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Richard rutschte ein wenig hin und her, setzte sich bequemer hin. Pasha nahm eine Hand zurück und fächelte sich das Gesicht.

»Dieses Kleid kommt mir so warm vor, nachdem ich das andere getragen habe.«

Sie öffnete die obersten fünf Knöpfe ihres Kleides und ergriff erneut seine Hand. Richard warf einen Blick in das Kaminfeuer und sah nach den Scheiten, damit er hinterher feststellen konnte — wenn er die Augen wieder öffnete –, wie lange die Übung gedauert hatte. Er schien die Zeit nie einschätzen zu können, wenn er nach seinem Han suchte. Es kam ihm immer vor, als wären es bloß Minuten, doch gewöhnlich dauerte es wenigstens eine Stunde.

Richard schloß die Augen. Er rief das Bild des Schwertes der Wahrheit vor einem farblosen Hintergrund hervor. Als ihn die Stille überkam, als er nach dem Frieden in seinem Innern forschte, wurde sein Atem langsamer. Er holte einmal tief Luft, dann ließ er sich in das ruhige Zentrum sinken.

Er war sich Pashas Hände bewußt, die seine hielten, ihrer Knie, die an seine stießen, und ihres gleichmäßigen Atems, der allmählich mit seinem in Einklang kam. Es war angenehm, sich von ihr die Hände halten zu lassen. Er fühlte sich nicht so isoliert wie sonst. Er wußte nicht, ob sie tatsächlich die Magie des Halsrings nutzte, um ihn zu begleiten, doch er spürte, wie er in Spiralen tiefer versank als je zuvor.

Er trieb durch den zeitlosen Raum, ohne zu denken, ohne Mühe oder Sorge. Was immer sein Han war, er sah oder fühlte nichts, was er nicht schon früher gesehen oder gefühlt hatte. Abgesehen davon, daß er sich entspannter fühlte als zuvor und daß er das ermutigende Gefühl von Pashas Gegenwart verspürte, war es nicht anders als sonst. Schwach war er sich seines Körpers, der allmählich steifer wurde, und der Wärme des Feuers bewußt. Der kalte Stahl des Schwertes war in dieser Hitze wie ein Kern aus Eis.

Schließlich öffnete er die Augen. Pasha schlug die Augen zugleich mit ihm auf. Richard warf einen kurzen Blick ins Feuer. Die Scheite waren zu glühenden Kohlen heruntergebrannt. Zwei Stunden, schätzte er.

Ein Rinnsal Schweiß lief Pashas Hals hinunter. »Oh je, heute abend ist es aber warm.«

Sie machte Knöpfe auf. Viele Knöpfe. Jetzt war von ihr schon mehr zu sehen als in dem grünen Kleid. Richard zwang sich, ihr in die sanften Augen zu blicken. Pasha bedachte ihn mit einem kleinen, selbstbewußten Lächeln.

»Ich habe nichts gefühlt«, sagte Richard. »Ich habe mein Han nicht gespürt. Ich weiß allerdings auch nicht, was ich spüren soll.«

»Ich auch nicht, und ich hätte etwas spüren müssen. Seltsam.« seufzte sie wie zu sich selbst und zog ein verwirrtes Gesicht. Dann hellte sich ihre Miene auf. »Aber das braucht Übung. Hast du mein Han gespürt? Hat es dir geholfen?«

»Nein«, gestand er. »Ich habe gar nichts gespürt.«

Ihr Mund verzog sich kurz, und sie legte die Stirn in Falten. »Du hast überhaupt nichts von mir gespürt?« Er schüttelte den Kopf. »Nun, dann mach die Augen zu und versuch es noch einmal.«

Es war schon spät, und Richard wollte nicht mehr üben, es war ermüdend. Doch er beschloß zu tun, was sie verlangte. Er schloß die Augen. Er konzentrierte sich darauf, das Schwert zurückzuholen.

Plötzlich spürte er Pashas volle Lippen auf seinem Mund. Er öffnete die Augen, als sie sich an ihn schmiegte. Sie hatte die Augen geschlossen, die Stirn in Falten gelegt. Sie packte sein Gesicht mit beiden Händen.

Richard faßte sie an den Schultern und stieß sie fort. Sie öffnete die Augen und leckte sich die Lippen.

Sie lächelte scheu. »Hast du das gespürt?«

»Ja, habe ich.«

Sie schlang ihm einen Arm um den Hals. »Offenbar nicht genug.«

Richard wehrte sie sachte mit einer Hand ab, als sie versuchte, sich vorzubeugen. Er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen, also versuchte er auch weiterhin freundlich zu bleiben. »Pasha, nicht.«

Sie strich ihm mit ihrer freien Hand über den Bauch. »Es ist schon spät. Bestimmt ist niemand in der Nähe. Wenn du dich dabei wohler fühlst, schirme ich die Tür ab. Sei ganz unbesorgt.«

»Ich bin nicht besorgt. Ich … ich will bloß nicht.«

Sie wirkte etwas gekränkt. »Findest du, ich bin nicht hübsch genug?«

Richard wollte sie nicht beleidigen, und er wollte sie nicht verärgern. Aber ermutigen wollte er sie auch nicht.

