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Oba hatte jedoch feststellen müssen, daß selbst diese Frauen zu einem Mann von seiner Empfindsamkeit grausam sein konnten. Auch sie versuchten bisweilen, ihm das Gefühl zu geben, klein und unbedeutend zu sein, auch sie bedachten ihn mit diesen abschätzigen, gleichgültigen, herablassenden Blicken, die er so abgrundtief haßte.

Vermutlich war seine Mutter an allem schuld. Wahrscheinlich reichte ihr langer Arm selbst aus dem Reich der Toten noch bis in diese Welt, um ihn mit Hilfe der Kaltherzigkeit der Huren in den Augenblicken seines größten Triumphes noch in die Verzweiflung zu treiben. Vermutlich flüsterte sie den Frauen mit ihrer Totenstimme irgendwelche Gemeinheiten ins Ohr. Das sähe ihr absolut ähnlich, selbst in ihrem ewigen Grab war sie noch nicht bereit, ihn in Ruhe zu lassen und ihm ein wenig Befriedigung zu gönnen.

Oba war keineswegs ein Verschwender, dennoch bescherte ihm das Geld, das rechtmäßig ihm gehörte, einige wohlverdiente Annehmlichkeiten wie saubere Betten, gutes Essen und Trinken sowie die Gesellschaft schöner Frauen. Allerdings verfuhr er mit seinem Geld sehr sparsam, um nicht eines schönen Tages mit leeren Händen dazustehen. Die Menschen, wußte er, hatten es einfach zu sehr auf seinen Reichtum abgesehen.

Oba hatte herausgefunden, daß ihm allein schon der Besitz von Geld Vorteile brachte, vor allem bei Frauen. Wenn er sie zu einem Getränk einlud oder ihnen kleine Geschenke machte – ein hübsches Stück Stoff für einen Schal, ein Geschmeide für ihr Handgelenk, eine glitzernde Nadel für ihr Haar –, wurden sie erheblich anschmiegsamer. Manchmal geschah es in einer Hinterhofgasse, manchmal in einem menschenleeren Wald, gelegentlich auch in einem Gasthauszimmer.

Vermutlich hatten es einige von ihnen nur auf sein Geld abgesehen. Trotzdem erstaunte es ihn immer wieder, wie viel Spaß und Genugtuung er aus einer Frau schöpfen konnte – wenn auch oft nur unter Zuhilfenahme eines scharfen Messers.

Als Mann von Welt kannte Oba sich mittlerweile mit Frauen aus, schließlich war er mit vielen zusammen gewesen. Mittlerweile wußte er, wie man mit Frauen redete, wie man sie behandelte, wie man sie zufriedenstellte.

Scharen von Frauen warteten und hofften, flehten inständig darum, er möge eines Tages zu ihnen zurückkehren. Mehrere hatten seinetwegen ihre Ehemänner verlassen, in der Hoffnung, seine Gunst zu gewinnen.

Oba hatte eine unwiderstehliche Wirkung auf Frauen. Sie schmeichelten ihm, gerieten in Verzückung über sein Aussehen, bewunderten seine Kraft und stöhnten lustvoll, wenn er ihnen zu Gefallen war. Vor allem aber genossen sie es, wenn er ihnen Schmerz bereitete. Ein anderer, weniger einfühlsamer Mann wäre gar nicht fähig gewesen, ihre Freudentränen als das zu erkennen, was sie in Wahrheit waren.

Oba genoß die Gesellschaft von Frauen zwar, wußte aber auch, daß er jederzeit eine andere haben konnte, weshalb er es vermied, sich in langwierige Liebesaffären zu verstricken, Im Augenblick hatte er wichtigere Dinge im Sinn als Frauen. Später konnte er alle Frauen haben, die sein Herz begehrte – genau wie sein Vater.

Jetzt – endlich! – konnte er die erhabene steinerne Pracht seines wahren Zuhauses in Augenschein nehmen, den Palast des Volkes, der eines Tages ihm gehören würde. Das hatte ihm die Stimme anvertraut.

Ein Straßenhändler drängte sich neben ihn und riß Oba aus seinen erfreulichen Gedanken und Zukunftsphantasien.

»Einen Talisman, Sir? Ein magisches Amulett? Bringt Euch ganz sicher Glück.«

Oba blickte stirnrunzelnd auf den buckligen Straßenhändler herab. »Was?«

»Spezielle Amulette mit magischer Wirkung. Für einen Silberpfennig könnt Ihr unmöglich etwas verkehrt machen.«

»Wozu taugen die Dinger denn?«

»Nun, Sir diese Amulette besitzen magische Kräfte. Sie machen, daß sich die Dinge zur Abwechslung nach Eurem Willen entwickeln. Kosten nur einen Silberpfennig.«

Die Dinge entwickelten sich längst nach seinem Willen, jetzt, da seine irre Mutter nicht mehr da war, um ihm auf die Nerven zu gehen und ihn zu unterdrücken. Aber Oba lernte gern Neues hinzu.

