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Kahlan holte tief Luft. »Eure Königin wurde in Ebinissia weder umgebracht, noch haben die Männer, die die Stadt angegriffen haben, sie gefunden oder gefangengenommen. Entweder war sie nicht in der Stadt, als der Angriff kam, oder sie konnte fliehen.

Königin Cyrilla lebt.«

Die jungen Männer atmeten tief durch, dann brachen sie in wilden Jubel aus. Sie warfen die Arme in die Luft, drohten dem Himmel mit den Fäusten. Sie brüllten und johlten vor Freude und Erleichterung.

Kahlan stand da in ihrem blutgetränkten Wolfspelz, die Hände an den Seiten, und ließ ihnen diesen Augenblick des Jubels und der Hoffnung. Einige der jungen Männer vergaßen für einen Augenblick, daß sie Soldaten waren, und umarmten einander. Sie sah so manche Freudenträne über die Wangen rollen, während die Männer herumsprangen und johlten.

Kahlan kam sich klein und unbedeutend vor, als die lärmende Menge junger Männer der Bewunderung für ihre Halbschwester freien Lauf ließ. Sie brachte es nicht über sich, der Freude Einhalt zu gebieten.

Schließlich kletterte Hauptmann Ryan zu ihr auf den Karren. Er reckte die Arme in die Höhe und bat um Ruhe.

»Schon gut! Schon gut! Beruhigt euch. Hört auf, euch vor der Mutter Konfessor wie ein Haufen Kinder zu benehmen. Zeigt ihr, was für Männer ihr seid!«

Endlich legte sich der Jubel. Übrig blieben strahlende Gesichter und leuchtende Augen. Hauptmann Ryan verschränkte die Hände und sah Kahlan leicht verlegen an, bevor er zurücktrat, um ihr Platz zu machen.

»Das Volk von Ebinissia«, fuhr sie in demselben ruhigen Tonfall fort, »hatte nicht dieses Glück.«

Die winterliche Stille bekam etwas Schneidendes. Sanfte Böen fuhren rauschend in die eisüberkrusteten Äste der Bäume, die die Hänge zu beiden Seiten des flachen talförmigen Passes hinaufreichten, in dem sich ihr Lager befand. Das Strahlen schwand aus den Gesichtern.

»Jeder einzelne von euch hatte zumindest Freunde, die dort hingemetzelt wurden. Für viele von euch waren es die Lieben, die Familienangehörigen, die durch die Hände dieser Männer gestorben sind — nur wenige Stunden hinter diesem Paß.« Kahlan räusperte sich und mußte schlucken, während sie den Blick zu Boden senkte. »Auch ich kannte Menschen, die dort umgekommen sind.«

Sie hob den Kopf. »Gestern abend bin ich ins Lager des Feindes gegangen, um herauszufinden, wer dieser ist und ob man ihn dazu bringen kann, in seine Heimatländer zurückzukehren. Doch diese Männer verfolgen kein anderes Ziel, als alle Länder zu erobern und ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Sie haben geschworen, jeden zu töten, der sich weigert, sich ihnen anzuschließen. Ebinissia hat sich geweigert.«

Die jungen Männer brüllten und drohten mit den Fäusten. Sie selbst, so schrien sie, wollten der Gefahr ein Ende machen.

Sie übertönte ihr Gebrüll und brachte sie zum Schweigen. »Die Männer, die eure Landsleute ermordet haben, werden Imperiale Ordnung genannt. Sie kämpfen für kein Land und keinen Staat. Sie kämpfen darum, alle Länder zu erobern, alle Länder zu beherrschen. Sie gehorchen keiner Regierung, keinem König, keinem Herrn und keinem Rat. Sie halten sich selbst für den Urquell allen Rechts.

Zum größten Teil bestehen sie aus D’Haranern, aber es haben sich ihnen auch andere angeschlossen. Ich habe einige Keltonier unter ihnen gesehen.«

Eine Woge wütenden Getuschels wanderte nach hinten durch die Menge. Kahlan ließ es im Augenblick dabei bewenden. »Ich habe unter ihnen auch Männer anderer Länder gesehen. Sogar Galeaner.«

Schockierte und erzürnte Rufe wurden laut, daß dies nicht wahr sein könne und sie sich täuschen müsse.

»Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen!« Sie verstummte erneut. Ihr Tonfall wurde ruhiger. »Ich wünschte, es wäre nicht wahr, aber ich habe sie gesehen. Männer aus vielen Ländern haben sich ihnen angeschlossen. Es werden sich ihnen noch mehr Männer anschließen, die glauben, sie können am Sieg teilhaben, ein Teil der neuen Ordnung werden, dabeisein, wenn es zu Plündereien kommt und Macht und Einfluß vergeben werden.

