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Je schwächer jemand ist, der andere verleumdet, desto gefährlicher sind seine Taten. Biete schwachen Geistern, die keinen starken Geist neben sich ertragen können, keine Angriffsfläche.

Wenn jemand mit dir über Ideen oder Ideale streiten will, dann tritt vor, und nimm den Kampf an – denn in jedem Augenblick des Lebens ist der Konflikt gegenwärtig, und manchmal muss er zutage treten.

Doch kämpfe nicht, um zu beweisen, dass du recht hast, oder um anderen deine Ideen oder Ideale aufzuzwingen. Nimm den Kampf an, um deinen Geist rein und deinen Willen untadelig zu erhalten. Wenn der Kampf zu Ende ist, werden beide als Sieger daraus hervorgehen, weil sie ihre Fähigkeiten und Grenzen auf die Probe gestellt haben.

Auch wenn im ersten Augenblick einer von beiden sagen mag: ›Ich habe gesiegt.‹

Und der andere traurig denkt: ›Ich bin besiegt worden.‹

Da beide den Mut und die Entschlossenheit des anderen achten, wird eine Zeit kommen, in der aus einstigen Gegnern Freunde werden, auch wenn bis dahin möglicherweise tausend Jahre vergehen müssen.

Wenn aber jemand zu dir kommt, um dich zu reizen, dann schüttle den Staub von deinen Schuhen, und geh einfach weiter. Kämpfe nur mit jemandem, der es wert ist – und nicht mit jemandem, der hinterlistig versucht, einen Krieg, der bereits zu Ende ist, zu verlängern, so wie es in allen Kriegen geschieht.

Diese Barbarei kann nicht den Kriegern auf dem Schlachtfeld angelastet werden, sondern jene sind dafür verantwortlich, die Sieg und Niederlage ihren Interessen entsprechend manipulieren.

Dein wahrer Feind ist nicht der, der mit dem Schwert in der Hand vor dir steht. Es ist der, der mit dem Dolch hinter dem Rücken an deiner Seite steht.

Der wichtigste Krieg ist nicht der, der mit hehrem Geist und einer in ihr Schicksal ergebenen Seele auf dem Schlachtfeld ausgefochten wird, sondern der Kampf, der sich in unserem Inneren auf der geistigen Ebene abspielt. Er wird auch jetzt, während wir miteinander reden, zwischen Gut und Böse, Mut und Feigheit, Liebe und Angst ausgefochten.

Vergelte Hass nicht mit Hass, sondern mit Gerechtigkeit.

Die Welt teilt sich nicht in Feinde und Freunde auf, sondern in Schwache und Starke.

Die Starken sind großmütig im Sieg. Die Schwachen rotten sich zusammen und greifen jene an, die verloren haben, ohne zu wissen, dass die Niederlage etwas Vorübergehendes ist. Unter den Verlierern suchen sie sich jene heraus, die am verletzlichsten wirken.

Geschieht dies mit dir, frage dich, ob du die Opferrolle annehmen willst.

Ist deine Antwort ja, wirst du dich in deinem Leben nie mehr von ihr befreien können. Und wenn du vor einer Entscheidung stehst, die Mut verlangt, hast du von vornherein verloren. Dein Mund mag dann von Sieg reden, doch deine Augen sprechen von Niederlage, und jeder wird es bemerken.

Ist deine Antwort jedoch nein, so halte dagegen. Es ist besser zu reagieren, solange die Wunden noch leicht zu heilen sind – selbst wenn die Heilung Zeit und Geduld verlangt.

Du wirst ein paar schlaflose Nächte verbringen und denken: ›Ich verdiene das nicht.‹

Oder du wirst die Welt für ungerecht halten, weil sie dir nicht den Empfang bereitet, den du erwartet hast. Oft wirst du dich wegen der Demütigung schämen, die du vor deinen Gefährten, deiner Liebsten, deinen Eltern erlitten hast.

