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Bei den Guten Seelen, betet sie, wenn ich jetzt sterben soll, dann laßt mir zuvor noch genug Zeit, das zu tun, was ich tun muß.

Kahlan hatte ihr Ziel erreicht. Im Vorbeigaloppieren riß sie eine Lanze aus einer Schneeverwehung und wendete das Pferd. Sie grub ihm die Hacken in die Flanken, und Nick sprang in vollem Galopp nach vorn.

Der Feuerball schoß heulend auf sie zu, steckte Zelte und Soldaten in Brand. Größer werdend, taumelnd, kam er immer näher.

Die Lanze war unerwartet schwer, sie war für Männer gemacht, die mehr Muskeln besaßen als sie, daher mußte sie sie aufrecht tragen, um Kraft zu sparen. Das Schlachtroß galoppierte unerschrocken voran und ließ sich weder durch den Lärm, die Verwirrung, die fliehenden Soldaten oder das Zaubererfeuer beirren. Sie riß es mal hier-, mal dorthin. Nicks Hufe gruben sich in den festgetretenen Schnee. Kahlan wich Hindernissen aus und bewegte sich im Zickzack in höchstem Tempo auf das Zaubererfeuer zu. Auf den Zauberer.

Jedesmal, wenn sie die Richtung ihres ungestümen Ansturms änderte, versuchte Slagle, den Kurs des Feuers dem anzupassen, ihren Angriff abzublocken. Seine Reaktionen waren langsam, doch während die Entfernung sich verringerte, wurde ihr klar, daß er nicht unbedingt schnell sein mußte, um sie damit zu treffen.

Im allerletzten Augenblick riß sie das Pferd nach rechts herum. Das Feuer donnerte so dicht vorbei, daß sie verbrannte Haare riechen konnte, dann preschte sie weiter.

Während sie das Pferd nach vorne trieb, explodierte das Zaubererfeuer hinter ihr und überflutete kaskadenartig, wie ein geborstener Damm, den Erdboden. Die entsetzlichen Todesschreie von Menschen und Tieren, die in dieser Feuerhölle gefangen waren, erfüllten die Nachtluft. Dutzende von brennenden Soldaten wälzten sich im Schnee und versuchten, die Flammen zu ersticken. Doch Zaubererfeuer ließ sich nicht so einfach löschen, sein Zweck hielt es am Leben.

Die Schmerzensschreie versetzten jene in Panik, die nicht wußten, was vorgefallen war. Soldaten kreischten aus Angst vor Geistern, von denen sie sich angegriffen wähnten. Schwerter wurden gezückt, man drosch auf Soldaten ein, die aus dem Feuer um ihr Leben rannten. Aus dem Nichts heraus entstand ein Gemetzel. Die Luft war nicht nur angefüllt vom atemberaubenden Gestank verbrennenden Fleisches, sondern auch vom Geruch des Blutes.

Sie ignorierte die Schreie und suchte die Stille in ihrem Innern.

Der Zauberer torkelte nach hinten und stürzte. Mit den Armen rudernd kam er wieder auf die Beine. Zwischen seinen Fingerspitzen formte sich ein Bogen aus Feuer.

Obwohl überall ringsum Chaos herrschte, hatte sie nur noch für eins Augen. Für den Zauberer.

Sie senkte die Lanze, klemmte das hintere Ende unter ihre rechte Achsel und packte den Griff mit aller Kraft. Die Zähne zusammenbeißend, nahm sie alle ihre Kraft zusammen, um die schwere Lanze über Nicks tanzenden Kopf zu heben, ein Stück nach links, um im Sattel nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Nick schlug die gewünschte Richtung ein, als könnte er ihre Gedanken lesen. Sie trieb ihn zu vollem Tempo an, doch kam es ihr vor, als dauerten die letzten zehn Meter Stunden — ein Wettlauf zwischen ihrem Angriff und den Verteidigungsmaßnahmen des Zauberers, der das Feuer auf den Plan rief.

Zauberer Slagle hob den Kopf, um dem Feuer eine neue Richtung zu geben, als ihn ihre Lanze in die Brust traf. Beim Aufprall zersplitterte die Lanze in der Mitte und riß den Zauberer fast in zwei Stücke. Kahlan und ihr Pferd flogen durch eine Gischt aus Blut.

Sie schlug mit der halben Lanze nach einem Mann, der sich auf sie stürzte, und erwischte ihn am Kopf. Der Aufprall riß ihr die Lanze aus der Hand. Sie zerrte das Pferd herum, beugte sich nach vorn über seinen Widerrist und galoppierte in vollem Tempo zurück durch das Chaos rings um die Kommandozelte. Ihr Herz hämmerte genauso schnell wie die Hufe des Pferdes.

