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Sie waren geradezu versessen darauf, in Richards Gunst zu stehen, daher genügte ein Nicken oder Fingerzeig, wenn er allein sein wollte, und sie verschwanden augenblicklich. Sie durften oft dabei sein, wenn er bei Pasha war, zumal er sich dann ohnehin keinen wichtigeren Dingen widmen konnte. Pasha war enttäuscht, weil sie scheinbar keine Zeit mit ihm allein finden konnte, und ließ sich erst besänftigen, als Richard sie von der Liste mit Opfern der Burschen streichen ließ. Sie wußte es zu schätzen, daß niemand ihre eleganten Kleider naß spritzte und sie nicht befürchten mußte, eine Schlange in ihrem Halstuch vorzufinden.

Gelegentlich bat Richard Kipp und Hersh, kleinere Botengänge für ihn zu erledigen, nur um sie auf die Probe zu stellen. Er hatte vor, ihre Fähigkeiten auszunutzen.

Die anderen jungen Männer mit Halsring wollten Richard die Stadt zeigen. Zwei von ihnen, Perry und Isaac, die mit ihm zusammen im Guillaume-Haus lebten, nahmen ihn mit in die Stadt und zeigten ihm das Gasthaus, wo viele der Wachen zum Trinken hingingen, und schon bald darauf lud er den Schwertmann Kevin Andellmere zu jenem Bier ein, das er ihm versprochen hatte.

Richard fand heraus, daß die meisten der jungen Männer die Nächte außerhalb des Palasts in verschiedenen eleganten Gasthäusern überall in der Stadt verbrachten. Richard brauchte nicht lange, bis er in Erfahrung gebracht hatte, warum. Man hatte sie, genau wie ihn, mit Geld versorgt, und sie waren geübt darin, es auszugeben. Sie kauften sich elegante Kleidung, kleideten sich wie Prinzen und suchten sich die vornehmsten Unterkünfte zum Übernachten aus.

An Frauen, die den Wunsch hegten, diese Unterkünfte mit ihnen zu teilen, bestand kein Mangel. Und es handelte sich um erstaunlich schöne Frauen.

Wenn Perry und Isaac ihn in die Stadt begleiteten, waren sie stets bald von hübschen Mädchen umringt. Richard hatte noch nie so dreiste Frauen gesehen. Jeden Abend wählten die beiden Männer sich je eine Frau aus, manchmal mehrere, kauften ihnen ein Kleid oder irgendwelchen Tand und zogen sich auf ihre Zimmer zurück.

Die beiden erklärten ihm, wenn er sich nicht die Mühe machen und seine Zeit auch für Kaufen von Geschenken verschwenden wolle, könne er auch einfach in eines der Bordelle gehen, sie versicherten ihm jedoch, die Frauen dort seien weder so jung noch annähernd so hübsch wie die Mädchen, die sich auf der Straße an sie heranmachten. Sie gaben allerdings zu, selbst manchmal die Huren aufzusuchen, wenn ihnen nicht danach zumute war, für nichts weiter als einen schlichten Akt der Paarung ihre Zeit mit Geselligkeiten zu vergeuden.

Sobald sein Halsring entdeckt wurde, zog Richard die Frauen ebenso an wie Perry oder Isaac. Richard begann in einem neuen Licht zu sehen, was Schwester Verna mit ihrer Äußerung gemeint hatte, er werde bald ein anderes Paar hübscher Beine finden. Die beiden anderen Männer hielten Richard für verrückt, weil er all die Offerten ablehnte. Manchmal fragte sich Richard, ob sie nicht vielleicht sogar recht hatten.

Richard fragte Perry und Isaac, ob sie nicht befürchteten, daß der Vater einer der Frauen ihnen den Schädel spaltete. Lachend erwiderten sie, manchmal würden Väter ihre Töchter sogar zu ihnen bringen. Richard warf die Arme in die Höhe und fragte sie, ob sie keine Angst hätten, eine Frau, die sie nicht einmal kannten, zu schwängern. Sie erklärten, wenn eine Frau ›schwanger wurde‹, sorgte der Palast für sie und das Kind und für ihre gesamte Familie.

Als Richard Pasha fragte, was hinter solch seltsamen Gebräuchen steckte, verschränkte sie die Arme über der Brust und kehrte ihm den Rücken zu, während sie ihm erklärte, Männer verspürten unkontrollierbare Gelüste, und diese Gelüste könnten sie davon ablenken zu lernen, wie man sein Han gebrauchte. Daher ermutigten die Schwestern die Männer, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Deswegen ging sie nie des Nachts mit ihm in die Stadt. Es war ihr untersagt, sich seinen … Bedürfnissen in den Weg zu stellen.

