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Richard nahm eine geduckte Haltung ein, lehnte sich an die Wand, die Arme über seinem Schoß gekreuzt, und verbarg so seine rechte Hand, die er lässig neben das Heft gelegt hatte. Schließlich kam der vierte Mann mit einen runden Tontopf zurück, den er in beiden Händen trug. Der Topf hatte oben eine kleine Öffnung und war auf der Seite mit weißen Symbolen bemalt.

»Die Königin-Mutter und ihre Frauen haben zugestimmt und schicken dieses juka, damit du die Seelen rufen kannst. Wenn du dies trinkst, werden die Seelen dich besuchen.« Er stellte den Topf vor Richard ab, dann zog er ein Messer aus seinem Gürtel und hielt ihm den grünen Malachitgriff hin. Er war mit Figuren in obszönen Stellungen verziert. »Dies ist das heilige Messer, welches bei dem Opfer benutzt werden muß.« Als Richard das Messer entgegennahm und die kräftige Klinge hinter seinen Gürtel schob, setzte sich der Mann zu seinen Gefährten an den Wänden.

Der Mann, der der Frau auf der anderen Seite am nächsten saß, schien erfreut, weil die Königin-Mutter das juka geschickt hatte. Er zwinkerte Richard durchtrieben zu. Dann hielt er der Frau die Spitze seines Speeres vors Gesicht.

»Der magische Mann ist gekommen, um dich den Seelen zu opfern.« Er grinste aufmunternd an ihr vorbei, zu Richard. »Aber vorher möchte er dir die Seelengabe seines Samens zum Geschenk machen.« Sie rührte sich nicht. Sein Grinsen wurde zum Feixen, als er mit dem Schaft seines Speeres auf die Erde schlug. »Beleidige die Seelen nicht! Du wirst ihre Gabe annehmen!« Er senkte die Stimme zu einem Knurren. »Und zwar jetzt!«

Ohne ihn auch nur für einen Augenblick aus den Augen zu lassen, löste sie sich und legte sich folgsam mit dem Rücken auf die Erde. Sie machte die Beine breit und sah Richard trotzig an. Offenbar wußte sie darum, was folgen würde, wenn sie diesen Männern nicht zu Willen war.

Der Kerl sprang vor und stach ihr mit dem Speer in den Schenkel. Sie stieß einen Schrei aus und wich zurück.

»So dumm bist du nicht! Du wirst uns nicht beleidigen! Wir sind nicht blöde!« Er täuschte einen weiteren Stoß mit dem Speer an. »Und mach es richtig!«

Richards Finger krallten sich um das Heft seines Schwertes, ansonsten rührte er sich jedoch nicht. Die Frau machte keinerlei Anstalten, sich um die blutende Schnittwunde an ihrem Bein zu kümmern, sondern wälzte sich gehorsam auf Ellenbogen und Knie und reckte ihr Hinterteil in die Luft.

Die Männer sahen Richard kichernd an.

»Einer wie der willst du dabei bestimmt nicht ins Gesicht sehen«, meinte der Kerl mit dem fehlenden Zahn. »Sie beißt nämlich.« Die anderen nickten. Sie wußten offenbar Bescheid. »Besteig sie so herum und halte sie an den Haaren fest. Auf diese Weise wird sie dich nicht beißen können, und du kannst dir alles nehmen, was du willst.«

Die Männer warteten. Weder Richard noch die Frau rührten sich.

»Habt ihr Trottel keine Augen im Kopf?« meinte die Frau. »Er will mich nicht wie ein Hund vor euch besteigen!« Das Gesicht an die Erde gepreßt, warf sie Richard ein spöttisches Grinsen zu. »Er ist nämlich schüchtern. Er will nicht, daß ihr seht, wie klein sein Zauberstab ist.«

Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Richards Knöchel umspannten weiß das Heft. Nur mit Anstrengung gelang es ihm, den Zorn, der aus dem Schwert brennend durch seinen Körper zog, unter einer ungerührten Miene zu verbergen. Er hatte Mühe, einen klaren Kopf zu behalten.

Es würde nichts bringen, der Magie hier drinnen freien Lauf zu lassen.

