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»Und du nicht?«

Ahern schüttelte den Kopf. »Ich knalle mit der Peitsche, um ihre Aufmerksamkeit zu kriegen, damit sie wissen, was ich will, wo sie ihre Füße hinsetzen sollen. Mein Gespann arbeitet für mich, weil ich ihnen das Arbeiten beigebracht habe, nicht weil sie die Peitsche bekommen. Wenn es eng wird, brauche ich ein Gespann, das begreift, was ich will, und keines, das springt, wenn es die Peitsche spürt. Es gibt genug Schluchten voller Knochen von Mann und Pferd. Meine müssen nicht noch dazu.«

»Klingt, als würdest du dich mit deiner Arbeit auskennen.«

Ahern deutete mit der Tasse auf Zedds feine Kleidung. »Und womit beschäftigst du dich?«

»Obstgärten«, sagte Zedd und hob den Finger Richtung Himmel. »Die feinsten Früchte der Welt, Sir!«

Ahern brummte verächtlich. »Das heißt, du besitzt Land, und andere arbeiten, um das feinste Obst der Welt zu ernten.«

Zedd gluckste. »Du hast es erkannt. Jetzt, jedenfalls. Angefangen habe ich allerdings nicht so. Ich habe allein angefangen, geschuftet, mich abgemüht, jahrelang. Habe meine Bäume Tag und Nacht gepflegt und versucht, die besten Früchte zu produzieren, die man je gekostet hat. Viele der Bäume sind eingegangen. Und ich bin oft gescheitert und mußte hungern.

Aber schließlich hatte ich Erfolg. Ich habe jede Kupfermünze gespart, und in den Jahren, in denen ich konnte, Land dazugekauft. Alles selbst bepflanzt, gepflegt, geerntet, verladen und verkauft. Mit der Zeit merkten auch die Leute, daß mein Obst das beste war, und ich hatte noch mehr Erfolg. In den letzten Jahren habe ich Leute eingestellt, die sich für mich um die Dinge kümmern. Aber ich halte noch immer meine Hand auf die Arbeit, damit alles so wird, wie es die Leute von mir kennen. Hast du etwa geringere Ansprüche an deine Arbeit?«

Zedd lehnte sich lächelnd zurück. Er war stolz auf die Geschichte, die er soeben aus dem Stegreif erfunden hatte. Ahern hielt seine Tasse hin und verlangte noch etwas Tee.

»Wo liegen diese Obstgärten?«

»In Westland. Bin dort hingezogen, bevor die Grenze errichtet wurde.«

»Und warum bist du jetzt hier?«

Zedd beugte sich vor und senkte die Stimme. »Nun, du mußt wissen, meiner Frau geht es nicht sehr gut. Wir sind beide alt, und jetzt, wo die Grenze gefallen ist, möchte sie ihre Heimat besuchen. Sie kennt Heilerinnen dort, die ihr vielleicht helfen können. Ich würde alles tun, um ihr zu helfen. Sie ist zu krank, um bei diesem Wetter weiter zu Pferd zu reisen, deswegen möchte ich jemanden anheuern, der uns zu den Heilerinnen bringt. Ich zahle jeden Preis, jeden Preis, den ich bezahlen kann, um sie dorthin zu schaffen.«

Aherns Gesicht wurde etwas milder. »Klingt durchaus vernünftig. Was ist dein Ziel?«

»Nicobarese.«

Ahern knallte seine Tasse auf den Tisch. Ein Teil des Tees schwappte heraus. »Was!« Er senkte seine Stimme und beugte sich vor. Die Tischkante drückte sich in seine kräftige Leibesmitte. »Wir haben Winter, Mann!«

Zedd fuhr mit dem Finger um den Tassenrand. »Ich dachte, du hättest gesagt, im Frühling sei es am schlimmsten.«

Ahern brummte und warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. »Das liegt oben im Nordwesten, auf der anderen Seite des Rang’Shada-Gebirges. Wenn du aus Westland gekommen bist, wieso hast du dann erst den Rang’Shada überquert, um nach Nicobarese zu gelangen? Jetzt mußt du ihn noch einmal überqueren.«

Zedd war ertappt und mußte nun schnellstens eine Antwort finden. Schließlich kam sie ihm. »Ich stamme von oben aus der Nähe von Aydindril. Wir hatten vor, dorthin zu reiten, um meiner Heimat einen Besuch abzustatten, bevor wir im Frühling nach Nicobarese reisen. Ich hatte vor, die Berge im Süden zu überqueren, und dann weiter nach Nordosten Richtung Aydindril zu reiten. Aber Elda, das ist meine Frau, wurde krank, und so beschloß ich, daß es wohl besser wäre, ihre Heilerinnen aufzusuchen.«

»Ihr hättet besser daran getan, zuerst nach Nicobarese zu reisen und dann die Berge zu überqueren.«

Zedd faltete die Hände über seinem Stock. »Nun, Ahern, hättest du eine Ahnung, wie ich meinen Irrtum wiedergutmachen kann?«

