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Sie wischte sich ein paar ihrer feinen, sandfarbenen Haare aus dem Gesicht. »Das soll mir recht sein. Bist du zufrieden? Entspricht alles deinen Wünschen?«

»Damit wäre die Sache ausgestanden, und unsere Waffenruhe bleibt gewahrt.«

»Gut. Und jetzt, da die Nebensächlichkeiten erledigt sind, zeige mir diesen toten Bären. Pasha hat mit ihrem Geschwätz, du hättest einen Mriswith getötet, den halben Palast in Aufruhr versetzt.« Pasha sah angestrengt zu Boden, als Schwester Maren einen tadelnden Blick in ihre Richtung schickte. »Das törichte Kind setzt seinen Fuß auf nichts, das nicht gefegt, geschrubbt oder gewienert ist. Sie steckt ihren Kopf nur dann zur Tür hinaus, wenn die Ballen mit der allerneuesten Spitze in Tanimura angeliefert werden. Sie könnte kein Kaninchen von einem Ochsen unterscheiden, und ganz bestimmt würde sie keinen … was ist das für ein Gestank?«

»Bäreneingeweide«, sagte Richard.

Er streckte den Arm aus und wies ihr den Weg. Pasha trat respektvoll zur Seite. Schwester Maren strich ihr Kleid an den Hüften glatt und ging forschen Schritts zu den Bäumen hinüber. Pasha sah gesenkten Hauptes zu ihm hoch, und als sie hörten, wie Schwester Maren die Luft wegblieb, hob sie schließlich ganz den Kopf und lächelte.

Als Schwester Maren, das Gesicht weiß wie ein Laken, rückwärts zurück zu ihnen kam, nahm Pasha ihr Studium des Bodens wieder auf.

Mit zittrigen Fingern hob Schwester Maren Pashas Kinn. »Du hast die Wahrheit gesagt«, hauchte sie. »Vergib mir, Kind.«

Pasha machte einen Knicks. »Natürlich, Schwester Maren. Vielen Dank, daß Ihr Euch die Zeit genommen habt, meinen Bericht zu bestätigen.«

Schwester Marens Hochmut war verflogen und hatte ernster Sorge Platz gemacht. Sie wandte sich an Richard. »Wie ist dieses Geschöpf gestorben?« Richard zog das Schwert eine Spanne weit aus der Scheide, dann schob er es wieder zurück. »Dann stimmt es also, was Pasha erzählt hat? Du hast es getötet?«

Richard zuckte mit den Achseln. »Ich habe eine ganze Menge meiner Zeit unter freiem Himmel zugebracht. Ich wußte, daß es kein Kaninchen war.«

Schwester Maren kehrte zu dem Geschöpf zurück und murmelte vor sich hin: »Ich muß es untersuchen. Das ist eine noch nie dagewesene Gelegenheit.«

Pasha sah zu Richard hinüber und rümpfte angewidert die Nase, derweil die Schwester mit dem Finger über den lippenlosen Mundschlitz fuhr und dann mit der Hand über die glänzende, schwarze Haut strich. Sie zerrte an der Fellkleidung, zog sie mal hier- mal dorthin, während sie sie untersuchte.

Sie erhob sich und blickte auf die Eingeweide hinab. Schließlich drehte sie sich zu Richard um.

»Wo ist das Cape? Pasha meinte, er hätte ein Cape gehabt.«

Als Richard den Mriswith bei seinem Angriff entzweigeschlagen hatte, hatte sich das Cape aufgebläht und war deshalb unbeschädigt geblieben. Während er darauf gewartet hatte, daß Pasha mit der Schwester zurückkehrte, war er zufällig dahintergekommen, zu welch überraschenden Dingen das Cape fähig war. Daraufhin hatte er das Blut abgewaschen, es zum Trocknen über Zweige gelegt und es schließlich in seinem Rucksack verstaut. Er hatte nicht die Absicht, dieses Cape herzugeben.

»Es gehört mir. Es ist die Trophäe aus diesem Kampf. Ich werde es behalten.«

Sie schien verwirrt. »Aber die Messer … mögen Männer so etwas nicht lieber als Siegestrophäen? Warum willst du ein Cape statt der Messer?«

Richard tippte auf sein Heft. »Ich habe mein Schwert. Was soll ich mit Messern, die meinem Schwert unterlegen sind, wie sich herausgestellt hat? Ich wollte immer schon ein langes, schwarzes Cape, und das hier ist gut, ich werde es also behalten.«

Die Sorgenfalten schlichen sich erneut auf ihr Gesicht. »Ist das wieder eine Bedingung für die Waffenruhe?«

»Wenn es nicht anders geht.«

Die Furchen glätteten sich. Sie seufzte. »Vermutlich ist es egal. Das Geschöpf zählt, nicht sein Cape.« Sie wandte sich wieder der stinkenden Leiche zu. »Ich muß es unbedingt untersuchen.«

Während sie sich abermals über den Mriswith beugte, hakte Richard seinen Bogen, den Köcher voller Pfeile und den Rucksack vor den Sattel. Er stellte seinen Fuß in den Steigbügel und war mit einem Schwung auf Bonnies Rücken.

