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Als sie fertig war, hielt sie die Klinge übers Feuer. Ein dünner, weißer Feuerstrahl stieg zischend vom Stahl in die Höhe, und die übriggebliebene Paste verbrannte. Sie beließ die Klinge im Feuer, bis sowohl Paste als auch Stichflamme verschwunden waren.

»Hätte ich nicht gehandelt, Schwester, wären wir jetzt tot.«

Sie drohte ihm mit der heißen Klinge. »Ich habe nicht gemeint, daß es falsch war, zu handeln! Ich habe gemeint, du hast falsch gehandelt! Du hast die falsche Art Magie eingesetzt!«

»Ich habe das einzige benutzt, das ich besitze! Das Schwert!«

Sie schleuderte das Messer fort. Mit dumpfem Aufschlag blieb es fest in einem Stück Brennholz stecken. »Es ist gefährlich zu handeln, ohne die Folgen der beschworenen Magie zu kennen!«

»Nun, Ihr habt jedenfalls überhaupt nichts Hilfreiches getan.«

Schwester Verna wippte auf den Fußballen, starrte ihn einen Augenblick lang an, dann drehte sie sich um und machte sich daran, die Flaschen wieder in dem grünen Beutel zu verstauen.

»Tut mir leid, Schwester. Das habe ich nicht so sagen wollen. Ich wollte damit nur sagen, daß Ihr nicht mehr in der Lage wart, den Weg zu spüren, und ich wußte, wenn wir bleiben, würden wir getötet werden.«

Die Flaschen klirrten, als sie sie im Beutel unterbrachte. Sie schien Schwierigkeiten zu haben, sie so zu verstauen, wie sie wollte. »Richard, du glaubst, du sollst bei uns die Beherrschung der Gabe, die Anwendung von Magie lernen. Das ist der leichte Teil. Zu wissen, welche Art von Magie man anwendet, wieviel man anwendet, wann man sie anwendet, und die Folgen der Anwendung zu kennen, das ist der schwierige Teil. Das ist das Entscheidende. Wie, wieviel, wann und was, wenn — genau wie die Magie, mit der ich diese Käferbisse behandelt habe.«

Sie fixierte ihn mit ernstem Blick. »Ohne dieses Wissen bist du wie ein Blinder, der seine Axt inmitten einer Schar von Kindern schwingt. Du hast keine Vorstellung, welche Gefahr du mit der Anwendung von Magie heraufbeschwörst. Wir versuchen, dir den Blick und ein wenig Verstand mitzugeben, bevor du diese Axt kreisen läßt.«

Richard zupfte an einem Grasbüschel zu seinen Füßen. »So habe ich das Ganze noch nie betrachtet.«

»Wenn überhaupt, dann sollte ich vielleicht wütend auf mich selber sein, weil ich töricht war. Ich dachte, nichts dort wäre mächtig genug, mich in eine Falle zu locken. Ich habe mich getäuscht. Danke, Richard, denn du hast mich tatsächlich gerettet.«

Er wickelte sich einen langen Grashalm um den Finger. »Ich war so erleichtert, als ich Euch wiederfand … ich dachte, Ihr wärt tot. Ich bin froh, daß es nicht so ist.«

Sie hatte alle kleinen Fläschchen aus dem Beutel genommen und sie auf der Erde abgestellt. »Ich hätte in diesem Bann für alle Zeiten verlorengehen können. Eigentlich hätte es sogar passieren müssen.«

»Wie meint Ihr das?«

Es kam ihm vor, als wären es mehr Flaschen, als in den Beutel passen konnten, andererseits hatte er sie aber alle zum Vorschein kommen sehen. »Wir haben früher schon versucht, Schwestern zu retten. Wir haben mitangesehen, wie einige zusammen mit ihren Schützlingen in diesen Bannen der Verzückung verlorengingen. Gleich bei meiner ersten Durchquerung habe ich eine gesehen. Wir konnten sie nicht befreien. Bei dem Versuch sind mehrere Schwestern ums Leben gekommen.« Sie machte sich daran, die Fläschchen wieder zu verstauen. »Du hast Magie angewandt.«

»Ich habe das Schwert benutzt. Das Schwert hat magische Kräfte, das wißt Ihr doch.«

»Nein. Du hast nicht die Magie des Schwertes benutzt. Du hast, ohne es zu merken, dein Han benutzt. Dein Han aufgrund eines Wunsches einzusetzen, ohne Weisheit, ist das Gefährlichste, was du tun kannst.«

»Schwester, ich denke, es war nur die Magie des Schwertes.«

»Ich habe dich gehört, als du mich gerufen hast. Die anderen haben uns nie gehört, wenn wir versucht haben, sie zu rufen. Nicht ein einziges Mal.«

