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Er bekam große Augen. »Aber Mutter Konfessor…«

»Ich tue das nicht zum Vergnügen, Hauptmann. Ihr habt den Befehl gehört.« Sie wandte sich an die drei Schlammenschen. »Prindin, du begleitest die Männer, die er auswählt. Achte darauf, daß die, die sich von uns getrennt haben, bis auf den letzten Mann getötet werden.«

Prindin nickte ihr entschlossen zu. Er begriff die unangenehme Notwendigkeit dessen, was sie tat.

Hauptmann Ryan verkrampfte sich, war der Panik nahe. »Mutter Konfessor … ich kenne diese Männer. Sie sind lange Zeit bei uns gewesen. Ihr habt gesagt, sie wären frei zu gehen. Wir können doch nicht…«

Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. Plötzlich wurde ihm bewußt, wie bedrohlich diese Geste war. »Ich tue, was ich tun muß, um unser aller Leben zu retten. Ihr habt Euer Wort gegeben, meine Befehle zu befolgen.« Sie beugte sich weiter zu ihm vor. »Schließt Euch nicht diesen sechsundsiebzig an.«

Endlich nickte er, und sie zog ihre Hand zurück. Sein Blick verriet alles. Er verströmte Haß.

»Ich wußte nicht, daß das Morden bei unseren eigenen Leuten anfangen würde«, meinte er leise.

»Das tut es nicht. Es beginnt mit dem Feind.«

Hauptmann Ryan zeigte wütend den Paß hinauf. »Sie gehen in die entgegengesetzte Richtung der Imperialen Ordnung!«

»Habt Ihr vielleicht angenommen, sie würden genau vor Euren Augen zum Feind überlaufen? Sie haben vor, im Kreis zurückzugehen.« Sie machte kehrt und ging zum Zelt, das man für sie stehengelassen hatte.

Hauptmann Ryan war nicht bereit nachzugeben und ging ihr, gefolgt von Chandalen, Prindin und Tossidin, hinterher. »Wenn Ihr so besorgt seid, wieso habt Ihr sie dann gehen lassen? Warum habt Ihr die Männer nicht umbringen lassen, als sie gehen wollten?«

»Weil ich allen, die sich von uns lossagen und ihre Kameraden verlassen wollten, die Gelegenheit dazu geben mußte.«

»Woraus folgert Ihr, daß uns alle ›Verräter‹ verlassen haben? Es könnten Spione oder Mörder unter uns sein.«

»Ja, das wäre möglich. Doch dafür sehe ich derzeit keinerlei Beweis. Sollte ich welche entdecken, werde ich mich um sie kümmern müssen.«

Vor dem Zelt blieb Kahlan stehen. »Ihr glaubt vielleicht, ich mache bei diesen Männern einen Fehler, aber ich versichere Euch, das ist nicht der Fall. Doch selbst wenn, wäre dies ein Preis, den wir bezahlen müssen. Wenn wir sie ziehen lassen und auch nur ein einziger von ihnen uns verrät, könnten wir noch heute abend in einer Falle getötet werden. Wenn wir sterben, wird es auf lange Sicht niemanden geben, der die Imperiale Ordnung aufhalten kann. Wie viele tausend würden dann sterben, Hauptmann? Sollten diese Männer unschuldig sein, dann habe ich einen fürchterlichen Fehler gemacht, und sechsundsiebzig Männer werden sterben. Habe ich recht, dann rette ich damit Tausenden von unschuldigen Menschen das Leben.

Ihr kennt Eure Befehle, Hauptmann. Führt sie aus.«

Hauptmann Ryan bebte vor Zorn. »Hoffentlich erwartet Ihr nicht, daß ich Euch dies jemals verzeihe.«

»Nein, das tue ich nicht. Ich erwarte nur, daß Ihr meine Befehle befolgt. Es ist mir egal, ob Ihr mich haßt, Hauptmann. Mich interessiert nur, daß Ihr lebt.«

Er biß die Zähne in stummer Verzweiflung aufeinander.

Kahlan ergriff die Zeltklappe. »Hauptmann ich bin so müde, daß ich kaum noch stehen kann. Ich brauche ein paar Stunden Schlaf. Ich will, daß Wachen um das Zelt aufgestellt werden, während ich mich ausruhe.«

Er funkelte sie wütend an. »Und wenn nun einer von ihnen zum Feind gehört? Sie könnten Euch im Schlaf töten.«

»Das wäre möglich. Wenn es dazu kommt, wird einer dieser drei Männer meine Ermordung rächen.«

Hauptmann Ryan zuckte zusammen und funkelte die drei Schlammenschen wütend an. In seinem Zorn hatte er sie ganz vergessen.

