Выбрать главу

»Nein, nein.« Zedd gestikulierte mit seinem neuen Stock. »Der unbesetzte dort in der Ecke neben der Küche ist ganz hervorragend.«

Der Mann blickte mit kummervoller Miene in die von Zedd gezeigte Richtung. »Dort? Oh, nein, Sir, bitte, laßt mich Euch einen besseren Tisch besorgen. In der Nähe des Barden vielleicht? Ihr wollt Euch doch sicher ein hübsches Liedchen anhören. Er kennt jedes Lied, das Ihr ihm nennt. Verratet mir Eure Lieblingsmelodie, und ich werde dafür sorgen, daß er sie für Euch spielt.«

Zedd beugte sich ganz nah und zwinkerte dem Mann zu. »Die wundervollen Düfte aus Eurer Küche gefallen mir sehr viel besser als der Gesang.«

Meister Hillman erstrahlte vor Stolz, dann bat er Zedd mit einer ausladenden Geste zu dem Tisch herüber. »Ihr erweist mir eine solche Ehre, Meister Rybnik. Noch nie hat jemand von meiner Küche so geschwärmt wie Ihr. Ich werde Euch eine Portion bringen.«

»Ruben bitte. Ihr erinnert Euch? Und ich wäre entzückt, eine Scheibe von dem Rostbraten kosten zu dürfen, dessen Duft mir so angenehm in die Nase steigt.«

»Sehr wohl, Meister Rybnik, natürlich.« Den Zipfel seiner Schürze wringend, beugte er sich über den Tisch, als Zedd an der Wand Platz nahm. »Wie geht es der Gemahlin? Hoffentlich doch besser. Ich bete jeden Tag für sie.«

Zedd seufzte. »Ihr Zustand ist unverändert, fürchte ich.«

»Du meine Güte. Ja, das tut mir leid. Ich werde weiter für sie beten.« Er wollte zur Küchentür hinaus. »Gestattet, daß ich Euch jetzt den Rostbraten bringe.«

Nachdem der Mann verschwunden war, lehnte Zedd seinen neuen Stock an die Wand, setzte den Hut ab und warf ihn auf den Tisch. Der zur Kahlheit neigende Barde hockte auf einem Schemel auf einem kleinen Podium über seine Laute gebeugt, als sei er für alle Zeiten mit ihr verwachsen, schlug mit Nachdruck in die Saiten und trällerte dazu ein beseeltes Lied von den Abenteuern eines Fuhrmannes, von dessen Reisen über schlechte Straßen von einer schlechten Stadt zur nächsten, von schlechtem Essen und noch schlechteren Frauen und darüber, wie sehr er die Herausforderung steiler Hügel und gewundener Paßstraßen liebte, wenn peitschender Regen und Schnee ihm die Sicht raubten.

Zedd beobachtete einen Mann, der allein in einer Nische an der gegenüberliegenden Wand des Raumes saß und der mit verdrehten Augen und kopfschüttelnd einem unwahrscheinlichen Abenteuer nach dem anderen lauschte. Vor ihm auf dem Tisch lag säuberlich zusammengerollt eine Peitsche. Andere Männer an den Tischen nahmen das Gesungene für bare Münze, sangen mit und schlugen dabei mit ihren Krügen auf den Tisch. Einige der betrunkenen Gäste versuchten die lächelnden Kellnerinnen in den Allerwertesten zu kneifen, wenn sie vorbeihuschten, griffen jedoch stets ins Leere.

An anderen Tischen saßen piekfein gekleidete Männer und Frauen, wahrscheinlich Kaufleute mit ihren Gattinnen, unterhielten sich und ignorierten den Gesang. Modisch gekleidete Edelleute mit blitzenden Schwertern saßen ein paar Tische weit entfernt in einer ruhigeren Ecke des Raumes. Auf einer freien Fläche zwischen dem Barden und dem einsamen Mann in seiner Nische tanzten Paare. Einige der Männer hatten Kellnerinnen etwas zustecken müssen, damit sie in den Genuß eines Tanzes kamen. Pikiert stellte Zedd fest, daß es zwar viele Männer mit Hüten gab, die Hüte jedoch allesamt zweckmäßig aussahen und keiner mit einer Feder geschmückt war.

Zedd griff in die Tasche, um seine Goldmünzen zu zählen. Zwei. Er seufzte. Es war kostspielig, den reichen Mann zu spielen. Wie die Reichen sich das leisten konnten, war ihm ein Rätsel. Nun, er würde etwas unternehmen müssen, wollte er ihnen eine Transportmöglichkeit nach Nicobarese beschaffen. Er konnte nicht zulassen, daß Adie weiter auf dem Pferd ritt. Sie war zu sehr geschwächt.

