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Es begann, eine Wirkung auf die kleine Gruppe zu haben, trotz ihrer Entschlossenheit. Die Gespräche wurden knapper, die Stimmung gereizter, und die Ungewißheit, was sie tun sollten, wuchs. Horner Dees wurde noch schweigsamer und mürrischer, seine Fähigkeiten als Fährtensucher waren nutzlos, und seine Erfahrungen von vor zehn Jahren reichten hier nicht weiter. Pe Ell hielt sich weiterhin auf Distanz, seine Augen mißtrauisch, seine Bewegungen verstohlen und angespannt wie die einer Katze am Rande des Dschungels, entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Carisman gab das Singen fast vollständig auf. Morgan Leah schrak beim leisesten Geräusch zusammen und war in Gedanken mit der Magie beschäftigt, die er verlor, als das Schwert von Leah zersplitterte. Walker Boh war ein stimmloses Gespenst; bleich und zurückhaltend glitt er durch die Düsternis, als könnte er jeden Moment einfach vergehen.

Sogar Quickening hatte sich verändert. Es war kaum wahrnehmbar, eine leichte Trübung ihrer exquisiten Schönheit, eine merkwürdige Schattierung in ihrer Stimme und ihren Bewegungen und eine gewisse Müdigkeit in ihren Augen. Morgan, der das Mädchen ständig beobachtete, glaubte, er allein könne es wahrnehmen.

Doch als sie einmal eine Pause im Schatten einer Wagenruine machten, ließ sich Walker Boh neben dem Hochländer nieder und flüsterte:

»Diese Stadt frißt uns auf, Morgan Leah. Kannst du es fühlen? Sie besitzt ein Leben über unser Verstehen hinaus, eine Ausdehnung des Willens des Steinkönigs, die an uns zehrt. Die Magie ist allenthalben. Wenn wir Uhl Belk nicht bald finden, laufen wir Gefahr, ganz und gar verschlungen zu werden. Siehst du das? Selbst Quickening ist davon angegriffen.«

Und das war sie allerdings. Walker zog sich wieder zurück, und Morgan war seinen eigenen düsteren Gedanken darüber überlassen, in was für eine Lage sie geraten waren. Diese ganze Anstrengung, um bis an diesen Ort zu gelangen, und alles schien umsonst gewesen zu sein. Es zehrte an ihrem Leben, ihrer Energie, ihrer Entschlossenheit und ihrem Willen. Er dachte daran, mit Quickening darüber zu sprechen, doch dann entschloß er sich, es bleiben zu lassen. Sie wußte, was im Gange war. Sie wußte es immer. Wenn es an der Zeit war, etwas zu unternehmen, dann würde sie das tun.

Doch es war Walker Boh, der als erster handelte. Der vierte Tag ihrer Suche nach dem Steinkönig war in der gleichen Weise vorübergegangen wie die drei davor, ohne daß einer von ihnen auch nur die winzigste Spur ihrer Jagdbeute gefunden hätte. Sie kauerten im Schatten ihres neuesten Unterschlupfs; Pe Ell hatte darauf bestanden, daß sie das Gebäude wechselten, um zu verhindern, daß der Kratzer sie entdeckte, der noch immer jede Nacht Jagd auf sie machte. Seit sie in Eldwist angekommen waren, hatten sie keine warme Mahlzeit mehr zu sich genommen oder die Wärme eines Feuers genossen, und ihre Trinkwasservorräte gingen zur Neige. Entmutigt und mit wunden Füßen saßen sie schweigend in der Patsche.

»Wir müssen die Tunnel unter der Stadt durchsuchen«, sagte plötzlich der Dunkle Onkel mit leiser, kalter Stimme.

Die anderen schauten auf. »Was für Tunnel?« fragte Carisman müde. Der Sänger, der weniger fit war als die anderen, verlor deutlich an Kraft.

»Diejenigen, die die Felsen unter den Häusern durchlöchern«, erwiderte Walker. »Es gibt viele davon. Ich habe die Treppen gesehen, die von den Straßen aus nach unten führen.«

Der bärbeißige Horner Dees schüttelte den Kopf. »Vergiß nicht, der Malmschlund ist da unten.«

»Ja. Irgendwo. Aber er ist ein riesiger, blinder Wurm. Wenn wir vorsichtig sind, wird er nicht einmal merken, daß wir da sind. Und wenn der Malmschlund sich unter der Erde versteckt, dann versteckt sich der Steinkönig vielleicht ebenfalls fort.«

Morgan nickte. »Warum nicht? Vielleicht sind beides Würmer. Vielleicht sind sie beide blind. Vielleicht mag keiner von ihnen das Licht. Der Himmel weiß, daß es davon wenig genug da unten gibt. Ich meine, das ist eine gute Idee.«

»Ja«, stimmte Quickening zu, ohne einen von ihnen anzuschauen.

