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Richards Hand schloß sich fester um die Zügel. »Mir nicht. Ich war es, der ihn getötet hat.«

Sie erstarrte. »Du hast deinen Vater getötet? Deinen eigenen Vater?«

Richard sah sie wütend an. »Er hat mich gefangengenommen und in einen Halsring legen lassen, weil er mich foltern wollte. Ich habe erst die wunderschöne junge Frau getötet, die die Leine jenes Ringes in den Händen hielt, und dann ihn.«

Das Bedrohliche in seiner Stimme, seinen Worten und Augen war nicht zu verkennen.

Ihre Unterlippe begann zu beben, dann brach Pasha in Tränen aus, drehte sich um und rannte davon. Ihren Rock mit beiden Händen zusammenraffend, lief sie um einen Felsvorsprung und verschwand hinter der Hügelkuppe.

Richard stieß einen langen Seufzer aus, während er die Zügel an einem Granitsockel festband. Er tätschelte Bonnie den Hals.

»Sei ein gutes Mädchen. Warte hier auf mich.«

Er fand Pasha auf einem Stein sitzend, die Arme um die Knie geschlungen. Sie weinte. Richard ging um sie herum, um ihr ins Gesicht zu sehen, doch sie wandte das Gesicht ab. Ihre Schultern zuckten, während sie gequält schluchzend nach Atem rang.

»Geh fort!« Sie legte die Stirn auf die Knie und weinte. »Oder bist du gekommen, um mich in Stücke zu hacken?«

»Pasha –«

»Das einzige, was dich interessiert, ist Menschen umzubringen!«

»Das ist nicht wahr. Ich wünsche mir nichts mehr, als dem Morden ein Ende zu machen.«

»Ja, sicher«, weinte sie, »deswegen sprichst du ja auch von nichts anderem!«

»Das tue ich doch nur, weil –«

»Fast mein ganzes Leben lang habe ich gebetet, daß dieser Tag endlich kommt! Ich wollte niemals etwas anderes, als eine Schwester des Lichts zu werden. Die Schwestern helfen den Menschen. Ich wollte eine von ihnen sein!« Sie überließ sich ihren Tränen. »Jetzt werde ich nie eine Schwester werden.«

»Doch das wirst du, bestimmt.«

»Nicht, wenn es nach dir geht! Nach dem, was du uns erzählst, hast du vor, uns alle umzubringen! Vom ersten Augenblick an hast du nichts anderes getan, als uns zu drohen!«

»Pasha, du verstehst nicht.«

Sie hob ihr tränenverschmiertes Gesicht. »Ach nein? Wir hatten ein großes Festessen, damit du dich willkommen fühlst, größer noch als das Erntefest. Ich mußte ohne dich hingehen und allen erzählen, du wärst krank. Sie haben mich alle angestarrt! Die anderen Novizinnen bekommen kleine Jungen, die etwas lernen wollen. Meine Freundinnen sind zu mir gekommen und haben sich darüber beschwert, daß ihre jungen Zöglinge einen Frosch oder einen Käfer in ihrer Tasche mitgebracht haben. Und du schleppst einen Mriswith an!

Schwester Maren meinte, wir hätten es heute gut gemacht. Das sagt sie so gut wie nie. So etwas tut sie nur, wenn sie es auch wirklich meint.

Und du warst grausam zu Schwester Maren. Seit ich hierhergekommen bin, ist sie Leiterin der Novizinnen. Sie ist streng, aber doch nur, weil sie sich um uns sorgt. Sie paßt auf uns auf.«

Pasha unterdrückte ein Schluchzen. »Als ich klein war, am ersten Tag, als ich im Palast eintraf, hatte ich Angst. Ich war noch nie von zu Hause fortgewesen. Schwester Maren zeichnete ein kleines Bild für mich. Sie erklärte mir, es sei ein Bild des Schöpfers. Sie legte es mir auf das Kopfkissen und erzählte mir, Er würde des Nachts über mich wachen, damit ich sicher wäre.«

Pasha versuchte die Tränen zu unterdrücken, doch es gelang ihr nicht. »Ich habe dieses Bild immer aufbewahrt. Ich wollte es am ersten Abend meinem Jungen geben, damit er keine Angst zu haben brauchte. Ich hatte es gestern bei mir. Als ich dich sah, als ich sah, daß du erwachsen warst, konnte ich es dir nicht schenken. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.