Leichtfüßig federnd kam Meister Hillman durch die Küchentür geeilt. Er setzte Zedd einen goldgeränderten, weißen Teller mit einem Berg gegrillten Lammfleischs vor, zögerte, bevor er sich aufrichtete, legte zu beiden Seiten einen Finger an den Teller und rückte ihn pingelig zurecht. Dann zog er ein sauberes Küchentuch hervor und rieb einen Flecken von der Tischplatte. Zedd beschloß, trotz seines Hungers vorsichtig zu essen, damit Meister Hillman nicht auf die Idee verfiel, ihm das Kinn abzuwischen.

»Darf ich Euch einen Krug Bier bringen, Meister Rybnik? Auf Kosten des Hauses?«

»Bitte nennt mich Ruben, so heiße ich nämlich. Eine Kanne Tee wäre hervorragend.«

»Selbstverständlich, Meister Rybnik, kommt sofort. Kann ich sonst noch etwas für Euch tun? Außer der Kanne Tee?«

Zedd beugte sich ein wenig zur Tischmitte vor. Meister Hillman tat dasselbe. »Wieviel Silber bekommt man augenblicklich für Gold?«

»Vierzig Komma fünf fünf zu eins«, kam die präzise Antwort im Handumdrehen. Es folgte ein verlegenes Räuspern. »Glaube ich zumindest. Wenn ich mich recht erinnere.« Er grinste kleinlaut. »So genau verfolge ich das nicht. Aber ich glaube, so dürfte es stimmen. Vierzig Komma fünf fünf zu eins. Ja, ich denke, das dürfte in etwa stimmen.«

Zedd tat, als ließe er sich das durch den Kopf gehen. Schließlich zog er eines seiner beiden Goldstücke hervor und schob es mit einem Finger über den Tisch hinüber zum Wirt.

»Wie es aussieht, bin ich knapp an kleinen Münzen. Wärt Ihr so freundlich, dies für mich zu wechseln? Außerdem möchte ich, daß es auf zwei Geldbeutel aufgeteilt wird. Aus dem einen nehmt ein Silberstück und wechselt es in Kupfer, das Ihr in einen dritten Beutel steckt. Und bitte, behaltet das überzählige Kleingeld für Euch.«

Meister Hillman verbeugte sich zweimal tief. »Natürlich, Meister Rybnik, selbstverständlich. Und vielen Dank.«

Er wischte die Münze so schnell vom Tisch, daß Zedd sie kaum verschwinden sah. Als er gegangen war, fiel Zedd über seinen Lammbraten her, beobachtete die Leute und lauschte kauend dem Gesang. Gegen Ende der Mahlzeit war Meister Hillman zurück und schob sich zwischen Zedd und das Gedränge.

Er legte zwei kleine Geldbeutel auf den Tisch. »Das Silber, Meister Rybnik. Neunzehn im hellbraunen, und zwanzig im dunklen.« Zedd ließ sie in sein Gewand gleiten, während sein Gegenüber einen schwereren, grünen Beutel absetzte und über den Tisch schob. »Und hier das Kupfer.«

Zedd bedankte sich mit einem Lächeln. »Und der Tee?«

Der dicke Mann schlug sich mit der Hand vor die Stirn. »Vergebt mir. Über das Wechseln habe ich das ganz vergessen.« Einer der Edelleute winkte und versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erhäschen. Hillman erwischte den Arm einer Kellnerin, die gerade mit einem Tablett voll Krügen aus der Küche kam. »Julie! Hol Meister Rybnik eine Kanne Tee.« Sie lächelte Zedd an und nickte, bevor sie mit ihrem Tablett weitereilte. Lächelnd drehte Hillman sich wieder um. »Julie wird sich darum kümmern, Meister Rybnik. Wenn ich sonst noch etwas für Euch tun kann?«

»Äh, ja. Ihr könntet mich Ruben nennen.«

Meister Hillman gluckste gedankenverloren in sich hinein und nickte. »Selbstverständlich, Meister Rybnik, geht in Ordnung.« Und eilte fort, hinüber zu dem Edelmann.

Zedd schnitt das nächste Stück Lammbraten ab und spießte es mit der Gabel auf. Der Name Ruben gefiel ihm. Mehr hätte er dem Mann gar nicht verraten sollen. Während er das Fleisch mit den Zähnen von den Zinken zog, beobachtete er Julie, die sich auf der anderen Seite des Raumes zwischen den Tischen hindurchschlängelte.

Kauend verfolgte er, wie sie knallend Krüge rings um einen Tisch derber Kerle verteilte, die sämtlich lange Jacken trugen. Als sie den letzten Krug vor dem letzten Kerl absetzte, sagte dieser etwas zu ihr. Sie mußte sich vornüberbeugen, um bei dem Lärm etwas zu verstehen. Plötzlich brachen die Männer in Gelächter aus. Julie richtete sich auf und schlug dem Kerl mit ihrem Tablett auf den Kopf. Als sie stolz davonmarschieren wollte, kniff er sie. Sie schrie auf, eilte aber weiter.

Als sie an Zedds Tisch vorüberkam, beugte sie sich lächelnd über ihn. »Ich werde Ihnen den Tee jetzt sofort bringen, Meister Rybnik.«