»Was bewirken diese magischen Kräfte? Von was für Dingen redest du überhaupt?«

»Von den großen Dingen, Sir. Den ganz großen. Es wird Euch Kraft verleihen, unbedingt, Kraft und Weisheit, wie sie sich kein normaler Sterblicher erträumen kann.«

Oba mußte grinsen. »Die hab ich bereits.«

Der Mann war für einen Moment um Worte verlegen. Er vergewisserte sich, daß niemand in der Nähe war, bevor er sich näher zu Oba beugte, ihn geradezu bedrängte, um vertraulich mit ihm zu sprechen. Dann zwinkerte er Oba zu.

»Diese magischen Amulette helfen Euch, die Mädchen rumzukriegen, Sir.«

»Ich kann mich schon jetzt vor Frauen kaum retten.« Oba begann das Interesse zu verlieren, diese Magie versprach nichts, was er nicht längst hatte. Ebenso gut hätte der Mann sie ihm mit den Worten anpreisen können, er bekäme durch sie zwei Arme und zwei Beine.

Der verwahrloste Zwerg räusperte sich geräuschvoll und schob sich abermals ganz dicht an ihn heran. »Nun, Sir. niemand kann genug haben von Reichtum und den schönsten ...«

»Ich gebe dir einen Kupferpfennig, wenn du mir sagen kannst, wo ich die Hexenmeisterin Althea finde.«

Der Kerl stank aus dem Mund, weshalb Oba ihn von sich schob. Der Straßenhändler hob einen gichtigen Finger und zog seine drahtigen Brauen hoch.

»Ihr habt vollkommen Recht, Sir Ihr seid ein kluger Mann. Das war mir sofort klar, als ich Euch sah. Ihr habt genau den Mann auf diesem Markt aufgespürt, der Euch sagen kann, was Ihr braucht.« Er klopfte sich an die Brust. »Mich. Ich kann Euch alles sagen, was Ihr zu diesem Thema wissen müßt. Aber wie ein Mann von Eurer Klugheit zweifellos einsehen wird, werden Euch diese geheimen und privilegierten Informationen erheblich mehr kosten als nur einen Kupferpfennig. Ja, Sir, erheblich mehr, aber wert sind sie es allemal.«

Oba runzelte die Stirn. »Wie viel mehr?«

»Einen Silbertaler.«

Oba lachte höhnisch und machte Anstalten, sich zu entfernen. Geld hatte er genug, er konnte es nur nicht ausstehen, zum Narren gehalten zu werden.

»Dann hör ich mich eben um. So etwas Simples wie die Wegbeschreibung zu der Hexenmeisterin kriege ich auch von anständigen Leuten; und die erwarten als Gegenleistung nichts weiter als ein freundliches Dankeschön.«

Der Straßenhändler, erpicht darauf, neu zu verhandeln, trippelte beschwörend auf ihn einredend neben Oba her; er hatte Mühe, Schritt zu halten.

»Ja, jetzt wird mir klar, Ihr seid ein wahrhaft kluger Mann. Ich fürchte, mit einem Mann wie Euch kann ich mich nicht messen. Ihr seid mir über, Sir – das ist die schlichte Wahrheit. Dennoch gibt es eine Reihe komplizierter Dinge, von denen Ihr nichts ahnt, Dinge, über die ein Mann von Eurer Feinfühligkeit bescheid wissen sollte, Dinge, die bei einem so gefährlichen Wagnis, auf das Ihr Euch, wie ich vermute, einzulassen im Begriff seid, Eure Sicherheit bedeuten könnten und über die Euch nicht viele ehrlich Auskunft geben können.«

Feinfühlig war Oba, da hatte der Kerl recht. Er blickte auf den Mann hinunter, der seitlich neben ihm herscharwenzelte wie ein bettelnder Straßenköter. »Also gut, einen Silberpfennig. Das ist mein letztes Angebot.«

»Schön, einen Silberpfennig«, gab er sich seufzend geschlagen, »für die wertvolle Information, die Ihr so dringend benötigt, Sir. und die Ihr garantiert sonst nirgendwo bekommt.«

Oba blieb stehen, zufrieden, daß der Kerl sich seinem überlegenen Verstand unterworfen hatte. Die Hände in die Hüften gestemmt, starrte er auf den Burschen hinab, der sich erwartungsvoll die aufgesprungenen Lippen benetzte. Im Grunde widersprach es Obas Natur, sich so leicht von seinem Geld zu trennen, aber erstens hatte er genug davon, und zweitens faszinierte ihn irgend etwas an dem Burschen. Er kramte in seiner Hosentasche, schob zwei Finger in den Geldbeutel, den er dort aufbewahrte, und fischte einen Silberpfennig heraus.