Doch wenn du nicht aufgibst, wird sich das Rudel Hyänen entfernen und sich andere für die Opferrolle suchen. Sie müssen diese Lektion selber lernen, denn niemand wird ihnen helfen können.

Deine Feinde sind also nicht Gegner, die dir geschickt wurden, um deinen Mut auf die Probe zu stellen.

Es sind Feiglinge, die dir geschickt wurden, um deine Schwäche auf die Probe zu stellen.«

Es war inzwischen vollkommen

dunkel geworden.

Der Kopte wandte sich an die

Gottesmänner, die alles gehört

und gesehen hatten, und fragte,

ob sie etwas sagen wollten.

Alle drei nickten.

Der Rabbi sagte:

»Als ein großer jüdischer Geistlicher sah, wie die Juden misshandelt wurden, ging er in den Wald. Er entzündete ein heiliges Feuer und sprach ein besonderes Gebet, in dem er Gott bat, sein Volk zu beschützen. Und Gott schickte ein Wunder.

Später ging sein Schüler, den Schritten des Rabbis folgend, an dieselbe Stelle im Wald und sagte:

›Herr des Universums, ich weiß nicht, wie ich das heilige Feuer entzünden soll, aber das besondere Gebet kenne ich noch. Erhöre mich bitte.‹

Und wieder geschah ein Wunder.

Eine Generation später ging ein anderer Rabbi angesichts der Verfolgung seines Volkes in den Wald und sagte:

›Ich weiß nicht, wie man das heilige Feuer entzündet, ich kenne auch das besondere Gebet nicht, aber ich erinnere mich noch an die Stelle. Hilf uns, Herr!‹

Und der Herr half erneut.

Fünfzig Jahre später sprach einer seiner Nachfolger mit Gott: ›Ich weiß weder, wie man das heilige Feuer entzündet, noch kenne ich das Gebet, und auch den Ort im Wald kann ich nicht finden. Ich kann nur diese Geschichte erzählen und hoffen, dass du mich erhörst.‹

Und wieder geschah ein Wunder.

Geht also hinaus in die Welt, und erzählt, was ihr heute Nachmittag hier erlebt und gelernt habt.«

Nachdem er respektvoll gewartet hatte, bis sein Freund, der Rabbiner, zu Ende gesprochen hatte, ergriff der Imam, dem die Aufsicht über die al-Aqsa-Moschee oblag, das Wort:

»Ein Mann klopfte an die Tür seines Freundes, um ihn um einen Gefallen zu bitten:

›Ich möchte dich bitten, mir viertausend Dinare zu leihen, weil ich eine Schuld bezahlen muss. Könntest du das tun?‹

Der Freund bat seine Frau, alles zusammenzusuchen, was sie an Wertvollem besaßen, dennoch reichte es nicht. Sie mussten Nachbarn um Geld bitten, bis sie den notwendigen Betrag zusammenhatten.

Als der Mann gegangen war, bemerkte die Frau, dass ihr Ehemann weinte.

›Warum bist du bloß so traurig? Befürchtest du, dass wir, jetzt, da wir Schulden bei unseren Nachbarn haben, diese nicht werden zurückzahlen können?‹

›Nichts dergleichen. Ich weine, weil er ein Mensch ist, den ich sehr gern habe, und ich dennoch nicht wusste, wie es um ihn stand. Ich habe mich erst wieder an ihn erinnert, als er an meine Tür geklopft und mich gebeten hat, ihm Geld zu leihen.‹

Gehet also hin, und erzählt alles, was ihr an diesem Nachmittag gehört habt, damit wir unserem Bruder helfen können, bevor er es braucht.«

Und kaum hatte der Imam geendet, da begann der christliche Priester:

»Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen’s auf.

Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum dass es nicht tiefe Erde hatte.

Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es.

Und etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht.

Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig.

Daher sät eure Samen in allen Orten aus, in die ihr kommen werdet, denn wir wissen nicht, welche davon aufgehen werden, um die nächste Generation zu erleuchten.«