»Bleibt nicht bis nach Sonnenuntergang, Schwester Maren.«

Sie sah über ihre Schulter. »Mein Pferd. Du kannst nicht mein Pferd nehmen.«

Richard setzte ein entschuldigendes Lächeln auf. »Ich habe mir beim Kampf mit dem Mriswith den Knöchel umgetreten. Ihr wollt doch sicher nicht, daß der neueste Schüler des Palasts den ganzen Weg nach Hause humpelt, oder? Ich könnte fallen und mir den Kopf aufschlagen.«

»Aber…«

Richard griff hinunter und packte Pashas Arm. Sie japste überrascht, als er sie nach oben zog und sie hinter sich auf Bonnie setzte. »Ihr solltet nicht bis zum Sonnenuntergang hierbleiben. Ich habe gehört, im Hagenwald sei es nach Anbruch der Dunkelheit gefährlich.«

Pasha verbarg ihr Gesicht vor den Blicken der Schwester. Er hörte, wie sie hinter seinem Rücken leise kicherte.

»Ja, ja«, gab Schwester Maren zurück, die für nichts anderes mehr Augen hatte als für den Mriswith, »schon gut. Reitet ihr zwei nur zum Palast. Das habt ihr beide gut gemacht. Ich muß dieses Geschöpf untersuchen, bevor die Tiere darüber herfallen.«

Pasha hielt sich an ihm so fest, daß er kaum Luft bekam. Ihre Brüste drückten sich in seinem Rücken, ein Gefühl, das ihn irritierte. Ihre Finger krallten sich in seine Brust, suchten verkrampft nach Halt, so als hätte Pasha Angst, sie könnte jeden Augenblick hinunterfallen.

Als sie den Wald hinter sich gelassen und das offene, hügelige Gelände erreicht hatten, brachte er Bonnie in eine langsame Gangart und löste Pashas Finger.

Sie krallte sich sofort wieder fest. »Richard! Ich könnte runterfallen!«

Er zog ihre Hände wieder fort. »Du wirst nicht fallen. Halte dich nur locker fest, und bewege deine Hüften zusammen mit dem Pferd. Benutze deinen Gleichgewichtssinn; du brauchst dich nicht festzuhalten, als ginge es um dein Leben.«

Sie umfaßte seine Taille. »Ich werde es versuchen.«

Der Himmel färbte sich golden, als sie die flachen Hügel zur Stadt hinabritten. Richard schwankte mit Bonnies Schritten hin und her, während der Weg sie über Felsen und durch flache Hohlwege führte, und dachte über den Mriswith und über das heftige Verlangen, gegen ihn zu kämpfen, nach. Die Sehnsucht, in den Hagenwald zurückzukehren, brannte immer noch in seinem Hinterkopf.

»Du hast dir gar nicht den Knöchel vertreten, stimmt’s?« fragte Pasha, nachdem sie lange schweigend geritten waren.

»Nein.«

»Du hast eine Schwester angelogen. Richard, Lügen ist falsch, das mußt du lernen. Der Schöpfer mag keine Lügen.«

»So hat es Schwester Verna mir auch erklärt.«

Er entschied, nicht weiterzureiten, solange sie sich an ihn klammerte, also stieg er ab und führte Bonnie an der Leine. Pasha rutschte nach vorn in den Sattel.

»Warum hast du es dann getan, wenn du weißt, wie falsch es ist?«

»Weil ich Schwester Maren zwingen wollte, zu Fuß zurückzugehen. Sie hat dich den ganzen Weg bis nach dort draußen laufen lassen, als Strafe für etwas, das du nicht getan hast.«

Pasha glitt von Bonnie herunter, holte ihn ein und ging neben ihm. Sie fuhr sich mit den Fingern durch ihr Haar, versuchte es zu ihrer Zufriedenheit zurechtzurücken.

»Das war sehr nett von dir.« Sie legte ihm die Hand auf den Arm. »Ich glaube, wir werden noch gute Freunde sein.«

Richard tat, als wollte er sich im Gehen umdrehen und nach hinten schauen, wobei ihr Arm von seinem herunterglitt. »Kannst du mir den Ring abnehmen?«

»Den Rada’Han? Nein. Nur eine richtige Schwester kann einen RadaHan abnehmen. Ich weiß nicht, wie man das macht.«

»Dann werden wir keine Freunde sein. Ich habe keine Verwendung für dich.«

»Du hast für Schwester Verna eine Menge riskiert. Sie muß deine Freundin sein. So etwas tut man nur für Freunde. Du hast dir große Mühe gegeben, damit ich auf einem Pferd zurückreiten konnte. Du hoffst doch sicher auch, daß wir Freunde werden.«