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Die Stimme schlug ebenfalls die Augen auf, um ihn zu betrachten.

Der Mann blieb wie angewurzelt stehen.

Oba feixte.

»Herrin Nyda«. sagte der Gardist leise, ohne seinen starren Blick von Oba zu lösen, »ich denke, Ihr solltet diesen Raum auf der Stelle verlassen.«

Sie sah ihn fragend an, während sie versuchte, ihren Lederanzug über ihre wohl geformten Hüften zu ziehen. Sie hatte noch immer Mühe, das Gleichgewicht zu wahren, und das Gezerre an ihrem Anzug war dabei alles andere als hilfreich.

»Wir wollen aber nicht, daß sie geht«, meinte Oba.

Der Gardist starrte ihn nur aus großen Augen an.

»Wir wollen nicht, daß sie geht«, wiederholte Oba im Einklang mit der Stimme. »Wir können uns doch auch beide mit ihr vergnügen.«

»Wir wollen nicht, daß sie geht...«, wiederholte der Gardist.

Nyda hielt in ihren Bemühungen, sich zu bedecken, inne und ließ ihren Blick von dem Gardisten zu Oba wandern.

»Bring sie her zu mir«, kommandierte Oba, ganz überrascht, auf welche Einfälle die Stimme kam, und gleichzeitig von der Idee geradezu entzückt. »Bring sie her zu mir, dann werden wir sie beide nehmen.«

Nyda. immer noch unsicher auf den Beinen, folgte Obas Blick zu dem Gardisten. Als sie dessen Gesicht sah, versuchte sie nach ihrem baumelnden Stab zu greifen, doch der Soldat machte ihr einen Strich durch die Rechnung, indem er ihr Handgelenk festhielt. Seinen anderen Arm legte er ihr um die Hüfte. Sie versuchte sich dagegen zu wehren, aber er war groß und kräftig und sie ohnehin schon stark geschwächt.

Grinsend schaute Oba zu, wie der Soldat die sich sträubende Nyda heranschleifte und dabei, wie zuvor er seine Finger über ihre entblößte Haut wandern ließ.

»Sie fühlt sich wunderbar an, findest du nicht auch?«, fragte Oba, an ihn gewandt.

Lächelnd nickte der Gardist, während er die Frau in den hinteren Teil der Zelle zerrte, wo Oba und die Stimme warteten. Als sie nah genug waren, streckte Oba die Hand nach ihr aus.

Sie krallte ihre Hand in die Uniform des Gardisten, um sich festzuhalten, und plötzlich schraubte sich ihr ganzer Körper mit verblüffender Schnelligkeit in die Luft. Einen winzigen Augenblick lang sah Oba den Absatz ihres Stiefels wie aus dem Nichts einem Blitz gleich auf sein Gesicht zufliegen, dann, bevor er reagieren konnte, versank die Welt, begleitet von einem explosionsartigen Schmerz, in absoluter Dunkelheit.

43

Als Oba die Augen aufschlug, herrschte völlige Dunkelheit. Er lag auf dem Rücken, auf einem Steinboden, und sein Gesicht pochte schmerzhaft. Mühsam zog er die Knie an und hielt sich seine schmerzenden Lenden.

Dieses widerspenstige Weibsstück, Nyda, hatte sich am Ende als genauso ekelhaft herausgestellt wie alle anderen Frauen, mit denen er es bisher zu tun bekommen hatte. Sie hatten alle nur eins im Sinn, ihn klein zu halten. Außerdem war Oba es zunehmend leid, ständig an dunklen, kalten Orten aufzuwachen.

Er fragte sich, ob womöglich seine verrückte Mutter, diese widerwärtige Hexenmeisterin Lathea oder aber ihre Schwester, die Sumpfhexe, ihre Finger dabei im Spiel hatten. Diese selbstsüchtigen Weiber waren mit Sicherheit ganz versessen darauf, sich an ihm zu rächen. Alles an seiner gegenwärtigen Lage deutete auf einen Racheakt dieses aufgeblasenen Trios hin.

Je länger er jedoch über die Geschichte nachdachte, desto klarer mußte er sich eingestehen, daß dies höchstwahrscheinlich allein das Werk dieses widerspenstigen Weibsstücks in dem roten Lederanzug war – Nyda. Gar nicht dumm, hatte sie benommen und orientierungslos getan, bis der Soldat sie so nah zu ihm gebracht hatte, daß sie attackieren konnte, und dann hatte sie ihm einen Tritt verpaßt. Was für ein Früchtchen. Gar nicht so einfach, einer Frau gram zu sein, die ihn so sehr begehrte. Wahrscheinlich hatte allein schon die Vorstellung sie dazu getrieben, Oba nicht ganz allein für sich haben zu können. Das konnte er ihr nun wirklich nicht zum Vorwurf machen.

Jetzt, da er seinen fürstlichen Rang öffentlich zugegeben hatte, mußte Oba sich damit abfinden, daß solche von heftigster Leidenschaft getriebene Frauen begehrten, was er zu bieten hatte. Er mußte darauf gefaßt sein und sich den Anforderungen eines echten Rahl würdig erweisen.

