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Daher hängt das, was deine Zukunft für dich bereithält, ganz und gar von deiner Fähigkeit ab zu lieben.

Daher musst du von dem, was du tust, vollkommen überzeugt sein. Höre nicht auf die anderen, wenn sie dir einzureden versuchen: ›Jener Weg ist besser‹ oder ›Jene Strecke ist weniger mühsam‹.

Gottes größtes Geschenk an uns ist die Gabe, frei zu entscheiden.

Uns wurde von unserer Kindheit an eingetrichtert, dass das, was wir leben wollen, unmöglich sei. Und je mehr Jahre vergehen, desto mehr Sand aus Vorurteilen, Ängsten und Schuldgefühlen wird angehäuft.

Befreie dich davon. Nicht morgen, nicht heute Abend, sondern jetzt.

Ich sagte bereits: Viele von uns glauben, dass wir die Menschen, die wir lieben, verletzen, wenn wir im Namen unserer Träume alles zurücklassen.

Aber jene, die uns wirklich Gutes wünschen, möchten uns glücklich sehen – auch wenn sie noch nicht verstehen, was wir tun, und auch wenn sie uns anfangs mit Drohungen, Versprechen oder Tränen aufhalten wollen.

Tage voller Abenteuer liegen vor dir, und es ist gut, sie auszukosten: Daher spüre, wenn du auf einem Pferd sitzt, den Wind in deinem Gesicht, und genieße das Gefühl von Freiheit.

Aber vergiss nicht, dass du eine lange Reise vor dir hast. Wenn du dich dem Überschwang der Gefühle zu sehr hingibst, könntest du stürzen. Und wenn du deinem Pferd keine Rast gönnst, könnte es vor Durst oder Erschöpfung sterben.

Wenn du reitest, lausche dem Wind, aber vergiss darüber das Pferd nicht.

Und wenn die Erfüllung deines Traumes zum Greifen nahe ist, musst du besonders aufmerksam sein, weil dann die größte Gefahr droht.

Du siehst dann, dass du an einem Punkt angelangt bist, an den es nur wenige schaffen, und du wirst glauben, nicht verdient zu haben, was das Leben dir schenkt.

Du wirst vergessen, was du überwunden, was du erlitten, auf was du verzichtet hast. Und du wirst aus einem unbewussten Schuldgefühl heraus alles zerstören, was du so mühevoll aufgebaut hast.

Dies ist das gefährlichste Hindernis, weil es dem Anschein nach um etwas Verehrungswürdiges geht: den Verzicht auf etwas Errungenes.

Aber wenn ein Mensch begriffen hat, dass er dessen, wofür er so hart gekämpft hat, würdig ist, dann wird er feststellen, dass er es in Wahrheit nicht allein geschafft hat. Und er muss der Hand, die ihn geführt hat, Achtung zollen.

Nur derjenige begreift seinen eigenen Wert, der imstande ist, jeden seiner Schritte zu würdigen.«

Und einer von denen, die schreiben

konnten, und der eifrig jedes Wort des

Kopten notiert hatte, ließ den Stift

sinken, und der Platz, auf dem

sich das Grüppchen versammelt

hatte – die müden Gesichter, die

Kirchenoberhäupter, die schweigend

zuhörten –, kam ihm wie ein Traum

vor. Und um sich zu beweisen, dass er

nicht träumte, stellte er eine Frage:

»Was bedeutet Loyalität?«

Und der Kopte sagte:

»Loyalität ist wie ein Laden voll kostbarster Tongefäße, dessen Schlüssel uns von der Liebe anvertraut wurde.

Ein jedes dieser Gefäße ist schön, weil es sich von den anderen unterscheidet. So wie die Menschen, die Regentropfen oder die Felsen in den Bergen auch alle unterschiedlich sind.