Ahern brummte etwas und mußte schmunzeln. »Vermutlich nicht.« Er dachte einen Augenblick lang nach, schließlich stieß er einen müden Seufzer aus. »Eins sag ich dir, Ruben, das ist ein weiter Weg. Das schreit geradezu nach Ärger. Ich weiß nicht, ob ich mich dafür erwärmen kann.«

Zedd zog eine Braue hoch. »Tatsächlich?« Er ließ den Blick in aller Ruhe durch den Raum schweifen. »Sag mir eins, Ahern, wenn du die Aufgabe für so schwierig hältst, wer von diesen Männern hier wäre dann dem Auftrag gewachsen? Wer ist ein besserer Fuhrmann als du?«

Ahern betrachtete die Leute mit säuerlichem Gesichtsausdruck. »Ich sage nicht, daß ich der Beste bin, den es gibt, aber bei diesem Haufen hier ist die Klappe bestimmt größer als der Verstand. Vermutlich gibt es hier keinen, der es schaffen würde.«

Zedd rutschte gereizt auf seiner Bank hin und her. »Ahern, ich habe den Eindruck, du willst bloß den Preis in die Höhe treiben.«

»Und ich glaube, du willst ihn drücken.«

Zedd ließ den Anflug eines Lächelns auf seinen Lippen zu. »Ich glaube, so schwer, wie du behauptest, ist es nicht.«

Aherns mißbilligender Gesichtsausdruck kehrte zurück. »Denkst du, es sei einfach?«

Zedd zuckte mit den Achseln. »Du fährst doch ohnehin im Winter. Ich verlange nichts weiter, als daß du eine andere Richtung einschlägst, das ist alles.«

Ahern beugte sich vor, seine Kiefermuskeln wurden immer härter. »Das Problem ist die Richtung, in die du reisen willst! Erstens gibt es Gerüchte über einen Bürgerkrieg in Nicobarese. Schlimmer noch, der kürzeste Weg, wenn man nicht wochenlang über die Pässe weit unten im Süden fahren will, führt durch Galea.«

Er senkte die Stimme. »Zwischen Galea und Kelton gibt es Ärger. Ich habe gehört, daß entlang der Grenze gekämpft wird. Keltonische Städte wurden geplündert. Die Leute hier in Penverro sind schon nervös, weil sie so nahe an der Grenze nach Galea leben. Man spricht von nichts anderem mehr. Nach Galea zu fahren bedeutet Ärger.«

»Kämpfe? Nichts als Getratsche und Geschwätz. Der Krieg ist vorbei. Man hat die Truppen D’Haras zurückgerufen.«

Ahern schüttelte langsam den Kopf. »Ich sage ja nicht, daß die Truppen aus D’Hara sind. Sondern aus Galea.«

»Blödsinn!« fauchte Zedd ihn an. »Keltonier denken jedesmal, die Galeaner würden angreifen, wenn ein Farmer eine Laterne umstößt und die Scheune Feuer fängt, und jedesmal, wenn ein Lamm von einem Wolf gerissen wird, sehen Galeaner einen Keltonier vor sich. Ich hätte gern das Geld für all die Pfeile, die man auf Schatten abgeschossen hat.« Er drohte mit dem Finger. »Sollten Keltonier oder Galeaner einander angreifen, hätte der Zentralrat längst die Köpfe derer rollen lassen, die den Befehl dazu gegeben haben, egal, um wen es sich handelt!« Er stieß mit dem Stock auf. »Man würde es nicht zulassen!«

Ahern wich ein Stück zurück. »Von Politik verstehe ich nichts, und noch weniger von diesen gottlosen Konfessoren. Ich weiß nur, daß ein Mann bei einer Fahrt durch Galea leicht von Pfeilen dieser Schatten durchlöchert werden kann. Was du vorhast, ist nicht so einfach, wie du glaubst.«

Zedd war das Spielchen leid. Er hatte für dergleichen keine Zeit. Irgendeine Bemerkung von Adie ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Eine Bemerkung über Licht. Entschlossen, die Diskussion so oder so zu beenden, leerte er seine Tasse mit einem Schluck.

»Danke für die Unterhaltung, Ahern. Aber ich sehe, du bist nicht der Mann, der mich nach Nicobarese bringen kann.«

Er stand auf und griff nach seinem Hut. Ahern legte seine große Pranke auf Zedds Arm und drückte ihn zurück auf den Stuhl. Er rutschte auf seiner Bank nach vorn.

»Hör zu, Ruben, die Zeiten sind hart. Der Krieg mit D’Hara hat den Handel abreißen lassen. Kelton ist das Schlimmste erspart geblieben, vielen unserer Nachbarn aber nicht. Mit Toten läßt sich schwer Handel treiben. Es gibt nicht mehr so viel Fracht wie früher, aber wir haben immer noch mehr als genug Leute, die nur darauf warten, eine Fahrt zu machen. Du kannst niemandem einen Vorwurf daraus ziehen, wenn er den bestmöglichen Preis erzielen will.« Er runzelte die Stirn und beugte sich noch ein wenig weiter vor. »Den besten Preis für die besten Früchte sozusagen.«