Ich dachte, also gut, Pasha, er ist kein kleiner Junge, wie ihn all die anderen Novizinnen bekommen, dafür hat mir der Schöpfer den bestaussehenden Mann beschert, den ich je gesehen habe. Ich war so froh, daß ich mein hübschestes Kleid trug, das, welches ich extra für diesen Tag aufgehoben hatte.« Sie schnappte nach Luft. »Und dann erzählst du mir, ich sei häßlich!«

Richard schloß langsam die Augen. »Pasha, es tut mir leid.«

»Nein, das tut es nicht!« weinte sie. »Du bist nichts weiter als ein großer, grober Kerl! Wir hatten alles für dich vorbereitet. Wir haben dir eines der schönsten Zimmer im Palast gegeben. Dir war das egal. Wir haben dich mit Geld versorgt, für alles, was du dir nur wünschen kannst, und du benimmst dich, als hätten wir dich beleidigt. Wir hatten elegante, neue Kleider für dich, und du rümpfst nur die Nase!«

Sie wischte sich die Tränen ab, doch es kamen immer wieder neue nach. »Ich wäre die erste, die einräumt, daß es Schwestern gibt, die eine zu hohe Meinung von sich haben, die meisten aber sind so sanftmutig, daß sie nicht einmal einen Käfer zertreten würden. Und du hältst ihnen dein blutiges Schwert vor die Nase und schwörst, sie umzubringen!«

Sie raffte ihr Kleid zusammen und verbarg ihr Gesicht darin, während sie von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Richard legte ihr eine Hand auf die Schulter, doch sie stieß sie fort.

Richard wußte nicht, was er mit seinen Händen tun sollte. »Pasha, tut mir leid. Ich weiß, es muß ausgesehen haben, als wollte ich –«

»Nein, das tut es nicht! Dir tut es überhaupt nicht leid! Du willst den Rada’Han loswerden, aber das ist genau meine Aufgabe: dir beizubringen, wie du deine Gabe benutzen kannst, damit du den Halsring loswirst. Aber du läßt mich nicht! Ohne den Halsring wärst du gestorben.

Zwei Schwestern haben ihr Leben für dich gelassen. Sie werden nie mehr zu ihren Freunden zurück nach Hause kommen. Diese Freunde haben heimlich geweint — und ein Lächeln aufgesetzt, um dich zu begrüßen. Als Dank dafür, daß sie dir helfen wollten, drohst du, uns alle umzubringen!«

Richard legte ihr sachte die Hand auf den Kopf. »Pasha…«

»Ich werde niemals eine Schwester werden. Anstatt einen Jungen zu bekommen, der etwas lernen möchte, kriege ich einen Irren mit einem Schwert. Auf ewig werde ich das Gespött der Leute sein. Jungen Mädchen wird man sagen, sie sollten sich benehmen, oder sie würden enden wie Pasha Maes und an die Luft gesetzt wie sie. All meine Träume sind zerstört.«

Es tat ihm weh, sie so voller Schmerz und Kummer schluchzen zu sehen. Richard zog sie hoch und nahm sie in die Arme. Sie wehrte sich zuerst, versuchte ihn fortzuschieben, doch als er sie an sich zog und ihren Kopf an seine Schulter legte, ließ sie sich fallen und weinte um so heftiger. Richard hielt sie fest und strich ihr über den Rücken, während sie zitterte und weinte. Sachte wiegte er sie in den Armen.

»Ich wollte dir doch nur helfen, Richard«, schluchzte sie. »Ich wollte dir nur etwas beibringen.«

Er beruhigte sie. »Ich weiß. Ich weiß. Es wird alles wieder gut.«

Sie schüttelte den Kopf an seiner Schulter. »Nein, das wird es nicht.«

»Doch, das wird es. Du wirst sehen.«

Schließlich hob sie die Hände und klammerte sich weinend in sein Hemd. Richard versuchte nicht, ihre Tränen aufzuhalten, er hielt sie einfach fest und versuchte, ihr etwas Trost zu spenden.

»Glaubst du wirklich, du könntest mir beibringen, wie man die Gabe anwendet, damit mir die Schwestern dann den Halsring abnehmen?«

Sie schniefte. »Das ist meine Aufgabe. Dazu hat man mich ausgebildet. Ich wollte dir so gern die Schönheit des Schöpfers zeigen, und die der Gabe, seines Geschenks an dich. Das ist alles, was ich wollte.«

Ihre Arme schlossen sich um seinen Körper. Sie klammerte sich an ihn, als versuchte sie, seinen Beistand in sich aufzusaugen. Er strich ihr übers Haar.

»Richard, als ich dich gestern berührt habe, als ich deinen Rada’Han berührt und einen Teil des Han gefühlt habe, da konnte ich einen Teil deiner Empfindungen spüren. Ich weiß, unter welchen inneren Qualen du leidest.«

Sie hob die Hand und legte sie ihm an den Hals, als wollte sie ihn trösten. »Ich kenne nicht viele Dinge, die solche Qualen verursachen können. Ich will nicht an deren Stelle treten, Richard.«