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Der Captain wies mit der Laterne auf ihn. »Ist er das?«

»Er ist es, Captain.«

Sebastians Augen waren fest auf sie geheftet, als sie vortrat. Sie mußte einen Moment innehalten, um sicher zu sein, daß sie ihre Stimme unter Kontrolle hatte. »Alles in Ordnung, Sebastian. Captain Lerner hier weiß, daß Ihr zu meiner Gruppe gehört.« Sie tätschelte den Griff ihres Messers. »Ihr könnt Euch darauf verlassen, daß er Eure Identität vertraulich behandelt.«

Captain Lerner reichte ihm die Hand. »Freut mich, Euch kennen zu lernen, Sebastian. Das Mißverständnis tut mir leid. Ich habe früher auch gedient, daher weiß ich, wie notwendig Geheimhaltung ist.«

Sebastian erhob sich und schüttelte dem Mann die Hand. »Nichts für ungut. Captain. Ich kann unseren Leuten keinen Vorwurf machen, daß sie ihre Arbeit tun.«

Er wußte nichts von ihrem Plan und schien auf einen Fingerzeig von ihr zu warten. Ungeduldig gestikulierend stellte sie ihm eine Frage, von der sie wußte, daß er sie ihr nicht würde beantworten können, durch die sie ihm aber zu verstehen geben konnte, was er sagen sollte.

»Konntet Ihr noch mit den Eindringlingen Kontakt aufnehmen, bevor die Palastwache Euch festgenommen hat? Habt Ihr noch irgenjemandes Identität feststellen und sein Vertrauen gewinnen können, oder wenigstens irgendwelche Namen in Erfahrung gebracht?«

Sebastian griff ihren Wink auf und seufzte überzeugend. »Ich fürchte nein; ich war gerade erst angekommen und hatte noch keine Gelegenheit dazu, als die Palastwache mich ...« Er senkte den Blick zu Boden. »Tut mir leid.«

Captain Lerners Blick schweifte zwischen den beiden hin und her.

Jennsen schlug einen nachsichtigen Tonfall an. »Nun, ich kann den Wachen keinen Vorwurf machen, daß sie innerhalb des Palastes kein Risiko eingehen. Wir müssen allerdings sofort aufbrechen. Ich bin mit meinen Ermittlungen ein gutes Stück vorangekommen und habe einige brauchbare Kontakte knüpfen können, deshalb kann ich unmöglich länger warten. Diese Männer sind auf der Hut, und ich brauche Euch, damit Ihr Euch an sie heranmacht. Von einer Frau werden sie sich kaum zum Trinken einladen lassen – sie kämen nur auf falsche Gedanken –, daher überlasse ich das Euch. Ich selbst habe andere Fallstricke auszulegen.«

Sebastian verfolgte ihre Ausführungen nickend, so als wäre er mit den nur in ihrer Vorstellung existierenden Aufgaben bestens vertraut. »In Ordnung.«

Der Captain wies ihnen den Weg. »Dann wollen wir Euch nicht länger aufhalten.«

Sebastian, der Jennsen nach draußen gefolgt war, sah sich um. »Ich werde meine Waffen benötigen, Captain, außerdem sämtliche Münzen, die sich in meinem Geldbeutel befanden. Das Geld gehört Lord Rahl, und ich benötige es für die Ausführung seiner Befehle.«

»Das habe ich alles in meiner Obhut, es fehlt nichts – ich gebe Euch mein Wort darauf.«

Draußen in dem engen Vorraum zog Captain Lerner die Zellentür zu. Er trug das Licht, daher hatten Jennsen und Sebastian auf ihn gewartet. Sie wollte gerade losgehen, als der Captain sachte an Sebastian vorbeilangte, ihren Arm ergriff und sie festhielt.

Jennsen erstarrte und wagte kaum zu atmen. Sie spürte, wie Sebastians Hand sich an ihrer Hüfte vorbei bis zum Griff ihres Messers tastete.

»Stimmt es eigentlich, was die Leute sich erzählen?«, fragte der Captain.

Jennsen drehte sich um und sah ihm in die Augen. »Wovon sprecht Ihr?«

»Von Lord Rahl. Davon, daß er ... irgendwie anders ist. Ich habe Soldaten über ihn reden hören – Soldaten, die ihm begegnet sind und an seiner Seite gekämpft haben. Sie erzählen sich, wie er sein Schwert handhabt, wie er kämpft und das alles, aber mehr noch erzählen sie darüber, wie er sich als Mann verhält. Stimmt es, was man sich erzählt?«

Jennsen hatte keinen Schimmer, wovon der Mann sprach.

