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»Endlich hab’ ich Euch, Konfessor. Ihr entwischt mir nicht noch mal!«

Er war allein. Was dachte er bloß? Sie schlug ihm die Hand vor die Brust. Es war ihr ein Rätsel, daß ein einzelner Mann glaubte, einen Konfessor überwältigen zu können.

»Du bist ganz allein, Riggs«, gelang es ihr unter seinem Gewicht hervorzupressen. »Du bist verloren. Du gehörst mir.«

»Das glaube ich nicht.« Er feixte höhnisch. »Er hat gesagt, Ihr könntet Eure Kraft im Augenblick nicht einsetzen.«

Er hob ihren Kopf hoch und schlug ihn auf den Boden. Ihr Blick verschwamm. Sie versuchte sich auf das zu konzentrieren, was sie jetzt tun mußte. Er hob ihren Kopf erneut hoch, um ihn auf die Erde zu schlagen. Seine Worte hatten sie zwar stutzig gemacht, trotzdem mußte sie es jetzt tun, bevor er sie bewußtlos schlug, bevor es zu spät war. Jetzt, solange sie noch die Zeit dazu hatte.

In der Stille ihres Geistes, während er gerade ihren Kopf anhob, ließ sie ihre Konfessorenkraft durch ihren Körper fließen. Sie ließ ihre Schranken fallen.

Es gab einen Donner ohne Hall. Der Aufprall der Kraft, der Magie, ließ Riggs zusammenfahren. Sämtliche Äste ringsum schüttelten sich mit einem Ruck. Schnee fiel herab, klatschte schwer auf seinen Rücken und ihr Gesicht.

Er riß die Augen auf, sein Kiefer wurde schlaff. »Herrin! Befehligt mich!«

Mit allerletzter Kraft gelang es ihr zu fragen: »Wer hat dir gesagt, meine Kraft könnte dir nichts anhaben?«

»Herrin, das war…«

Die blutige Spitze eines Pfeiles bohrte sich durch die Vorderseite seines Adamsapfels. Die breite Stahlspitze blieb kaum einen Zentimeter von ihrem Kinn stecken. Seine Augen füllten sich mit Tränen, sein Mund bewegte sich, und Blut schäumte hervor, doch Worte kamen keine. Sein Atem entwich rasselnd seinen Lungen, während er allmählich über ihr zusammenbrach.

Eine Faust packte die Schulter seiner Uniform und zog Riggs fort. Zuerst dachte sie, es wäre Orsk, doch er war es nicht.

»Mutter Konfessor!« Besorgt blickte Prindin auf sie herab. »Bist du verletzt? Hat er dir weh getan?«

Hastig wälzte er den General von ihr herunter und hielt ihr die Hand hin, um ihr aufzuhelfen, während er sie von oben bis unten musterte, wie sie im Schnee dalag. Sie starrte zu ihm hoch, ergriff seine Hand jedoch nicht. Der Einsatz ihrer Kraft hatte sie erschöpft wie nie zuvor.

Das übliche Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit, als er seinen Bogen schulterte. »Wie ich sehe, bist du unverletzt. Du siehst sehr gut aus.«

»Du hättest ihn nicht töten müssen. Ich hatte ihn bereits mit meiner Kraft berührt. Er gehörte bereits mir. Er wollte mir gerade verraten, wer behauptet hat, ich könnte ihm nichts anhaben…«

Ihr gesamter Körper kribbelte vor Spannung, als sie sah, mit welchem Blick er sie betrachtete. Sein vertrautes Feixen ließ es ihr kalt die Arme und den Nacken hinauflaufen. Ihre feinen Härchen sträubten sich.

Orsk brach zwischen den Bäumen hervor. »Herrin! Seid Ihr in Sicherheit?«

Sie hörte, daß hinter ihm noch andere durch den Wald kamen. Sie hörte Chandalens Stimme. Rasch hatte Prindin einen Pfeil eingelegt. Orsk hob seine Axt mit einer einzigen, riesigen Faust.

»Prindin! Nein! Tu ihm nichts!« Prindin spannte seinen Bogen. »Orsk! Lauf!«

Der große Kerl wirbelte herum, ohne Fragen zu stellen, und sprang zurück ins Unterholz. Ein Pfeil folgte ihm. Sie hörte, wie der Pfeil sich in etwas Festes bohrte. Sie hörte, wie Orsk durch das kahle Unterholz stolperte und dabei Äste und junge Bäume niedertrat. Dann knackten immer weniger Zweige und Äste, und sie hörte, wie er auf dem Boden aufschlug.

Sie versuchte aufzustehen, sank aber matt zurück. Es war, als hätte sie keine Knochen, als lösten sich ihre Muskeln auf. Ihre Kraft war verbraucht. Die Schwärze versuchte sie wieder in sich aufzusaugen.

Prindin wandte sich ihr grinsend wieder zu und schulterte erneut seinen Bogen.

