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»Das ist uns bekannt. Wir haben mit diesen Männern unter einem Dach gelebt, gegessen und geschlafen. Sie waren unsere Ausbilder. Sie waren unsere Brüder, unsere Väter. Sie waren unsere Freunde und Kameraden.« Er verlagerte sein Gewicht, räusperte sich und versuchte das Brechen seiner Stimme zu verhindern. »Wir hätten dort bei ihnen sein sollen. Wir hätten dort sein sollen und ihnen beistehen.«

Kahlan kehrte den drei galeanischen Soldaten den Rücken zu. Sie legte die Finger an die Schläfen, schloß die Augen und rieb sie in kleinen Kreisen. Die Sorge, all diese jungen Männer könnten hingemetzelt werden, bereitete ihr Kopfzerbrechen. Sie trauerte um die Freunde dieser Männer, um die Freunde und Kameraden, die bei der Verteidigung ihrer Stadt umgekommen waren. Die Gesichter der jungen Frauen zogen an ihrem inneren Auge vorbei.

Kahlan machte auf dem Absatz kehrt und sah dem jungen Hauptmann in die Augen. Augen, die, wie sie jetzt sah, mehr gesehen hatten, als sie zunächst angenommen hatte.

»Ihr wart es«, sagte sie leise. »Ihr wart es, der die Türen geschlossen hat. Ihr habt die Türen im Palast geschlossen. Die Türen zu den Gemächern der Königin und ihrer Hofdamen.«

Er schluckte, dann nickte er. Seine blauen Augen waren feucht. Seine Unterlippe bebte. »Warum haben sie so etwas Schreckliches getan?«

Kahlans Antwort war voller Sanftmut. »Es ist das Ziel eines Soldaten, seine Feinde zu unüberlegten Handlungen zu verleiten. Er macht ihnen angst oder macht sie wütend, damit sie nicht mehr nachdenken. Eure Feinde haben das erreicht, indem sie Angst in eure Herzen gepflanzt haben, doch mehr noch, indem sie euch so wütend gemacht haben, daß ihr eine solche Torheit begeht, die es ihnen erlaubt, euch ebenfalls zu töten.«

»Diese Männer, die wir jagen, haben das verbrochen. Wir haben kein Kommando, zu dem wir zurückkehren können. Jetzt liegt es an uns.«

»Das ist die Torheit, zu der sie Euch verleiten wollen. Ihr werdet es nicht tun. Ihr werdet zu einem anderen Kommandoposten gehen. Ihr werdet diese Armee nicht angreifen.«

»Mutter Konfessor, ich bin Soldat und habe geschworen, Galea und den Midlands zu dienen. Niemals in meinem Leben, so jung es Eurer Ansicht nach auch sein mag, ist mir der Gedanke gekommen, meinen Befehlshabern, meiner Königin oder der Mutter Konfessor nicht zu gehorchen.« Hauptmann Ryan ergriff ihr Handgelenk mit Daumen und Zeigefinger und legte sich ihre Hand auf die Schulter. »In diesem Fall jedoch, muß ich Euch den Gehorsam verweigern. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mich mit Eurer Kraft bezwingen, aber ich werde nicht freiwillig tun, was Ihr verlangt.«

Zum ersten Mal meldete sich Leutnant Sloan zu Wort. »Und dann werdet Ihr mich bezwingen müssen, denn ich werde seinen Platz einnehmen und unsere Männer in den Kampf führen.«

Leutnant Hobson trat vor. »Und dann werdet Ihr mich bezwingen müssen.«

»Nach uns dreien«, fuhr Hauptmann Ryan fort, »werdet Ihr dann die Offiziere durchgehen müssen und schließlich jeden einzelnen der Männer. Wenn nur einer übrig ist, so wird er angreifen und, falls nötig, im Kampf sterben.«

Sie zog ihre Hand zurück. »Ich werde vor den Zentralrat treten und mich dieser Angelegenheit annehmen. Was Ihr vorhabt, kommt einem Selbstmord gleich.«

»Mutter Konfessor, wir werden angreifen.«

»Wozu? Um des Ruhmes willen? Wollt Ihr Helden sein, die die Ermordeten rächen? Wollt Ihr in glorreichem Kampf fallen?«

»Nein, Mutter Konfessor«, meinte er ruhig. »Wir haben gesehen, was diese Männer in Ebinissia unter Frauen und Kindern für Leid angerichtet haben. Viele der Männer unter meinem Kommando hatten dort Mütter und Schwestern. Wir alle haben gesehen, was man ihnen angetan hat, und was man unseren Vätern und Brüdern angetan hat. Unserem Volk.«

Er nahm Haltung an und blickte ihr voller Entschlossenheit in die Augen. »Wir tun dies nicht um des Ruhmes willen, Mutter Konfessor. Wir wissen, daß es ein Selbstmordkommando ist. Aber wir stehen alle allein da. Wir haben keine Familien mehr, die wir ohne Vater zurücklassen könnten. Wir tun es, weil diese Männer zur nächsten Stadt weiterziehen und den Menschen dort das gleiche Leid zufügen werden, das sie in Ebinissia angerichtet haben. Wir tun es, um sie aufzuhalten, wenn wir können.