Einer der Männer versetzte einem seiner Kumpane einen spielerischen Ellbogenstoß und lachte. »Vielleicht hat sie recht. Er ist noch jung. Vielleicht ist er es nicht gewöhnt, daß andere ihn bei seinem Vergnügen zusehen.«

Seine Geduld war bis zum Reißen gespannt. Richard konzentrierte sich darauf, seine freie Hand ruhig zu halten und sie mit elegantem Schwung zu bewegen. Er nahm den Tontopf mit dem juka und zeigte ihn den Männern. Er hatte alle Mühe, seine Stimme zu beherrschen. »Die Seelen möchten zu mir von wichtigen Dingen sprechen.«

Das Grinsen auf sämtlichen Gesichtern erlosch. Sie wußten, er war ein magischer Mann, doch war er nicht so jung, wie sie es gewohnt waren. Sie hatten keine Vorstellung von seiner Kraft, was sie offensichtlich ebenso besorgt stimmte wie seine undurchschaubare, viel zu ruhige Art.

»Wir müssen es ihm überlassen, seine Pflicht zu tun«, meinte einer der Männer. »Wir sollten ihn mit den Seelen allein lassen. Dann kann er sich mit der Wilden vergnügen, wenn er will, bevor er den Seelen sein Opfer darbringt.« Er neigte Richard seinen glänzenden Schädel zu. »Wir werden dich in Frieden lassen. Wir werden dort auf dich warten, wo du uns zuerst begegnet bist.«

Die vier eilten mit ernster Miene davon. Als sie verschwunden waren und er sicher sein konnte, daß sie sich ein gutes Stück entfernt hatten, spie die Frau ihn an.

Sie bog den Rücken durch wie eine läufige Katze und reckte ihren Hintern noch höher in die Luft. »Jetzt kannst du mich besteigen wie der Hund, der du bist. Komm schon, magischer Mann, beweise, daß du eine Frau besteigen kannst, wenn man sie mit einer Kette für dich festhält. Du kannst mir auch nichts Schlimmeres antun als die anderen Hunde.« Sie spie ihn erneut an. »Ihr seid alle Hunde.«

Richard stieß mit dem Fuß gegen ihre Hüfte und warf sie um. »Ich bin nicht wie diese Männer.«

Sie wälzte sich auf den Rücken. Sie breitete Arme und Beine aus und warf ihm einen verächtlich funkelnden Blick zu. »So. Du hältst dich also für besser als sie.«

Richard biß die Zähne zusammen. »Laß das. Deswegen bin ich nicht hier.«

Sie setzte sich auf. Sie hob das Kinn, doch ihre Augen füllten sich mit plötzlichem Entsetzen. »Du wirst mich jetzt also opfern?«

Richard merkte, daß er noch immer das Heft umklammert hielt. Er hatte vergessen, seinen ruhigen Gesichtsaudruck zu bewahren. Er zog seine Hand zurück, wodurch seine Magie zurückwich, sein Zorn abkühlte. Vor ihren Augen schüttete er das juka auf dem Boden aus.

»Ich werde dich hier rausholen. Mein Name ist Richard. Und deiner?«

Sie kniff die Augen zusammen. »Warum willst du das wissen?«

»Wenn ich dich hier rausholen soll, muß ich wissen, wie ich dich rufen kann. Ich kann dich schließlich nicht ›Frau‹ nennen.«

Sie musterte ihn einen Augenblick schweigend. »Ich bin Du Chaillu.«

»Wie soll ich dich nennen? Du? Oder Du Chaillu?«

Sie legte verwirrt die Stirn in Falten. »Du Chaillu. So lautet mein Name.«

Richard lächelte sie beruhigend an. »Also schön. Du Chaillu. Dein Volk, was sind das für Leute? Wie werden sie genannt?«

»Wir sind die Baka Ban Mana.«

»Und was bedeutet das, Baka Ban Mana?«

Sie reckte ihr Kinn erneut empor. »Die ohne Herren.«

Richard lächelte vor sich hin. »Ich denke, du machst deinem Volk Ehre. Du siehst nicht aus wie eine Frau, die sich beherrschen läßt.«

Das Kinn noch immer vorgereckt, blickte sie ihm prüfend in die Augen. »Das sagst du, aber eigentlich willst du mich besteigen wie die anderen.«

Richard schüttelte den Kopf. »Nein. Ich hab’ dir doch gesagt, daß ich das nicht tun werde. Ich werde versuchen, dich hier rauszuholen und zu deinem Volk zurückzubringen.«

»Niemand aus meinem Volk, der von den Majendie gefangen wurde, ist je zurückgekehrt.«

Richard beugte sich zu ihr vor. »Dann bist du eben die erste.«

Richard zog sein Schwert blank. Du Chaillu wich zurück zur Wand, zog die Knie vor die Brust und versteckte ihr Gesicht. Er merkte, daß sie sein Tun falsch ausgelegt hatte und nun das Schlimmste erwartete. »Schon gut, Du Chaillu. Ich tue dir nichts. Ich muß dir nur diesen Eisenring abnehmen.«