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»Und wer ist das, vor dem wir alle Schutz benötigen?«

Er starrte in die Ferne, sprach tonlos, fast wie zu sich selbst. »Vor den Horden, die da kommen werden.«

»Welche Horden?«

Er hob den Kopf, als sei er gerade aufgewacht. »Die Horden, von denen in den Prophezeiungen die Rede ist.« Er sah sie stirnrunzelnd an, als sei sie hoffnungslos begriffsstutzig, dann deutete er mit der Hand auf den Zauberer. »Der gute Zauberer hier hat uns bei den Prophezeiungen beraten. Du hast doch dein ganzes Leben in Gegenwart von Zauberern verbracht, hast du dich nie für ihr Wissen interessiert?«

»Eure wortreiche Behauptung, alle Völker in Frieden und Gesetz vereinen zu wollen, scheint von hoher Gesinnung zu zeugen, General Riggs. Doch Eure Greueltaten in Ebinissia strafen sie Lügen. Für alle Zeiten wird Ebinissia stummes, aber unwiderlegbares Zeugnis für Eure wahren Ziele ablegen. Ihr und Eure Imperiale Ordnung seid die Horde.« Kahlan funkelte wütend zum Zauberer hinüber. »Was ist deine Rolle in diesem Spiel, Zauberer Slagle?«

Er zuckte mit den Achseln. »Nun, die Vereinigung aller Völker unter allgemeingültigem Recht zu fördern und zu unterstützen.«

»Unter wessen Recht?«

»Dem Recht der Sieger.« Er feixte. »Das wären wir. Die Imperiale Ordnung.«

»Als Zauberer hast du Pflichten. Diese Pflichten besagen, daß du dienen, nicht aber herrschen sollst. Du wirst dich sofort in Aydindril melden, um deinen Platz in diesen Diensten einzunehmen, oder du wirst dich mir gegenüber zu verantworten haben.«

»Dir?« sagte er mit spöttischem Feixen. »Gute, anständige Männer sollen vor dir winseln und schniefen, und gleichzeitig läßt du blindlings übelsten Versagern freie Hand beim Regieren des Landes?«

»Versager?« Sie warf Riggs einen wütenden Blick zu. »Vermutlich wart Ihr dumm genug, Euch beim Lebensborn Rat zu holen.«

»Sie haben sich uns bereits angeschlossen«, sagte der General beiläufig. »Unsere Sache ist auch ihre und ihre unsere. Sie wissen, wie man die Leute ausmerzt, die dem Hüter und damit unseren Feinden dienen. Wir werden das Land von all denen säubern, die dem Hüter dienen. Das Gute muß obsiegen.«

»Damit meint ihr Eure Sache. Ihr wärt dann derjenige, der herrscht.«

»Bist du blind, Konfessor? Ich herrsche hier, jetzt, aber es geht hier nicht um mich. Es geht um die Zukunft. Ich bekleide nur im Augenblick den Posten, pflüge den Acker, damit er etwas hervorbringen kann. Ich bin es nicht, der hier im Brennpunkt steht.

Wir bieten jedem die Chance, sich uns anzuschließen, und jeder der Männer hier bei mir hat dieses Angebot angenommen. Andere haben sich im Kampf unseren Truppen angegliedert. Wir sind längst keine d’haranischen Truppen mehr. Und sie nicht mehr die Truppen ihrer Heimatländer. Wir alle sind die Imperiale Ordnung. Jeder, der die rechte Gesinnung hat, kann uns führen. Sollte ich für unsere noble Sache fallen, wird jemand anderes meinen Platz einnehmen, bis alle Länder unter einem gemeinsamen Gesetz vereint sind und die Imperiale Ordnung aufblühen kann.«

Entweder war der Mann zu betrunken, um zu wissen, was er sagte, oder er hatte den Verstand verloren. Sie ließ den Blick über die tanzenden, betrunkenen, singenden Männer an den Lagerfeuern ringsum schweifen. Verrückt, genau wie die Bantak. Verrückt wie die Jocopo.

»General Riggs.« Er hatte zornig vor sich hin gebrabbelt, doch jetzt hob er den Kopf und sah sie an. »Ich bin die Mutter Konfessor. Ob es Euch gefällt oder nicht, ich vertrete die Midlands. Im Namen der Midlands fordere ich Euch auf, diesen Krieg augenblicklich zu beenden und nach D’Hara zurückzukehren oder aber mit Euren Klagen beim Rat vorzusprechen. Ihr könnt beim Rat wegen jeder Kontroverse eine Eingabe machen, und sie wird angehört werden, aber Ihr dürft mein Volk nicht mit Krieg überziehen. Solltet Ihr Euch entscheiden, meine Befehle nicht zu befolgen, werden Euch die Folgen nicht gefallen.«

