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Dann werden wir uns bis hierher zurückziehen, bis zum Engpaß, uns dann teilen, sie hineinlassen, bis sie nirgendwo mehr hinkönnen. Die Lanzenträger werden massiert an der engsten Stelle stehen, sie bilden das, was man einen Amboß nennt. Bogenschützen auf den Seiten werden den Feind in der Mitte binden. Die Streitmacht, die sie vor sich hertreibt, nennt man Hammer.« Sein Feixen wurde breiter. »Wir werden sie dazwischen aufreiben.«

Er machte eine beiläufige Handbewegung und richtete sich ein Stück weiter auf. »Eine klassische Taktik. Man nennt sie Hammer und Amboß.«

Kahlan starrte ihn sprachlos an. »Ich weiß, wie man sie nennt, junger Mann. Der Hammer und Amboß ist ein kühnes Manöver … unter günstigen Bedingungen. Gegen eine Streitmacht, die Euch zehnfach überlegen ist, ist er mehr als tollkühn. Ihr seid ein Dachs, der versucht, einen Ochsen in einem Stück zu verschlucken.«

»Wie man uns beigebracht hat, kann auch eine kleine Streitmacht aus guten Soldaten, die im richtigen Augenblick und entschlossen handelt, an einem engen Ort wie diesem Tal…«

»Gute Soldaten? Glaubt Ihr, das hat bei den Seelen irgendein Gewicht? Ist das die Annahme, zu der Euch Euer Stolz und Eure Vermessenheit verleitet?« Der Blick des Hauptmanns sank zu Boden. »Man kann einen Felsbrocken nicht mit einem Stöckchen aushebeln! Die einzige Möglichkeit, sie hierher zurückzutreiben, besteht darin, ihnen Angst zu machen.« Sie streckte den Arm aus und zeigte erneut in Richtung Feind. »Das sind erfahrene, kampfgestählte Männer! Sie ziehen schon lange kämpfend und mordend durch das Land. Glaubt Ihr, die wissen nicht, was ein Hammer und Amboß ist? Glaubt Ihr, die sind dumm, nur weil es Feinde sind?«

»Nein, natürlich nicht, aber…«

Sie tippte ihm mit dem Finger auf die Brust und schnitt ihm das Wort ab. »Soll ich Euch erklären, was geschehen wird, Hauptmann? Ihr habt nicht genug Männer, um sie vor euch herzutreiben. Wenn Ihr diese Unterabteilung um sie herumschickt, werden sie Euch den Gefallen tun und sich ein Stück bewegen, und dabei werden sie sich teilen und Eure Truppen hereinlassen. Das nennt man Nußknacker. Jetzt ratet mal, wer die Nuß ist.

Dann werden sie sich in Bewegung setzen. Das Ziel ist Euer Amboß. Sie werden sein wie Hunde, die Blut gerochen haben. Nachdem sie Euren Hammer aufgerieben haben, wird sie nichts mehr zurückhalten können, nichts wird ihre Flanken daran hindern können, sich zu schließen, während sie vordringen. Sie verfügen über Kampferfahrung und wissen genau, was sie tun.

Sie werden Eure Lanzenträger und Eure Bogenschützen aufspalten und sie von den Schwertkämpfern abschneiden. Ein von Schilden geschützter Keil wird in die Lanzenträger getrieben werden. Halbmonde auf den Seiten werden sie umschließen. Ihre gepanzerte Kavallerie wird Eure Bogenschützenflanken im Sturmangriff niedermähen, welche zu diesem Zeitpunkt über keine Lanzenträger mehr verfügen, die dem Ansturm etwas von seiner Wucht nehmen könnten. Ihr alle werdet tapfer kämpfen, aber Ihr werdet vielleicht zwanzig zu eins unterlegen sein, weil Ihr bereits einen Teil Eurer Männer für den Hammer geopfert habt. Und die werden zu diesem Zeitpunkt bereits alle tot sein.

Um eine größere Streitmacht zu bekämpfen, müßt Ihr sie aufteilen und sie Stück für Stück besiegen. Ihr dagegen hättet genau das Gegenteil getan. Ihr hättet Euch für sie geteilt, so daß sie eine Hälfte nach der anderen töten können. In aller Ruhe.«

Der Hauptmann gab sich noch nicht geschlagen. »Wir sind gut darin, den Feind zu täuschen. Ihr wißt nicht, wir gut wir sind. Wir sind keine Anfänger.«

»Jedes einzelne dieser Kinder unter Eurem Kommando wird sterben! Habt Ihr jemals einen Menschen sterben sehen, Hauptmann? Nicht einen alten Mann im Bett, sondern im Kampf? Man wird euch mit Speeren durchbohren, mit Pfeilen durch die Augen schießen. Schwerthiebe werden euch die Arme abhacken, die Rippen spalten. Klingen werden euch die Bäuche aufschlitzen, und eure Eingeweide werden sich auf den kalten Erdboden ergießen.