Oba wälzte sich auf die andere Seite und stöhnte dabei vor Schmerzen. Mit Hilfe seiner Hände stützte er sich erst auf dem Fußboden, dann an der Wand ab, bis es ihm schließlich gelang, sich in eine aufrechte Position zu stemmen. Seine Schmerzen würden die Wonnen bei der späteren Eroberung seiner Gespielin nur noch steigern. Irgendwie kam ihm das bekannt vor; vielleicht hatte es die Stimme ihm eingeflüstert.

Er erblickte einen schmalen Lichtspalt; beträchtlich kleiner als die Öffnung in der Tür seiner letzten Zelle, aber wenigstens half er ihm, sich zurechtzufinden. Er schob seine Hand von der Ecke seitlich an der rauhen Steinwand entlang und stieß zu seiner Bestürzung unmittelbar danach auf die nächste Ecke. Mit wachsender Unruhe tastete er die Wände ab und stellte bestürzt fest, wie unfaßbar winzig der Raum war. Er mußte diagonal darin gelegen haben, denn anders war gar nicht genug Platz, um sich ganz auszustrecken.

Die für einen so engen Raum typische beklemmende Atemnot überkam ihn und drohte ihn zu ersticken. Verzweifelt faßte er sich an den Hals und versuchte mit aller Kraft einzuatmen, überzeugt davon, eingepfercht in einem so engen Verschlag den Verstand zu verlieren.

Vielleicht hatte Nyda doch nichts damit zu tun. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß seine hinterhältige Mutter hierfür verantwortlich war. Vielleicht hatte sie ihn von der Welt der Toten aus beobachtet und voller Schadenfreude einen Plan ausgeheckt, wie sie ihn quälen konnte; die widerwärtige Hexenmeisterin hatte ihr vermutlich dabei geholfen. Und zweifellos hatte auch noch diese Sumpfhexe ihren Senf dazugegeben und ihre Hilfe angeboten. Gemeinsam hatten die drei Weiber dann aus der Welt der Toten auf diese widerspenstige Nyda eingewirkt und ihr geholfen, ihn in dieses winzige Loch zu sperren.

Aufgewühlt lief er in der drangvollen Enge der winzigen Zelle auf und ab, die Hände immer an den Wänden, aus Angst, sie könnten noch enger zusammenrücken. Er war doch viel zu groß für einen so winzigen Raum, in dem er nicht mal atmen konnte. Vor lauter Angst, die gesamte Atemluft in der Zelle zu verbrauchen und dann qualvoll zu ersticken, warf Oba sich gegen die Tür und preßte sein Gesicht an die Öffnung, um die Luft von draußen hereinzusaugen.

Vor lauter Selbstmitleid zu Tränen gerührt, hätte Oba in diesem Augenblick nichts lieber getan, als seiner irren Mutter noch einmal den Schädel einzuschlagen.

Nach einer Weile begann er auf die Stimme zu hören, die ihm gut zuredete, ihm Mut zusprach und ihn beruhigte, und ging daran, seinen Verstand zusammenzunehmen; schließlich war er nicht auf den Kopf gefallen. Bislang hatte er noch alle übertrumpft, die sich gegen ihn verschworen hatten, wie bösartig sie auch gewesen sein mochten. Er würde aus diesem Loch wieder herauskommen; er mußte sich nur zusammenreißen und sich seinem Rang gemäß verhalten.

Er war schließlich Oba Rahl – unbesiegbar.

Oba brachte seine Augen ganz nah an den Spalt, um hinauszuspähen, vermochte aber kaum mehr zu erkennen als einen weiteren, dahinter liegenden düsteren Raum. Er überlegte, ob er sich womöglich in zwei ineinander verschachtelten Zellen befand, und die grauenerregende Vorstellung einer so gewaltsamen Folter ließ ihn eine ganze Weile schreiend und heulend gegen die Tür hämmern.

Wie konnte man nur derart grausam sein? Er war doch ein Rahl. Wie konnte man das einer Persönlichkeit von Rang und Namen antun? Erst sperrte man ihn wie einen ganz gewöhnlichen Verbrecher zusammen mit dem Abschaum der Menschheit in eine Zelle, nur weil er das Richtige getan hatte und Gerechtigkeit hatte walten lassen, um das Land von einem gesetzlosen Schurken zu befreien, und jetzt diese mutwillige Gängelei.

Oba konzentrierte sich und versuchte sich abzulenken. Sogleich fiel ihm Nydas Gesichtsausdruck ein, als sie ihm zum ersten Mal in die Augen gesehen hatte. Sie hatte seine wahre Identität sofort erkannt. Nyda hatte ihm nur in die Augen sehen müssen, um die Wahrheit zu erkennen, daß er ein Sohn Darken Rahls war. Es konnte kaum verwundern, daß sie ihn so heftig begehrt hatte. Dieses Verhalten war für eigensüchtige Menschen typisch; sie suchten die Nähe der wirklich Großen, und dann taten sie alles, um sie klein zu machen. Sie war neidisch auf ihn. Deswegen saß er in dieser Zelle – wegen kleinlicher Mißgunst. So einfach war das.