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Im Kampf waren sie diszipliniert, aber wenn sie nicht kämpften, waren sie unbeherrscht bis hin zur Anarchie. Bezahlung bestand für die D’Haraner bei einem Feldzug zum großen Teil aus einem Anteil an der Beute — sie hatten Ebinissia, allem Gerede über eine neue Ordnung zum Trotz, geplündert –, und die Beute hatte sie vielleicht verführt, ihre Pflichten nicht mehr so ernst zu nehmen. In der Schlacht oder beim ersten Ertönen eines Alarms verwandelten sie sich in eine einzige vereinte Kampfmaschine, eine Einheit mit nur einem Kopf. Im Lager jedoch, ohne das alles beherrschende Ziel des Krieges vor Augen, wurden sie zu Tausenden von Einzelkämpfern, die nichts weiter im Sinn hatten, als ihrem eigenen Interesse zu dienen.

Da es keinen Alarm gegeben hatte, schenkten sie dem Lärm und Geschrei nur wenig Beachtung. Im Getöse ihrer eigenen Geschäfte, ihrem Handeln, in den Geschichten, dem Lachen, Trinken, Spielen, dem Raufen und Rumhuren, ging die aus dem Nichts kommende Schlacht größtenteils unter. Die Offiziere würden sie schon rufen, wenn sie gebraucht wurden. Ohne diesen Ruf zur Pflicht gehörte ihr Leben ihnen selbst, und die Sorgen von anderen waren nicht die ihren. Sie waren völlig unvorbereitet, als der weiße Tod Gestalt annahm.

Der Anblick der weißen Geister, die mitten unter ihnen auftauchten, war von lähmender Kraft. So mancher fing aus Furcht vor den Seelen der Shahari an zu jammern. Viele glaubten, die Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten hätte sich verwischt. Oder sie wären plötzlich selbst in die Unterwelt geraten.

Ohne das Bier, das vergiftete wie auch das ungepanschte, wäre das vielleicht anders gewesen. So jedoch machte sie das Bier und das Vertrauen auf ihre große Zahl auf eine Weise verletzbar, wie sie es nie wieder sein würden. Doch nicht alle waren betrunken oder abgestumpft. Einige wehrten sich mit äußerster Heftigkeit.

Kahlan beobachtete dies alles von ihrem kreisenden Schlachtroß aus. Inmitten eines Meeres aus ungezüngelter Leidenschaft hatte sie ihre Konfessorenmiene aufgesetzt.

Diese Männer kannten weder Moral noch Ehre. Es waren Tiere, die sich im Leben nichts anderem beugten als der Gewalt. Sie hatten die Frauen im Palast vergewaltigt und die Menschen aus Ebinissia gnadenlos dahingemetzelt, von den Alten bis hin zu den neugeborenen Kindern.

Ein Mann warf sich durch den Ring aus Stahl, der sie umgab, griff nach ihrem Sattel, um sich daran festzuhalten. Er starrte sie offenen Mundes an und flehte weinerlich um Gnade bei den Guten Seelen. Sie spaltete ihm den Schädel.

Kahlan riß ihr Pferd herum und sah sich Sergeant Cullen gegenüber. »Haben wir die Kommandozelte eingenommen?«

Der Sergeant gab ein Zeichen, und einer der weißen, nackten Männer rannte los, um das zu überprüfen, während sie sich tiefer und tiefer in das Lager der Imperialen Ordnung vorarbeiteten. Als sie die Pferde entdeckte, gab sie das Signal. Von hinten vernahm sie das Geräusch galoppierender Hufe und das scharfe Rasseln von Ketten: Sicheln des Todes, die gekommen waren, um unter den Lebenden ihre Ernte einzufahren.

Mit einem Klackern, als würde ein Junge einen Stock an einem Lattenzaun entlangziehen, galoppierten die Tiere mit den Kettensicheln durch die lange Reihe der Pferde. Die Schreie der Tiere und die dumpfen Schläge, mit denen sie am Boden zusammenbrachen, übertönten noch den Hufschlag und das Krachen der brechenden Knochen.

Selbst die betrunkenen Feinde ließen von den weißen Geistern ab und verfolgten starren Blicks das grausige Schauspiel. Es war das letzte, was sie zu Gesicht bekamen. Männer taumelten aus ihren Zelten und sahen verständnislos mit an, was sich dort vor ihren Augen abspielte. Andere wanderten ziellos umher, einen Krug in der Hand, als wären sie auf einem Jahrmarkt, wo sie betrunken von einer Attraktion zur nächsten wankten. Es waren so viele, daß manche ein wenig warten mußten, bevor sie mit Sterben an der Reihe waren.

