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Er stieß ein mißtrauisches Grunzen aus und zog ein finsteres Gesicht. »Und wozu brauchen wir das dritte Pferd?«

»Wir werden Orsk mitnehmen.«

»Was?«

Kahlan zuckte mit den Achseln. »Bis dein Arm sich erholt hat, kannst du keinen Bogen spannen. Wie willst du mich beschützen? Orsk kann mit seinem gesunden Arm eine Axt schwingen, und du kannst mit deinem einen Speer schleudern.«

Er verdrehte die Augen. »Ich werde dir das wohl nicht ausreden können, oder?«

»Nein.« Kahlan lächelte ihn dünn an. »Wir sollten jetzt besser unsere Sachen holen und uns auf den Weg machen.«

Ein letztes Mal ließ sie ihren Blick über die Soldaten schweifen. Über ihre Soldaten. Sie salutierte vor ihnen, indem sie die Faust aufs Herz legte.

Jeder einzelne von ihnen erwiderte stumm den Gruß.

Sie hatte viel verloren bei diesen Soldaten. Und viel gewonnen.

»Seid vorsichtig. Jeder von euch.«

48

»Und wann stoßen wir nun auf deine Leute, die Schwester Verna und mich zum Palast führen werden?«

Du Chaillu sah kurz über ihre Schulter, zog ihr dichtes, schwarzes Haar zur Seite und musterte ihn genau. Sie führte ihr Pferd. Richard war ihr Gejammer leid geworden, und als sie sich schließlich geweigert hatte, weiter zu reiten, hatte er beschlossen, nicht viel Aufhebens davon zu machen und sie zu Fuß gehen zu lassen. Auch er selbst wollte eine Weile zu Fuß gehen. Schwester Verna ritt hinter ihnen und beobachtete Du Chaillu von ihrem Pferd aus mit dem Blick eines Raubvogels.

»Bald.« Ihr kühler, abweisender Gesichtsausdruck beunruhigte ihn. »Sehr bald.«

Seit sie das Land der Majendie verlassen hatten und immer tiefer in ihr Land vorgedrungen waren, hatte sich ihr Verhalten mehr und mehr verändert. Anstelle von Gesprächigkeit und Offenheit waren Hochmut und Abweisung getreten. Schwester Verna ließ Du Chaillu nur selten aus den Augen, und Du Chaillu entging keine Bewegung, die die Schwester machte. Sie umschlichen sich wie zwei Katzen mit gesträubtem Felclass="underline" schweigend und regungslos und doch jederzeit zum Sprung bereit. Es hätte ihn nicht überrascht, wenn sie sich in Kürze die Zähne zeigen würden.

Richard hatte den Eindruck, daß die beiden sich laufend auf die Probe stellten, doch auf eine Weise, die er nicht mitbekam. Aus dem Verhalten der Schwester schloß er, daß sie keinen Gefallen fand an dem, was sie entdeckte. Aus Erfahrung konnte Richard sagen, wann die Schwester ihr Han berührte. Er erkannte es an dem Schleier, der sich dann über ihren Blick legte. Gerade in diesem Augenblick tat sie es wieder.

In der zunehmenden Dunkelheit schwenkte Du Chaillu unvermittelt von dem breiten Waldpfad ab und führte sie auf einen schmalen Weg durch das dichte, verfilzte Gestrüpp. Dunkle Tümpel, in denen ein undurchdringliches Dickicht aus Schilf und breitblättrigen Pflanzen mit rosa und gelben trompetenförmigen Blüten stand, lauerten zu beiden Seiten. Richard ließ seinen Blick suchend über die Schatten zwischen den Bäumen schweifen.

Du Chaillu blieb am Rande einer sandigen Lichtung stehen. Sie hielt Richard die Zügel ihres Pferdes hin. »Die anderen werden an diesem Ort zu uns stoßen. Warte hier, magischer Mann.«

Die Anrede, die sie gebrauchte, ließ sich ihm die Nackenhaare sträuben. Er nahm die Zügel entgegen. »Richard. Ich heiße Richard. Ich bin der, der dir den Kopf gerettet hat, schon vergessen?«

Du Chaillu betrachtete ihn nachdenklich. »Bitte denke niemals, ich wüßte nicht zu würdigen, was du für mich und mein Volk getan hast. Deine Güte wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.« Ihr Blick schien in die Ferne zu schweifen, und ihre Stimme bekam einen bedauernden Unterton. »Aber du bist immer noch ein magischer Mann.« Sie richtete sich auf. »Warte hier.«

Sie machte kehrt und verschwand im Wald, der die Lichtung umgab. Richard stand da und sah ihr nach, während Schwester Verna abstieg. Sie ergriff die Zügel aller drei Pferde.