»Das ist es nicht, Pasha. Du bist sehr attraktiv. Es ist nur so, daß…«

Sie knöpfte einen weiteren kleinen Knopf auf. Richard langte hoch und packte ihre Hand, um sie daran zu hindern. Er merkte, wie die Situation brenzlig wurde. Sie war seine Lehrerin. Wenn er sie verärgerte oder demütigte, konnten die Dinge gefährlich kompliziert werden. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen und konnte es sich nicht leisten, sie gegen sich aufzubringen.

Sie zog ihr Kleid hoch und legte seine Hand auf ihren Schenkel. »Gefällt dir das besser?« hauchte sie.

Richard erschrak, als er ihren festen, sinnlichen Körper spürte. Er mußte daran denken, was Schwester Verna gesagt hatte, daß er schon bald ein anderes Paar schöner Beine finden würde. Das waren sie zweifellos, und Pasha überließ reichlich wenig der Phantasie. Er zog seine Hand zurück. »Pasha, du verstehst nicht. Ich finde, du bist eine wunderhübsche junge Frau…«

Sie heftete den Blick auf sein Gesicht, während sie ihm mit den Fingern durch den Bart strich. »Ich finde, du bist der bestaussehende Mann, den ich je gesehen habe.«

»Nein, das ist nicht wahr…«

»Ich mag deinen Bart. Schneide ihn bloß niemals ab. Ich finde, ein Zauberer muß einen Bart haben.«

Richard erinnerte sich, wie Zedd sich mit Hilfe von additiver Magie einen Bart hatte wachsen lassen, um ihm eine Lehre zu erteilen, und ihn dann mit der Erklärung abrasiert hatte, er könne ihn nicht mit Magie verschwinden lassen, denn dazu sei subtraktive Magie erforderlich, und die besäßen Zauberer nicht. Subtraktive Magie stamme aus der Unterwelt.

Er packte sie am Handgelenk und zog ihre Hand von seinem Gesicht. Für Richard war der Bart ein Symbol seiner Gefangenschaft. Gefangene rasierten sich nicht, so hatte er es Schwester Verna erklärt. Doch jetzt war nicht der rechte Augenblick, dies Pasha zu erklären.

Sie gab ihm einen Kuß auf den Hals. Irgendwie war es ihm unmöglich, sie aufzuhalten. Ihre Lippen waren so weich, und er hörte ihren beharrlichen Atem ganz nah an seinem Ohr. Es war, als ginge ihm der Kuß durch und durch, bis hinunter in die Zehenspitzen, ganz ähnlich dem Gefühl, als sie ihre Hände auf den Rada’Han gelegt hatte. Das Kribbeln betäubte seinen Verstand. Er stöhnte innerlich auf. Sein Widerstand schmolz unter ihren Küssen dahin…

Als er von Denna in einem Halsring gehalten worden war, hatte er keine Wahl gehabt — nicht einmal der Tod hätte ihn vor Dennas Wünschen retten können –, trotzdem spürte er noch immer Scham über das, was er getan hatte.

Jetzt hatte man ihm wieder einen Halsring angelegt, und Pasha wandte irgendeine Art Magie bei ihm an, doch diesmal wußte er, daß er eine Wahl hatte. Er zwang sich, den Kopf einzuziehen und ihre Lippen von sich zu lösen. Sanft stieß er sie zurück.

»Pasha, bitte…«

Sie richtete sich ein wenig auf. »Wie heißt sie noch, dieses Mädchen, das du liebst?«

Richard wollte ihr Kahlans Namen nicht verraten. Es war sein Leben. Es ging niemanden etwas an. Diese Leute waren seine Häscher, nicht seine Freunde. »Das ist nicht wichtig. Darum geht es nicht.«

»Was hat sie, das ich nicht habe? Ist sie hübscher als ich?«

Du bist ein Mädchen, dachte Richard, und sie ist eine Frau. Doch das konnte er nicht sagen. Du bist wie eine hübsche Kerze, dachte er, und bei Kahlan geht die Sonne auf. Doch auch das konnte er nicht sagen.

Wenn er Pasha reizte, hatte er einen Krieg am Hals. Er mußte diese Situation beenden, ohne sie zu verstimmen oder ihr das Gefühl zu geben, sie werde zurückgewiesen.

»Pasha ich fühle mich geehrt, geschmeichelt, wirklich, aber wir haben uns gerade erst kennengelernt.«