Manche waren nicht betrunken und sahen keine Gespenster, sondern weiß bemalte Soldaten. Sie sahen einen Angriff und begriffen, daß es gut geschliffene Klingen waren, mit denen man über sie herfiel. Ein Nest heftigster Gegenwehr wurde umzingelt, der Widerstand gebrochen, doch nicht ohne Verluste. Kahlan rief ihre Männer zusammen und trieb ihren Keil aus weißem Stahl tiefer in das Herz des feindlichen Lagers.

Sie erblickte zwei Männer auf Zugpferden — wer es war, konnte sie nicht erkennen –, die, nachdem sie alle Pferde, die sie finden konnten, niedergemacht hatten, daran gingen, eine Reihe Zelte niederzureißen. Dabei richteten sie eine ungeheure Verwüstung an und ließen Männer hilflos zurück. Die Kette verfing sich an etwas, das fest stand wie ein Fels. Die Pferde wurden herumgeschleudert und stießen brutal zusammen. Die Reiter stürzten zu Boden. Männer mit Schwertern und Äxten fielen über sie her.

Ein Soldat, das Schwert in der Hand und nüchtern, wie sie zu ihrem Schrecken erkannte, tauchte plötzlich dicht neben ihrem Bein auf. Er sah mit einem wilden, wütenden Blick zu ihr hinauf. Unter seinem stechenden Blick kam sie sich plötzlich nur noch vor wie eine nackte Frau auf einem Pferd.

Er musterte sie von Kopf bis Fuß. »Was zum…«

Ein dreißig Zentimeter langes Stück Stahl brach unter seinem Brustbein hervor und preßte ihm ein Ächzen aus den Lungen.

»Mutter Konfessor!« Der nackte Mann dahinter riß sein Schwert zurück und zeigte damit auf etwas. »Die Kommandozelte sind dort drüben!«

Eine Bewegung auf der anderen Seite erregte ihre Aufmerksamkeit. Mit einem schwungvollen Rückhandschlag erwischte sie einen Betrunkenen seitlich am Hals.

»Los! Zu den Kommandozelten! Sofort!«

Ihre Soldaten ließen vom Feind ab und folgten ihr, während sie mit Nick über Männer, Lagerfeuer und umgestürzte Karren hinwegsetzte. Derweil sie ihr folgten, hielten sie inne, um die verwirrten, panischen und betrunkenen D’Haraner auf allen Seiten abzuschlachten, sondern streckten bloß jene nieder, die im Vorbeilaufen zu erwischen waren. Wo nötig, banden sie den sporadischen Widerstand.

Die geräumigen Kommandozelte waren bereits von weißen Galeanern umringt. Die nackten Krieger hielten eine kleine Gruppe von ungefähr fünfzehn Mann mit vorgehaltenem Schwert in Schach. Vor ihnen lagen, säuberlich aufgereiht, wenigstens dreißig Leichen mit dem Rücken im Schnee.

Andere von Kahlans Männern warfen Schlachtstandarten und Fahnen auf einen großen Haufen, der bereits schwelte und aus dem stellenweise Flammen hervorschlugen. Leere Fässer lagen verstreut im Schnee. Die Kommandeure hatten keinerlei Befehl erteilt, als ihre Armee angegriffen wurde. Die Armee der Imperialen Ordnung mußte auf jegliche Führung verzichten.

Leutnant Sloan deutete mit seinem Schwert auf die Reihe der Leichen. »Diese Offiziere waren bereits tot. Das Gift hat gute Arbeit geleistet. Die anderen dort waren noch am Leben, wenn auch nicht gerade bei bester Gesundheit. Sie lagen überall in ihren Zelten. Wir haben sie kaum zum Aufstehen bewegen können. Sie haben uns nach Rum gefragt, stellt Euch das vor. Wir haben sie festgehalten, wie Ihr es verlangt habt.«

Kahlan ließ den Blick über die Gesichter der Leichen im Schnee schweifen. Sie fand nicht jenen, den sie suchte. Sie blickte in die Gesichter der gefangenen Offiziere. Dort war er ebensowenig.

Dann richtete sie ihr Konfessorengesicht auf einen keltonischen Offizier am Ende der Reihe. »Wo ist Riggs?«

Er funkelte sie wütend an, dann spie er aus. Kahlan sah zu dem Mann, der ihn hielt. Sie fuhr sich mit dem Finger über die Kehle. Der Mann zögerte keinen Augenblick. Der Offizier sackte zu einem Haufen zusammen.