»Ihr wußtet einfach nicht, wie es geht. Ihr habt mich auch erst hören können, als ich eine funkelnde Barriere, die Euch umgab, durchbrochen hatte. Danach konntet Ihr mich hören. Man muß nur zuerst diese Barriere durchbrechen.«

Sie schob die Fläschchen nach rechts und links, um zusätzlichen Platz zu schaffen. »Das wissen wir, Richard. Wir haben es mit allen Arten von Magie versucht, trotzdem haben wir die Barrieren dieser Banne weder durchbrechen noch durchschreiten können, noch haben wir die Aufmerksamkeit derer erregen können, die in ihnen gefangen waren. Nie zuvor konnte jemand aus einem Bann der Verzückung befreit werden.« Sie stopfte das letzte Fläschchen an seinen Platz, drehte sich um und sah ihm ins Gesicht. »Danke, Richard.«

Achselzuckend zog er sich den Grashalm vom Finger. »Es war das mindeste, was ich tun konnte, um meinen Fehler wiedergutzumachen.«

»Deinen Fehler?«

Richard tat, als wäre er damit beschäftigt, seine Hose wieder runterzukrempeln. »Nun, bevor ich Euch gerettet habe, habe ich Euch gewissermaßen umgebracht.«

Sie beugte sich vor. »Du hast was getan?«

»Ihr habt mir weh getan. Mit Eurer Magie. Mit dem Halsring.«

»Tut mir leid, Richard. Ich stand unter dem Einfluß des Banns und wußte nicht, was ich tat. Ich hatte nicht die Absicht, dir weh zu tun.«

Er schüttelte den Kopf. »Da nicht. Vorher. Im weißen Turm.«

Sie beugte sich noch weiter vor und biß die Zähne zusammen. »Du bist in einen Turm hineingegangen? Bist du wahnsinnig? Ich habe dir doch erklärt, was es mit diesen Türmen auf sich hat! Wie konntest du nur so…«

»Schwester. Ich hatte keine Wahl.«

»Über die Möglichkeiten der Wahl haben wir bereits gesprochen. Ich habe dir erklärt, wie gefährlich diese Türme sind. Ich habe dir gesagt, du sollst dich von ihnen fernhalten!«

»Hört doch, überall ringsum hat es geblitzt. Die Blitze haben versucht, mich zu treffen. Ich … ich wußte einfach nicht, was ich sonst hätte tun sollen. Also habe ich mich durch einen Torbogen in den Turm geworfen — um mich zu schützen.«

»Kannst du nicht einmal die einfachsten Anweisungen befolgen? Mußt du dich immer wie ein Kind aufführen?«

Richard sah sie mit gesenktem Kopf an. »Das waren genau Eure Worte. Ihr kamt in den Turm. Ich war sicher, daß Ihr es wart. Ihr wart wütend auf mich, genau wie jetzt, und habt genau dieselben Worte benutzt.«

Er biß die Zähne zusammen und steckte einen Finger unter den Ring an seinem Hals. »Ihr habt dies hier benutzt. Ihr habt es benutzt, um mich an eine Wand zu schleudern und mich dort festzunageln. Ist das mit diesem Halsring möglich, Schwester?«

Sie war viel ruhiger geworden. »Ja. Wir verfügen nicht über die Kraft eines Zauberers, über das männliche Han. Der Halsring verstärkt unsere Kraft, so daß wir stärker sind als der, der ihn trägt. Damit wir ihn ausbilden können.«

Seine Stimme war voller Zorn. »Dann habt Ihr ihn benutzt, um mir Schmerzen zuzufügen, genau wie in Wirklichkeit, als Ihr in dem Bann gefangen wart. Nur waren sie stärker und ließen einfach nicht nach. Ist das mit dem Halsring möglich, Schwester?«

Sie riß neben sich ein Grasbüschel aus, begann, seinem Blick ausweichend, sich die Hände damit zu reinigen. »Ja. Aber das war eine Vision, Richard. Ich habe es nicht wirklich getan.«

»Ich sagte, Ihr solltet aufhören, mir weh zu tun, oder ich würde dem ein Ende machen. Ihr wolltet nicht aufhören, also rief ich die Magie des Schwertes herbei und brach das Band der Macht, das mich hielt. Ihr wart außer Euch. Ihr sagtet, ich hätte meinen letzten Fehler gemacht. Ihr wolltet mich dafür töten, daß ich mich Euch widersetzt habe. Ihr wolltet mich umbringen, Schwester.«

»Verzeih, Richard«, sagte sie leise und hob den Kopf, »daß du all das hast durchmachen müssen.« Ihre Stimme wurde ein wenig fester. »Und was hast du mir nun angetan … der Vision von mir?«