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»Und die Prälatin? Vielleicht solltest du nicht zu ihr gehen, sie könnte zu ihnen gehören.«

Sie schüttelte seufzend den Kopf. »Du könntest recht haben, aber sie ist die einzige Chance, die wir haben. Ich wüßte niemanden sonst, der mir helfen könnte. Ich muß zu ihr gehen.« Sie berührte sein Gesicht mit den Fingerspitzen. »Jedidiah, bitte geh zurück. Sollte mir irgend etwas zustoßen, dann könntest du noch etwas unternehmen. Es gäbe jemanden, der Bescheid weiß.«

»Nein. Ich werde dich nicht allein lassen. Wenn du mich zwingst zurückzugehen, werde ich es der Prälatin sagen. Ich liebe dich. Lieber sterbe ich, als ohne dich zu leben.«

»Aber wir müssen auch an die anderen denken. Es stehen noch andere Leben auf dem Spiel.«

»Die anderen sind mir egal. Bitte, Margaret, verlange nicht von mir, daß ich dich in dieser Gefahr allein lasse.«

»Manchmal kannst du einen ganz schön wütend machen, mein Geliebter.« Sie ergriff seine Hände. »Jedidiah, wenn man uns erwischt…«

»Wenn wir nur zusammen sind, bin ich bereit, das Risiko einzugehen.«

Sie verschlang ihre Finger mit seinen. »Wirst du dann mein Mann? Wie wir es besprochen haben? Wenn ich heute nacht sterbe, dann als deine Frau.«

Er legte ihr die Hand in den Nacken und zog sie an sich. Dann schob er ihr die Haare zurück und flüsterte ihr leise etwas ins Ohr. »Das würde mich zum glücklichsten Mann auf der ganzen Welt machen. Ich liebe dich so sehr, Margaret. Aber können wir nicht hier miteinander vermählt werden, jetzt gleich?«

»Wir können uns das Eheversprechen geben. Das einzige, was zählt, ist unsere Liebe, nicht, daß irgendein anderer die Worte für uns spricht. Die Worte, die aus unseren Herzen kommen, werden uns fester miteinander verbinden, als das jemand anders kann.«

Er drückte sie fest an sich. »Das ist der glücklichste Augenblick in meinem Leben.« Er ließ von ihr ab und faßte sie noch einmal bei den Händen. Sie sahen sich in der Dunkelheit an. »Ich, Jedidiah, bitte dich, dein Mann werden zu dürfen — im Leben wie im Tod. Ich schenke dir mein Leben, meine Liebe und meine ewige Treue. Mögen wir in den Augen und im Herzen des Schöpfers miteinander verbunden sein — und in unseren eigenen.«

Sie erwiderte leise seine Worte, während ihr die Tränen die Wangen hinabliefen. Noch nie in ihrem Leben hatte sie solche Angst gehabt — und solches Glück empfunden. Sie bebte vor Verlangen nach ihm. Als sie die Worte gesprochen hatten, gaben sie sich einen Kuß. Es war der zärtlichste, liebevollste Kuß, den er ihr je gegeben hatte. Die Tränen strömten ihr noch immer über die Wangen, als sie sich an ihn, an seine Lippen preßte. Sie hielt seine breiten Schultern umklammert und drückte ihn an sich. Seine Umarmung gab ihr Sicherheit und das Gefühl, mehr geliebt zu werden als je zuvor. Schließlich lösten sie sich voneinander.

Sie hatte Mühe, wieder zu Atem zu kommen. »Ich liebe dich, mein Mann.«

»Ich liebe dich, meine Frau, auf immer und ewig.«

Sie lächelte. Auch wenn sie ihn in der Dunkelheit nicht sehen konnte, so wußte sie doch, daß er ebenfalls lächelte. »Gehen wir nachsehen, ob wir irgendwelche Beweise finden können. Vielleicht können wir den Schwestern der Finsternis ein Ende machen. Lassen wir den Schöpfer stolz auf die Schwestern des Lichts und auf einen zukünftigen Zauberer sein.«

Er drückte ihre Hand. »Versprich mir, keine Dummheiten zu machen. Versprich mir, nichts Unüberlegtes zu unternehmen und dein Leben nicht zu riskieren. Ich will mit dir noch einige Zeit im Bett verbringen, nicht in diesem Wald.«

»Ich muß wissen, was sie vorhaben. Ich muß herausfinden, ob es eine Möglichkeit gibt, all das der Prälatin zu beweisen. Aber sie sind mächtiger als ich, ganz zu schweigen davon, daß sie wenigstens zu elft sind. Hinzu kommt, wenn es tatsächlich Schwestern der Finsternis sind, dann verfügen sie über Subtraktive Magie. Dem haben wir nichts entgegenzusetzen. Ich weiß nicht, wie wir ihnen den Quillion wegnehmen können. Vielleicht sehen wir etwas anderes, das uns hilft. Wenn wir nur die Augen offenhalten und uns vom Schöpfer führen lassen, wird Er uns vielleicht offenbaren, was wir tun können. Aber wir dürfen kein größeres Risiko eingehen als nötig. Auf keinen Fall dürfen wir entdeckt werden.«

