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Er bekam große Augen. »Euren Sattel … Ihr wollt doch nicht … Mutter Konfessor … Das ist doch bestimmt nicht Euer Ernst.«

»Ich verlange nichts von meinen Leuten, daß ich nicht auch selbst tun würde. Sie brauchen einen Befehlsführer, um den sie sich in ihrer ersten Schlacht scharen können. Ich habe die Absicht, sie anzuführen.«

Hauptmann Ryan wich einen Schritt zurück. Er war entsetzt. Er machte wieder einen Schritt nach vorn. »Aber Mutter Konfessor … Ihr seid eine Frau. Und keinesfalls eine häßliche Frau.« Unwillkürlich betrachtete er sie kurz von Kopf bis Fuß. »Ihr seid sogar … Mutter Konfessor, vergebt mir.« Er verstummte.

»Die Soldaten haben einen klaren Auftrag. Sagt endlich, was Ihr meint, Hauptmann.«

Sein Gesicht war dunkelrot. »Es sind junge Männer, Mutter Konfessor. Sie sind … nun, Ihr könnt nicht erwarten … es sind junge Männer.« Sein Kiefer mahlte, während er nach Worten rang. »Sie werden nichts dagegen tun können. Mutter Konfessor, bitte. Ihr werdet in eine über alle Maßen peinliche Lage geraten.« Er wand sich, in der Hoffnung, es nicht näher erläutern zu müssen.

Sie lächelte ihm leise zu, um ihm ein wenig seines Entsetzens zu nehmen. »Hauptmann, habt Ihr jemals die Legende der Shahari gehört?« Er schüttelte den Kopf. »Als die Stämme und Länder, die jetzt D’Hara genannt werden, zusammengeschweißt wurden, waren die Methoden der Eroberung und des Zusammenführens weitgehend die gleichen wie die der Imperialen Ordnung — man schloß sich entweder an oder wurde erobert. Das Volk der Shahari verweigerte den Anschluß an D’Hara und ließ sich auch nicht erobern.

Sie kämpften derart wildentschlossen, daß die d’haranischen Truppen sie mit der Zeit sehr fürchten lernten, obwohl diese ihnen zahlenmäßig um ein Vielfaches überlegen waren. Die Shahari liebten nichts mehr als den Kampf. Sie waren so furchtlos, und die Vorstellung, in den Kampf zu ziehen, erregte sie so sehr, daß sie nackt in die Schlacht zogen und … eben erregt.«

Kahlan hob den Kopf und sah, wie Hauptmann Ryan sie offenen Mundes anstarrte. Sie fuhr fort. »Die D’Haraner kennen die Legende der Shahari. Sie alle haben bis zum heutigen Tag Angst vor ihnen.« Sie räusperte sich. »Wenn die Männer in den Kampf ziehen und das … geschieht, wird es nur noch größere Furcht unter den Soldaten der Imperialen Ordnung auslösen.

Ich glaube allerdings kaum, daß die Männer fürchten müssen, in eine peinliche Lage zu geraten. Sie werden Wichtigeres im Sinn haben, zum Beispiel, nicht getötet zu werden. Und wenn es doch geschieht, nun, dann sollten sie wissen, daß es mir gefällt, denn es wird nur noch größere Furcht in die Herzen unserer Feinde pflanzen.«

Hauptmann Ryan senkte den Blick schließlich zu Boden und scharrte mit seinem Stiefel im Schnee. »Vergebt mir, Mutter Konfessor, aber es gefällt mir noch immer nicht. Es bringt Euch in Gefahr und das ohne großen Gewinn.«

»Das stimmt nicht. Es gibt für mich zwei gewichtige Gründe, es zu tun. Erstens, als ich gestern abend das Lager der Imperialen Ordnung verließ, wurde ich von ungefähr fünfzig Mann verfolgt. Die D’Haraner zweifeln keinen Augenblick daran, daß diese fünfzig Mann mich fangen und töten werden.«

Der Hauptmann versteifte sich. »Wollt Ihr damit sagen, daß fünfzig Mann auf der Suche nach Euch hier herumstreifen?«

»Nein. Sie sind alle tot. Bis zum letzten Mann. Doch das wissen die Soldaten im Lager nicht. Wenn sie mich sehen, ganz in Weiß wie ein Geist, werden sie glauben, ich sei getötet worden und sie würden meine Seele sehen. Das wird ihnen nur noch einen größeren Schrecken einjagen.«

»Alle fünfzig…« Er schaute zu ihr hoch. »Und der zweite Grund?«

Kahlan sah ihn einen Augenblick lang fest an. Sie sprach mit leiser Stimme. »Wenn diese Männer mich erblicken, ganz gleich, ob sie mich für einen Geist halten oder für eine nackte Frau auf einem Pferd, werden sie hinschauen. Während sie hinschauen, können sie keinen unserer Männer töten. Aber wir können sie töten. Ich werde ihre Aufmerksamkeit von den Männer auf mich lenken.«

Er starrte sie schweigend an, und sie fuhr fort. »Ich für meinen Teil werde jede Peinlichkeit in Kauf nehmen«, erklärte sie, »wenn ich dadurch das Leben auch nur eines einzigen unserer Männer retten kann. Ich muß es tun, um ihnen zu helfen, damit sie am Leben bleiben.«

Er blickte zu Boden und stopfte die Hände in seine Taschen.