Wir haben bei unserem Leben geschworen, unser Volk zu beschützen. Wir können uns unserer Verantwortung nicht entziehen. Wir müssen angreifen und versuchen, diese Männer aufzuhalten, bevor sie weitere unschuldige Menschen töten. Ich bete zu den Guten Seelen, daß Ihr in Aydindril erfolgreich sein werdet, doch das wird trotzdem zu lange dauern. Wie viele Städte sollen noch geplündert werden, bevor Ihr die Midlands dazu bringen könnt, gegen diese Männer vorzugehen? Eine Stadt wäre bereits zuviel. Wir sind die einzigen, die Kontakt zu diesen Mördern haben. Unser Leben ist alles, was zwischen ihnen und ihren nächsten Opfern steht.

Mit meinem Diensteid habe ich geschworen, den Schutz meines Volkes über alles zu stellen — egal, welche Wahl sich mir bietet, egal wie die Befehle lauten. Aus diesem Grund bin ich gezwungen, Euch den Gehorsam zu verweigern, Mutter Konfessor — nicht wegen des Ruhms, sondern um die Wehrlosen zu beschützen. Ich wünsche mir Euren Segen in dieser Angelegenheit, aber ich werde versuchen, diese Männer aufzuhalten, ob Ihr mir Euren Segen erteilt oder nicht.«

Sie sank auf den Baumstamm zurück, starrte in die Ferne und dachte über die drei Soldaten nach. Die sechs Männer warteten schweigend. Kinder, in der Tat. Sie waren älter, als sie gedacht hatte. Und sie hatten recht.

Es würde noch immer eine Weile dauern, nach Aydindril zu gelangen, und noch länger, eine Armee aufzustellen, die diese Mörder zu Strecke brachte. In der Zwischenzeit würde das Morden weitergehen. Wie viele Menschen mußten sterben, während sie auf Hilfe des Zentralrats warteten?

Wenn sie in diesem Augenblick nur jemand anderes hätte sein können als die Mutter Konfessor. Sie verwarf ihre persönlichen Gefühle und überdachte das Problem, wie es sich für die Mutter Konfessor gehörte. Sie wog die Menschenleben, die vergeudet, gegen die, die gerettet werden würden, ab.

Kahlan erhob sich und wandte sich an Chandalen. »Wir müssen diesen Männern helfen.« Chandalen faßte den Speer höher und beugte sich zu ihr vor. »Mutter Konfessor, diese Soldaten sind törichte Kinder, und sie werden sterben. Wenn wir bei ihnen bleiben, werden sie einen Feuer-Sturm des Tötens rings um uns entfachen. Wir werden zusammen mit ihnen getötet werden. Sie werden ohnehin sterben, und du kommst nicht nach Aydindril

»Chandalen, diese jungen Männer sind wie die Schlammenschen. Sie machen Jagd auf ihre Jocopo. Wenn wir ihnen nicht helfen, werden noch mehr Menschen sterben, wie wir es in der Stadt gesehen haben.«

Prindin beugte sich vor. »Mutter Konfessor, wir erfüllen dir jeden Wunsch, aber es gibt keinen Weg, wie wir diesen Jungen helfen können. Wir sind nur zu viert

Tossidin nickte. »Und dann würdest du deine Pflicht, nach Aydindril zu gehen, nicht erfüllen. Ist das nicht wichtig?«

»Natürlich ist es das.« Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. »Aber was wäre, wenn diese Armee, die jeden in dieser Stadt umgebracht hat, als nächstes zu den Schlammenschen zöge? Würdet ihr mir nicht helfen wollen, wenn es euer Volk wäre, das sie als nächstes ermorden wollten?«

Die drei Männer richteten sich auf. Sie drehten ihre Speere in den Händen, dachten nach und warfen gelegentlich einen Blick über die Schulter auf die drei Soldaten, die ebenfalls schweigend dastanden.

»Was würdet ihr tun, um diesen Feind zu besiegen?« fragte sie, während sie ihren Blick zwischen den dreien hin und her wandern ließ. »Vorausgesetzt, ihr hättet keine andere Wahl?«

Endlich beugte sich Tossidin wieder nach vorne. »Es sind zu viele. Es ist nicht möglich