Выбрать главу

Irgend etwas geschah mit dem Quillion. Er wurde heller und verblaßte dann. Das Ungeheuer beobachtete die nackte Frau aus seinen dunklen Augen. Margaret riß entsetzt die Augen auf. Ihr Herz pochte so stark, als wollte es ihr ein Loch in die Brust reißen.

Mit dem Verblassen des Quillion begannen die Augen des Ungeheuers orange zu leuchten — in der gleichen Farbe wie der Quillion. Mit dem Schwächerwerden des Quillion wurde das Leuchten in den Augen des Ungeheuers kräftiger, bis die Figur dunkel war und die Augen des Wesens strahlend leuchteten.

Zwei weitere Schwestern erhoben sich. Sie stellten sich zu beiden Seiten neben die erste.

Die erste kniete nieder. Sie senkte den Kapuzenkopf und musterte die nackte Frau. »Es ist soweit, wenn du dir sicher bist. Du weißt, was zu tun ist, dasselbe hat man auch mit uns getan. Du bist die letzte, der die Gabe offenbart wird. Willst du sie entgegennehmen?«

»Ja! Das ist mein Recht. Sie gehört mir. Ich will sie.«

Margaret glaubte, beide Stimmen wiederzuerkennen, war sich aber nicht sicher, weil die Kapuzen die Worte dämpften.

»Dann soll sie dir gehören, Schwester.« Die beiden anderen knieten neben ihr nieder, als sie ein Tuch aus ihrem Gewand zog und zusammendrehte. »Du mußt diese Schmerzensprobe bestehen, um die Gabe zu erlangen. Während dies geschieht, können wir dich nicht mit unserer Magie berühren, aber wir werden dir helfen, so gut es geht.«

»Ich werde alles tun. Sie gehört mir. Es soll geschehen.«

Die nackte Frau breitete die Arme aus. Die Schwestern lehnten sich zu beiden Seiten mit ihrem ganzen Gewicht auf ihre Handgelenke.

Die Schwester an ihrem Kopf hielt ihr das verdrehte Tuch über das Kapuzengesicht. »Öffne den Mund und beiß darauf.« Sie schob der Frau das Tuch zwischen die Zähne. »Jetzt mach die Beine breit. Du mußt sie geöffnet halten. Wenn du versuchst, sie zu schließen, so gilt dies als Verweigerung dessen, was man dir anbietet, und du hast deine Chance vertan. Für immer.«

Die nackte Frau hatte den Blick starr ins Nichts gerichtet. Sie keuchte vor Angst, ihre Brust hob und senkte sich. Langsam breitete sie die Beine auseinander.

Das Ungeheuer rührte sich und stieß ein leises Grunzen aus.

Margaret packte Jedidiahs Unterarm und krallte ihre Finger hinein.

Das Ungeheuer nahm Witterung auf. Als es langsam hochkam, sah Margaret, daß es erheblich größer war als in seiner geduckten Haltung. Es war kräftig gebaut und glich größtenteils einem Mann. Der flackernde Schein der Kerzen wurde von den schweißnassen harten Muskeln an Armen und Brust zurückgeworfen. An den schmalen Hüften begann ein flaumiger Haarwuchs, der weiter unten an den Beinen bis hin zu den Knöcheln, wo er am dichtesten war, immer drahtiger wurde. Doch der Kopf war völlig anders als bei einem Mann. Er bot ein grauenvolles Bild aus Bosheit und Reißzähnen.

Eine lange, dünne Zunge schnellte hervor, schien die Luft zu schmekken. Die Augen leuchteten in dem schwachen Licht orange auf — orange von der Kraft der Gabe, die es aus dem Quillion gezogen hatte.

Als es auf Händen und Knien auf die nackte Frau zukroch, wäre Margaret vor Schreck fast die Luft weggeblieben — sie kannte das Ungeheuer. In einem alten Buch hatte sie eine Zeichnung von ihm gesehen. In demselben Buch, in dem sie auch Teile der Symbole gefunden hatte. Sie wollte schreien.

Es war ein Namble. Einer der Günstlinge des Namenlosen.

Lieber Schöpfer, betete sie fieberhaft, bitte beschütze uns.

Mit einem tiefen Knurren reckte er seine mächtigen Muskeln, seine Augen glühten orange auf. Der Namble schlich wie eine riesenhafte Katze auf die am Boden liegende Frau zu. Mit gesenktem Kopf ließ er sich zwischen ihren Beinen nieder. Fast völlig starr vor Angst hielt die Frau den Blick weiter ins Nichts gerichtet.