»Wir gäben unser Leben hin für diesen Mann«, antwortete Sebastian schlagfertig und mit gebührendem Ernst. »Ich ließe mich lieber von Euch foltern und töten, als auch nur ein Wort zu verraten, das Lord Rahl in Gefahr bringen könnte.«

»Ich denke auch an kaum etwas anderes als an Lord Rahl«, fügte Jennsen milde hinzu. »Manchmal träume ich sogar von ihm.«

Der Captain lächelte zufrieden und ließ ihren Arm wieder los.

Jennsen spürte, wie Sebastian seine Hand von ihrem Messer zurückzog.

»Ich denke, das sagt wohl alles«, meinte der Captain. »Ich habe sehr lange gedient, aber diesen Traum hatte ich längst aufgegeben.« Nach kurzem Zögern fuhr er fort. »Und seine Gemahlin? Ist sie tatsächlich eine Mutter Konfessor, wie man hört? Ich habe Geschichten über solche Frauen erzählen hören, von damals, vor den Zeiten der Grenze, wußte aber nie, ob sie auch wirklich stimmen.«

Gemahlin? Jennsen wußte nichts davon, daß Lord Rahl eine Gemahlin hatte. Sie konnte sich weder vorstellen, daß dem so war, noch wie eine solche Frau beschaffen sein sollte. Im Übrigen war ihr völlig unbegreiflich, warum Lord Rahl. ein Mann, der jede Frau haben konnte, die er begehrte, um sie anschließend nach Belieben fallen zu lassen, sich die Mühe machen sollte, eine Ehe einzugehen. Außerdem war Jennsen schleierhaft, was es mit dem Begriff »Konfessor« auf sich haben sollte; schon der Titel selbst hatte einen unheilvollen Klang.

»Tut mir leid«, meinte Jennsen. »Ich bin ihr nie begegnet.«

»Ich auch nicht«, sagte Sebastian. »Aber ich habe so ziemlich das Gleiche über sie gehört wie Ihr.«

Der Captain lächelte versonnen. »Ich bin froh, daß ich noch einen Lord Rahl erlebe, der D’Hara endlich so regiert, wie es regiert werden sollte.«

Beunruhigt durch die Worte des Mannes, beunruhigt wegen seiner offensichtlichen Freude, daß dieser neue Lord Rahl im Namen D’Haras die gesamte Welt erobern und beherrschen wollte, setzte sich Jennsen wieder in Bewegung; sie konnte es kaum erwarten, das Gefängnis und den Palast zu verlassen. Mit zügigen Schritten liefen die drei durch die engen Korridore, durch die eisernen Verbindungstüren, vorbei an den grabschenden Gefangenen. Diesmal genügte allerdings eine mürrische Verwarnung des Captains, um sie zum Schweigen zu bringen.

Sie hatten gerade die letzte eisenbeschlagene Verbindungstür vor der Treppe hinter sich gelassen, als sie unvermittelt stehen blieben. Eine hoch gewachsene, attraktive Frau mit einem einzelnen blonden Zopf erwartete sie bereits und versperrte ihren Fluchtweg. Ihr Gesichtsausdruck erinnerte an einen Blitz kurz vor dem Einschlagen.

Sie war von Kopf bis Fuß in rotes Leder gekleidet.

27

Die Frau hatte ihre Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, ihr Gesichtsausdruck dagegen verhieß alles andere als Entspanntheit. Das Klacken ihrer Stiefel hallte von den steinernen Wänden wider, als sie, einer dunklen Gewitterwolke gleich, auf sie zukam – einer Gewitterwolke, der jegliche Furcht fremd war.

Jennsen bekam eine Gänsehaut.

Die Frau ging ruhigen, gemessenen Schritts einmal ganz um sie herum, musterte sie von Kopf bis Fuß – ein seine Kreise ziehender Falke auf Mäusejagd. An einem dünnen Kettchen ihres rechten Handgelenks sah Jennsen einen Strafer baumeln, die Waffe der Mord-Sith. So tödlich eine solche Waffe Jennsens Wissens sein konnte, nach außen hin schien es nicht mehr zu sein als ein dünner Lederstab von knapp einem Fuß Länge.

»Soeben war ein überaus erregter Palastbeamter bei mir«, begann die Mord-Sith mit ruhiger, seidenweicher Stimme. Ihr tödlich funkelnder Blick schweifte sehr bewußt von Sebastian zu Jennsen. »Er war der Ansicht, ich müsse unbedingt herunterkommen und nach dem Rechten sehen. Er erwähnte etwas von einer Frau mit rotem Haar, auch schien er zu glauben, sie könnte möglicherweise Ärger machen. Was mag ihn Eurer Meinung nach wohl so beunruhigt haben?«

Der Captain, der hinter Jennsen stand, trat hinter ihr hervor. »Hier unten geschieht nicht das Geringste, weswegen Ihr Euch Sorgen machen müßtet...«

Ein kurzes Zucken ihres Handgelenks, und sie hielt den Strafer in der Hand und richtete ihn auf das Gesicht des Captains. »Euch habe ich nicht gefragt, sondern die junge Frau hier.«