Er nickte. »Gut. Genauso will ich es auch.«

»Aber denk daran, Jedidiah, ich bin eine Schwester des Lichts. Das heißt, ich trage die Verantwortung, die Verantwortung dem Schöpfer und allen seinen Kindern gegenüber. Obwohl wir jetzt Mann und Frau sind, ist es immer noch meine Aufgabe, dich zu führen. In diesem Punkt sind wir nicht gleichgestellt. Ich trage die Verantwortung, und ich werde dir nur erlauben, mich zu begleiten, wenn du dich daran hältst. Noch bist du kein fertiger Zauberer. Du mußt gehorchen, wenn ich etwas sage. Ich kann mit meinem Han noch immer besser umgehen als du mit deinem.«

»Ich weiß, Margaret. Einer der Gründe, weshalb ich dein Mann werden wollte, ist der, daß ich dich respektiere. Ich möchte keine schwache Frau. Du hast mich immer geführt, und das wird sich jetzt nicht ändern. Du hast mir alles gegeben, was ich besitze. Ich werde dir immer folgen.«

Sie schüttelte den Kopf und mußte lächeln. »Du bringst mich zum Staunen, mein Ehemann. Und zwar auf die allerbeste Weise. Du wirst ein bemerkenswerter Zauberer werden. Wirklich bemerkenswert. Ich habe es dir nie erzählt, weil ich immer Angst hatte, es könnte dir zu Kopf steigen, wenn du es wüßtest, aber einige der Schwestern sind der Ansicht, du könntest der vielleicht mächtigste Zauberer seit tausend Jahren werden.«

Er antwortete nichts, und sie konnte sein Gesicht nicht sehen, aber sie war sicher, daß er errötete. »Margaret, die einzigen Augen, die ich von Stolz erfüllt sehen möchte, sind deine.«

Sie küßte ihn auf die Wange, dann ergriff sie seine Hand. »Wollen wir sehen, ob wir dem ein Ende machen können.«

»Woher weißt du, wohin sie gegangen sind? Hier im Wald ist es stockdunkel. Der Mond hält sich hinter den Bäumen verborgen.«

Sie zwackte ihn in die Wange. »Durch einen Trick, den mir meine Mutter beigebracht hat. Als ich sah, wie sie den Palast verließen, habe ich ihnen eine Lache von meinem Han vor die Füße gelegt. Sie sind hindurchgelaufen und hinterlassen Spuren meines eigenen Han. Nur ich kann sie sehen. Ihre Fußstapfen leuchten für mich so strahlend hell wie die Sonne auf einem Teich, aber für keinen anderen.«

»Den Trick mußt du mir zeigen.«

»Irgendwann, das verspreche ich dir. Komm jetzt.«

Sie nahm ihn bei der Hand und folgte den leuchtenden Fußstapfen der Schwestern durch den dichten Wald. In der Ferne erschollen die unheimlichen Schreie der Vögel der Nacht. Der Boden war uneben, durchsetzt von Wurzeln und Geäst, doch die leuchtenden Fußabdrücke halfen ihr, den Weg zu finden.

Die feuchte Hitze ließ ihr den Schweiß ausbrechen und das Kleid auf der Haut kleben. Sobald sie wieder zu Hause wäre, würde sie ihr Zimmer abschirmen und ein Bad nehmen. Ein langes Bad. Mit Jedidiah. Dann würde sie ihm erlauben, sie mit seiner Magie zu verwöhnen.

Immer tiefer drangen sie in den Hagenwald ein, tiefer als je zuvor. Von morastigen Stellen wehte Nebel heran, der den alles durchdringenden Gestank verrottender Pflanzen mit sich trug. Sie passierten dunkle Wasserläufe, verborgen hinter Schleiern aus Luftwurzeln und Efeu, die ihnen über Gesicht und Arme streiften und sie bei jeder unerwarteten Berührung zurückschrecken ließen. Die Fußstapfen führten einen spärlich bewachsenen, felsigen Hang hinauf.

Oben blieb sie in der feuchten, stillen Luft stehen und blickte zurück über die düstere Landschaft. In der Ferne konnte sie die flackernden Lichter von Tanimura erkennen und inmitten dieser Lichter den Palast der Propheten, der sich im silbrigen Mondlicht erhob und dessen massig dunkle Form die dahinterliegenden Lichter der Stadt verdeckte.