»Jetzt wird sie versuchen, dich zu töten«, sagte sie, und es klang, als wollte sie ihn darauf aufmerksam machen, daß es morgen regnen würde.

Richard funkelte sie wütend an. »Ich habe ihr das Leben gerettet.«

Schwester Verna machte sich daran, die Pferde zu den Bäumen zu führen. »Für diese Leute bist du ein magischer Mann. Und magische Männer töten sie.«

Richard wollte ihr nicht glauben, tat es aber trotzdem. »Dann benutzt Euer Han, Schwester, um das zu verhindern, um Leben zu erhalten, wie Ihr es Du Chaillu bei ihrem Kind geraten habt.«

Schwester Verna kraulte ihr Pferd am Kinn. »Sie kann ebenfalls von ihrem Han Gebrauch machen. Deswegen sind wir Schwestern diesen Menschen immer aus dem Weg gegangen. Einige von ihnen können ihr Han gebrauchen, allerdings auf eine Weise, die wir nicht verstehen.

Ich habe kleine Dinge an ihr ausprobiert, um sie auf die Probe zu stellen. Die Zauber, die ich ihr schicke, verschwinden wie Kiesel, die man in einen Brunnen wirft. Und das nicht unbemerkt. Du Chaillu weiß, was ich versuche, und kann dies irgendwie zunichte machen. Ich habe es dir bereits gesagt, diese Menschen sind gefährlich. Ich habe dich davor gewarnt, die Axt zu schwingen. Du warst ja der Meinung, meine Bemühungen wären unangebracht.«

Richard biß die Zähne zusammen. Mit seiner linken Hand umfaßte er das Heft des Schwertes. Er konnte die Erhebungen des Wortes Wahrheit spüren, das in den Draht geflochten war, und durch das Wort hindurch die Glut seines Zorns.

»Ich habe nicht die Absicht, irgend jemanden zu töten.«

»Gut. Halte den Zorn des Schwertes aus der Sache heraus. Du wirst ihn noch brauchen, wenn du überlebst. Sie umzingeln uns gerade, während wir miteinander sprechen, das zumindest sagt mir mein Han.«

Richard hatte plötzlich das Gefühl, die Kontrolle über die Geschehnisse würde ihm entgleiten. Er wollte niemanden verletzen. Er hatte Du Chaillu nicht gerettet, um jetzt gegen ihre Leute kämpfen zu müssen. »Dann schlage ich vor: Setzt Euer Han ein, Schwester Verna. Ich bin der Sucher, kein gedungener Mörder. Ich werde Eure Feinde nicht für Euch töten.«

Sie ging ein paar Schritte auf ihn zu. Ihre Stimme klang gepreßt und beherrscht. »Ich habe es dir schon einmal gesagt, mein Han wird dir nicht helfen können. Ich würde der Bedrohung ein Ende machen, wenn ich könnte, aber ich kann es nicht. Du Chaillu ist in der Lage, sich gegen Magie zur Wehr zu setzen. Ich bitte dich, Richard, verteidige dich selbst.«

Er kniff die Augen zusammen. »Vielleicht wollt Ihr mir einfach nicht helfen. Ihr seid erzürnt, weil ich die Übereinkunft zunichte gemacht habe, die die Schwestern mit den Majendie hatten. Ihr habt vor, wie immer zuzuschauen, nur um zu sehen, was ich tue.«

Sie schüttelte langsam und enttäuscht den Kopf. »Glaubst du wirklich, Richard, ich würde mein halbes Leben damit verbringen, meine Pflicht zu tun, dich zu finden und sicher zum Palast der Propheten zu bringen, nur um mitanzusehen, wie du auf der Schwelle meines Zuhauses getötet wirst? Glaubst du tatsächlich, ich würde dem hier kein Ende machen, wenn ich könnte? Hast du so eine schlechte Meinung von mir?«

Sein erster Antrieb war, mit ihr zu streiten, doch statt dessen dachte er über ihre Worte nach. Was sie sagte, ergab Sinn. Richard schüttelte entschuldigend den Kopf, dann warf er rasch einen Blick in die Schatten. »Wie viele sind es?«

»Vielleicht dreißig.«

»Dreißig.« Er verschränkte niedergeschlagen die Arme. »Wie soll ich mich alleine gegen dreißig verteidigen?«

Sie blickte einen Augenblick lang hinaus in die Dunkelheit, dann warf sie ihre Hände nach vorn. Ein Wind kam auf, der einen Schleier aus Sand und Staub hinaus in die Dunkelheit trug. »Das wird sie eine Weile bremsen, aber nicht aufhalten.«