Pe Ell regte sich im Schatten und sagte nichts. Die anderen murmelten ihre Zustimmung. In der Finsternis ihres Unterschlupfs wurde es schnell wieder still.

In jener Nacht schlief Quickening neben Morgan, was sie seit ihrer Ankunft in Eldwist nicht mehr getan hatte. Unerwartet kam sie und kuschelte sich an ihn, als fürchte sie, etwas könne sie fortstehlen kommen. Morgan legte seinen Arm um sie und hielt sie fest und lauschte auf ihren Atem, fühlte das Pulsieren ihres Körpers nah an seinem. Sie sprach nicht. Nach einer Weile schlief er mit ihr im Arm ein. Als er erwachte, war sie wieder fort.

Bei Tagesanbruch verließen sie ihren Unterschlupf und stiegen in die Katakomben unter der Stadt. Ein Treppenschacht unter einem Haus neben dem, wo sie sich eingenistet hatten, führte sie auf die erste Ebene. Weitere Treppen führten tiefer in den Fels, wanden sich in schwarzen Löchern im Stein ins Leere. Die Tunnel der ersten Ebene waren aus Steinquadern errichtet, und Schienen auf versteinerten Bohlen verliefen in dunkle Ferne. Alles war zu Stein verwandelt. Es gab kein Licht unter der Stadt. Walker Boh benutzte eines von Coglines Pulvern, mit dem er einen Steinkeil bestrich, der feuerähnlich leuchtete. Sie folgten den Schienen, die sich ins Finstere wanden. Die Schienen führten an Bahnsteigen entlang, wo es weitere Treppen nach oben und unten gab, und die Tunnel verzweigten sich in verschiedene Richtungen. Die Luft roch modrig, und loses Gestein knirschte unter ihren Schritten. Nach einer Weile stießen sie auf einen riesigen, umgekippten Wagen mit Rädern, die in die Schienen paßten, doch zerbrochen und zersplittert und durch die magische Transformation mit der Achse und dem Fahrgestell verschmolzen waren. Einst war dieser Wagen auf den Schienen gerollt, angetrieben durch rätselhafte Energie, und hatte die Menschen der Alten Welt von einem Gebäude zum anderen, von einer Straße zur anderen transportiert. Die Gruppe blieb einen Moment stehen und betrachtete das Wrack, um dann weiterzueilen.

Unterwegs fanden sie weitere Wagen, einmal einen ganzen Saal voll davon, manche noch immer auf den Schienen, manche umgestürzt und zersplittert. Unidentifizierbare Schutthaufen säumten die Schienen sowie Brocken und Teile von ehemaligen Eisenbänken auf den Bahnsteigen, an denen sie vorbeikamen. Hin und wieder stiegen sie zu den Straßen der Stadt hinauf, um sich zu orientieren und dann unterirdisch weiterzugehen. Tief unten, weit entfernt von ihnen, konnten sie das Rumpeln des Malmschlunds hören. Und noch weiter unten das Rauschen des Ozeans.

Nachdem sie viele Stunden lang das Tunnelnetzwerk erforscht hatten, ohne irgendeinen Hinweis auf den Steinkönig zu finden, ließ Pe Ell sie anhalten. »Wir verschwenden unsere Zeit«, sagte er. »Auf dieser Ebene werden wir nichts finden. Wir müssen tiefer hinunter.«

Walker Boh schaute zu Quickening hinüber und nickte dann. Morgan erhaschte einen Blick auf die Gesichter von Carisman und Horner Dees und sagte sich, daß er wohl den gleichen Ausdruck zeigte.

Sie stiegen durch einen gewundenen Treppenschacht zum nächsten Niveau hinunter in ein Labyrinth aus Abflußkanälen. Die Kanäle waren leer und trocken, doch es bestand kein Zweifel an ihrer ursprünglichen Funktion. Die Röhren, aus denen sie bestanden, waren mehr als sechs Meter hoch. Wie alles andere, waren auch sie versteinert. Sie folgten ihnen, und Walkers Behelfsfackel warf einen silbrigen Schimmer in die Schwärze, und ihre Schritte hallten dröhnend durch die Stille. Nicht mehr als hundert Meter von der Stelle entfernt, wo sie die Kanalisation betreten hatten, war ein riesiges Loch in die Seitenwände der Röhre gerissen worden. Sie waren zerfetzt, als bestünden sie aus Papier. Etwas von gewaltiger Größe hatte sich durch den Fels gegraben, so riesig, daß die Kanalröhre nicht mehr als ein Strohhalm in seinem Weg gewesen war.