Die Stadt Cellion liegt nur wenige Tage von ihnen entfernt. Die Imperiale Ordnung wird ihre Unterwerfung und ihren Gehorsam verlangen oder ihren Tod beschließen.

Andere Städte, Kleinstädte, Dörfer und Farmen werden unter diesen Männern leiden müssen, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet. Mit der Zeit werden alle unter ihr Schwert fallen. Ich bin auf dem Weg nach Aydindril, um die Truppen der Midlands gegen die Imperiale Ordnung aufzustellen, doch das braucht Zeit. Währenddessen wird ihre Zahl durch jene wachsen, die sich gern auf der Seite der Macht wähnen. Im Augenblick gibt es niemanden, der diese Männer daran hindern könnte, jeden zu töten, der sich ihnen in den Weg stellt.

Niemanden außer euch.«

Kahlan drückte ihren Rücken durch, während sie das Gesagte wirken ließ und sich auf ihre nächsten Worte vorbereitete. Wieder wartete sie ab, bis sich Stille übers Tal gelegt hatte.

»Als Mutter Konfessor der Midlands und in Ermangelung des Luxus, mich mit dem Zentralrat absprechen zu können, mußte ich tun, was seit tausend Jahren oder mehr keine Mutter Konfessor mehr hat tun müssen. Allein kraft meines Amtes habe ich die Midlands in den Krieg geführt. Die Armee der Imperialen Ordnung muß bis zum letzten Mann vernichtet werden. Seitens der Midlands wird es kein Verhandlungsangebot geben. Unter keinen Umständen wird eine Kapitulation der Imperialen Ordnung angenommen werden.

Im Namen der Midlands habe ich einen Eid geschworen, daß keine Gnade walten gelassen werden soll.«

Erstaunte Gesichter blickten sie an.

»Unabhängig davon, ob ich lebe oder sterbe, dieser Erlaß ist unwiderruflich. Jedes Land oder Volk, das sich bereitwillig der Imperialen Ordnung anschließt, stellt sein Schicksal auf Gedeih und Verderb unter den Schatten dieses Edikts.

Ich fordere euch nicht etwa im Namen Galeas zum Kampf auf. Ich fordere euch kraft meines Amtes als Mutter Konfessor auf, für die Midlands zu kämpfen. Denn nicht Galea wird bedroht, sondern alle Länder und alle freien Völker.«

Ein Gewirr zuversichtlicher Stimmen wurde laut, daß man sich der Aufgabe gewachsen glaubte. Einige aus den Reihen gaben ihrer Gewißheit Ausdruck, sie seien die richtigen Männer dafür, seien im Recht und würden triumphieren.

Kahlan nickte ihnen zu. »Glaubt ihr das wirklich? Ich möchte, daß ihr euch alle die Gesichter rings um euch anschaut.« Die meisten blickten nur sie an. »Tut, was ich sage! Seht euch die Gesichter rings um euch an! Seht euch eure Kameraden an!«

Ein wenig verwirrt begannen sie sich umzuschauen, verdrehten die Köpfe, um zu sehen, wer neben, wer hinter ihnen stand, und feixten und lachten dabei, als wäre dies ein Spiel.

Als dies erledigt schien, fuhr sie fort. »Ein paar von euch werden sich einst an die Gesichter erinnern, in die ihr heute geblickt habt. Dann erinnert euch und trauert. Die anderen werden, wenn ihr diesen Kampf aufnehmt, nicht mehr da sein, um sich erinnern zu können. Sie werden im Kampf gefallen sein.«

In der kalten Stille hörte Kahlan das ferne Schnattern eines Eichhörnchens, dann war auch das verklungen.

Das Lächeln war überall erloschen, als sie schließlich erneut das Wort ergriff. »Diese Männer, die Imperiale Ordnung, werden angeführt und bestehen größtenteils aus d’haranischen Truppen. Die Ausbildung d’haranischer Soldaten beginnt, wenn sie halb so alt sind wie ihr jetzt. Sie bekämpfen Feinde innerhalb ihres eigenen Landes, schlagen Aufstände und Rebellionen nieder. Sie üben ihre Schlachttaktiken nicht einfach nur, sie leben sie tagein, tagaus. Sie kennen nur ein Leben voller Kampf. Sie sind ihm in jeder Form ausgesetzt gewesen. Ich habe vielen D’Haranern die Beichte abgenommen. Die meisten wissen nicht, was Frieden ist.

Seit dem Frühjahr, als Darken Rahl sie gegen die Midlands ausgesandt hat, haben sie das getan, was sie am besten können: Krieg führen. Sie haben Schlacht um Schlacht geschlagen. Alle, die sich ihnen entgegengestellt haben, sind gefallen.