Kahlan hatte Mühe, die Kraft zum Sprechen aufzubringen. Ihre Worte kamen nur als Flüstern heraus. »Prindin, warum hast du das getan?«

Er zuckte mit den Achseln. »Damit wir allein sein können.« Sein Grinsen wurde breiter. »Bevor man dir den Kopf abhackt.«

Prindin. Prindin hatte Riggs erzählt, ihre Kraft könne ihm nichts anhaben, damit sie sich bei ihm verausgabte und keine Kraft mehr übrig hatte. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung, als sie versuchte, sich hochzustemmen. Sie sank vor Prindins Augen zurück.

Eine Stimme drang durch die Bäume. Es war Chandalen, der völlig außer Atem nach ihr rief. Aus einer anderen Richtung hörte sie Tossidin rufen. Sie versuchte, ihnen etwas zuzuschreien. Nur ein heiserer, schwacher Klagelaut drang aus ihrer Kehle hervor. Dunkelheit drohte sie zu überwältigen.

Vielleicht schlief sie noch. Sie konnte kaum sprechen, sich kaum bewegen, genau wie in einem Alptraum. Wenn es nur einer wäre.

Aber sie wußte, daß dies kein Traum war.

Prindin drehte sich nach den hartnäckigen Rufen um. Kahlan stemmte ihre Fersen in den Schnee und mit einer mächtigen Anstrengung gelang es ihr, sich nach hinten zu schieben. Ihre Hand fiel auf einen dicken Ahornast, der auf dem Boden lag.

Prindin stürzte sich auf sie. Kahlan konzentrierte all ihre Angst, ihre Furcht und das Entsetzen über das, was hier geschah, auf diese eine Handlung. Es kostete sie alles, was sie hatte. Prindin streckte die Hand nach ihr aus.

Kahlan richtete sich auf und holte mit dem dicken Ast aus. Prindin duckte sich, bekam den Prügel zu fassen und entwand ihn ihrem Griff. Er riß sie herum, riß sie an sich, schlang ihr den Arm um den Kopf und legte ihr die Hand vor den Mund, als sie versuchte, Chandalen zu warnen. Er war zwar nicht groß, aber sie wußte, daß Prindin unglaublich kräftig war. In ihrem gegenwärtigen Zustand hätte allerdings schon ein Kind alles mit ihr machen können.

Chandalen kam von hinten angerannt, ein Messer in der Hand. Kahlan biß Prindin in die Hand. Sie schrie auf, als Prindin mit unglaublicher Kraft und Schnelligkeit herumwirbelte und Chandalen mit dem Ast seitlich am Kopf erwischte. Ihr wurde schlecht, als sie den hohlen Aufprall hörte. Durch den Schlag wurde Chandalen in das Geäst einer Fichte gestoßen. Während sie sich aus Prindins Griff herauswand, sah sie, daß der Schnee rings um Chandalen voller Blut war.

Tossidin brach schwer atmend durch die Bäume. »Was ist hier los? Prindin!«

Er sah sie und erstarrte mitten im Schritt. Sein Blick wanderte zu Chandalen und dann zu Prindin.

Prindin linste über seine Schulter zu seinem Bruder und sagte in seiner Muttersprache: »Chandalen hat versucht, um umzubringen! Als ich kam, versuchte er gerade, die Mutter Konfessor zu töten. Hilf mir. Sie ist verletzt

Kahlan sackte auf die Knie und stieß einen Schrei aus. »Nein … Tossidin … nein…«

Tossidin kam auf die beiden zugerannt. »Was ist das für ein Ärger, von dem Chandalen mir erzählt hat? Was ist mit dir, Bruder? Was hast du getan?«

»Hilf mir! Die Mutter Konfessor ist verletzt!«

Tossidin packte seinen Bruder an der Schulter und zerrte ihn herum. »Prindin! Was hast du…«

Prindin rammte seinem Bruder ein Messer in die Brust. Tossidin riß überrascht die Augen auf. Sein Mund ging auf, doch es kamen keine Worte heraus. Er machte ein pfeifendes Geräusch, dann gaben seine Beine nach, und er sackte zu einem Häufchen auf dem Boden zusammen. Der Stoß hatte ihn ms Herz getroffen.

Chandalen richtete sich benommen und stöhnend auf. Mit den Händen betastete er seine blutende Kopfhaut. Den Verwundeten im Auge behaltend, zog Prindin ein Knochenkästchen aus seinem Hüftbeutel. Er war im Besitz einer vollen Schachtel bandu. Er hatte ihr nicht all sein Gift gegeben.

Unfähig, ihn aufzuhalten, mußte Kahlan mitansehen, wie Prindin einen großzügigen Klumpen des Giftes auf der Pfeilspitze verteilte. Chandalen hielt benommen den Kopf in den Händen und versuchte wieder klar zu werden. Prindin zog die Bogensehne an seine Wange. Sie wußte, daß er auf Chandalens Kehle zielte. Im selben Augenblick, als Prindin den Pfeil abschoß, gelang es ihr, sich gegen seine Beine zu werfen, wodurch der Pfeil von seinem Ziel abgelenkt wurde. Trotzdem traf er Chandalen noch in die Schulter.