Einer der d’haranischen Offiziere am Tisch war aufgesprungen und verlangte schreiend nach einem Pferd. Soldaten sprangen auf ungesattelte Pferde. Indes sie allmählich etwas Vorsprung gewann, hörte sie den Offizier brüllen, sollte es den Männern nicht gelingen, sie zu fassen, würden sie bis zum allerletzten Mann gestreckt und gevierteilt werden. Ein rascher Blick über die Schulter verriet ihr, daß sich gut drei Dutzend Reiter an der Hatz beteiligten.

Ein Stück von den Kommandozelten entfernt wußte niemand, was geschehen war. Ein galoppierender Reiter fiel unter den feiernden Betrunkenen nicht weiter auf. Niemand machte Anstalten, sie aufzuhalten. Soldaten, Zelte, Lagerfeuer, Balken und senkrecht im Schnee steckende Lanzen, Hellebardenstapel, Pferde und Karren flogen undeutlich vorbei.

Nick sprang über alles hinweg, dem er nicht ausweichen konnte. Drohte er, weder zu springen noch auszuweichen, warfen sich die Soldaten in Deckung. Männer beim Spiel stürzten aus dem Weg, während Münzen und Würfel in die Luft geschleudert wurden. Zelte, die aus der Verankerung gerissen wurden, wenn ihre Leinen Nicks Beinen ins Gehege kamen, flogen auf und bauschten sich hinter ihr zu einem Wirrwarr auf, in dem sich ihre Verfolger verfingen. Pferde und Reiter stürzten krachend zu Boden. Andere überrannten die eigenen Leute in dem hektischen Versuch, Kahlan nicht aus den Augen zu verlieren.

Sie erspähte ein in seiner Scheide hängendes Schwert an der Seite eines Karrens und zog es im Vorbeireiten heraus. An Pflockreihen vorbeireitend schwang sie das Schwert und durchtrennte die Leinen der Tiere. Dann versetzte sie im Vorbeirasen dem Rumpf eines Pferdes einen Hieb. Es trat aus und wieherte laut vor Schreck und Angst, worüber auch die übrigen Pferde in Panik gerieten. Hals über Kopf stürzten sie in alle Richtungen davon. Auf Pfählen angebrachte Laternen kippten in Zelte und setzten diese in Brand.

Die Pferde der Verfolger scheuten vor den Flammen, bäumten sich auf und bockten, warfen ihre Reiter ab. Plötzlich warf sich ihr ein Mann in den Weg, wich Nicks fliegenden Hufen aus und griff nach ihr. Kahlan bohrte ihm im Vorbeifliegen das Schwert durch die Brust. Das Heft wurde ihr aus der Hand gerissen. Sie beugte sich nach vorn und hielt sich fest, während Nick durch das nicht enden wollende Lager sprengte. Die Männer, die sie verfolgten, waren nicht mehr ganz so nah, waren ihr aber immer noch auf den Fersen.

Plötzlich hatte sie das Lager hinter sich und galoppierte über offenes, schneebedecktes Gelände hinweg. Im schwindenden Licht des Mondes folgte Kahlan ihren eigenen Spuren durch die Ebene. Das muskulöse Pferd pflügte durch den Schnee, fast als wäre er nicht vorhanden.

Endlich erreichte sie die Bäume. Bevor sie hineintauchte und den steilen Hang hinabritt, warf sie einen Blick über ihre Schulter.

Gut fünfzig Mann waren nicht einmal drei Minuten hinter ihr. Beim Anstieg den Waldpfad hinauf konnte sie den Vorsprung ausbauen, doch einholen würden sie sie trotzdem noch.

Dafür würde sie schon sorgen.

39

»Langsam jetzt«, warnte sie ihr Pferd. Es zögerte und glitt mit einem Huf aus. »Zurück, zurück, zurück. Komm schon, Junge, zurück.«

Vom Hang hinter sich hörte sie die Geräusche der Verfolger heraufhallen. Ein Mann, wahrscheinlich einer der D’Haranischen Offiziere, schrie wütend aus Leibeskräften, sie nicht entkommen zu lassen, die anderen hetzten ihre Pferde den steilen Pfad hinauf. Wenn sie das ebene Stück erreicht hatten, auf dem sie sich befand, waren sie mit Sicherheit wieder in vollem Galopp.

Kahlan zog sachte an den Zügeln. Nick hob seinen Huf vom Eis und stieg rückwärts hinauf in die schmale Lücke zwischen den verharschten, schneebedeckten Fichten, denselben Weg, den er gekommen war.