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Chandalen verpaßte Tossidin einen zornigen Klaps gegen die Schulter. »Wir sind Krieger der Schlammenschen! Wir sind klüger als diese Männer, die in Karren fahren und Frauen ermorden. Glaubst du etwa, das sind bessere Krieger als wir?«

Die beiden Brüder scharrten mit den Füßen und sahen zur Seite. »Gut«, meinte Prindin, »wir wissen, so wie sie es anstellen wollen, werden sie nur getötet werden. Es gibt bessere Wege

Chandalen lächelte. »Natürlich gibt es die. Die Seelen haben meinem Großvater beigebracht, wie man so etwas macht. Der hat es meinem Vater beigebracht und mein Vater mir. Die Zahlen sind vielleicht größer, doch das Problem ist das gleiche. Wir wissen hesser als diese Männer, was zu tun ist.« Er sah Kahlan an. »Auch du weißt besser als diese Männer, was zu tun ist. Du weißt, daß man nicht so kämpfen darf, wie es der Feind will. Aber genau das haben diese Männer vor

Kahlan lächelte ihn an und nickte. »Vielleicht kann ich diesen Männern helfen, weitere unschuldige Menschen zu beschützen

Sie wandte sich an Hauptmann Ryan. Er hatte sie beobachtet, als sie in einer fremden Sprache mit den drei seltsamen Männern gesprochen hatte.

»Also gut, Hauptmann. Wir werden diese Armee verfolgen.«

Er faßte sie bei den Schultern. »Danke, Mutter Konfessor!« Dann stellte er erschrocken fest, daß er sie tatsächlich berührt hatte, riß die Hände mit einem Ruck zurück und rieb sie sich. »Wir werden es schaffen. Ihr werdet sehen. Wir sind ihnen über. Wir werden sie überraschen und bekommen sie alle vor die Lanze.«

Sie beugte sich zu ihm vor. Er wich zurück. »Sie überraschen? Sie überraschen!« Sie packte ihn am Kragen und zog sein Gesicht näher. »Sie haben einen Zauberer, Idiot!«

Das Gesicht des Hauptmanns wurde blaß. »Einen Zauberer?« fragte er tonlos.

Sie ließ seinen Kragen los und stieß ihn verärgert von sich. »Ihr wart doch in Ebinissia. Habt Ihr das durch die Mauer geschmolzene Loch nicht gesehen?«

»Ich … ich habe wohl nicht darauf geachtet. Ich habe nur all die Toten gesehen.« Sein Blick fuhr umher, so, als sähe er sie jetzt erneut vor sich. »Sie waren überall.«

Sie nahm sich zusammen, als sie seinen gequälten Gesichtsausdruck sah. »Ich verstehe. Es waren Eure Freunde, Eure Familie. Ich kann verstehen, wieso es Euch vielleicht nicht aufgefallen ist. Aber für einen Soldaten ist das keine Entschuldigung. Ein Soldat muß alles sehen. Es kann Euch das Leben kosten, wenn Ihr Einzelheiten überseht, Hauptmann. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Kleinigkeit einen ins Verderben stürzen kann.«

Er schluckte, dann nickte er. »Ja, Mutter Konfessor.«

»Wollt Ihr die Männer töten, die Ebinissia zerstört haben?« Die drei Soldaten bejahten dies laut und deutlich. »Dann werde ich das Kommando über dieses Heer übernehmen. Wenn Ihr die Männer hier oben aufhalten wollt, müßt Ihr tun, was ich sage. Und was Chandalen, Prindin und Tossidin sagen.

Ihr kennt Euch vielleicht mit Taktiken aus, wir dagegen wissen, wie man Menschen tötet. Hier geht es nicht um eine Schlacht, Hauptmann, hier geht es darum, Menschen zu töten. Wir werden Euch nur helfen, wenn Ihr diese Männer wirklich aufhalten wollt. Solltet Ihr jedoch an einer Schlacht interessiert sein, dann werden wir Euch augenblicklich verlassen, damit Ihr Euch niedermetzeln lassen könnt.«

Hauptmann Ryan fiel auf ein Knie. Die beiden Leutnants folgten seinem Beispiel. »Mutter Konfessor, es wäre mir die allergrößte Ehre, unter Euch zu dienen. Mein Leben und das Leben jedes einzelnen meiner Männer gehört Euch. Wenn Ihr wißt, wie man diese Soldaten daran hindert, weitere Menschen zu ermorden, werden wir tun, was immer Ihr verlangt.«

Sie nickte den drei knienden Männern zu. »Dies ist nicht irgendein Kriegsspiel, Hauptmann. Damit wir gewinnen, muß jeder einzelne Mann genau das tun, was ihm befohlen wird. Wer sich unseren Anweisungen nicht fügt, der hilft dem Feind. Das ist Verrat. Wenn Ihr diese Männer aufhalten wollt, müßt Ihr alle Eure Befehlsgewalt an mich abtreten — und Ihr könnt Eure Meinung auch nicht ändern, wenn die Aufgabe grausam wird. Habt Ihr das verstanden?«

