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Kahlan strich sich mit den Fingerspitzen über die Stirn. Sie war so müde, daß sie sich kaum noch konzentrieren konnte. »Da er den Paß von der Königin bekommen hat, müssen wir ihn würdigen.« Sie zeigte mit dem Finger auf den Posten. »Aber du wirst ihm sagen, er soll das Gebiet augenblicklich verlassen. Erkläre ihm noch einmal, was du ihm über die Gesetzlosen in dieser Gegend erzählt hast. Erkläre ihm, daß du Jagd auf diese Gesetzlosen machst und daß du, solltest du Ahern und die Leute in seiner Kutsche in dieser Gegend noch einmal erwischen, den Befehl bekommen hast, anzunehmen, sie steckten mit den Gesetzlosen unter einer Decke, und sie auf der Stelle hinzurichten. Die Straße nach Nicobarese führt nach Nordosten. Sag ihnen, sie sollen auf ihr bleiben und nicht anhalten, bevor sie ein gutes Stück von hier fort sind.«

Cynric schlug sich mit der Faust aufs Herz, während sie sich umdrehte, Hauptmann Ryans Arm nahm und ihn zu den Zelten mit der Tünche führte. Hinter sich hörte sie den Posten davongaloppieren — zu der Kutsche, die er entdeckt hatte. Die anderen Männern machten sich wieder an die Arbeit.

Sie lockerte den Riemen, der ihren Umhang geschlossen hielt. Die Temperatur war über den Gefrierpunkt geklettert, und die Wolken hatten sich fast bis auf den Erdboden gesenkt. Die Luft fühlte sich an, als könnte man sie auswringen.

»Heute nachmittag wird Nebel aufziehen«, bemerkte er. »Der gesamte Talpaß wird heute abend davon betroffen sein.« Er sah zu ihr hinüber und bemerkte ihr fragendes Gesicht. »Ich habe mein ganzes Leben in diesen Bergen verbracht. Wenn es im Winter so taut wie jetzt, setzt sich der Nebel wenigstens für ein paar Tage in den Pässen fest.«

Kahlan ließ den Blick über die Bergflanken schweifen, die bis in die grauen Wolken hinaufstiegen. »Das kommt uns sehr gelegen. Besonders bei dem, was ich vorhabe. Es wird uns helfen, den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen.«

»Wollt Ihr mir jetzt erklären, was wir anmalen sollen?«

Kahlan stieß einen müden Seufzer aus. »Wir haben uns eine Reihe von Plänen ausgedacht, um einen Schlag gegen Ziele zu führen, die zerstört werden müssen. Heute abend wird sich die beste Gelegenheit dazu bieten, denn sie werden überrascht sein. Eine solche Gelegenheit werden wir nicht noch einmal bekommen. Nach dem heutigen Abend werden sie auf unsere Attacken vorbereitet sein.«

»Verstehe. Die Männer sind sich der Bedeutung ebenfalls bewußt. Sie werden ihre Sache gut machen.«

»Wir dürfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Unser Ziel ist es, unsere Feinde zu töten. Heute abend werden wir eine Gelegenheit dazu haben, wie sie sich uns vielleicht nie wieder bieten wird. Diese Gelegenheit müssen wir nutzen.

Wie viele Schwertkämpfer haben wir?«

Er schwieg einen Augenblick, während er die Zahlen in seinem Kopf durchrechnete. »Fast zweitausend sind Schwertkämpfer. Nicht ganz achthundert weitere sind Bogenschützen, und der Rest verteilt sich auf Hellebardenträger, Lanzenträger und Kavallerie sowie all die übrigen Leute, die eine Armee braucht, angefangen bei Fuhrleuten über Pfeilmacher bis hin zu Schmieden.«

Kahlan nickte vor sich hin. »Ich möchte, daß Ihr ungefähr eintausend Schwertkämpfer auswählt. Sucht die stärksten aus, die wildesten, die, die am versessensten darauf sind zu kämpfen.«

»Und was sollen wir mit diesen Männern tun?«

»Jene Männer, die mit den Uniformen der von uns getöteten Posten bekleidet sind, werden das feindliche Lager erkunden, zurückkommen und uns die Position unserer Ziele verraten. Wir haben genügend Leute, die Aufgaben durchzuführen, die wir für diese Ziele vorgesehen haben.

Die Schwertkämpfer sollen mit unserem obersten Ziel beginnen. Das Töten des Feindes. Sie werden sich zuerst um die feindlichen Kommandeure kümmern, nur für den Fall, daß sie nicht vergiftet wurden. Anschließend werden sie so viele Soldaten töten wie sie können, in der kürzest möglichen Zeit.«

Sie erreichten ein Dutzend Zelte, die man nahe beieinander in einem Halbkreis aufgestellt hatte. Kahlan warf in jedes einen Blick, um sicher zu sein, daß sie alle ihren Anweisungen folgend ausgestattet waren. Als sie damit fertig war, blieb sie neben dem größten stehen und blickte Hauptmann Ryan ins Gesicht.