»Ich wußte gar nicht, daß die Mutter Konfessor so sehr um ihr Volk besorgt ist«, meinte er kaum hörbar. »Ich wußte gar nicht, daß sie überhaupt interessiert, was jemandem von uns zustößt.« Schließlich hob er den Kopf. »Kann ich noch irgend etwas sagen, um es Euch auszureden?«

Kahlan mußte lächeln. »Es gibt nur einen einzigen Mann auf der Welt, der mich davon abhalten könnte, und der seid Ihr nicht.« Sie lachte still. »Genaugenommen, wenn er wüßte, was ich vorhabe, er würde es bestimmt verbieten.«

Seine Neugier war stärker als seine Vorsicht. »Nur ein Mann? Ist er Euer Gefährte?« Sie schüttelte den Kopf. »Ist er derjenige, den Ihr zum Gefährten erwählen werdet?«

Kahlan stieß einen vergnügten Seufzer aus. »Er ist der Mann, den ich heiraten werde. Er hat mich gebeten, seine Frau zu werden.« Sie lächelte, als sie den verwirrten Ausdruck auf seinem Gesicht sah. »Er heißt Richard. Er ist der Sucher.«

Hauptmann Ryan erschrak, sein Atem stockte. »Wenn ich jetzt eine Frage stelle, die mir nicht zusteht, so sagt es nur, aber ich dachte, alle Konfessoren benutzen ihre Kraft … ich dachte, Eure Magie wäre … ich wußte gar nicht, daß Konfessoren … heiraten können.«

»Sie können es nicht. Aber Richard ist etwas Besonderes. Er hat die Gabe, und meine Kraft kann ihm nichts anhaben.«

Endlich lächelte Hauptmann Ryan. »Da bin ich froh. Ich freue mich für Euch, Mutter Konfessor.«

Kahlan zog eine Braue hoch. »Doch solltet Ihr ihm jemals begegnen, so wagt es nicht, ihm von dieser Geschichte … meines Auftritts als Geist zu erzählen. Er hat recht verstaubte Ansichten, was diese Dinge anbelangt. Wenn Ihr ihm erzählt, Ihr hättet zugelassen, daß ich nackt mit tausend Eurer Leute herumlaufe, macht er Euch womöglich einen Kopf kürzer.«

Kahlan lachte, als sie den erschrockenen Ausdruck im Gesicht des Hauptmanns sah.

»Hauptmann, ich brauche ein Schwert.«

»Ein Schwert! Jetzt wollt Ihr am Ende auch noch kämpfen!«

Kahlan beugte sich zu ihm. »Hauptmann, wenn ich dort nackt rumsitze und einer der D’Haraner meine Ehre zu besudeln wünscht, wie soll ich mich dann ohne Schwert verteidigen?«

»Oh. Jetzt verstehe ich, was Ihr meint.«

Er überlegte einen Augenblick. Ein Einfall erhellte sein Gesicht, und er zog sein eigenes Schwert aus seiner Scheide. Er hielt ihr die Waffe mit beiden Händen hin.

Es war ein altes Schwert mit einer im alten Stil geschliffenen Klinge, in deren Endstück man eine Gravur geätzt hatte, die die welligen Falzen des Stahls hervorhob.

»Diese Klinge wurde mir von Prinz Harold überreicht, als ich Offizier wurde. Er meinte, es sei die seines Vaters, hätte einst König Wyborn selbst gehört. Er sagte, König Wyborn hätte sie persönlich in einer Schlacht benutzt.« Er zuckte verlegen mit den Schultern. »Natürlich besitzt ein König viele Schwerter, und viele davon trägt er wenigstens einmal in einer Schlacht, damit man von ihnen behaupten kann, der König habe mit ihnen sein Königreich verteidigt. Es ist also nicht wirklich wertvoll.« Er hob erwartungsvoll den Kopf. »Aber ich würde mich geehrt fühlen, wenn Ihr es als Euer Schwert annähmt. Es scheint nur recht, daß Ihr … nun, als Tochter König Wyborns sein Schwert bei einer Schlacht in Euren Händen haltet. Vielleicht besitzt es Magie oder etwas Ähnliches und hilft euch, Euer Leben zu verteidigen.«

Kahlan nahm ihm das Schwert behutsam aus der Hand.

»Ich danke Euch, Bradley. Das bedeutet mir sehr viel. Ihr täuscht Euch, es ist wertvoll. Es wird mir eine Ehre sein, es zu tragen. Aber ich werde es nicht behalten. Wenn ich hier fertig bin und in ein paar Tagen nach Aydindril aufbreche, werde ich es Euch zurückgeben. Dann besitzt Ihr ein Schwert, daß nicht nur von einem König, sondern auch von der Mutter Konfessor geführt wurde.«