Chandalen zog eine Braue hoch und sah ihn an. »Ich werde ihm erst Stöcke in die Augen klemmen, damit sie offenbleiben und er sieht, was ich tue.«

Leutnant Hobson kam herbeigeeilt, eine Schale in den Händen haltend. »Mutter Konfessor, ich habe euch etwas Eintopf gebracht. Ich dachte, vielleicht möchtet Ihr etwas essen. Etwas Warmes.«

Kahlan zwang sich zu einem Lächeln. »Vielen Dank, Leutnant, aber ich bin so müde und fürchte, ich würde es nicht bei mir behalten können. Würdet Ihr es warmhalten, bis ich mich ausgeruht habe?«

»Natürlich, Mutter Konfessor.«

Hauptmann Ryans Blick suchte seinen grinsenden Leutnant. »Ich habe eine Aufgabe für dich, Hobson.«

»Zwei Stunden«, sagte Kahlan, »dann weckt mich. In der Zwischenzeit solltet ihr alle genug zu tun haben, damit ihr euch nicht langweilt.«

Sie schob die Klappe zur Seite und ging ins Zelt, wo sie fast auf der Pritsche zusammenbrach. Sie zog eine Decke über ihre Beine und den Pelzumhang über ihren Kopf, um das Licht auszusperren. Dann lag sie in ihrer kleinen, dunklen, eigenen Welt und zitterte.

Sie hätte in diesem Augenblick ihr Leben gegeben, hätte Richard sie nur für fünf Minuten in die Arme schließen können.

41

Gerade küßte sie Richard, hielt ihn fest in ihren Armen, hatte keinen anderen Gedanken im Sinn als den an Frieden und an Freude, als sie von Rufen aufgeschreckt wurde. Richard verschwand. Ihre schweren Arme waren leer.

Sie setzte sich auf, schlug die Decke zurück und überlegte einen Augenblick lang verzweifelt, wo sie war. Dann fiel es ihr wieder ein. Ihr war, als müßte sie sich übergeben.

Sie hätte gern ein heißes Bad genommen. Sie wußte nicht mehr, wann sie zuletzt ein Bad genommen hatte. Sie rieb sich die Augen, als Hauptmann Ryan den Kopf ins Zelt steckte.

»Wie lange?« murmelte Kahlan. »Wie lange habe ich geschlafen?« Sie schleuderte die Decke fort.

»Gerade zwei Stunden. Hier draußen ist jemand für Euch.«

Gleich vor dem Zelt wartete eine Gruppe von Männern, unter ihnen ein aschfahler Leutnant Hobson. Mitten unter ihnen stand der gefesselte und geknebelte Mosle, an jedem Arm von einem Soldaten gehalten. Sein Blick fuhr in panischer Angst umher. Er versuchte, etwas durch den Knebel hindurchzubrüllen, konnte sich aber nicht verständlich machen.

Kahlan funkelte wütend zu Hauptmann Ryan hinüber.

Der stand da und hatte einen Daumen in seinen Gürtel gehakt. »Ich dachte, Mutter Konfessor, Ihr wolltet diesen Mann vielleicht eigenhändig hinrichten. Wo er Euch doch offenbar persönlich so beleidigt hat.« Er hielt ihr das Messer hin, den Griff voran.

Kahlan ignorierte das Messer und wandte sich statt dessen an die Männer, die Mosle hielten. »Laßt ihn los und tretet zurück.«

Ihr war, als schliefe sie noch, als befände sie sich noch immer in einem Traum. Doch dem war nicht so. Ihr blieb keine Wahl.

Die Soldaten traten zurück. Sie streckte die Hand aus und packte Mosle am Arm. Einen Augenblick lang war er starr vor Schreck, dann versuchte er zurückzuweichen.

Doch er kam nicht dazu wegzulaufen. Sie berührte ihn. Er gehörte ihr. Ihre Schläfrigkeit verschwand in einem plötzlichen Sog, als ihre Kraft sich entlud. Sie verschwendete keinen Gedanken darauf, was sie im Begriff stand zu tun, es gab keine andere Möglichkeit. Sie hatte sich entschieden. Sie gab sich hemmungslos hin.

Die Geräusche des Lagers — das Rasseln von Geschirr, das Scharren von Holzkisten, die über die Ladefläche von Karren gezogen, das Zersplittern anderer Kisten, die gewaltsam geöffnet wurden, das Quietschen von Wagenrädern, das Wiehern von Pferden und das Trampeln Tausender von Füßen, Männer, die sich unterhielten, das Schlagen der Hufe, das Knacken von Holz im Feuer und das Pochen ihres eigenen Herzens — all das verstummte.

In der Stille ihres Geistes existierte nur noch ihre Kraft. Sie spürte, wie Mosle seine Muskeln unter ihrem Griff anspannte. Doch er hatte keine Chance. Er gehörte ihr.