Dann drehte sie sich wieder zu ihm und flehte ihn an, er möge doch mit seinen Bedürfnissen zu ihr kommen, sie wolle dafür sorgen, daß er gar nicht erst den Wunsch verspürte, zu einer anderen Frau zu gehen. Und wenn er doch in die Stadt ging, sollte er ihr wenigstens erlauben, eine der Frauen zu sein, mit denen er schlief. Sie erklärte ihm, sie könne ihn besser befriedigen als jede andere Frau, und bot sich an, es zu beweisen.

Solche Reden ließen Richard sprachlos zurück, von ihrem Benehmen ganz zu schweigen. Er erklärte Pasha, er gehe nur in die Stadt, um sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen. Da er in den Wäldern aufgewachsen sei, habe er noch nie zuvor in einer Stadt herumstreifen können. Er erkläre ihr, dort, wo er herkomme, sei es nicht recht, eine Frau auf diese Weise zu behandeln.

Er versprach, zuerst zu ihr zu kommen, sollte ihn das Bedürfnis jemals überkommen. Sie war so glücklich, als sie dies hörte, daß es ihr nichts ausmachte, als er sie daran erinnerte, daß er noch nicht soweit sei. Sie hatte keine Ahnung von den Zeiten, in denen er sich so einsam fühlte, daß er arg versucht war, ihr nachzugeben. Sie war fraglos verführerisch, und manchmal fiel es ihm schwer, der Versuchung nicht nachzugeben.

Richard ließ sich von Pasha alles im Palast zeigen, was sie ihm zeigen konnte. Er bat sie, ihr etwas von der Stadt zu zeigen und sie zu einem Rundgang über die Hafenanlagen mitzunehmen, um sich die großen Boote anzusehen. Sie erklärte, daß man diese Boote Schiffe nannte, weil sie hinaus aufs Meer fuhren. Richard hatte auf dem Wasser noch nie so etwas Riesiges gesehen. Sie erklärte ihm, mit ihnen würden Handelsgüter aus den Städten der Alten Welt weiter unten an der Küste herbeigebracht.

Pasha ging mit ihm ans Meer. Dort saßen sie stundenlang und beobachteten die Wellen oder erforschten die Tümpel, die die Gezeiten zurückließen. Richard war überrascht, als er hörte, daß das Meer sich mit den Gezeiten auf und ab bewegte — ganz von selbst. Sie versicherte ihm, das habe nichts mit der Magie des Palastes zu tun, denn es sei überall am Meer so. Das Meer faszinierte Richard. Pasha war zufrieden, einfach mit ihm dazusitzen. Doch oft konnte sich Richard diese Mußestunden nicht erlauben. Er hatte etwas zu erledigen.

Abends durfte Pasha ihn nicht in die Stadt begleiten, denn er könnte sich ja entschließen, mit einer Frau zusammenzusein. Ständig mußte er sie beruhigen, daß dies nicht der Grund sei, weshalb er nachts ausging. Da es der Wahrheit entsprach, fiel es ihm nicht schwer, sie davon zu überzeugen. Doch was er wirklich tat, erzählte er ihr nicht.

Richard kam zu der Überzeugung, solange der Palast gewillt war, ihn mit Geld zu versorgen, sollte er ruhig seinen eigenen Untergang finanzieren. Er gab das Geld des Palastes aus, wo immer es ihm von Nutzen war. Er wurde zum Stammkunden in den Tavernen und Gasthäusern, die regelmäßig von den Palastwachen aufgesucht wurden. Wann immer er dort war, brauchte niemand für seine Getränke zu zahlen.

Richard machte sich die Mühe, alle ihre Namen zu lernen. Nachts schrieb er den Namen jedes neuen Postens nieder, den er kennengelernt hatte, sowie alles, was er über diesen oder einen der anderen Posten hatte in Erfahrung bringen können. Die größte Aufmerksamkeit widmete er denen, die den Komplex der Prälatin und die anderen Orte bewachten, zu denen ihm der Zutritt untersagt war. Wann immer er sich im Palast aufhielt, blieb er bei den Posten stehen und erkundigte sich nebenbei nach ihrem Leben, ihren Freundinnen, ihre Frauen, Eltern, Kindern, dem Essen und ihren Schwierigkeiten.

Richard kaufte Kevin besondere, teure Pralinen, auf die seine Freundin ganz versessen war, die Kevin sich jedoch von seinem Gehalt kaum leisten konnte. Die Pralinen brachten Kevin die besondere Gunst seines Mädchens ein. Kevins Miene hellte sich auf, sobald er Richard kommen sah, auch wenn er manchmal müde wirkte.

Richard lieh jedem Posten Geld, der ihm darum bat, obwohl er wußte, daß es nie zurückgezahlt werden würde. Als einige sich zu entschuldigen suchten, warum sie das Geld nicht zurückzahlen könnten, wollte Richard nichts davon wissen und erklärte ihnen, er habe Verständnis und käme sich komisch vor, wenn sie sich Sorgen machten.