»Ja, Mutter Konfessor. Ich habe verstanden.«

Sie sah zu den anderen beiden hinüber. »Und Ihr?«

»Es ist mir eine Ehre, unter Euch zu dienen, Mutter Konfessor.«

»Und mir ebenfalls, Mutter Konfessor.«

Kahlan gab ihnen ein Zeichen, sich zu erheben, dann zog sie ihren Fellmantel fester um sich. »Ich muß nach Aydindril. Das ist von allergrößter Wichtigkeit, ich werde Euch jedoch helfen, einen Anfang zu machen. Wir werden Euch erklären, wie man vorgehen muß. Ich kann Euch höchstens ein oder zwei Tage geben. Wir werden Euch helfen, mit dem Töten zu beginnen, dann müssen wir aufbrechen.«

»Was ist mit dem Zauberer, Mutter Konfessor?«

Kahlan sah ihn unter ihren Brauen hervor an. »Den Zauberer überlaßt mir. Habt Ihr verstanden? Er gehört mir. Ich werde mich um ihn kümmern.«

»Also gut. Was sollen wir als erstes tun?«

Kahlan trat zwischen den Hauptmann und einen seiner Leutnants. »Als erstes müßt Ihr mir ein Pferd besorgen.«

Chandalen sprang vor, packte sie am Arm und hielt sie zurück, während er seinen Kopf dicht an ihren heranschob. Seine Stimme klang zornig, voller Argwohn. »Wozu brauchst du ein Pferd? Wo willst du hin?«

Sie blieb stehen und riß ihren Arm los. Dann musterte sie alle sechs Männer genau. »Habt Ihr irgendeine Vorstellung, was ich jetzt vorhabe? Ich bin die Mutter Konfessor. Wenn ich Parteien bilde, dann für die Gesamtheit der Midlands. Ich führe die gesamten Midlands in den Krieg.« Sie sah Chandalen in die Augen. »Auf das Wort dieser Männer allein kann ich das nicht tun.«

Chandalen bekam einen Wutanfall. »Wie viele Beweise brauchst du noch? Du hast gesehen, was sie in der Stadt angerichtet haben!«

»Was ich gesehen habe, spielt keine Rolle. Ich muß den Grund wissen. Ich kann nicht einfach so den Krieg erklären. Ich muß wissen, wer diese Männer sind und für wen sie kämpfen.« Sie hatte noch einen anderen Grund, zu ihnen zu gehen, einen wichtigeren Grund, doch den verriet sie nicht.

»Sie sind die Mörder!«

»Du hast auch schon Menschen getötet. Möchtest du nicht, daß andere den Grund kennen, bevor sie Rache nehmen?«

»Törichtes Weib!« Prindin legte Chandalen die Hand zur Warnung auf den Arm und versuchte ihn zu ein wenig Besonnenheit in seinen Äußerungen zu veranlassen. Chandalen riß wütend seinen Arm los. »Du behauptest, diese Männer seien töricht, dabei sind es Tausende. Du bist allein! Du hast keine Chance zu entkommen, sollten sie beschließen, dich zu töten!«

»Ich bin die Mutter Konfessor. Niemand darf die Waffe gegen mich erheben.«

Dies war, wie sie selbst wußte, eine absurde Ausrede, doch sie mußte es tun, und es fiel ihr keine andere Rechtfertigung ein, um ihm seine Sorge zu nehmen. Chandalen brachte vor Wut kein Wort hervor. Schließlich wandte er sich knurrend ab. In der Vergangenheit wäre er verärgert gewesen, weil er nicht nach Hause zurück konnte, wenn sie getötet wurde. Jetzt hatte er vielleicht tatsächlich Angst um sie.

Ihr behagte die Vorstellung ebensowenig, doch sie hatte keine Wahl. Sie war die Mutter Konfessor. Sie stand den Midlands gegenüber in der Pflicht.

»Leutnant Hobson, beschafft mir bitte ein Pferd. Wenn möglich, einen Schimmel oder einen Grauschimmel.« Er nickte und eilte davon, um ihr den Wunsch zu erfüllen. »Hauptmann, ich möchte, daß Ihr alle Eure Männer zusammenruft und ihnen erklärt, was geschehen soll.«

Chandalen hatte ihr den Rücken zugewandt. Sie strich mit der Hand über das weiße Fell auf seiner Schulter und über das Knochenmesser seines Vaters. »"Du kämpfst jetzt für die Midlands, nicht nur für die Schlammenschen.« Er brummte mißgelaunt. »Während ich fort bin, möchte ich, daß ihr drei damit beginnt, diesen Männern zu erklären, was getan werden muß. Ich hoffe, vor Anbruch der Dämmerung zurück zu sein.«