Manchmal fällt aus Altersgründen oder wegen eines nicht entdeckten Schadens ein Regal in sich zusammen. Und der Besitzer des Ladens sagt sich: ›Da habe ich so viel Zeit und Liebe in diese Tongefäße gesteckt, aber trotzdem haben sie mich verraten und sind zersprungen.‹

Er verkauft seinen Laden und zieht weg. Am Ende ist er einsam und verbittert und überzeugt, niemals wieder jemandem vertrauen zu können.

Es kommt tatsächlich vor, dass Gefäße zerbrechen und mit ihnen der Pakt der Treue. In diesem Fall ist es am besten, die Scherben zusammenzukehren und sie wegzuwerfen, denn das, was einmal zerbrochen ist, wird nie wieder wie vorher.

Manchmal aber fällt das Regal aus Gründen in sich zusammen, die man nicht beeinflussen kann: wegen eines Erdbebens, wegen eines Überfalls, aufgrund einer Unachtsamkeit.

Dann schieben sich alle gegenseitig die Schuld zu und sagen: ›Warum hast du nicht aufgepasst?‹ Oder: ›Mir wäre das nicht passiert.‹

Doch das stimmt nicht. Wir alle sind Gefangene der Zeit und haben keine Kontrolle über sie.

Die Zeit vergeht, das kaputte Regal wird geflickt und wieder aufgebaut.

Andere Tongefäße rücken an die Stelle der alten. Und der neue Ladenbesitzer, der weiß, dass alles vergänglich ist, lächelt und sagt sich: ›Das Unglück meines Vorgängers ist meine Chance, und ich werde sie nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern neue Gefäße kaufen und darunter Schätze entdecken, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte.‹ Die Schönheit eines solchen Ladens besteht in der Einzigartigkeit jedes einzelnen Gefäßes. Sieht man sie nebeneinanderstehen, strahlen sie Harmonie aus und spiegeln die Mühen des Töpfers und die Kunst des Malers wider, der sie bemalt hat.

Keines dieser Kunstwerke darf aber von sich behaupten: ›Ich bin etwas Besonderes.‹ Denn sonst wäre es nicht mehr wert als ein Haufen Scherben.

Und so wie mit den Gefäßen verhält es sich auch mit den Menschen.

Und mit den verschiedenen Völkern und mit den Schiffen und den Bäumen und den Sternen.

Haben wir das erst begriffen, können wir uns am Abend neben unseren Nachbarn setzen, respektvoll anhören, was er zu sagen hat, und ihm sagen, was wir ihm zu sagen haben. Und keiner wird dem anderen die eigenen Vorstellungen aufzwingen.

Mögen uns die Berge auch körperlich voneinander trennen, so gibt es doch die Gemeinschaft des Geistes. Wir sind Teil dieser Gemeinschaft. Und in dieser Gemeinschaft sind die Worte wie Straßen, die Fernes verbinden, und wie bei Straßen müssen gelegentlich die Schäden repariert werden, die die Zeit ihnen zugefügt hat.

So wird ein geliebter Mensch, der zurückkehrt, niemals mit Misstrauen empfangen werden, weil die Loyalität seine Schritte begleitet hat.

Und der Mensch, der gestern noch unser Gegner war, weil Krieg war, kann heute schon unser Freund sein, weil der Krieg zu Ende ist und das Leben weitergeht.

Der Sohn, der davonging, wird zurückkehren, wenn es an der Zeit ist – und er wird reich sein an Erfahrungen, die er auf seinem Weg gemacht hat. Der Vater wird ihn mit offenen Armen empfangen und seinen Dienern sagen: ›Bringt das beste Kleid, und tut es ihm an, und gebt ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringt ein gemästet Kalb her und schlachtet’s; lasset uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.‹«

Und ein Mann, dessen Stirn von

der Zeit gezeichnet und dessen Körper

voller Narben war, die von den

Schlachten erzählten, an denen er

teilgenommen hatte, bat:

»Sprich zu uns über die Waffen,

die wir benutzen müssen, wenn

alles verloren ist.«

Und der Kopte sagte:

»Wo Loyalität ist, sind Waffen überflüssig.

Denn alle Waffen sind Werkzeuge des Bösen, nicht Werkzeuge des Weisen.