Er blickte höhnisch zu ihr auf. »Wir machen keine Kompromisse. Wir vernichten jeden, der sich uns nicht anschließt. Wir kämpfen, um dem Morden ein Ende zu machen, wie es die Guten Seelen von uns verlangt haben. Wir kämpfen für den Frieden! Bis wir den Frieden gewonnen haben, wird es Krieg geben!«

Sie runzelte die Stirn. »Wer hat Euch das eingeredet? Wer hat Euch gesagt, daß Ihr kämpfen müßt?«

Er blickte sie verständnislos an. »Das versteht sich doch von selbst, du blödes Weib!«

»Du kannst unmöglich so dumm sein zu glauben, daß die Guten Seelen Euch eingeredet haben, einen Krieg vom Zaun zu brechen. So unverhohlen gehen die Guten Seelen nicht vor.«

»Nun schön, dann sind wir eben nicht derselben Meinung. Das ist doch schließlich der Sinn eines Krieges, oder etwa nicht? Solche Dinge zu bereinigen. Die Guten Seelen wissen, daß wir im Recht sind, sonst wäre es ein leichtes für sie gewesen, sich gegen uns zu verbünden. Unser Sieg wird beweisen, daß sie sich auf unsere Seite geschlagen haben, sonst könnten wir unseren Kampf gar nicht gewinnen. Der Schöpfer selbst will uns triumphieren sehen, und unser Sieg wird dafür den Beweis liefern.«

Der Mann war wahnsinnig. Sie richtete ihr Augenmerk auf den keltonischen Kommandanten. »Karsh…«

»General Karsh.«

»Ihr seid eine Schande für Euren Stand, General. Wieso habt Ihr die Bevölkerung von Ebinissia niedergemetzelt?«

»Ebinissia hat ebenso die Chance bekommen, sich uns anzuschließen, wie alle anderen diese Chance bekommen werden. Ebinissia hat es vorgezogen zu kämpfen. Wir mußten am dortigen heidnischen Volk ein Exempel statuieren, um anderen zu zeigen, was sie erwartet, wenn sie sich uns nicht in Frieden anschließen. Es hat uns fast die Hälfte unserer Leute gekostet, doch das Ziel war diesen Preis wert. Doch ständig, sogar jetzt, in diesem Augenblick, werden die Verluste durch andere ausgeglichen, die sich uns anschließen. Unsere Reihen werden weiter anwachsen, bis wir alle bekannten Länder eingenommen haben.«

»Das nennt Ihr Führerschaft? Erpressung und Mord?«

General Karsh schmetterte seinen Krug auf den Tisch. Seine Augen waren voller Feuer. »Wir zahlen es ihnen mit gleicher Münze heim! Sie überfallen unsere Farmen, unsere Grenzstädte. Sie töten Keltonier, als wären wir Ungeziefer, das zertreten werden muß!

Trotzdem haben wir ihnen Frieden angeboten. Sie sind es, die mit unserer Barmherzigkeit nichts zu schaffen haben wollen. Man hat ihnen den Frieden angeboten, die Chance, sich uns anzuschließen — sie haben sich für den Krieg entschieden. Und sich damit entschieden, uns zu helfen. Denn so haben andere ein Beispiel dafür, welche Torheit es ist, sich uns zu widersetzen.«

»Und was habt Ihr mit Königin Cyrilla gemacht? Habt Ihr sie auch abgeschlachtet, oder ist sie dort drüben in den Hurenzelten?«

Alles lachte. »Das wäre sie«, warf Riggs ein, »wenn wir sie gefunden hätten.« Kahlan hätte vor Erleichterung fast laut aufgestöhnt.

Sie richtete den Blick wieder auf Karsh, der gerade einen weiteren kräftigen Schluck nahm. »Und was sagt Prinz Fyren zu alldem?«

»Fyren ist in Aydindril! Ich bin hier!«

Möglicherweise war die Krone also gar nicht an der Sache beteiligt. Vielleicht war es doch nur eine Bande mordender Gesetzloser, die sich für etwas Besseres hielt.

Kahlan kannte Prinz Fyren, und zwar als vernünftigen Menschen. Von den in Aydindril akkreditierten keltonischen Diplomaten war er derjenige, der er sich am meisten beim Zentralrat für die Aufnahme Keltons in den Bund der Midlands eingesetzt hatte. Er hatte seiner Mutter gut zugeredet und sie überzeugt, den Weg des Friedens und nicht des Kampfes einzuschlagen. Prinz Fyren war ein Edelmann, in jedem Sinne des Wortes.

»Ihr seid nicht nur ein Mörder, General Karsh, Ihr seid auch ein Verräter an Eurem eigenen Land und an der Krone. An Eurer eigenen Königin!«

Er schlug seinen Zinnkrug auf den Tisch. »Ich bin ein Patriot! Ein Beschützer meines Volkes!«