Gesichter, die Ihr kennt, Eure Freunde, diese Kinder, werden voller Panik zu Euch aufschauen, während sie an ihrem eigenen Erbrochenen und Blut ersticken. Andere werden kreischend um Hilfe flehen, wenn Euer Feind durch die auf dem Boden liegenden Verwundeten geht, sie ausweidet und ihnen einen grauenhaften Tod beschert. Wer sich ergibt, wird hingerichtet, während Euer Feind tanzend und singend den großen Sieg feiert, den er gerade errungen hat.«

Endlich hob Hauptmann Ryan den Kopf. Seine Leutnants blickten immer noch zu Boden. »Ihr hört Euch an wie Prinz Harold, Mutter Konfessor. Er hat mir bei mehreren Gelegenheiten fast die gleiche Ansprache gehalten.«

»Prinz Harold ist ein kluger Soldat.«

Hauptmann Ryan schloß zwei der Messingknöpfe auf seiner dunkelbraunen Wolljacke. »Aber das ändert nichts an meinem Entschluß. Von allen unseren Möglichkeiten ist der Hammer und Amboß die beste Chance, die wir gegen sie haben. Ich glaube, es kann gelingen. Wir haben keine andere Wahl.«

Chandalen beugte sich vor und sagte in seiner Sprache: »Mutter Konfessor, diese Männer sind bereits so gut wie tot. Wir sollten uns von ihnen fernhalten, um nicht von ihrer Torheit angesteckt zu werden. Sie werden bis auf den letzten Mann sterben

Der Hauptmann runzelte die Stirn. »Was hat er gesagt?«

Kahlan beugte sich zum jungen Hauptmann vor. »Er sagt, morgen werdet ihr alle sterben.«

Hauptmann Ryan betrachtete Chandalen von Kopf bis Fuß. »Was weiß der denn schon von Schlachten? Er ist doch bloß ein Eingeborener aus der Wildnis.«

Kahlan zog die Augenbrauen hoch. »Ein Eingeborener? Er ist ein ziemlich kluger Mann. Er spricht zwei Sprachen. Seine und unsere.« Hauptmann Ryan schluckte. »Und er hat in Schlachten gekämpft. Er hat Männer getötet. Wie viele Männer habt Ihr getötet, Bradley?«

Er warf seinen beiden Leutnants einen Blick zu. »Na ja, noch keinen, schätze ich. So hört doch, es tut mir leid. Ich wollte niemanden beleidigen, aber über den Krieg weiß ich Bescheid.«

»Was weißt du schon vom Krieg, Kind?« fragte sie leise.

»Wir sind alles Freiwillige. Ich habe mich vor drei Jahren gemeldet. Kaum einer dieser Männer hier hat weniger als ein Jahr auf dem Buckel. Wir haben alle hart trainiert. Prinz Harold höchstpersönlich hat mit uns gearbeitet und uns in Taktik unterrichtet. Mehrere Male haben wir Manövergefechte gegen ihn gewonnen. Wir sind vielleicht jung, aber wir haben Erfahrung. Dieser Feldzug ist die abschließende Probe vor unserem eigentlichen Auftrag. Wir sind jetzt fast einen Monat im Feld, üben uns in Kriegsspielen und Schlachttaktiken. Wir wissen, was uns bevorsteht. Daß wir jung sind, bedeutet noch lange nicht, daß wir nicht kämpfen können. Wir sind vielleicht jung, aber das bedeutet auch, daß wir stark sind.«

Chandalen mußte lachen. »Stark? Ihr reist wie Frauen.« Er räusperte sich, als Kahlan ihn erstaunt ansah. »Nun ja, wie manche Frauen. Ihr seid nicht so stark, wie ihr glaubt. Ihr seid verweichlicht. Ihr habt Karren, auf denen ihr eure Ausrüstung transportiert. Das hat euch verweichlicht. Ihr werdet morgen sterben.«

Kahlan wandte sich wieder an die drei Soldaten. »Mein Freund irrt sich. Ihr werdet morgen nicht sterben.«

Die Miene des Hauptmanns hellte sich auf. »Wir werden nicht sterben? Dann glaubt Ihr also an uns?«

Sie schüttelte den Kopf. »Ihr werdet morgen nicht sterben, weil ich das nicht zulassen werde. Ich werde euch zurückschicken. Ihr werdet Eure Division zu Eurer Kommandoeinheit zurückführen. Das, Hauptmann ist ein Befehl. Ich befinde mich auf dem Weg nach Aydindril, um mich um diese Angelegenheit zu kümmern. Ich werde dieser Armee aus Mördern Einhalt gebieten.«

Hauptmann Ryans Miene versteinerte. »Es gibt keine Kommandoeinheit, zu der wir zurückkehren könnten. Sie wurde in Ebinissia aufgerieben. Wir wurden dort ausgebildet, befanden uns jedoch im Manöver. Wir haben die Fährte derer aufgenommen, die das getan haben, und werden sie verfolgen.«

»Eure Soldaten in Ebinissia waren um ein Vielfaches stärker als ihr, und sie wurden von der Streitmacht, die ihr verfolgt, vernichtend geschlagen.«