»Werdet Ihr mir jetzt verraten, was wir bemalen sollen?«

Kahlan nickte. »Die eintausend Schwertkämpfer.«

Er starrte sie verblüfft an. »Wir sollen die Männer anmalen? Warum?«

»Ganz einfach. D’Haraner haben Angst vor Geistern. Sie haben Angst vor den Seelen der Feinde, die sie töten, deshalb schleppen sie die Leichen ihrer gefallenen Kameraden vom Schlachtfeld, wie in Ebinissia.

Heute nacht werden diese Ängste kommen und sie verfolgen. Sie werden angegriffen werden von dem, was sie am meisten fürchten: von Geistern.«

»Aber sie werden erkennen, daß es Soldaten sind, die einfach weiße Kleider tragen, und keine Geister.«

Kahlan blickte Hauptmann Ryan unter ihren Brauen hervor an. »Sie werden keine Kleidung tragen. Sie werden nichts am Leib haben und nur ihre Schwerter tragen, weiß bemalt wie sie selbst. Sie werden ihre Kleider kurz vor dem Angriff ablegen.«

Seine Kinnlade klappte herunter. »Was?«

»Ich möchte, daß Ihr die Schwertkämpfer zusammenruft, sofort, und sie hier zusammenzieht. Sie sollen in die Zelte gehen, ihre Kleider ablegen und in die Tünche eintauchen. Nachdem sie sich eingetunkt haben, sollen sie sich neben die heißen Steine stellen, bis sie trocken sind. Es wird nicht lange dauern. Danach können sie ihre Kleider wieder anziehen. Bis zum Angriff.«

Hauptmann Ryan war schockiert. »Aber es ist Winter. Ohne ihre Kleider werden sie erfrieren.«

»Wir haben einen Temperaturumschwung, es ist nicht mehr so bitterkalt. Außerdem wird die Kälte sie daran erinnern, ins Lager hinein- und sofort wieder hinauszustürmen. Ich will nicht, daß sie sich lange im Lager aufhalten. Der Feind wird sich sehr schnell von seinem Schock erholt haben und sich auf jeden Eindringling stürzen. Ich will, daß unsere Leute angreifen, die verängstigten D’Haraner töten und die Flucht ergreifen.

Wie gesagt, D’Haraner fürchten sich vor Geistern. Wenn sie das sehen, was sie im ersten Augenblick für ihren schlimmsten Alptraum halten, werden sie wie gelähmt sein. Ihr erster Gedanke wird sein zu fliehen, nicht zu kämpfen. Man stirbt ebenso leicht durch ein Schwert in den Rücken wie durch ein Schwert in die Brust. Einige werden auf der Stelle erstarren und nicht wissen, was sie tun sollen. Selbst wer die Invasoren als weiß bemalte Soldaten und nicht als Geister erkennt, wird einen Augenblick lang verwirrt sein.

Die Schwertkämpfer sollen sich nicht in Kämpfe verwickeln lassen. Sobald sich jemand wehrt, sollen sie zum nächsten weiterlaufen. Es gibt mehr als genug, die man töten kann, es wäre ein Fehler, Zeit für einen Kampf zu vergeuden, den man vermeiden kann. Ich will einfach nur, daß feindliche Soldaten getötet werden. Sind die Kommandeure erst einmal tot, spielt es keine Rolle, welche. Unsere Männer sollen nicht kämpfen, es sei denn, sie sind dazu gezwungen. Das bringt ihr Leben unnötig in Gefahr.

Hinein, so viele Männer wie möglich töten und wieder hinaus. So werden die Befehle lauten.«

Hauptmann Ryan zog ein grimmiges Gesicht, dachte nach. »Ich hätte nie gedacht, daß ich das jemals sagen würde, aber ich denke, das klingt nach einer äußerst erfolgreichen Taktik. Den Männern wird sie erst einmal nicht gefallen, aber sie werden die Befehle befolgen. Ich werde sie ihnen erklären, und dann werden sie sich bestimmt ein wenig besser dabei fühlen.

Ein solches Vorgehen ist völlig neu für mich, und ich bin sicher, auch für den Feind.« Schließlich brachte er ein verschmitztes Lächeln zustande. »Es wird sie mit Sicherheit überraschen, daran besteht kein Zweifel.«

Erleichtert registrierte Kahlan, daß er wenigstens zu diesem Zugeständnis bereit war. »Gut. Es freut mich, einen Hauptmann der galeanischen Armee überzeugt zu haben. Der Armee der Midlands.

Und jetzt möchte ich, daß Ihr mein Sattelzeug hierherschaffen und in die Tünche tunken laßt. Und bitte, stellt ein paar Posten vor das Zelt, solange ich mich darin aufhalte.«