Der Namble schnupperte an ihrem Schoß. Er ließ die lange Zunge hervorschnellen und leckte sie. Sie zuckte zusammen, stieß einen kurzen Schrei in den Knebel zwischen ihren Zähnen, hielt die Beine aber weiter ausgebreitet. Ihr Blick war starr. Sie sah den Namble nicht an. Die Schwestern im Kreis stimmten einen leisen Gesang an. Der Namble leckte sie erneut, langsamer diesmal, und stöhnte dabei. Sie kreischte in den Knebel. Schweißperlen glänzten auf ihrer Haut. Sie hielt die Beine weit auseinander.

Das Ungeheuer erhob sich auf die Knie und stieß ein kehliges Röhren in den schwarzen Himmel. Sein spitzer, stacheliger Phallus stand, ein deutlich sichtbarer Schattenriß vor dem Schein der dahinter stehenden Kerzen. Die Muskeln an Armen und Schultern ballten sich zu knorrigen Strängen, als der Namble sich vornüberbeugte und sich zu beiden Seiten der Frau auf seine Fäuste stemmte. Seine Zunge schleckte rings um ihre Kehle, während er ein rollendes Knurren von sich gab, um sich dann auf sie herabzusenken und sie unter seinem massigen Körper zu begraben.

Seine Hüften bewegten sich ruckartig nach vorn. Die Frau preßte gequält die Lider zusammen und kreischte in den Knebel zwischen ihren Zähnen. Der Namble setzte zu einem schnellen, kraftvollen Stoß an, und die Frau riß in panischer Erwartung des Schmerzes die Augen auf. Selbst mit dem zwischen ihre Zähne geklemmten Stoffetzen übertönte ihr Schreien jedesmal den Gesang der Schwestern, wenn das Ungeheuer ihr den Atem aus den Lungen preßte und so den Schreien zusätzlich Nachdruck verlieh.

Margaret mußte sich beim Zusehen zwingen, Luft zu holen. Sie haßte diese Frauen. Sie hatten sich etwas unaussprechlich Bösem verschrieben. Und doch, es waren ihre Mitschwestern, und sie konnte es kaum ertragen mitanzusehen, wie einer von ihnen Schmerz zugefügt wurde. Sie bemerkte, wie sie zitterte. Sie umklammerte die goldene Blume an ihrem Hals mit einer Hand und Jedidiahs Arm mit der anderen, während ihr die Tränen übers Gesicht rannen.

Das Ungeheuer warf sich immer wieder auf die am Boden liegende Frau, während die drei Schwestern sie festhielten. Ihre unterdrückten, gequälten Schreie zerrissen Margaret fast das Herz.

Schließlich sagte die Schwester, die das Tuch festhielt, etwas. »Wenn du die Gabe willst, mußt du ihn ermutigen, sie dir zu geben. Er wird sie dir nicht überlassen, wenn es dir nicht gelingt, seine Beherrschung zu bezwingen — und du sie ihm nimmst. Du mußt sie dir von ihm holen. Verstehst du mich?«

Weinend, die Augen fest geschlossen, nickte die Frau mit dem Kopf.

Die Schwester nahm den Knebel fort. »Dann gehört er jetzt dir. Hol dir die Gabe, wenn du sie willst.«

Die anderen beiden ließen ihre Arme los, und zu dritt kehrten sie auf ihre Plätze im Kreis zurück und stimmten in den Sprechgesang der anderen ein. Die Frau stieß einen Klagelaut aus, der Margarets Blut zu Eis gefrieren ließ.

Die Frau schlang Arme und Beine um den Namble, klammerte sich an ihn, folgte seinen Bewegungen, bewegte sich im Rhythmus des Gesangs. Ihre Schreie verstummten, als sie vor Anstrengung zu keuchen begann.

Margaret konnte es nicht länger mitansehen. Sie schloß die Augen und schluckte ein Jammern hinunter, das sich aus ihrer Kehle lösen wollte. Doch selbst mit geschlossenen Augen wurde es nicht besser. Sie konnte es noch immer hören. Bitte, geliebter Schöpfer, flehte sie in Gedanken, mach ein Ende. Mach dem ein Ende.

Und dann endete es — mit einem rohen Grunzlaut. Margaret öffnete die Augen und sah den Namble reglos, mit durchgebogenem Rücken. Er schüttelte sich und erschlaffte dann langsam. Die Frau hatte Mühe, unter seinem Gewicht Luft zu holen.

Mit einer unvorstellbar scheinenden Kraftanstrengung stieß sie den Namble von sich herunter. Schwer atmend wälzte er sich auf Hände und Knie und stahl sich zurück auf seinen Platz im Kreis, wo er sich zu einem dunklen Knäuel zusammenrollte. Der Gesang war verstummt. Die Frau blieb noch eine Weile keuchend auf der Erde liegen, um sich zu erholen. Sie war mit einer glänzenden Schweißschicht bedeckt, in der sich das gelbliche Licht der Kerzen spiegelte.