte Or, konnte man überhaupt noch existieren, wenn der Nachschub von anderen Planeten ausblieb.

Der Direktor berief umgehend eine Konferenz ein, trommelte Politiker, Wissenschaftler und Tunnelpiloten zusammen. Auch Vi als ehemalige Synchronautin durfte daran teilnehmen.

Die Verwirrung war groß. Einige schlugen vor, auf die Erde umzusiedeln, solange noch Zeit war, ohne die Bevölkerung um ihr Einverständnis zu bitten.

»Beginnen wir sofort mit der Eroberung«, verlangten sie, »setzen wir unsere Waffen ein.«

Or, der schon über diese Möglichkeit nachgedacht und sich mit Experten beraten hatte, war anderer Meinung.

»Ob wir so zum Erfolg kommen, ist ungewiß«, sagte er. »Bei der jetzigen Bewegung der Tunnel sollten wir lieber versuchen, in die Vergangenheit der Erde zu gelangen. In jene Zeit, wo sie noch gering besiedelt war. Wir hätten dort alle Chancen, unser System zu errichten und die Entwicklung nach unseren Vorstellungen zu beeinflussen.«

Dieser Plan war schlau ausgedacht, das mußte selbst Vi zugeben. Die Erdenmenschen würden gewissermaßen unterworfen werden, ohne zu begreifen, was geschah. Sie wollte schon protestieren, doch zum Glück stellte sich das Vorhaben als undurchführbar heraus. Es war genausowenig zu verwirklichen wie die sofortige Eroberung. Die Fachleute rechneten vor, daß einfach nicht mehr genug Zeit für dieses Unternehmen blieb. Wo sollte man so schnell die gewaltige Tunnelflotte hernehmen, die dafür gebraucht wurde?

Schließlich wurde der Vorschlag eingebracht, neue Tunnel zu errichten. Ein Plan, der gleichfalls alle Kräfte der Irener erforderte und am Ende durchaus mißlingen konnte. Aber er schien die einzige Möglichkeit, noch etwas zu retten. Ol hätte ihm gewiß auch zugestimmt, wenn er anwesend gewesen wäre.

Or, Din, Nel und einige andere Massaren wollten sich auf eine so unsichere Perspektive allerdings nicht einlassen. Vi erfuhr später, kurz bevor sie selbst mit No die Irena verließ, um nach Ol, Viola und Mo zu suchen, daß sie sich still und heimlich zur Erde aufgemacht hatten. Dort gab es ja geheime Stützpunkte, die mit allem versorgt waren, was sie benötigten. Natürlich hatten sie den modernsten Synchrogleiter benutzt, der im Zentrum zu finden war.

Inzwischen hatte No zu Hause die ersten Flugübungen mit dem Kristallskaphander absolviert. Es gehörte schon einiges Geschick dazu, Raum und Zeit auseinanderzuhalten und die jeweils richtigen Manöver auszuführen. Vi dagegen, wie ihr Mann mit den Besonderheiten des Tunnelflugs vertraut, kam besser zurecht. Dennoch passierte es, daß auch sie plötzlich ungewollt in der Vergangenheit verschwand und nicht gleich begriff, wo sie hingeraten war. Man mußte sehr genau steuern, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

No ging es ähnlich, und so hatten sie ein paarmal Mühe, sich wiederzufinden. Andererseits prallten sie unverhofft heftig zusammen, als sie zur selben Zeit am gleichen Platz, nämlich auf Violas kleinem Sofa, auftauchten. Verdutzt rieben sie sich die Köpfe. Ein paar blaue Flecke oder Beulen waren ihnen sicher.

Am Ende hatten sie die Skaphander aber soweit im Griff, daß sie ganz gut damit zurechtkamen. Das war auch notwendig, denn Vi hatte sich inzwischen einen Plan zurechtgelegt, der all ihre Fähigkeiten erforderte. Der Gedanke war ihr in der Konferenz mit den Massaren gekommen. Während sie für No und sich eine letzte kräftige Mahlzeit bereitete und dazu etwas Proviant einpackte, erläuterte sie das Vorhaben: